Bruno Mondi (* 30. September 1903 in Schwetz, Preußen; † 18. Juli 1991 in Berlin) war ein deutscher Kameramann.
Leben Ausbildung zum Kameramann Schon als Kind träumte Bruno Mondi vom Beruf des Kameramanns und war schon als Heranwachsender Hobbyfotograf.https://web.archive.org/web/20170913231743/http://eichbergfilm.de/bruno-mondi/ Bei der Deutschen Bioscop, der damals größten Berliner Filmgesellschaft, die ab 1911 das Studiogelände in Potsdam-Babelsberg einrichtete, ging Mondi zweieinhalb Jahre in die Lehre. Einer seiner Förderer wurde der Filmpionier Guido Seeber. Von ihm lernte Mondi das Film-Handwerk von der Belichtung über das Entwickeln und Kopieren bis hin zu Schnitt und Trickaufnahmen. Nach seiner Ausbildung war Mondi bei der 1920 zur Decla-Bioskop fusionierten Gesellschaft Kameraassistent. Zu den ersten Produktionen, an denen er beteiligt war, gehörte der Der müde Tod von Fritz Lang (1921). Zwei Jahre später, 1923, wechselt Mondi als Assistent zur Zelnick-Mara-Film des Schauspielers und Produzenten Friedrich Zelnik, kurz darauf zum Schauspieler und Film-Unternehmer Richard Eichberg, der nach dem Ersten Weltkrieg mit Kriminal- und Sensationsfilmen Erfolg hatte und 1926 erstmals das Traumpaar Lilian Harvey und Willy Fritsch besetzte.
Arbeit für Richard Eichberg Bei Eichberg wurde der Kameramann Heinrich Gärtner zum Vorbild und Lehrmeister von Mondi. Gemeinsam drehten Gärtner und Mondi 1927 unter der Regie von Eichberg Durchlaucht Radieschen mit Xenia Desni und Hans Brausewetter.http://www.imdb.com/title/tt0017837/ Mit Produktionen wie dem Lilian-Harvey-Film Die tolle Lola, Der Fürst von Pappenheim, Die Leibeigenen (alle 1927), Das Girl von der Revue und Song (beide 1928) wurden Eichberg, Gärtner und Mondi zum eingespielten Team. Chefkameramann war Mondi erstmals 1928 beim Film Die tolle Komtess nach der gleichnamigen Operette von Walter Kollo (Regie Richard Löwenbein, Kino-Musik Paul Dessau). Bis in die frühen dreißiger Jahre folgen weitere Filme für Eichbergs Gesellschaft. u. a. Der Draufgänger und Trara um die Liebe, die teilweise in den britischen Elstree Studios der British International Pictures hergestellt wurden, wie The Flame of Love / Hai-Tang. Der Weg zur Schande (1930) Night Birds/Der Greifer und Let's love and laugh/Die Bräutigamswitwe (1931).
Zusammenarbeit mit Veit Harlan Ab 1935 arbeitet Bruno Mondi mit dem Regisseur Veit Harlan zusammen, der als Statist angefangen hatte, als Schauspieler tätig gewesen war und im Januar 1935 erstmals als Theater-Regisseur Aufsehen erregt hatte (Hochzeit an der Panke). Mit dem Berliner Volksstück Krach im Hinterhaus hatte Harlan am Theater am Schiffbauerdamm im März 1935 großen Erfolg gehabt. Daraufhin bat ihn die ABC-Filmproduktion, das Stück mit der Bühnen-Besetzung zu verfilmen. Angeblich haben die Dreharbeiten in Berlin-Marienfelde nur elf Tage gedauert. Fortan galten Mondi und Harlan als Erfolgsgaranten, die für die sorgsame Vorbereitung ihrer Filme und eine ausgefeilte Lichtsetzung bekannt waren. Am 11. Dezember 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.716.428).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/29100009 Neben zahlreichen Filmkomödien und Unterhaltungsfilmen drehte er mit Harlan einige der wichtigsten und folgenreichsten Propagandafilme der Nationalsozialisten, darunter die antisemitische Produktion Jud Süß und den enorm aufwändigen Durchhalte-Farbfilm Kolberg, der erst zum 12. Jahrestag der Machtergreifung am 30. Januar 1945 fertig gestellt werden konnte und bis heute zu den Vorbehaltsfilmen zählt. Mondi hatte für die Großproduktion bis zu sechs Kameras gleichzeitig zu dirigieren. Massenszenen wurden vom Fesselballon, vom Schiff und vom Wehrmachts-Kübelwagen aus gedreht. Außerdem erforderten die leichten Farbschwankungen bei der Filmentwicklung durch noch nicht ausgereifte Emulsionen von Mondi viel handwerkliche Geschicklichkeit.Friedemann Beyer, Gert Koshofer, Michael Krüger (Hrsg.): UFA in Farbe: Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945, München 2010, S. 193
Nachkriegs-Karriere bei der DEFA Trotz seines Opportunismus während der NS-Zeit erhielt Mondi nur kurze Zeit Berufsverbot und wurde schon 1946 von der DEFA als einer ihrer Chefkameramänner unter Vertrag genommen. 1947 entsteht unter der Regie von Georg C. Klaren der Film Wozzeck, der auch wegen Mondis Leistung als Kameramann bis heute als expressionistisches Meisterwerk gilt: „Er kennt jede Nuance des Lichtes, jeden Atemzug des Schatten und sein Grau singt so viele Töne wie die Sonnenblumen van Goghs an Gelb versprühen. Dennoch ist Bruno Mondi kein l'art pour l'Artist, er ist ein denkender Kameramann, der für jeden Einstellungswechsel, für jede Bewegung seiner geliebten Apparatur eine dramaturgische Begründung verlangt.“Dagmar von Hoff und Ariane Martin: Intermedialität, Mediengeschichte, Medientransfer: zu Georg Büchners Parallelprojekten Woyzeck und Leonce und Lena, 2008, S. 201 1948 steht Mondi für den ersten Science-Fiction-Film der DEFA, Chemie und Liebe hinter der Kamera, 1949 dreht er mit Regisseur Wolfgang Staudte den Arbeiterfilm Rotation. Mondi machte nach Meinung des renommierten Drehbuchautors Wolfgang Kohlhaase dabei das Experiment, „sich auf keine Experimente einzulassen“ und habe die Kamera „sehr sauber und eindringlich“ geführt.Wolfgang Kohlhaase: Um die Ecke in die Welt – Über Filme und Freunde, Berlin 2014, unpag. E-Book Ungeachtet der propagandistischen Wirkung der Veit-Harlan-Filme galt Mondi als einer der wenigen ausgewiesenen Experten für die damals noch neue Farbfotografie und als einer der künstlerisch ambitioniertesten Kameramänner seiner Generation. Bei der DEFA durfte er ein „Speziallabor“ für Farbfotografie einrichten und drehte 1950 den ersten ostdeutschen Farbfilm Das kalte Herz. Mondi wird in der Forschungsliteratur zwar als „zwielichtiger“ Charakter bezeichnet, seine Filmografie zeige aber, „wie hoch der Stellenwert eines Farbfilmspezialisten“ nach 1945 war.Susanne Marschall: Farbe im Kino, Marburg 2005, S. 31
Zusammenarbeit mit Ernst Marischka In den 1950er Jahren wechselte er zum bundesdeutschen und österreichischen Film. Hier zeichnete er vor allem für die Aufnahmen mehrerer farbenfroher Inszenierungen Ernst Marischkas verantwortlich, insbesondere die populäre Sissi-Trilogie. Die junge Hauptdarstellerin Romy Schneider fühlte sich von Mondi kompetent beraten und schrieb in ihr Tagebuch: „Aber bevor wir mit den Mädchenjahren einer Kaiserin anfingen, hat mir der Kameramann noch einmal ins Gewissen geredet. Bruno Mondi versteht etwas davon! Wir sind spazieren gegangen beide. Eine halbe Stunde mindestens.“Tagebucheintrag vom 7. September 1954, in: Renate Seydel (Hrsg.): Ich, Romy. Tagebuch eines Lebens, München 2016, unpag. E-Book Für die Verfilmung des Romans Der veruntreute Himmel von Franz Werfel bekam Mondi 1958 die einmalige Gelegenheit, für die vierminütige Schlussszene den feierlichen Einzug von Papst Pius XII. in den Petersdom aufzunehmen. In 36 Einstellungen wurden neben der pompösen Prozession und den Pilgermassen sämtliche herausragenden Kunstwerke des Gebäudes gezeigt. Die Dreharbeiten wurden wegen der päpstlichen Sondererlaubnis und des technischen Aufwands zu einem Medienereignis.Benjamin Städter: Verwandelte Blicke: Eine Visual History von Kirche und Religion in der Bundesrepublik 1945–1980, Frankfurt/Main, 2011, S. 68 Zuletzt arbeitete er für das Fernsehen, wo er die Serie Förster Horn mit Heinz Engelmann aufnahm. Sein Sohn Georg Mondi (* 1936) wurde ebenfalls Kameramann und betreibt den Mondi-Filmtechnikverleih in der Nähe der Film- und Fernsehproduktionsstätte Berlin Adlershof.
Filmografie 1925: Luxusweibchen 1925: Die Frau mit dem Etwas 1926: Durchlaucht Radieschen 1927: Die tolle Lola 1927: Die Leibeigenen 1927: Der Fürst von Pappenheim 1928: Schmutziges Geld 1928: Das Girl von der Revue 1928: Die tolle Komteß 1929: Autobus Nr. 2 1929: Jennys Bummel durch die Männer 1929: Wer wird denn weinen, wenn man auseinandergeht 1930: Hai-Tang. Der Weg zur Schande 1930: Der Greifer 1930: Zärtlichkeit 1930: Tingel-Tangel 1931: Holzapfel weiß alles 1931: Der Draufgänger 1931: Das Geheimnis der roten Katze 1932: Die unsichtbare Front 1932: Das Millionentestament 1932: Unmögliche Liebe 1933: Salon Dora Green 1933: Heut’ kommt’s drauf an 1933: Drei Kaiserjäger 1933: Gruß und Kuß Veronika 1934: Zigeunerblut 1934: Da stimmt was nicht 1934: Hohe Schule 1934: Jungfrau gegen Mönch 1934: Der Vetter aus Dingsda 1935: Nacht der Verwandlung 1935: Pygmalion 1935: Frischer Wind aus Kanada 1935: … nur ein Komödiant 1935: Der Student von Prag 1935: Krach im Hinterhaus 1936: Mädchenjahre einer Königin 1936: Die Nacht mit dem Kaiser 1936: Fridericus 1936: Ave Maria 1936: Schabernack 1937: Die Fledermaus 1937: Gefährliches Spiel 1937: Ein Volksfeind 1937: Die Warschauer Zitadelle 1938: Jugend 1938: Verwehte Spuren 1938: Du und ich 1939: Das unsterbliche Herz 1939: Die Reise nach Tilsit 1939/41: Pedro soll hängen 1940: Stern von Rio 1940: Jud Süß 1940: Bismarck 1940: Falstaff in Wien 1940/42: Der große König 1942: Die goldene Stadt 1943: Immensee 1943/45: Kolberg 1944: Opfergang 1947: Wozzeck 1948: Chemie und Liebe 1948: Und wieder 48 1949: Der Biberpelz 1949: 0 Uhr 15 Zimmer 9 1949: Rotation 1950: Das kalte Herz 1951: Die Csardasfürstin 1951: Sensation in San Remo 1952: Pension Schöller 1953: Maske in Blau 1953: Südliche Nächte 1953: Hab’ ich nur Deine Liebe 1954: Mädchen mit Zukunft 1954: Mädchenjahre einer Königin 1954: Gefangene der Liebe 1954: Das sündige Dorf 1955: Die Deutschmeister 1955: Sissi 1955: Liebe ist ja nur ein Märchen 1955: Das fröhliche Dorf 1956: Waldwinter 1956: Sissi, die junge Kaiserin 1956: Opernball 1957: Casino de Paris 1957: Scampolo 1957: Das Schloß in Tirol 1957: Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin 1958: Das Dreimäderlhaus 1958: Der veruntreute Himmel 1959: Unser Wunderland bei Nacht 1959: Ein Mann geht durch die Wand 1959: Alt-Heidelberg 1960: Willy, der Privatdetektiv 1960: Der wahre Jakob 1961: Davon träumen alle Mädchen 1964: Wartezimmer zum Jenseits
Literatur Bruno Mondi: Erfahrungen an der Farbfilm-Kamera, in: Der Neue Tag – Tageszeitung für Böhmen und Mähren, Nr. 17, 7. Jahrgang, 20. Januar 1945 Gespräch mit Bruno Mondi, in: Tobis-Nachrichten, 5. April 1941 Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 5: L – N. Rudolf Lettinger – Lloyd Nolan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 511.
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Einzelnachweise
Kategorie:Person (Film, Berlin) Kategorie:Kameramann Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1991 Kategorie:Mann