mini|Luftaufnahme von Kölkebeck mini|Erlenbruchwald (Symbolbild), bis tief in die Neuzeit die bestimmende Landschaftsart der Gegend mini|Gerstenfeld in Kölkebeck mini|Der Kölkebecker Sand Kölkebeck ist ein Ortsteil von Halle (Westf.) im Kreis Gütersloh in Nordrhein-Westfalen mit 546 Einwohnern (Stand 2022) und liegt am südwestlichen Rand des Stadtgebiets.
Die Ortschaft verfügt seit 1909 über eine Freiwillige Feuerwehr, einen seit 1900 bestehenden Geflügel- und Gartenbauverein, eine Tennisanlage, einen Bolzplatz, einen Kinderspielplatz, einen Gemischten Chor, ein Gemeindehaus, einen Friedhof, einen renaturierten Baggersee, zwei Sandabbauanlagen (Baggerseen), einen stillgelegten Mühlenteich, drei Windkraftanlagen und die Gaststätte „Rundheide“ (mit Festsaal).
Geographie Landschaftlich liegt der Ort in der Westfälischen Bucht. Eiszeitliche Sande, von denen mehrere Sandabbaugebiete zeugen, liegen unter weiten Teilen der Ackerkrume. Aus naturkundlicher Sicht ist das Naturschutzgebiet Barrelpäule, ein Heideweiher, erwähnenswert, welches auch das nordöstlich gelegene Sandabbaugebiet einschließt. Das Naturschutzgebiet kann von der Sinnerstraße aus eingesehen werden.
Durch Kölkebeck verlaufen die Fließgewässer Laibach und Künsebecker Bach, die sich vor dem im Jahre 1722 künstlich angelegten Mühlenteich vereinigen. Von diesem Teich geht im Norden eine Umflut ab, und an der stillgelegten Mühle das Wasser für den sogenannten Mühlenbach. Dadurch entsteht die Kölkebecker Insel. Etwas weiter unterhalb des Teiches vereinigen sich die nördliche Umflut und der südliche Mühlenbach zum Rhedaer Bach, benannt nach der Bauerschaft Rheda in Harsewinkel. Dem Mühlenbach fließt unterhalb der Mühle auch der Ellerbrockgraben zu. Dies ist der Ausfluss eines großangelegten Entwässerungsprojekts aus preußischer Zeit, vor 1800.
Geschichte Namensgeschichte Der Name des Ortes entstammt einer Kombination aus „Kölke“, was auf plattdeutsch eine strudelnde Vertiefung in einem Fließgewässer beschreibt, und „Beck“, was „Bach“ bedeutet. Der heutige Laibach/Rhedaer Bach hieß früher Kulkenbecke, und die Gegend Kulkenbroich („Broich“ ist plattdeutsch für „Bruch“).Werner Schlüpmann: Kölkebeck – „… und wonen uff der Kulkenbecke“. Eigenverlag, 1999, S. 15 Im Ravensberger Urbar von 1556 wird Kölkebeck erstmals als quasi eigenständige, aber in enger Beziehung zu Bokel stehende Bauerschaft urkundlich erwähnt: „Burschaft Boeckel und wonen uff der Kulkenbecke“.
Mittelalter und Frühe Neuzeit Die erste Besiedlung fand spätestens im 15. Jahrhundert statt. Der Graf von Ravensberg als Landesherr, oder der Nachfolger Herzog von Jülich, Kleve und Berg, Graf von der Mark und Ravensberg, verpflanzten im ausgehenden Mittelalter, wohl zeitlich versetzt, mehrere leibeigene Bauernfamilien in diese unwirtliche Gegend im Grenzgebiet zum Bistum Münster. Der nördlich gelegene Barrelmeyerhof mit einer Sonderstellung, war wohl bereits lange vorher gegründet. Als zweite Gründung ist der Settelmeyerhof (heute Keller) anzunehmen. Bis dahin, und jahrhundertelang in großen Arealen bis in die Neuzeit hinein, war „Kulkenbroke“ eine Wildnis oder Halbwildnis, bestehend aus Erlenbruchwäldern und ähnlichen Biotoptypen, mit vereinzelten offenen Sümpfen, Heideflächen und Eichen-Birkenwäldern. Der Laibach und der Künsebecker Bach, vom Teutoburger Wald kommend, war reich an Wasser das ganze Jahr durch, und mäandrierte in großen Schleifen durch eine Bruchlandschaft, dort wo sich heute der Schulbusch, der Mühlenteich und das ehemalige Anwesen Stolte befinden. Der gesamte Einzugsbereich des heutigen Ellerbrokgrabens, einem künstlichen Entwässerungssystem der Neuzeit, war feucht und unwirtlich, bis nach Brockhagen hin. Diese Gegend wurde im Mittelalter, wenn überhaupt, zur Jagd, zum Holzeinschlag oder zur Eichelmast von Halle und Bokel aus genutzt.
Der Edelherr von Tatenhausen war der Lehensnehmer des Grafen von Ravensberg für den Bereich Bokel, und die Hofstellen dieser Gegend waren ihm gegenüber hörig. Die später gegründeten Hofstellen in Kölkebeck sind allerdings dem Grafen von Ravensberg und dessen Nachfolgern unmittelbar hörig gewesen. Es muss sich also um eine Gründung vom obersten Lehnsherrn gehandelt haben, unabhängig von Tatenhausen. Wann genau die ersten Höfe in diesem Ravensberger Grenzgebiet zum Territorium des Klosters Marienfeld gegründet wurden lässt sich bislang nicht feststellen.Schlüpmann, S. 18
Erste urkundliche Erwähnung finden die Kölkebecker Urhöfe in der Kirchenvisitation des Herzogs von 1533Acten der Kirchenvisitation in den Landen Jülich und Ravensberg im Jahre 1533 – Visitation in der Grafschaft Ravensberg. In: Carl Adolf Cornelius: Geschichte des münsterischen Aufruhrs in drei Büchern, Bd. I: Die Reformation. T. O. Weigel, Leipzig 1855 und im Ravensberger Urbar von 1556.
Das heutige „Zentrum“ von Kölkebeck war zu dieser Zeit unbesiedelt und unbewirtschaftet. Zu den ersten Höfen führten nur sehr schwer befahrbare Sandwege. Die meisten heutigen Straßen gab es nicht. Im Spätmittelalter muss man sich Kölkebeck als einen sehr einsamen Flecken vorstellen, mit vier Höfen am heutigen westlichen Ende des Dallwegs und Rhedaer Bachs, sowie dem etwas mehr abseits gelegenen Settelmeyer (heute Keller), und dem freien Barrelmeyerhof im tiefen Busch. Die Landwirtschaft war sehr beschwerlich, und der Großteil Kölkebecks war noch nicht urbar. Um die einzelnen Höfe herum lagen ihre kleinen und nicht sehr ergiebigen Ackerflächen, auf denen vornehmlich Roggen, Buchweizen und Hafer angebaut wurde. Die Rindviecher, so vorhanden, wurden auf feuchten Wiesen gehalten oder in den Wald getrieben, und tranken aus dem Bach. Der Bach wurde auch zum Wäschewaschen genutzt. Die Schweine wurden regelmäßig zur Eichel- und Bucheckernmast in den Busch getrieben.
Die Bauern übergaben den Hof, wie in Westfalen üblich, zumeist an den jüngsten Sohn. Der Grundherr (der Herzog als Graf von Ravensberg) konnte nur bei Misswirtschaft und aus anderen schwerwiegenden Gründen intervenieren. Eigentum der Bauern an den Höfen im heutigen Sinne gab es bis 1808 nicht. Sie erhielten lediglich das Nutzungsrecht im Gegenzug für Geldzahlungen, Frondienste und Sachleistungen. Der Großteil der Flächen wurde bis 1797 als Allmende von allen Bauern gemeinsam bewirtschaftet.
Die Grenzlage dieser Höfe zwischen der Grafschaft Ravensberg und den Besitztümern des Klosters Marienfeld legt nahe, dass der Landesherr mit ihrer Gründung seine vorhandenen Gebietsansprüche gegenüber dem prosperierenden Kloster und dessen Landesherrn, dem Bischof von Münster, zementieren wollte. Das Kloster war im Mittelalter sehr aktiv und gründete, erbte oder kaufte viele Hofstellen. Diese Aktivitäten mögen den Grafen von Ravensberg veranlasst haben ebenfalls Höfe in dieser abgelegenen Gegend zu gründen. Beim sehr abseits gelegenen und möglicherweise viel älteren Barrelmeyer kommt als Gründungshintergrund hinzu, dass dieser als Aufseher für die riesigen weitestgehend unbesiedelten Waldgebiete südwestlich von Halle eingesetzt wurde. Dieser sogenannte Barrelbusch war seit alters her für ungeregelten Masteintrieb von Halle und Bokel aus genutzt worden.Schlüpmann, S. 20 ff. Vom Barrelbusch ist heute nur noch ein kleiner Teil vorhanden. Im 16. Jahrhundert galt wohl die gesamte Halbwildnis südwestlich von Bokel und südlich von Hörste als „Barllbusch“.
Die Ideen der Reformation verbreiteten sich seit etwa 1525 im Ravensbergischen und wurden vom Herzog toleriert. Im Raum Halle begann die Reformation 1595 mit dem Einzug eines Weltgeistlichen in der Haller Kirche. Bis 1916 (Umwidmung der Dorfschule zur Kapelle) fanden in Kölkebeck, das zur Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Halle gehört, nur gelegentlich Gottesdienste statt, vornehmlich im Schulhaus und vereinzelt auf einem der größeren Höfe.Schlüpmann, S. 177
Über die Geschichte während des Jülich-Klevischen Erbfolgestreits (1609 bis 1614), des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) und dessen Nachwirren ist nichts an Details bekannt, was über die allgemeine Geschichte der Grafschaft Ravensberg hinausginge. Auch die Kölkebecker „Urbauern“ besitzen keine Unterlagen mehr aus diesen kriegerischen Jahrzehnten oder davor. Kölkebeck war zu dieser Zeit und ist bis heute Grenzgebiet zum Bistum Münster. Die Bauern im nach Südwesten benachbarten Harsewinkel blieben bis auf den Randbereich durchweg katholisch.
Der Totalverlust sämtlicher Aufzeichnungen aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg – vom herzoglichen Urbar abgesehen – lässt darauf schließen, dass marodierende Horden nicht nur einmal über die einsam gelegenen Höfe herfielen. Vom benachbarten Kloster Marienfeld ist bekannt, dass es mehrfach überfallen wurde und zeitweise aufgegeben werden musste.
Die Kölkebecker Urhöfe 550px|Kartenskizze von Kölkebeck um 1556 Kartenskizze von Kölkebeck um 1556. Der Verlauf der Wege ist nur eine Annäherung basiert auf einer Karte von 1805. Der ungefähre Verlauf des mäandrierenden Baches und die Lage der restlichen Höfe ist historisch korrekt. Welche Höfe auf der Marienfelder Seite vorhanden waren, ist derzeit nicht bekannt.
Hofstelle Kölkebeck 1: Menke, auch Meyncke und Elssche Sogebrynck, oder Segebrinck, heute Fräkem (Sinnerstraße 5). Dieser alte Hof wurde nach der Aufteilung der Allmende im Jahr 1797 wahrscheinlich der größte Hof nach Barrelmeyer, erfuhr aber eine Teilung nach Verkauf im Jahr 1880, woraus insgesamt vier Höfe entstanden: Femmer (Nr. 50), Menke (Nr. 51), und Vahlenkamp (Nr. 52). Die alte Hofstelle 1 blieb ebenfalls bestehen und ist noch heute erhalten.
Hofstelle Kölkebeck 2: Sinnerbrink, auch Sinderbrinck oder Synderbrynck, eine nach 1879 von Dallmeyer aufgekaufte und nach einem Brand aufgelöste Hofstelle am Dallweg zwischen Kronsbein und Dallmeyer.
Hofstelle Kölkebeck 3: Kulckenbecker, auch Kulkenbecke oder Kölkebeck, heute Dallmeyer (Dallweg 20). Diese mindestens 500 Jahre alte Hofstelle liegt direkt an der alten Grenze zum katholischen Münsterland. Der heutige Dallweg mit seinem Abschluss auf dem Hof markiert das äußerste Ende der Grafschaft Ravensberg. Der Hof stellte Kölkebecks Bürgermeister zweimal im 19. Jahrhundert. Bürgermeister Hermann Heinrich Dallmeyer, gen. Kölkebeck, vergrößerte um 1879 den Besitz schlagartig mit dem Erwerb des benachbarten Kölkebecker Urhofes Sinnerbrink, welcher um 1880 abbrannte und nicht mehr erhalten ist. Im 20. Jahrhundert trat Fritz Dallmeyer als Ratsmitglied, Wehrführer der Stadt Halle, und als Kreisbrandmeister in Erscheinung. Der Platz vor dem Feuerwehrhaus wurde nach seinem Tod 1994 ihm zu Ehren benannt.
Hofstelle Kölkebeck 4: Settelmeyer, heute Keller (Settelweg 4).
Hofstelle Kölkebeck 5: Vormbrock, auch form Broke, Vor dem Broicke, heute Kronsbein (Dallweg 11).
Hofstelle Kölkebeck 6: Dierich Barlemeyer, aus einer frühen Teilung des Hofes Barrelmeyer – Nr. 25 – hervorgegangen, später Witgen oder Witgentöns genannt, heute Tönjes (Hesselteicher Str. 22).
Hofstelle Kölkebeck 25: Barlemeyer (heute Barrelmeyer), der mit 156 ha mit Abstand größte Hof in Kölkebeck (Hesselteicher Str. 36). In der Kirchenvisitation von 1533 findet sich ein Eintrag der den Haller Vogt des Herzogs ermahnt eine Teilung dieses kinderreichen Hofes zu verhindern. Da im Ravensberger Urbar von 1556 ein Dierich Barlemeyer (Nr. 6) als zweiter freier Bauer mit dem Namen Barlemeyer erwähnt wird, ist es daher offenbar zwischen 1535 und 1556 dennoch zu einer Erbteilung dieses Einzelhofes gekommen, die der Herzog trotz seiner Grundherrschaft wohl wegen des freien Standes der Familie nicht verhindern konnte. Barrelmeyer ist der am besten dokumentierte Hof der Bauerschaft. Als im Zuge der Neuordnung der Staatsverwaltung unter Preußen die Höfe durchnummeriert wurden, erhielt dieser Hof zunächst keine Nummer, was den Sonderstatus hervorhebt. Der direkt benachbarte Hof Tönjes erhielt die Nummer 6.