mini|hochkant=1.25|Markt mit Rathaus, dahinter Heiliggeistkirche und Gröpertor Wittstock/Dosse ist eine Kleinstadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Nordwesten von Brandenburg. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg.
Geographie Lage Wittstock liegt in der Ostprignitz am nördlichen Rand der Wittstock-Ruppiner Heide, einer eiszeitlich geprägten Endmoränenlandschaft südlich der Mecklenburgischen Seenplatte. Die Kernstadt liegt in der Dosseniederung an der Mündung des Flusses Glinze in die Dosse.
Nachbargemeinden Im Osten Wittstocks liegen die Städte Rheinsberg und Neuruppin, im Süden das Amt Temnitz und die Stadt Kyritz und im Westen die Gemeinde Heiligengrabe. Nördlich liegen die Städte Röbel/Müritz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und Plau am See im Landkreis Ludwigslust-Parchim, jeweils in Mecklenburg-Vorpommern.
Stadtgliederung Nach Eingemeindungen am 6. Dezember 1993 (Babitz und Biesen) und am 26. Oktober 2003 (alle weitere)StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003 gehört Wittstock zu den flächengrößten Städten Deutschlands.
Seitdem gehören folgende 18 Ortsteile mit 7 Gemeindeteilen zu Wittstock:Ministerium des Innern des Landes Brandenburg (Dienstleistungsportal der Landesverwaltung): , Gebietsstand: 1. Januar 2009, gesehen am 30. Dezember 2009. +Orts-/GemeindeteilWohnplätzeBevölkerung (31.12.2023)Fläche in km2Bevölkerung je km2 (31.12.2023)Babitz 104 10,2 10 Berlinchen Am Damm 195 17,1 11 Biesen Neu BiesenRote Mühle 335 15,3 35 - Eichenfelde 156 - Heinrichsdorf 50 Christdorf CharlottenhofKarstedtshof 169 10,2 17 Dossow 392 14,2 28 Dranse GriebseeKuhlmühleWalkmühle 306 16,7 18 Fretzdorf Ernstwille</>Lütkendosse 352 27,7 13 Freyenstein Gustavruh 734 34,1 24 - Neu Cölln 67 Gadow BrausebachmühleFriedrichsgüteFriedrichsgüter Mühle</ />GlashütteNeuendorf 168 60,6 3 Goldbeck Siebmannshorst 155 7,2 22 Groß Haßlow 122 15,4 15 - Klein Haßlow 62 - Randow 37 Niemerlang Ausbau 42 10,6 17 - Ackerfelde 54 - Tetschendorf 93 Rossow 142 29,9 5 Schweinrich 140 19,4 7 Sewekow 186 15,4 12 Wulfersdorf Dudel Karl-Marx-Hof 369 19,0 19 Zempow 116 9,1 13 Zootzen 143 13,3 11
Die Kernstadt Wittstock/Dosse selbst weist eine Einwohnerzahl von 9581, sowie eine Fläche von 71,4 km2 und somit eine Bevölkerungsdichte von 134 je km2.
Zu ihr gehören die Wohnplätze Alt-Daber, Bauhof, Dunkelsruh, Heinrichsdorfer Siedlung, Rheinsberger Siedlung, Scharfenberg, Scharfenberger Mühle, Scharfenberger Ziegelei und Sudrowshof.
Geschichte Namensherkunft, erste Besiedlung mini|Bürgermeisterhaus und Amtsturm der alten Bischofsburg Wittstock entstand aus einer slawischen Siedlung, wurde 946 in der Stiftungsurkunde für das Bistum Havelberg erstmals erwähnt und ist damit eine der ältesten Städte Brandenburgs. Am 13. September 1248 wurde Wittstock durch Bischof Heinrich I. von Havelberg das Stendaler Stadtrecht verliehen.Friedrich Keutgen: Aemter und Zünfte. Zur Entstehung des Zunftwesens. Fischer, Jena 1903, S. 211. 1251 erhielt die Stadt einen Abdruck des Stadtsiegels, das eines der ältesten in ganz Brandenburg ist. Die auf den Fundamenten einer slawischen Befestigung errichtete Wittstocker Burg diente den Bischöfen von Havelberg von 1271 bis 1548 als Wohnsitz. Sie wird daher auch als Alte Bischofsburg bezeichnet.
Der Name (948 Wizoka, 1271 Wiztok, 1284 Witzstock, 1441 Witstock) ist volksetymologisch an niederdeutsch witt (weiß) und stock (Wurzelstock) angeglichen worden. Er geht aber auf altpolabisch vysoka (die hoch gelegene) zurück, da die Wittstocker Burg ab 946 so genannt wurde. Der Name ist dann auf die Siedlung im Tal übertragen worden.
Erstmals wurde 1325 ein Tuchmacher, 1328 ein Lehrer und 1333 ein Gewandschneider in der Stadt erwähnt. Am 23. August 1410 erschütterte ein Erdbeben Wittstock.August Sieberg: Beiträge zum Erdbebenkatalog Deutschlands und angrenzender Gebiete für die Jahre 58 bis 1799 (= Mitteilungen des Deutschen Reichs-Erdbebendienstes, Heft 2). Reichsverlagsamt, Berlin 1940. 1495 zerstörte eine Feuersbrunst große Teile der Stadt. Die erste Stadtordnung wurde 1523 erlassen. Mit Busso II. starb 1548 der letzte Bischof von Havelberg auf der Wittstocker Burg. Die Herrschaft des Bistums Havelberg endete in Wittstock 1550 mit der Reformation. Ab 1364 ist in Wittstock „vor dem Kyritzer Tor“ ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das St. Georg geweiht war. Es wurde 1585 abgebrochen.Jürgen Belker: Leprosorien in Berlin und Brandenburg. In: Die Klapper. Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e. V., Jg. 1998. ( abgerufen am 26. Januar 2017).
Zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert mini|Kupferstich von Matthäus Merian d. J. aus dem Jahr 1652 Im Dreißigjährigen Krieg siegten 1636 in der Schlacht bei Wittstock am Scharfenberg die Schweden über kaiserliche und sächsische Truppen.Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang, 1600–1947. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-05392-3, S. 47. 1638 brach die Pest in Wittstock aus. 1.500 Menschen, das war die Hälfte der Bevölkerung, starben. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg besuchte 1658 die Stadt. Wittstock wurde 1681 Poststation auf der Postroute Berlin–Güstrow. Die Reisezeit nach Berlin betrug damals 24 Stunden. Erneut zerstörte 1716 ein großer Stadtbrand zwei Drittel der Stadt. Um die Bevölkerungsverluste der letzten Jahrzehnte auszugleichen, wurden 1750 Kolonisten aus Württemberg und der Pfalz in und um Wittstock angesiedelt.
Während des Krieges gegen Napoleon erklärten die Truppen die Stadt 1812 zur Festung. Wittstock gehörte seit 1817 zum Kreis Ostprignitz in der preußischen Provinz Brandenburg. Die erste Wittstocker Zeitung – und die älteste der Prignitz überhaupt – erschien 1826. Die in der Stadt seit langem lebende jüdische Gemeinde errichtete 1857 ihre Synagoge in der St.-Marien-Straße 2, die 1928/1929 nicht mehr gebraucht und daher aufgegeben wurde. Die Stadtverwaltung ließ sie in den 1980er Jahren abreißen, ohne danach ein Zeichen der Erinnerung zu setzen.
Um das Jahr 1850 herum entstanden in Wittstock mehrere Fabriken, die Tuch für die weiterverarbeitenden Betriebe herstellten. Eine davon, heute bekannt als Alte Tuchfabrik entwickelte sich über Fusionen mit anderen entsprechenden Fabriken zu einem Uniformhersteller im Ersten und im Zweiten Wetkrieg. Nach Kriegende richtete sich nach Abtransport der Maschinen durch die Sowjetunion als Reparationsleistung in den Werkhallen ein Möbelproduzent ein, der überwiegend Küchenmöbel produzierte: VEB Möbelfabrik Wittstock.
Im Jahr 1869 gründete sich das Wittstocker Gymnasium. Die Stadt erhielt 1885 über die Bahnstrecke Wittenberge–Strasburg einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Diese wurde 1899 beziehungsweise 1912 durch eine weitere Strecke nach Neuruppin und Meyenburg ergänzt. Im Ersten Weltkrieg war Wittstock Standort eines Lazaretts.
Im 20. Jahrhundert bis 1989 Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus 1933 richtete die SA-Standarte 39 im Keller einer ehemaligen Lungenheilstätte im Ortsteil Alt-Daber das KZ Alt-Daber ein. Hier wurden 40 Angehörige der KPD und SPD gefangen gehalten, von denen 26 nach der Auflösung am 13. Juli 1933 in das KZ Oranienburg überführt wurden. Der zur Zeit der DDR dort entstandene Gedenkraum wurde nach 1990 beseitigt, wie auch der Gedenkstein vor dem Haus.
Während des Zweiten Weltkriegs war Wittstock Standort mehrerer Ersatztruppenteile und Schulen der Fallschirmjäger der Wehrmacht.Flugplatz & Fallschirmspringerschule & Kaserne, Wittstock (Denkmale in Brandenburg)
Am 22. Februar 1945 erfolgte im Rahmen der Operation Clarion gegen Verkehrsanlagen in Deutschland ein Luftangriff der 8. US-Luftflotte auf Wittstock als ein „Primärziel“.Roger A. Freeman: Mighty Eighth War Diary. Jane’s London, New York, Sydney. 1981, ISBN 0-7106-0038-0. S. 445 Elf Boeing B-17 „Flying Fortress“ warfen 33 Tonnen Sprengbomben ab. Vermutliches Ziel könnte der in den 1930er Jahren erweiterte und modernisierte Bahnhof Wittstock (Dosse) gewesen sein. Besonders getroffen wurde die „Ostmark-Siedlung“ (heute „Rosenplansiedlung“), in der 20 von 51 Häusern zerstört wurden; 50 (namentlich erfasste) Menschen starben.Als Bomben auf Wittstock fielen – ein Schicksalstag im Februar 1945 Märkische Allgemeine, 21. Februar 2020Altlasten des Krieges bis heute spürbar Märkische Allgemeine, 26. Februar 2018 Am Ortsausgang von Berlinchen versuchte der Volkssturm noch mit einer 8,8 cm Flak den Einmarsch der Roten Armee aufzuhalten.Märkische Allgemeine Zeitung vom 02.05.2020
Die Rote Armee besetzte Wittstock am 2. Mai 1945Märkische Allgemeine Zeitung vom 02.05.2020 und richtete in der Stadt eine Garnison der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland ein. Sie bestand bis Juni 1994.
Ab 1952 war Wittstock Kreisstadt des Kreises Wittstock im DDR-Bezirk Potsdam. In dieser Zeit errichtete und betrieb der Volkseigene Betrieb Werkstoffprüfungsmaschinen Leipzig im Ort ein Ferienlager für die Kinder seiner Betriebsangehörigen.
Auf dem Gelände einer weiteren ehemaligen Tuchfabrik mit vormals 400 Beschäftigten wurde 1968 der VEB Obertrikotagenbetrieb „Ernst Lück“ (OTB) gegründet. Er hatte 1989 als größter Arbeitgeber der Stadt 2800 Beschäftigte und wurde 1990 von der Treuhand abgewickelt. Die Nachfolgefirmen konnten sich nicht etablieren, die letzte ging 1997 in Insolvenz.Horst Jäkel (Hrsg.): DDR unvergessen. Darin Helga Klug: Das Obertrikotagenwerk „Ernst Lück“. Schkeuditz 2016, ISBN 978-3-89819-430-3, S. 25ff. Das Leben der Arbeiter der Tuchfabrik dokumentiert die Langzeitdokumentarfilmreihe Wittstock. Zwischen 1975 und 1997 drehte der Dokumentarfilmer Volker Koepp eine sieben Teile umfassende Langzeitdokumentation über Arbeiterinnen des VEB Obertrikotagenbetriebs „Ernst Lück“. Die Filme dokumentieren das Leben und die Veränderungen in Wittstock über einen Zeitraum von 22 Jahren.
Seit 1990 Nach der deutschen Wiedervereinigung gelangte Wittstock in das neu gegründete Bundesland Brandenburg. Die Kreisreform führte dazu, dass die Stadt 1993 den Status als Kreisstadt verlor: Der Kreis Wittstock ging im neuen Landkreis Ostprignitz-Ruppin auf. Im Jahr 1994 wurde der Flugplatz Alt Daber, der als Armeeflugplatz genutzt wurde, geschlossen.
Die oben dargestellte Alte (Uniform-)Tuchfabrik, bis zum Ende der DDR nun ein Möbelproduzent, wurde abgewickelt und durch die Treuhandanstalt verkauft. Noch in den späten 1990er Jahren stellte der neue Besitzer die Produktion ein und hinterließ Leerstand. Erst ab 2025/2026 zeichnet sich eine Nachnutzung der Fabrikgebäude ab: Eine dringend benötigte Poliklinik wird einziehen und die durch die beschlossene Schließung der Stadt-Klinik (ab 11. Januar 2027) entstehende Lücke in der medizinischen Betreuung der Einwohner schließen.
Nach der Eingemeindung umliegender Dörfer in Folge der Gemeindereform am 26. Oktober 2003 war Wittstock bis 2009 die flächenmäßig drittgrößte Stadt Deutschlands.
Wittstock/Dosse war 2019 Ausrichter der sechsten brandenburgischen Landesgartenschau unter dem Motto „Rundum schöne Aussichten“.LAGA in Wittstock/Dosse - Rundum schöne Aussichten. Webseite der LAGA.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 7 201 1890 7 384 1910 7 577 1925 7 581 1933 8 318 1939 9 010 Jahr Einwohner 1946 9 460 1950 10 449 1964 10 291 1971 10 667 1981 12 960 1985 13 844 Jahr Einwohner 1990 14 134 1995 13 892 2000 12 568 2005 16 363 2010 15 259 2015 14 628 Jahr Einwohner 2020 14 300 2021 14 294 2022 13 991 2023 13 903 2024 13 804 2025 13 642