mini|300px|Asperg und Hohenasperg Asperg () ist eine Stadt im Strohgäu am Fuße des Berges Hohenasperg, im Einzugsbereich der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Stadt gehört zum Landkreis Ludwigsburg, zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Seit 2026 führt Asperg die Zusatzbezeichnung Keltenstadt.
Geographie Geographische Lage Asperg liegt in der Region Stuttgart zwischen den Flüssen Neckar und Enz im Strohgäu, das zum Naturraum Neckarbecken zählt. Das Landschaftsbild prägt der Hohenasperg durch seine Lage und seine charakteristische Form als isolierter, rund 90 Meter hoher Keuperberg mit einem breiten Plateau und steilen Abhängen im Norden, Osten und Süden. Im Westen läuft er flacher auf die Hurst aus. In der ansonsten mäßig hügeligen Umgebung des Langen Feldes ist der durch Reliefumkehr entstandene Zeugenberg weithin sichtbar. So beispielsweise von der A 81 aus rechts der Fahrtrichtung, wenn man sich von Norden her Ludwigsburg nähert.
Die im Zuge der Gründung Ludwigsburgs verkleinerte Gemarkungsfläche umfasst noch 580 Hektar und reicht von 241 bis auf . Sie grenzt heute an die Markungen von Tamm, Ludwigsburg, Möglingen und Markgröningen.
Stadtgliederung Zu Asperg gehören die Stadt Asperg und die Siedlungen und Häuser Altach, Hohenasperg, Lehenfeld, Osterholz, Schöckinger und Silberhälden. Das frühere Dorf Weihenberg ist in Unterasperg, dem heutigen Asperg, aufgegangen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 376–378. Nordöstlich des Aspergs lag einst das abgegangene Dorf Schöckingen. 1909 wurden Asperg und die bislang selbstständige Kommune Hohenasperg vereinigt.
Naturschutz In Asperg gibt es neun Naturdenkmale (siehe Liste der Naturdenkmale in Asperg). Ein Teil der Markung gehört zum Landschaftsschutzgebiet Hohenasperg-Hurst und weitere Umgebung.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Asperg.
Geschichte mini|Keltischer Grabhügel Kleinaspergle mini|Asperg im Kieserschen Forstlagerbuch von 1682 mini|Karte des Amts Grüningen um 1600 mit Schloss und Dorf Asperg mini|Asperg und Festung Hohenasperg auf der Urflurkarte von 1832 mini|rechts|Luftbild von Asperg im Mai 1918 Bis zum 19. Jahrhundert Die Geschichte der Stadt ist eng mit dem Hohenasperg verbunden. In vorchristlicher Zeit, um 500 v. Chr., war der Hohenasperg Fliehburg und vermutlich ein mächtiges frühkeltisches Machtzentrum. Zahlreiche keltische Grabstätten in der näheren Umgebung sind so ausgerichtet, dass man von ihnen aus freie Sicht auf den Hohenasperg hat, beispielsweise das große Hügelgrab bei Hochdorf oder die Grabstätte an der Katharinenlinde bei Schwieberdingen. Einen ganz besonders guten Blick auf den Hohenasperg bietet das am südlichen Rand von Asperg liegende Hügelgrab Kleinaspergle, datiert um 440 v. Chr. Bei seiner Grabung im Jahre 1879 stieß Oskar Fraas in einer Nebenkammer auf eindrucksvolle Funde, beispielsweise eine keltische Schnabelkanne, goldene Trinkhornenden und griechische Schalen. Ein weiteres Prunkgrab der Keltenzeit, datiert auf 500 v. Chr., wurde bei Bauarbeiten im Gebiet Grafenbühl 1964 von Hartwig Zürn entdeckt. Auch hier fanden sich einzigartige Stücke, beispielsweise zwei aus Bein geschnitzte Sphingen, eine davon mit aufgesetztem Bernsteingesicht. Die Asperger Funde befinden sich im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. Zudem konnten in der Umgebung des Hohenaspergs rund 400 Siedlungen nachgewiesen werden.
Eine Nutzung des exponierten Berges durch Alamannen und Franken kann zwar vermutet, aber nicht sicher belegt werden. Eine Identifizierung des in der Cosmographia des Geographs von Ravenna um das Jahr 700 genannten Ascis als Asperg ist fraglich.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Asperg bereits 819, als der Gaugraf Gozbert seinen dortigen Besitz dem Kloster Weißenburg im Elsass schenkte. Im Hochmittelalter gehörten Burg und Siedlung den Pfalzgrafen von Tübingen. Eine kurzlebige Seitenlinie der Pfalzgrafen um die Grafen Ulrich I. und Ulrich II. nannte sich nach Asperg. Größere Bedeutung erlangte der Ort aber erst mit der Gründung der 1304 erstmals dokumentierten und bis 1909 selbstständigen Stadt Hohenasperg mit eigener Stadtgerechtigkeit. 1308 erwarb Württemberg Asperg samt der Burg durch Kauf. Die Geschichte der Stadt war stets von den wechselvollen Wirren der Kriege beeinflusst. Insbesondere die Belagerungen der Festung durch den Schwäbischen Bund 1519 – festgehalten in einer Federzeichnung von Albrecht Dürer – und während des Dreißigjährigen Krieges waren verheerend. 1510 erhielt Asperg von Herzog Ulrich von Württemberg erneut ein Stadtrecht verliehen, welches vergleichbar dem der zweiten Residenzstadt Tübingen war. Ab 1534 wurde die Festung ausgebaut und das Städtchen vom Hohenasperg an den Fuß des Bergs nach Weihenberg, jetzt Unterasperg genannt, verlegt. „Schloss und Dorf Asperg“ gehörten derzeit zum Amt Grüningen (siehe Karte).
Mit der Gründung von Ludwigsburg verlor Asperg im Jahr 1714 sein Stadtrecht.Revolution im Südwesten – Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in Baden-Württemberg. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft hauptamtlicher Archivare im Städtetag Baden-Württemberg. 2. Auflage. Info Verlag, Karlsruhe 1998, ISBN 3-88190-219-8, S. 57. 1718 wurde Asperg in das Oberamt Ludwigsburg eingegliedert, wurde aber bereits 17 Jahre später wieder Sitz eines eigenen Amtes. 1781 erfolgte dann die erneute Eingliederung in das Oberamt Ludwigsburg, was nach der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg endgültig blieb. Nach langem Ringen wurde im Jahr 1875 wieder das Stadtrecht verliehen, welches seither unverändert gilt.
Im 19. Jahrhundert vollzog sich eine gewaltige Umschichtung des gesamten Wirtschafts- und Verkehrslebens. Asperg war bis dahin ländlich geprägt von Bauern und Weingärtnern. Einziger Industriezweig war die Gipsgewinnung, die erstmals im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt wird. 1859 gab es neun Gipsmühlen am Ort. 1847 bekam Asperg durch die neue Eisenbahnstrecke Ludwigsburg–Bietigheim Anschluss an den Schienenverkehr der Württembergischen Staatsbahnen. Das Wohngebiet wuchs danach immer mehr dem zunächst außerhalb liegenden Bahnhof entgegen. In der Folge entwickelten und etablierten sich bedeutende Industriezweige, so z. B. die erste württembergische Eisschrankfabrik Eisfink oder die Stahlgießerei M. Streicher aus Stuttgart-Bad Cannstatt sowie aus kleinen Anfängen heraus eine Möbelindustrie. mini|Deportation südwestdeutscher Sinti in Asperg (22. Mai 1940, Foto der RHF) Seit 1894 befindet sich auf dem Hohenasperg ein Gefängnis (Invalidenanstalt) für den zivilen Strafvollzug.
20. und 21. Jahrhundert mini|120px|Gedenktafel für die deportierten Sinti und Roma Von 1914 bis 1918 war die Festung Hohenasperg ein Kriegsgefangenenlager, von 1920 bis 1945 dann eine Zweigstrafanstalt von Ludwigsburg. In der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) waren Regimegegner inhaftiert und die Gebäude wurden als Sammellager für Deportationen benutzt. Im Mai 1940 auch eine Sammelstelle für „Zigeuner“, die in Namenslisten erfasst und „rassehygienisch“ untersucht wurden. Vom Bahnhof Asperg aus wurden sie mit Zügen in die Ghettos und Konzentrationslager im besetzten Polen deportiert. Seit 1995 existiert am Bahnhof Asperg eine Gedenktafel, die an die Deportation erinnert.siehe Gedenkorte der Sinti und Roma, Asperg, Bahnhof, abgerufen am 29. März 2020
1942 wurde eine Tuberkulosestation eingerichtet und ein eigener kleiner Friedhof am Nordhang des Berges.
Die Verwaltungsreform vom 25. April 1938 während der NS-Zeit in Württemberg führte zur Zugehörigkeit zum Landkreis Ludwigsburg.
In der Endphase des Zweiten Weltkrieges wurde Asperg Kriegsschauplatz und Standort von Artilleriestellungen. Asperg wurde erstmals am 10. April 1945 von alliierten Fliegern angegriffen, wobei zwei Wohnhäuser und fünf Scheunen in Brand gesetzt wurden und sechs Einwohner umkamen. Während der Kampfhandlungen kamen insgesamt zwölf Einwohner ums Leben.Friedrich Blumenstock: Der Einmarsch der Amerikaner und Franzosen im nördlichen Württemberg im April 1945. W. Kohlhammer, Stuttgart 1957, S. 216 f. Asperg war ab 21. April 1945 für kurze Zeit französisch besetzt und kam dann ab Mitte Juli 1945 unter amerikanische Militärverwaltung.
Als Teil der Amerikanischen Besatzungszone gelangte Asperg zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Von 1945 bis 1947 befand sich auf dem Hohenasperg ein Internierungslager zur Entnazifizierung und Umerziehung. Seit 1948 ist der Hohenasperg Landesstrafanstalt, in der seit 1950 das Zentralkrankenhaus für den baden-württembergischen Strafvollzug und außerdem seit 1975 die Sozialtherapeutische Anstalt Baden-Württemberg untergebracht sind.
Immer wieder gab es Ende des 20. Jahrhunderts auch Überlegungen für eine kulturelle Nutzung des Berges und der Festung. Seit dem 16. Juli 2010 existiert im Arsenalbau das Museum Hohenasperg – Ein deutsches Gefängnis, ein Zweigmuseum des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg. Im äußeren Torturm befindet sich ein Gasthaus Die Schubartstube. Der Hohenasperg ist heute auch wegen seines Panoramaausblicks ein beliebtes touristisches Ausflugsziel.
Nach dem Zweiten Weltkrieg betrug die Einwohnerzahl Aspergs noch 4700 Personen. Diese stieg in den 1970er Jahren auf 12.000 an und liegt heute bei rund 13.000. Zahlreiche Wohngebiete entstanden in dieser Zeit. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde die Stadtmitte komplett neu gestaltet. Angesichts seiner guten Lage, der sehr guten Infrastruktur und des familienfreundlichen Angebotes ist Asperg bis heute als Wohnort beliebt.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl stieg seit 1856 zunehmend an und lag 2023 bei 13.921 Einwohnern.Asperg – Kurzporträt, Zahlen, Fakten, aufgerufen am 22. Juni 2024
Religionen Bis zur Reformation gehörte die Asperger Pfarrei zum Landkapitel Grüningen im Archidiakonat Trinitatis des Bistums Speyer. Seit der Einführung der Reformation in Württemberg ist Asperg vorwiegend evangelisch geprägt. Mit der Michaelskirche gibt es eine Gemeinde der Evangelischen Landeskirche in Asperg. Dazu kommt eine Gemeinde der Landeskirchlichen Gemeinschaft.
Die römisch-katholische Kirchengemeinde gibt es in Asperg seit 1950; seit 1999 ist diese Teil einer Seelsorgeeinheit, zusammen mit den katholischen Gemeinden in Markgröningen und Tamm. Die römisch-katholische Kirche in Asperg ist die St.-Bonifatius-Kirche. Weiterhin gibt es die Neuapostolische Kirche, die evangelisch-methodistische Kirche und die Arche, die zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden gehört.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Asperg besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.
Parteien und WählergemeinschaftenStimmenanteilSitze FW Freie Wähler Asperg e.V35,44 %6 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands24,88 %5 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen23,39 %4 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands11,11 %2 FDP Freie Demokratische Partei5,18 %1 Gesamt 100 % 18 Wahlbeteiligung 63,90 %
Bei vergangenen Wahlen wurden folgende Ergebnisse erzielt: Parteien und Wählergemeinschaften % 2019 Sitze 2019% 2014Sitze 2014% 2009Sitze 2009% 2004Sitze 2004% 1999Sitze