mini|Heinrich-Heine-Denkmal Das Heinrich-Heine-Denkmal im New Yorker Bezirk Bronx, im Englischen als Loreley Fountain bezeichnet, ist ein von Ernst Herter aus weißem Laaser Marmor geschaffener Loreley-Brunnen, der dem Andenken des deutschen Dichters und Schriftstellers Heinrich Heine gewidmet ist. Das Denkmal hätte ursprünglich in Heines Heimatstadt Düsseldorf aufgestellt werden sollen. Antisemitische und nationalistische Agitation im Deutschen Reich verhinderte jedoch, dass es zu Heines 100. Geburtstag im Jahre 1897 fertiggestellt und eingeweiht werden konnte. Stattdessen wurde es am 8. Juli 1899 im Beisein des Bildhauers im New Yorker Bezirk Bronx enthüllt.

Gestaltung und Lage mini|links|Profil-Relief Heines Aus einer mehrere Meter weiten Brunnenschale erhebt sich ein Sockel, auf dem eine überlebensgroße Loreley-Figur sitzt. Wie in Heines Gedicht von der Loreley kämmt diese Figur „ihr goldenes Haar“. Anders als in dem Gedicht singt sie dabei keine „wundersame, gewaltige Melodei“, sondern schaut gedankenversunken nach unten. Drei Nixen (nackte weibliche Figuren mit Fischschwänzen) lehnen sich in der Brunnenschale sitzend an den Sockel, der von drei Voluten gestützt wird. Auf der Frontseite des Sockels ist zwischen zwei Voluten ein Relief eines Profil-Porträts Heines angebracht. Darunter befindet sich der Namenszug des Dichters. Die Figur links des Reliefs stellt die Lyrik dar, rechts davon sitzt die „Satire“, an der Rückseite befindet sich die „Melancholie“. Zwischen den drei Figuren speien drei Delphinköpfe Wasser in Muschelschalen. Neben dem Heine-Porträt befinden sich zwischen den Voluten des Sockels zwei weitere Reliefs: Ein nackter Junge mit Narrenkappe zielt mit seiner Feder auf einen Drachen und symbolisiert damit den Humor. Eine Sphinx (halb Frau, halb Löwin) umarmt auf einem dritten Relief „einen nackten jungen Mann im Todeskuß“.Dietrich Schubert: „Der Kampf um das erste Heine-Denkmal. Düsseldorf 1887–1893, Mainz 1893–1894, New York 1899“, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch: Westdeutsches Jahrbuch für Kunstgeschichte 51 (1990), S. 241–272, hier S. 248. Die Ausführungen zur Debatte in Deutschland beruhen im Wesentlichen auf Schuberts Darstellung.

Auf der linken Seite befindet sich die Künstlersignatur „Professor / E. Herter, Berlin / fecit / 1897 · Marmorwerke Laas, Tirol“, auf der rechten Seite die Widmung „IHREM GROSSEN DICHTER DIE DEUTSCHEN IN AMERIKA“.Schubert (1990), S. 267.

Das Denkmal steht am südlichen Ende des Joyce-Kilmer-Parks an der 161. Straße und Grand Concourse gegenüber einem Gerichtsgebäude (District Court).

Die Loreley Die Loreley ist nach Ansicht der Herter-Biographin Brigitte Hüfler in ein „nicht zeitgenössisches Gewand“ gekleidet. In ihrem Dekolleté trägt sie einen Halsschmuck, ihr bestickter Mantel ist über die Hüften gezogen. Nach Ansicht Hüflers hat Herter Brigitte Hüfler: Ernst Herter 1846–1917, Werk und Porträt eines Berliner Bildhauers, Berlin 1982, S. 253

Die Lyrik mini|links|Die „Lyrik“Die „Lyrik“ ist die einzige der drei Figuren, die dem Heine-Relief zugewandt ist. Sie reicht zudem eine Rose hin, was eine besonders innige Beziehung zwischen der Dichtkunst und Heine ausdrücken soll.

Die Satire mini|Die bösartige „Satire“Vom Betrachter aus rechts neben dem Heine-Relief befindet sich die Figur der Satire, die ihren Oberkörper in Richtung Heine dreht.

Die Melancholie mini|links|Die traurige „Melancholie“Im Rücken des Denkmals hat Herter die „Melancholie“ positioniert, die laut Hüfler für das Wesen des Dichters steht. Das Haar der Figur ist lang und ungeschmückt, sie blickt traurig nach unten. In der Beschreibung Hüflers drapiert sich ein Tuch weich Hüfler, S. 250

Die Reliefs mini|Der „Humor“Die Reliefs auf dem Schaft überbrücken den Raum zwischen den Assistenzfiguren und der Loreley.

Die Sphinx hält einen nackten Jüngling und gibt ihm wohl den Todeskuss, da er das Welträtsel nicht gelöst hat. Laut Hüfler symbolisiert diese Darstellung möglicherweise .Hüfler, S. 252

Der Humor soll einen Drachen töten, der als Vorurteil und die öffentliche Meinung interpretiert werden könne, die Heine mit seinem satirisch-kritischen Humor habe bekämpfen wollen.

Das Profilrelief Heines ist mit einem Palmen- und einem Fichtenzweig umfangen, laut Hüfler ein .

Das Bassin mini|links|Der Brunnen in früheren Zeiten

Entstehung Der Aufstellung des Denkmals in der Bronx ging eine jahrelange Debatte im Deutschen Reich um die „Denkmalwürdigkeit“ Heines voraus. Antisemitische und nationalistische Kreise erreichten, dass das Denkmal weder in Düsseldorf noch in einer anderen deutschen Stadt aufgestellt wurde.

Erste Vorschläge Eine Heine-Renaissance in den 1880er Jahren führte im Herbst 1887 dazu, dass sich in Heines Heimatstadt Düsseldorf ein „Comité für die Errichtung eines Heine-Denkmals“ bildete. Ziel der Initiative war es, zum 100. Geburtstag des Dichters im Jahre 1897 das Denkmal enthüllen zu können. Der Münchner Dichter Paul Heyse beteiligte sich an einem Aufruf des Komitees, der am 2. November 1887 unter anderem im Düsseldorfer Anzeiger erschien. In dem Text blendete Heyse die politischen Überzeugungen Heines bewusst aus:

Dem Düsseldorfer Aufruf folgend bildeten sich in weiteren deutschen Städten Komitees, um das Vorhaben zu unterstützen. Selbst in New York interessierte man sich für das Projekt und sagte Unterstützung zu. Wichtig war ebenfalls, dass die österreichisch-ungarische Kaiserin und Heine-Verehrerin Elisabeth (Sissi) dem Düsseldorfer Komitee beitrat. Unter der Bedingung, dass der Berliner Bildhauer Ernst Herter das Denkmal ausführe, sagte sie die Summe von 50.000 Mark zu. Noch im Dezember 1887 beauftragte sie Herter damit, Entwürfe für das Denkmal zu liefern.

Auch in Düsseldorf machten die Bemühungen Fortschritte. Am 6. März 1888 entschied der Stadtrat, ein Heine-Denkmal zu errichten. Als mögliche Orte wurden der Hofgarten auf dem Weg zum Ananasberg und das östliche Ende des Botanischen Gartens in Aussicht gestellt. Die Abstimmung war allerdings sehr knapp ausgefallen. Bei Gleichheit von elf zu elf Stimmen entschied das Votum des Oberbürgermeisters Ernst Heinrich Lindemann, der auch Mitglied des Denkmal-Komitees war. Der Stadtrat war somit ebenso gespalten wie die deutsche Öffentlichkeit, in der seit Bekanntgabe der Denkmalspläne eine heftige Debatte tobte.

Zum Zeitpunkt der erfolgreichen Abstimmung lag bereits der erste Entwurf Herters vor: ein Denkmal mit Baldachin. Da dieser Entwurf der Kaiserin nicht gefiel, reichte der Künstler bis Mai 1888 zwei weitere Vorschläge ein: zum einen eine Heine-Figur auf einem Postament sitzend, zum anderen den oben beschriebenen Loreley-Brunnen. Die Entwürfe waren vom 30. Juni 1888 an in der Düsseldorfer Kunsthalle zu sehen. Während Elisabeth die Heine-Figur bevorzugte, präferierten die Düsseldorfer den Loreley-Brunnen. Dies hatte offensichtlich nicht nur ästhetische Gründe. Die Loreley war eine populäre Figur, die vom politischen, antipreußischen Heine ablenkte. Die Entscheidung für den Loreley-Brunnen wurde damit begründet, dass „man die Dichterstatue, die als Verherrlichung Heines aufzufassen wäre, wegen der heftigen Opposition habe fallen lassen, um sich die Gegner geneigter zu machen“.Hüfler S. 243.

Widerstände gegen das Denkmal Diese heftige Opposition gegen das Denkmal hatte sich schon unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne im Herbst 1887 gebildet. Sie kam von nationalistischer und antisemitischer Seite. Noch im selben Jahr erschienen zwei gegen Heine gerichtete Pamphlete. In seiner Schrift Warum wir kein Heine-Denkmal wollen lehnte beispielsweise der Pfarrer Friedrich Frey den Dichter als Gegner der Kirche und des Christentums ab. „Viele patriotische Studenten“ der Universität Bonn verweigerten im November 1887 demonstrativ den Denkmalsplänen ihre Unterstützung.

Wichtig für den weiteren Verlauf der Debatte waren die Positionen, die in der neugegründeten Zeitschrift Der Kunstwart zu dem Streit bezogen wurden. In einem Artikel wandte sich Franz Sandvoß scharf gegen die Pläne und verurteilte den Versuch, Heine mit Johann Wolfgang von Goethe zu vergleichen. So lobte er zwei zeitgenössische Dichter dafür, das Denkmal nicht mehr zu unterstützen,

Auch die Wiener Zeitung Unverfälschte deutsche Worte des Antisemiten Georg von Schönerer griff die Denkmalpläne mit unverhohlen judenfeindlichen Tönen an:

Nach der Entscheidung des Düsseldorfer Stadtrats vom März 1888, das Denkmal aufzustellen, nahmen die Angriffe auf Heine noch zu. Unter dem Pseudonym Xanthippos verfasste Sandvoß eine Streitschrift mit dem Titel Was dünkt euch um Heine? Ein Bekenntnis, in dem Heine als Jude angegriffen wurde.

Sollte das Denkmal in Düsseldorf errichtet werden, werde es „eine Schandsäule für das deutsche Volk“ sein.

Allerdings war es nicht so, dass Heine unter den deutschen Journalisten und Schriftstellern keinen Rückhalt gefunden hätte. Während konservative Blätter wie Der Reichsbote, die Neue Preußische Zeitung (Kreuzzeitung) und die Tägliche Rundschau sich gegen das Denkmal wandten, unterstützten die Frankfurter Zeitung, der Börsen-Courier, das Berliner Tageblatt und die Wiener Neue Freie Presse die Pläne. In dem Philosophen Friedrich Nietzsche fand Heine ebenfalls einen prominenten Fürsprecher. Angewidert von der Diskussion in der Zeitschrift Der Kunstwart bestellte Nietzsche das Blatt im Sommer 1888 erbost ab. Dabei hatte Herausgeber Ferdinand Avenarius durchaus Pro-Heine-Stimmen zu Wort kommen lassen. In einem Brief vom 20. Juli 1888 an seinen Freund Franz Overbeck schrieb Nietzsche dennoch:

Die Denkmalsgegner konnten gegen Ende des Jahres 1888 jedoch einen wichtigen Teilerfolg erzielen: Kaiserin Elisabeth zog sich mitsamt der zugesagten 50.000 Mark aus dem Projekt zurück. Offiziell hieß es, dass Heine die Hohenzollern und die Wittelsbacher beleidigt hätte. Damit war die Finanzierung des Denkmals wieder völlig offen.Schubert (1990), S. 254.

Bescheidenere Pläne Im Januar 1889 wurde der Rückzug der Kaiserin auch in der Öffentlichkeit bekannt. Das Projekt lag somit vorläufig auf Eis, weil an öffentlichen Spenden erst 15.000 Mark eingegangen waren. Da Herter jedoch ein Honorar von 32.000 bis 40.000 Mark veranschlagte, begann der Künstler nun, in eigener Initiative Spenden für das Denkmal zu sammeln. Er hoffte, prominente Professoren und Literaten für einen neuen Auftrag gewinnen zu können. Doch seine Bemühungen blieben ohne Erfolg. Wichtige Unterstützer traten außerdem aus dem Düsseldorfer Denkmal-Komitee aus, darunter Paul Heyse und Oberbürgermeister Lindemann. Aufgrund der begrenzten Mittel entschied sich das Komitee dafür, Herter den Auftrag für einen weiteren Entwurf zu erteilen. Im Dezember 1892 wurde zwischen Komitee und Bildhauer ein Vertrag über die Lieferung einer auf einem Sockel befindlichen bronzenen Bildnisbüste geschlossen. In der Vereinbarung hieß es:

Endgültiges Scheitern in Deutschland