Triesdorf ist ein Gemeindeteil des Marktes Weidenbach im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Triesdorf liegt in der Gemarkung Weidenbach.

Bis 1806 war Triesdorf Sommerresidenz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und Garnisonsstandort. Heute beherbergt der Ort die Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf, deren Einrichtungen einen Großteil der historischen Gebäude aus der Markgrafenzeit nutzen. Triesdorf ist der kleinste Ort Deutschlands, in dem eine Hochschule besteht, und Namensgeber der Verwaltungsgemeinschaft Triesdorf.

mini|Das „Seckendorffer Schloss“, Besitz der Herren von Seckendorff, heute unbewohnt und baufällig mini|Das Alte Hofgartenschloss der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, bis 2022 Konstante der Landsmannschaft Frankonia zu Triesdorf mini|hochkant=1.5|Das „Weiße Schloss“ der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, heute Sitz der Fachakademie für Hauswirtschaft mini|hochkant=1.5|Das „Alte Reithaus“ der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, heute Aula der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Geografie Durch das Dorf fließt der Wannenbach, ein linker Zufluss der Altmühl. Im Norden liegen die sogenannten Vier Kreuzweiher, die zwischen 1701 und 1717 künstlich angelegt wurden. Im Nordosten schließt sich der Hofgarten an, dahinter liegt das Wannenholz. 0,5 km nördlich liegt das Waldgebiet Tiergarten. Durch Neubaugebiete ist Triesdorf mit Weidenbach zu einer geschlossenen Siedlung geworden.

Geschichte Vormarkgräfliche Zeit Fränkische Siedler aus Herrieden gründeten um 850 in den Königswäldern des Keupers und Buntsandsteins zahlreiche neue Siedlungen, so auch Ornbau. Die Pfarrei Ornbau besaß vier Tochterkirchen, nämlich Triesdorf, Weidenbach, Hirschlach und Leidendorf. Seinen Namen erhielt Triesdorf von Tivro, dem Begründer dieser Siedlung. Er änderte sich von Tyrolfesbach über Trewesdorf, Trifesdorf, Triebsdorf und Triesesdorf bis hin zum heutigen Namen.

Der römisch-deutsche Kaiser verpfändete das Dorf mit seinen 16 Bauernfamilien an die Freiherren von Seckendorff; der genaue Zeitpunkt dieser Verpfändung lässt sich nicht mehr feststellen. Während sich das Nachbardorf Weidenbach als großes Bauerndorf mit 154 Familien frei entwickeln konnte, begrenzten die neuen Besitzer Triesdorfs die Ansiedlung weiterer Bauern.

Das Kloster Heilsbronn erwarb ab 1282 in Triesdorf Güter und den halben Zehnten. Wegen des Zehnten kam es oft zum Streit mit den Seckendorffern. Acht Jahre nach dem Tod des Klosterabts Melchior Wunder (1562–1578), gelangte heilsbronnischer Besitz an die Ansbacher Markgrafen.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 477f. Im 16-Punkte-Bericht des heilsbronnischen Vogtamts Merkendorf aus dem Jahr 1616 wurden für Triesdorf noch 1 Hof, 2 Halbhöfe und 3 Güter angegeben, die dem Verwalteramt Merkendorf unterstanden. Die Anwesen anderer Grundherrn wurden nicht aufgelistet.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 25, 32. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 742. Die Fraisch hatte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach inne.M. Jehle, Bd. 2, S. 740. 1654 wurden dem Klosteramt Heilsbronn von dem Ansbacher Markgrafen Albrecht ein Areal abgekauft, auf dem der Tiergarten angelegt wurde.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 478.

Triesdorf als Markgrafenresidenz Im Jahr 1600 mussten die Seckendorffer ihren Triesdorfer Stammsitz verkaufen. Der Bestand an festen Gebäuden, den Markgraf Georg Friedrich I. am 18. September 1600 durch den Kauf des Triesdorfer Schlossguts von Wolf Balthasar von Seckendorff erworben hatte, war gering. Das dem Kaufbrief beigefügte Gewährregister nennt neben dem Seckendorffer Schloss ein Kirchlein, eine Mühle, ein Botenhäuslein und einige Gebäude des Gutshofes. Das 1454 neu gebaute Wasserschloss der Familie von Seckendorff bestand aus einer bescheidenen burgähnlichen Anlage von wenigen Gebäuden, die sich um einen Hof gruppierten. Eine Zugbrücke verband das einfache Torhaus mit der Merkendorfer Straße. Die Toranlage ist noch erhalten und als Seckendorffer Schloss bekannt.

In den folgenden zwei Jahrhunderten bauten die Markgrafen Triesdorf zu einer fürstlichen Residenz im Stil der Zeit aus und gaben dem Ort sein für ein fränkisches Dorf ungewöhnliches Gesicht. Zu dem sommerlichen Refugium für die gesamte Hofgesellschaft gehörten neben den Schlossgebäuden auch zahlreiche Nebengebäude für Höflinge, Dienerschaft und Gutsarbeiter sowie Einrichtungen für Militär, Gendarmerie und Post, weiterhin solche, die der Zerstreuung dienten, wie der große, von einer Ziegelsteinmauer (Rote Mauer) umgebene Tiergarten für die markgräfliche Jagdgesellschaft oder die Kreuzweiher, auf denen man sich in venezianischen Gondeln umherfahren ließ. Barocke Gärten, herrschaftliche Alleen und ein Theater rundeten die Freizeitanlagen des Ansbacher Hofs ab.

Übersicht über die Bautätigkeit der Markgrafen (Auswahl) 1600 Kauf Triesdorfs durch Markgraf Georg Friedrich I. 1610 Anlage von Weihern und Bau des Reiherhauses für die markgräflichen Fischwirte 1620 Beginn der Errichtung des Gutshofs 1682 Baubeginn des Weißen Schlosses 1694 Fertigstellung des Weißen Schlosses 1695 Bau der Holländischen Häuslein (Kavaliershäuser und Adler), heute Studentenwohnheim, zwischenzeitlich Gaststätte, jetzt Mensateria der HSWT 1701 Verlegung der Ökonomie (Gutshof) an ihren jetzigen Standort an der Markgrafenstraße 1730 Bau des Roten Schlosses, heute Tierhaltungsschule und Studentenwohnheim 1732 neuer Anbau am Weißen Schloss 1735 Bau der Markgrafenkirche 1736 Bau der Husarenkaserne, heute Hochschule, Bibliothek und Schülerwohnheim 1744 Bau des Triesdorfer Reithauses und Anlage der Reitbahn 1750 Bau der Carls-Passage (überdachtes Lusthäuschen, inzwischen abgebrochen) 1759 Bau der Luisen-Passage (überdachtes Lusthäuschen, inzwischen abgebrochen) 1759 Bau des Jägerhauses, heute Studentenwohnheim 1762 Bau des Marstalls, heute Mensa 1764 Bau des Försterhauses, heute als Forsthaus bekannt 1772 Bau des Alten Hofgartenhauses, bis 2022 Konstante der Landsmannschaft Frankonia zu Triesdorf 1785 Bau der Villa Sandrina, Wohnsitz von Lady Craven, der Favoritin und späteren Ehefrau des letzten Markgrafen 1791 Bau der Englischen Anlagen der Lady Craven

Blütezeit unter Carl Wilhelm Friedrich und Christian Friedrich Carl Alexander Einen Aufschwung erlebte Triesdorf unter Carl Wilhelm Friedrich (dem Wilde Markgraf) und seiner Frau Friederike Luise von Preußen. Ehe er volljährig wurde, regierte seine Mutter Christiane Charlotte von Württemberg in seinem Namen. Nach seiner Volljährigkeit war er von 1723 bis 1757 absolutistischer Herrscher. Das erforderte auch eine umfassende Bautätigkeit, um ein adäquates Umfeld zu schaffen. Neben Bauten in Ansbach und Gunzenhausen wollte er in seiner Sommerresidenz seinem Vorbild Ludwig XIV. nacheifern und eine Miniaturausgabe von Versailles schaffen. Die bedeutendsten erhaltenen Bauwerke seiner Regierungszeit sind sein Wohnsitz, das Rote Schloss, und das Alte Reithaus. mini|Die Falknerei in Triesdorf, welche als Rotes Schloss bezeichnet wird

Nach Carl Wilhelm Friedrichs Tod übernahm sein Sohn Christian Friedrich Carl Alexander, genannt der Letzte Markgraf, die Regentschaft über das Fürstentum Brandenburg-Ansbach. In Triesdorf bot sich ihm ein weites Betätigungsfeld. Neben der Falkenjagd, der er im nahen Altmühltal nachging, wurde unter seiner Herrschaft die Sommerresidenz mit einer roten Backsteinmauer umgeben. Innerhalb der Mauern vermehrte sich das Wild durch Fütterung und Hege stark, so dass jederzeit genügend Jagdbeute verfügbar war. Offiziell war sein Regierungssitz zwar Ansbach, aber wegen seiner Jagdliebe hielt er sich die meiste Zeit in Triesdorf auf.

Nachdem Alexanders erste Ehefrau Friederike Caroline von Sachsen-Coburg-Saalfeld am 18. Februar 1791 in Unterschwaningen verstorben war, wohin sie der Markgraf „abgeschoben“ hatte, verließ er am 19. Mai des gleichen Jahres Triesdorf in Richtung Großbritannien. Am 30. Oktober 1791 heiratete er in Lissabon Lady Elizabeth Craven, die Tochter des Augustus Berkeley, 4. Earl of Berkeley und Witwe des 6. Barons Craven, der kurz vorher verstorben war. Die Hochzeit mit Lady Craven löste in Triesdorf eine rege Bautätigkeit aus. Schon zu der Zeit, als die Lady die Gespielin des Markgrafen war, wurden für sie in Triesdorf mehrere Gebäude errichtet. Das erste, ihr Willkommensgeschenk, war die Villa Sandrina.

mini|Porträt des Markgrafen Alexander mini|hochkant|Elizabeth Craven, Porträt von George Romney 1778

Zu den Neuerungen, zu deren Ausführung sie den ihr ergebenen Markgrafen inspirierte, gehörte die Verwandlung eines Teiles des Triesdorfer Parks in einen romantischen Landschaftsgarten englischer Prägung und die Errichtung ihrer eigenen Residenz als englischer Sommersitz inmitten des nach dem Geschmack der Lady umgestalteten Parks. Da das langgezogene, nüchterne Gebäude der Villa Sandrina keine Gnade vor den Augen der Lady gefunden hatte, wurden bereits am 19. Mai 1787 dem Triesdorfer Bauwesen mit einer „englischen Anlage“ neue Aufträge erteilt.

Wie eine Grundrissskizze von 1787 zeigt, bestand das Sommerhaus der Lady Craven aus einer eingeschossigen Anlage mit einer Rotunde als Mittelpunkt. An diesen Zentralkörper lehnten sich beidseitig lange Flügelbauten an, denen niedrige Greenhouses vorgelagert waren. Der westliche Trakt diente der Aufnahme der Wirtschaftsräume, der östliche wurde zur komfortablen Wohnung der Lady ausgebaut. Neu an diesem Entwurf war die unmittelbare Verbindung von Wohn- und Schlafräumen mit Orangerien und einem Wintergarten. Der Wohnflügel enthielt neben einer Bibliothek eine Reihe verschwiegener Kabinetts, Vorzimmer und Garderoben, ein Schlafzimmer mit Durchgängen zum Wintergarten und am Ende der Flucht einen Billardsaal als Gesellschaftsraum für den intimeren Zirkel. In dieser äußeren Gestalt vertrat das Sommerhaus im Landschaftsgarten der Lady Craven eine Gebäudegattung, die in ihrer bewusst ländlichen Formgebung in den englischen Idealgärten als ornamented farms schon um die Mitte des Jahrhunderts auf der Insel heimisch waren.

Dieser mit der Unschuld der Natur spielenden Empfindung entsprach in Triesdorf auch die Umformung der landschaftlichen Umgebung des Sommersitzes. Mit der bewegten Kulisse des Mischwalds im Hintergrund stand am Rande des zu einem Badesee vertieften Spesserweihers eine strohgedeckte Badehütte für die naturschwärmende Engländerin bereit. Marmortreppen führten vom Badeplatz zum Wasser hinab. In der Nähe bot ein Milchhäuslein seine Erfrischungen an. Eine Schäferhütte und ein Mohrenhäuslein vervollständigten das Idyll. Eine künstliche Insel in der Mitte des Badesees trug einen Pavillon. Eine hölzerne Scheinbrücke durfte in der Szenerie als malerischer Bestandteil nicht fehlen. Ein kreisrunder Viehstall im Wald gehörte zu einer poesieverklärten Landwirtschaft. Das Eingangstor zum englischen Garten der Lady war als Ruine gestaltet.

Was der Lady gefiel, machte sie in den Augen der verarmten Dorfbewohner zum Hassobjekt. 15.000 Wagenfuhren Baumaterial mussten die Untertanen in Fronarbeit für die englischen Anlagen heranschaffen. 1.000.000 fl. gab der Markgraf für seine Freundin im Jahr aus. Schließlich reichte es auch der Regierung und den Bauinspektoren des Markgrafen – sie verweigerten die Auszahlung weiterer Mittel. Auch die Geldbeschaffung durch den Markgrafen steigerte den Hass auf ihn und die Gräfin. Einnahmen erzielte der Markgraf nämlich unter anderem dadurch, dass er dem britischen König Hilfstruppen für dessen Kolonien in Amerika vermietete. Sie waren unter General Howe in New York am nördlichen Feldzug beteiligt und andere unter dem Oberkommando von General Cornwallis auch in der Schlacht von Yorktown eingesetzt.