PAOK Thessaloniki (, auch P.A.O.K., Akronym von Panthessalonikischer Sportklub der Konstantinopler, griechisch ), auch bekannt als PAOK Saloniki oder PAOK, ist ein Fußballverein aus Thessaloniki, Makedonien. Die Mannschaft wurde im Jahr 1926 von vertriebenen Griechen aus Konstantinopel und dem Pontus gegründet. PAOK ist einer der drei Vereine, die seit der Einführung der einheitlichen ersten griechischen Liga (Alpha Ethniki) zur Saison 1959/60 nie abgestiegen sind und demnach immer in der ersten griechischen Spielklasse gespielt haben.
Geschichte Die Gründerjahre (1926–1958) mini|links|Eine der ersten Mannschaften von PAOK im Jahr 1926. Die Anfänge (1926–1948) PAOK Thessaloniki versteht sich als Nachfolge des bereits 1875 im Istanbuler Stadtteil Pera gegründeten Vereins Hermes Club Pera (), der seine Aktivität als Folge der Griechenverfolgungen und damit verbundener Vertreibungen nach dem Griechisch-Türkischen Krieg einstellen musste. Die Vertriebenen gründeten in Thessaloniki den Verein P.A.O.K. am 20. April 1926. Emblem der Mannschaft ist der Doppelkopf-Adler, das Hauswappen des Byzantinischen Reiches. Allerdings hat dieser, aus Trauer über den Verlust der Heimat, die Flügel angelegt. Die Vereinsfarbe Schwarz steht für ebendiese Trauer, das Weiß für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Das erste Wappen des Vereins war ein vierblättriges Kleeblatt. Auf jedem einzelnen Kleeblatt stand jeweils ein Buchstabe des Vereins, welcher durch ein Hufeisen eingefasst war. Erst nach der Fusion mit AEK Thessaloniki im Jahr 1929 bekam der Verein den Doppelkopf-Adler. Der erste Präsident war Triantafilos Triantafillidis. PAOK spielte sein erstes inoffizielles Spiel am 4. Mai 1926 im Thermaikos Stadion und gewann gegen Megas Alexandros Thessaloniki mit 2:1. Das erste offizielle Spiel fand am 12. Dezember 1926 statt. Nea Genea wurde mit 3:1 geschlagen. In der Saison 1930/31 debütierte PAOK in der Pan-Hellenischen Meisterschaft und spielte das erste Mal gegen Olympiakos Piräus. Am Ende der Saison stand man auf dem 5. Platz. Im Jahr 1937 gewann der Klub seine erste Trophäe. Der Verein holte die erste Thessaloniki-Stadtmeisterschaft und qualifizierte sich infolgedessen für die Griechische Meisterschaft, welche mit dem zweiten Platz beendet wurde.
links|mini|hochkant|Konstantinos Andreadis war der erste Trainer von PAOK Der erste Trainer Konstantinos „Kostas“ Andreadis saß fünf Jahre auf der Trainerbank und erhielt keine finanzielle Gegenleistung.
Der erste Spielführer des Vereins war Michalis Ventourelis.
Der erste ausländische Spieler war ein Franzose namens Raymond Etienne, der gleichzeitig der erste Profi des Klubs und damit ganz Griechenlands war. Am 5. September 1928 unterschrieb er als erster Fußballer in Griechenland einen Profivertrag, der ihm ein Gehalt von 4.000 Drachmen einbrachte. Sein erstes Spiel für PAOK absolvierte Etienne am 15. November 1928 gegen Thermaikos, bei welchem er zwei Tore zum Sieg beisteuerte. Insgesamt spielte Etienne sechs Jahre für den Klub und erzielte einen Rekord von 38 geschossenen Toren in 44 Spielen.
Der erste ausländische Trainer des Vereins war der Österreicher Rudolf Gassner, der die Mannschaft in der Saison 1931/32 trainierte.
Am 20. Oktober 1940 bestritt der Klub sein letztes Pflichtspiel um die Thessalonikier Stadtmeisterschaft gegen Makedonikos, das er 2:1 gewann. Nur eine Woche später trat Griechenland auf der Seite der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein. Auch die Spieler des Klubs wurden von den griechischen Streitkräften verpflichtet. Zwei der damaligen Spieler fielen im Krieg, der Torwart Nikos Sotiriadis und der Verteidiger Georgios Watikis. Am 17. November 1940 fiel als erstes Watikis im Alter von 22 Jahren. Sotiriadis fiel am 28. Januar 1941 im Alter von 32 Jahren an der Front.
mini|Die Meistermannschaft der Thessaloniki-Stadtmeisterschaft der Saison 1936/37 Die Thessaloniki-Stadtmeisterschaften (1948–1958) Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden die ersten Jugendabteilungen und der Verein gewann zusätzliche Qualität durch Transfers. Dies führte zu vier Thessaloniki-Fußballmeisterschaften in den 1950er-Jahren. Da der Fußballsport noch lokal organisiert war, zählte die Stadtmeisterschaft von Thessaloniki als ein großer Erfolg.
Bis 1955 qualifizierte sich der Klub insgesamt dreimal für das Finale des griechischen Pokals. In allen drei Partien unterlag PAOK allerdings. Das erste Finale um den griechischen Pokal bestritt PAOK gegen AEK Athen 1939 im Nikos-Goumas-Stadion. Es ging zwar 1:2 verloren; zeitgenössische Fotos und Berichte zeigen, dass der Fußball als Spiel und weniger als kommerzialisiertes Ereignis wahrgenommen wurde. Spieler und Funktionäre umarmten sich nach dem Finale und führten, im Gegensatz zu späteren Zeiten, ein freundschaftliches Verhältnis.
Die Epoche des Georgios Koudas (1958–1985) hochkant|mini|links|Kapitän und Legende des Vereins, Georgios Koudas Georgios Pantelakis (1960–1971 & 1975–1984) Von 1960 bis 1971 übte Georgios Pantelakis das Amt des sogenannten Generalsekretärs im Vorstand aus, eine Funktion, welche heute mit der eines Sportdirektors verglichen werden kann. Er verhinderte, dass Olympiakos Piräus Koudas verpflichtete. Seine Aussage „Ich mag vielleicht im Gyaros (Verbannungs- und Gefängnisinsel während der Jahre der Militärdiktatur) landen, aber Koudas wird nicht bei Olympiakos spielen“, ging in die Vereinsgeschichte ein.
Von 1975 bis 1984 war er schließlich Präsident des Klubs. Am 1. August 1984 wurde er abgewählt. Sein Präsidentenamt übernahm Petros Kalafatis.
Das erfolgreiche Siebziger Team Die Koudas Epoche ist als Etablierung und Schaffung von Prestige gekennzeichnet. Georgios Koudas unterschrieb 1958 bereits im Alter von 12 Jahren einen Vertrag über fünf Jahre. Schließlich debütierte Koudas 1963 mit 17 Jahren in der ersten Mannschaft. Nicht nur nationale Titel und erfolgreiche Platzierungen in der Meisterschaft in den 1970er Jahren, sondern auch die Teilnahmen an den europäischen Wettbewerben bewirkten, dass PAOK national sowie international Bekanntheit erlangte. Der Kapitän prägte den Klub und half ihm einige Erfolge einzufahren. Als Pokalsieger im Jahr 1972 sicherte sich PAOK den Football Cup of Greater Greece im Folgejahr, der zwischen den Spitzenteams bzw. den Pokalsiegern aus Griechenland und Zypern ausgetragen wurde. In Hin- und Rückspiel gewann man gegen Omonia Nikosia. Höhepunkt dieser Ära war 1976 der erstmalige Gewinn der Meisterschaft unter dem ungarischen Trainer Gyula Lóránt.
Koudas als Popkultur Phänomen Wegen seiner Führungsqualitäten als Kapitän wurde Koudas von den Anhängern des Klubs auch als Alexander der Große (Μεγαλέξανδρο) bezeichnet. Eine andere weit verbreitete Bezeichnung war Reh des Nordens (gr.: Ζαρκάδι του Βορρά).
Am 18. April 1973 entstand in einem Pokalspiel gegen Panathinaikos das „Koudas Foto“, welches oft sinnbildlich für das Talent und die Spielweise des Kapitäns verstanden wird und stellvertretend für die damalige Dominanz des Teams steht. In der 34.Spielminute dribbelte sich der Kapitän im Mittelfeld an Anthimons Kapsis vorbei, welcher sich von hinten an Koudas klammerte, um ihn zu Fall zu bringen und den Konter zu verhindern. Koudas sagte später, dass das Fair Play des Verteidigers, welcher ihn mit den Händen statt mit einer Grätsche stoppte, eine Ode an die Fairness sei. Des Weiteren lobte er den Fotografen Michaelis Papous und beschrieb die Partie als ein Spiel der Überraschungen und einen verdienten Sieg. Verteidiger Anthimos Kapsis, erklärte, dass er Respekt vor Koudas hatte und ihn nicht verletzen wollte. Im Anschluss half er Koudas unter Applaus der Zuschauer wieder auf die Beine. Das Foto wurde bereits zu seiner Zeit oft auf Titelseiten und Postern abgebildet. Ein weiteres Beispiel für die Präsenz Koudas’ in der damaligen griechischen Popkultur ist das Lied mit dem Titel „“ () des Komponisten und Liedermachers Manolis Rasoulis, in dem es in einer Strophe heißt: „Manchmal Buddha, manchmal Koudas, manchmal Jesus und Judas“. Der Liedermacher lebte in der Nähe des Toumba-Stadions und besuchte die Spiele von PAOK.
Georgios Koudas beendete 1984 seine aktive Laufbahn. Damit war er über 25 Jahre im Verein und prägte zwei Fußballer-Generationen.
Unruhige Zeiten und der Batatoudis-Plan (1986–2003) Unbeständige Zeiten (1986–1996) Die Zeit zwischen der letzten Meisterschaft 1985 und dem Einstieg von Georgios Batatoudis im Jahr 1996 als Präsident von PAOK war unbeständig und wechselhaft. Man qualifizierte sich zwar einige Male für den europäischen Wettbewerb, jedoch gab es häufig Probleme in den Führungsetagen und Gewalt durch die eigenen Fans im Stadion. Thomas Voulinos übernahm im April 1989 die Leitung des Klubs und wurde Nachfolger in der Präsidentschaft von Ioannis Dedeoglou. Er setzte den Niederländer Rob Jakobs als neuen Trainer ein und verstärkte den Kader mit Georgios Mitsibonas sowie dem Ägypter Tolba Magdy, welcher gleichzeitig der erste afrikanische Spieler in der Geschichte des Klubs war. Die Unruhen rund um Thomas Voulinos übertrugen sich auch auf den Platz und die Fans und Erfolge blieben dadurch aus. Ein Beispiel ist das Spiel im Jahr 1992/93 gegen Paris Saint-Germain, bei dem die Gewalt der Fans einen Spielabbruch auslöste.
Die Ära Batatoudis (1996–2003) Im Jahr 1996 übernahm der aus dem Evros stammende Unternehmer Georgios Batatoudis, der später von den Anhängern liebevoll Batman genannt wurde, den Klub und versuchte ihn zu stabilisieren, was ihm vor allem durch Spielertransfers und Teamführung gelang. Er verpflichtete Spieler wie Percy Olivares, Zisis Vryzas, Spiros Marangos und Konstantinos Frantzeskos. Batatoudis fuhr bald danach die ersten Erfolge ein. In der ersten Runde des UEFA-Pokals 1997/98 eliminierte man den FC Arsenal. Später verpflichtete Trainer wie Arie Haan und Oleh Blochin brachten Erfahrung mi, die die Spieler nutzten. In der Transferperiode des Sommers 1999 holte Batatoudis, ohne sich mit der sportlichen Führung um den Trainer Arie Haan abzusprechen, Nikos Frousos und Ionikos Nikea. Im gleichen Zug verpflichtete er Stylianos Venetidis von Xanthi FC für 230 Millionen griechische Drachmen, um ihn einige Jahre später gewinnbringend an Olympiakos Piräus weiterzuverkaufen. Mit den Verpflichtungen von Omari Tetradse, dem Australier Ante Covic und Georgios Georgiadis von Newcastle United, in dessen Verpflichtung Arie Haan eine wichtige Rolle spielte, vollendete Batatoudis seinen Plan der qualitativen Kadererweiterung und stellte die Weichen für die späteren nationale Erfolge.
In der Saison 2000/01 gelang der Gewinn des griechischen Pokals. Man schlug den Erzrivalen Olympiakos Piräus mit 4:2 in Athen und fuhr nach mehr als 15 Jahren erstmals wieder einen bedeutenden Erfolg ein. Trotz des erneuten Gewinns des Pokals in der Saison 2002/03 sah sich der Präsident gezwungen, die Anteile am Klub zu verkaufen, und übergab diese zusammen mit dem Amt als Präsident an Ioannis Goumenos.
Über Goumenos zu den Zagorakis-Jahren (2003–2012) hochkant|mini|links|Theodoros Zagorakis als Präsident des Klubs von 2007–2012 mini|Zlatan Muslimovic als PAOK Spieler|hochkant Die Übergangsjahre (2003–2007) Goumenos übernahm bereits einen Schuldenstand von 11 Millionen Euro, den er in den Jahren seines Wirkens auf über 30 Millionen Euro verdreifachte. Seine finanziellen Möglichkeiten, um den Klub zu unterhalten, waren nicht ausreichend. Die Suche nach einem finanzstarken Investor verlief erfolglos. Erst die Rückkehr des Hoffnungsträgers Theodoros Zagorakis als Spieler führte den Klub nach langer Zeit der Stagnation in stabile Verhältnisse.
Die Stabilisierung unter Zagorakis (2007–2012) mini|Pablo Contreras im PAOK-Trikot|hochkant