mini|Briefmarke, herausgegeben zu Ehren von Dumitru Stăniloae (2003) Dumitru Stăniloae (* 16. November 1903 in Vlădeni; † 5. Oktober 1993 in Bukarest) war ein rumänisch-orthodoxer Theologe, Schriftsteller und Professor, Mitglied der Rumänischen Akademie (ab 1990) sowie Priester und bekennender orthodoxer Christ in der Zeit des Kommunismus in Rumänien. Er gehört neben Romano Guardini, Paul Tillich, Karl Barth, Karl Rahner, Yves Congar, Nikos Nissiotis u. a. zu den renommiertesten Theologen des 20. Jahrhunderts. Am 4. Februar 2025 wurde seine Heiligsprechung von der Rumänisch-Orthodoxen Kirche öffentlich verkündet.

Biografie Herkunft und Familie Dumitru Stăniloae wurde als fünftes und letztes Kind von Irimie und Rebeca Stăniloae in Vlădeni, ein kleines Dorf im damaligen Österreich-Ungarn, geboren. Die Familie war religiös geprägt, zwei seiner Schwestern wurden Nonnen. Am 4. Oktober 1930 heiratete er Maria Mihu. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: 1931 kamen die Zwillinge Dumitru († September 1931) und Maria († 1945) auf die Welt. 1933 wurde Lidia Stăniloae geboren. Der einzige Enkel, Dumitru Horia, der Sohn von Lidia Stăniloae, wurde 1959 geboren. Dumitru Stăniloae ist im Herbst 1993 im Alter von 89 Jahren gestorben.

Studium und wissenschaftliche Tätigkeit Dumitru Stăniloae studierte zuerst Literaturwissenschaft von 1922 bis 1923 in Bukarest, dann Theologie in Hermannstadt (rum. Sibiu) und Czernowitz. Seine Studien setzte er in München und Paris, später in Griechenland fort, wo er seine Doktorarbeit über die Wirkung des Patriarchen Dositheos II Notaras von Jerusalem (1669–1707) in den Fürstentümer Moldau und Walachei (Das Leben und die Tätigkeit des Patriarchen Dositheos von Jerusalem und seine Beziehungen zu den rumänischen Fürstentümer, rum.,1929) geschrieben hat. Im Jahre 1928 wurde er in Czernowitz promoviert. 1928 erhielt er ein einjähriges Stipendium und studierte an der Universität München Byzantinistik (bei August Heisenberg) und Dogmatik. 1929 ging er auf Forschungsreisen nach Berlin, Paris und Belgrad, wo er sich u. a. mit dem Werk Gregorios Palamas beschäftigte.

Nach seiner Rückkehr nach Sibiu/Hermannstadt wurde er 1929, im Alter von 26 Jahren, zum Professor an der Orthodoxen Akademie ernannt. 1932 folgte die Priesterweihe. Ab 1934 lehrte er als ordentlicher Professor bis 1947 Dogmatik, Apologetik, Pastoraltheologie und Griechisch. Ab 1936 bis zu seiner politisch motivierten Entlassung 1946 war er Rektor der Orthodoxen Akademie. Von 1934 bis 1945 war er auch Leiter der Zeitung „Telegraful romǎn“, wobei er selber 219 kurze Artikel zu unterschiedlichen Themen verfasste. Die Zeitung wurde vom Metropoliten Nicolae Bǎlan herausgegeben und war das Sprachrohr der rumänisch-orthodoxen Metropolie Transsilvaniens. Diese hatte seit derer Gründung durch den Metropoliten Andrei Șaguna 1835 im multikonfessionellen Umfeld Transsylvaniens eine hohe soziokulturelle Bedeutung für die Bildung der rumänisch-orthodoxen Christen. In der Zwischenkriegszeit wurden neben Artikel zur Ökumenischen Bewegung insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Römisch-katholischer Kirche, Evangelischer Kirche A.B. in Rumänien und Reformierter Kirche in Rumänien thematisiert. Eine kirchenpolitische Auseinandersetzung fand mit der von der Orthodoxen Kirche Anfang des 18. Jahrhunderts abgespalteten, mit Rom unierten Rumänischen griechisch-katholischen Kirche statt. Auch schrieb Stǎniloae Artikel über den Zusammenarbeit der Orthodoxen Kirche mit politischen Bewegungen wie den Kommunismus und Faschismus (s. Legion Erzengel Michael / Eiserne Garde), in denen er den Kommunismus als eine atheistische Bewegung radikal ablehnte und vor einer Vereinnahmung der orthodoxen Gläubigen durch die aufkommende und sozialpolitisch stark agierende faschistische Bewegung warnte.

Eine weitere Auseinandersetzung fand in Artikeln in der Zeitschrift „Gândirea“ statt. Hier ging es um den geistigen Zusammenhang von Orthodoxie und Nationalismus, wobei Stǎniloae die Bedeutung der Rumänisch-Orthodoxen Kirche als spirituelle Bildungsinstitution für das „Rumänentum“ gegen Soziologen und Philosophen wie Lucian Blaga, Nae Ionescu, Mircea Eliade, Constantin Rǎdulescu-Motru u. a. verteidigte. Während diesen Diskussionen positionierte sich Stǎniloae immer deutlicher als orthodoxer Theologe, der die mönchisch-byzantinische Tradition als spirituelle Basis für die rumänische Volkserziehung hervorhob und gegen seine Kritiker verteidigte. Darin sah Stǎniloae eine jahrhundertelange pädagogisch-therapeutische Wirkung, die sich in der rumänisch-orthodoxen Frömmigkeit widerspiegelt. Gemeinsam mit Nichifor Crainic aktualisierten sie die hesychastische Bewegung (Hesychasmus) des Paissi Welitschkowski (1749–1794). Während Nichifor Crainic diese spirituelle orthodoxe Bewegung mit der christlichen Mystik und der „deutschen Mystik“ („Meister Eckhart und seine Schule“) im Besonderen in Verbindung dachte, entfaltete D. Stǎniloae diese von der Theologie des Gregorios Palamas her. Die Rolle der „Väter und Mütter im Geiste“ („Pǎrinți duhovnicești“) als besondere Seelsorger wird dabei vom pädagogisch-therapeutischen Ansatz verstanden, dass im Praktizieren des „Jesusgebetes“ (auch „Herzensgebet“ oder „Immerwährendes Gebet“ genannt) jeder Beter und Beterin ein „“ (geistig-geistlicher Mensch) werden kann. Bereits 1932/33 übersetzte er Teile aus Palamas Werk (Triade I, 2-3) ins Rumänische, nachdem er 1929 den Aufsatz „Der Weg zum göttlichen Licht beim hl. Grigorios Palamas“ (Calea spre lumina dumneseascǎ la Sfântul Grigorie Palamas) veröffentlicht hatte. 1938 erschien das Buch Das Leben und die Lehre des heiligen Gregorios Palamas (Viața și învǎțǎtura sfântului Grigorie Palamas). Es ist Stǎniloaes großes Verdienst, die Energienlehre des Palamas aus der Sicht der Frage nach der Gnade Gottes gedeutet zu haben, indem er diese als gnadenhaftes Wirken am betenden Menschen versteht. Die Energien Gottes sind ungeschaffen, weil sie aus dem Wesen Gottes ausgehen und nur durch seine Gnade erlebt werden können. Daher sei auch die „Schau Gottes“ nicht ein Akt des Menschen, sondern ein durch die Gnade Gottes vermitteltes Erleben dessen, was in der Energienlehre auf Deutsch „Vergöttlichung“ (Theosis) heißt. Eine besondere Bedeutung hat für Stăniloae der gesprochene Text des Beters: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, habe Mitleid mit mir, dem Sünder.“ Seine Interpretation dazu lautet: Das Gebet „hilft, dass im Herzen der ununterbrochene Gedanke zu Jesus Christus verstärkt wird und es säubert und heiligt durch diesen Gedanken, alle Überlegungen und Gefühle ... und richtet die ganze Aktivität auf die Erfüllung der Gebote Christi.“ Von der Energienlehre Palamas her definiert Stăniloae mit Sergei Nikolajewitsch Bulgakow die Energienlehre als Antwort auf die Antinomie-Diskussion des Deutschen Idealismus: Die „Antinomien“ in Bezug auf die Gotteserfahrung durch den Menschen seien eine notwendige Voraussetzung, die zum religiösen Bewusstsein gehörten. Der Mensch erfahre sich gegenüber Gott durch seine Vernunft losgelöst („antinomisch“), wobei diese Trennung in der kontemplativen Art der hesychastischen Weges (Hesychasmus) aufgehoben werden könne. Die „Antinomien des religiösen Bewusstseins“ würden nicht rational durch „Gottesbeweise“ überwunden, sondern durch das gnadenhafte Wirken der ungeschaffenen Energien Gottes am Gläubigen. Das Ziel dabei sei die Vergöttlichung (Theosis) des Gläubigen, der durch das gnadenhafte Wirken Gottes an ihm zu einem „geheiligten Menschen“ werde. Für Stǎniloae ist das Ergebnis eines solchen geistigen Prozesses ein „geistig-geistlicher Mensch“ (om duhovnicesc). Ein solches Verständnis des Menschen gehört zur „theandrischen Anthropologie“, die nun Stǎniloae gegen die Propaganda des „Neuen Menschen“ der atheistischen Anthropologie einsetzt, die von den faschistischen und kommunistischen Denkmodelle vertreten werden. Letztere vertraten im 20. Jahrhundert die Vorstellung, dass der „Neue Mensch“ über die von den jeweiligen Machthabern politisch bestimmte Neue Gesellschaft durch ideologische Erziehung zu erschaffen ist. Diese Debatte bestimmte auch die geistige Diskussion in der Zwischenkriegszeit in Rumänien. Ähnlich argumentierte auch Nicolae Ceauşescu in seiner „Kulturrevolution“ nach 1971 und baute seine Staatsideologie entsprechend auf. Stǎniloae vertrat sowohl gegen die faschistische als auch gegen die kommunistische Ideologie des „Neuen Menschen“ sein pädagogisch-seelsorgerliche Konzept vom „geistig-geistlichen Menschen“. Hierbei übernahm er den Begriff der „Wiederherstellung des Menschen“ aus der christlichen Tradition, indem er in der Auseinandersetzung mit der Dialogphilosophie und dem Existentialismus die „Wiederherstellung des Menschen durch Jesus Christus aus dem gnadenhaften Wirken der trinitarischen Koinonia“ hervorhob.

In der Auseinandersetzung in den 1930er und 1940er Jahren mit den Philosophen Louis Lavelle, Maurice Blondel, Nicolai Hartmann, Martin Buber, Ferdinand Ebner, Martin Heidegger, Karl Jaspers, Eberhard Griesebach und dem Psychoanalytiker Ludwig Binswanger nimmt Stăniloae die Frage nach der „Lebenskrise“ des Menschen auf. Dabei steht für Stăniloae fest, „dass der Mensch die wahre Realität nicht in Systemen der Erkenntnis lebt und besitzt, sondern in Begegnung mit anderen Personen (Griesebach), dass er seine eigene Entdeckung nur in der Kommunikation macht (Jaspers).“ Damit hat aber die existentielle Analyse nur so viel erreicht, dass die Mitmenschlichkeit des Anderen uns auf unsere eigenen Grenzen hinweist. In der Begegnung mit dem Anderen erfährt der Mensch lediglich die Grenze seines menschlichen Daseins. Vom theologischen Standpunkt her bezieht Stăniloae in seine Diskussion unterschiedliche Theologen ein: Ewald Burger, Theodor Steinbüchel, John Cullberg, Walter Künneth, Emil Brunner, Karl Barth, Adolf Schlatter, Paul Althaus, Romano Guardini, Friedrich Gogarten, Karl Heim u. a. Er kommt zum Ergebnis, dass die Heilung, nach der der Mensch strebt, erst dann vollendet wird, wenn wir unser eigenes Ich überschreiten: „Neben der menschlichen Natur erfahren wir etwas Neues, … die göttliche Transzendenz.“ Dementsprechend ist das Ziel der Erfahrung der göttlichen Transzendenz durch den Menschen die Erfahrung Gottes durch den Menschen Jesus, wobei dieser Mensch eine Person mit Gott ist: „Gott erfahren wir nicht in Jesus Christus, wenn wir über den Menschen in ihm schreiten, sondern dieser Mensch ist selber Gott.“ Stăniloae lehnt damit die von den rumänischen Religionsphilosophen (Rădulescu-Motru u. a.) aufgegriffene These, dass nur der historisch fassbare Jesus (Historische Jesusforschung) aktuell sei, ab. Erst der Jesus als Christus, der in der göttlichen Trinität verankert ist, ermöglicht die Transzendierung des Menschen in eine übermenschliche, göttliche Sphäre, die ihm die gewünschte Erlösung bringt. In seinem 1943 veröffentlichten Buch „Jesus Christus oder die Wiederherstellung des Menschen“ (rum. Iisus Hristos sau restaurarea omului) deutete er das gnadenhafte Wirken Gottes am Menschen von der trinitarischen Koinonia (Gemeinschaft) her. Der Wiederherstellungsgedanke bei Stăniloae ist ein dynamischer Prozess, wobei „der Mensch in die Dynamik der göttlichen Dreieinigkeit einbezogen wird mit dem Ziel, durch Jesus Christus zur vollkommenen Ähnlichkeit mit Gott zu kommen und somit in der geistlichen Gemeinschaft (rum. Comuniune) mit Gott teilnehmen zu können.“ Die Erlösung des Menschen ist aber nicht Selbstzweck, sondern eine Heilung in der geistigen Gemeinschaft und für diese. Stăniloae erwähnt in diesem Zusammenhang nicht direkt die Ökumenische Bewegung als eine solche geistige Gemeinschaft, aber diese mag ihm vorgeschwebt haben, denn eine geistige Gemeinschaft, die in der trinitarischen Koinonia ihr Vorbild hat, kann nur eine überkonfessionelle christliche geistige Gemeinschaft sein. In einem öffentlichen Aufsatz 1944 schreibt er dem Christentum die wichtige Rolle zu, die verfeindete Welt zu versöhnen.