mini|hochkant=1.2|Blick auf Thale von Westen. Vorne die katholische Herz-Jesu-Kirche und dahinter der Hauptbahnhof. Rechts die evangelische Sankt-Petri-Kirche und ein Teil der Bodetal Therme. Links vom Hauptbahnhof befindet sich das Unternehmensgelände des Maschinenbauunternehmens THALETEC. Thale ist eine Kleinstadt im sachsen-anhaltischen Landkreis Harz und ein staatlich anerkannter Erholungsort am nordöstlichen Rand des Harz-Gebirges. Thale liegt am Austritt der Bode aus dem Harz, oberhalb des Ortes beginnt das Bodetal.
Geografie
Nachbargemeinden Thale ist eine Stadt im Landkreis Harz und grenzt an sechs Städte und Gemeinden (im Uhrzeigersinn, im Nordwesten beginnend): Blankenburg (Harz), Halberstadt, Harsleben, Quedlinburg, Harzgerode und Oberharz am Brocken.
Klima
Geschichte Aus dem Neolithikum stammte das 1864 entdeckte, später vollkommen zerstörte Großsteingrab Warnstedt, aus dem nur eine Tasse erhalten geblieben ist, die sich der Bernburger Kultur (3100–2700 v. Chr.) zuordnen lässt. Weitere Hügelgräber im Ortsteil Westerhausen belegen eine vergleichsweise dichte Besiedlung.
Eine der bronzezeitlichen Spuren menschlicher Anwesenheit auf dem Gebiet von Thale stellt die „Keule von Thale“ dar, die sich heute im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle befindet. Sie wurde 1872 entdeckt und stammt aus der Zeit zwischen 2000 und 1700 v. Chr.Abbildung und Kurzbeschreibung auf der Website des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle.
mini|Rittergut Thale um 1860, Sammlung Alexander Duncker Die Siedlung Thale entstand wahrscheinlich zu Beginn des 10. Jahrhunderts. Erstmals wurde sie 936 im Zusammenhang mit dem benachbarten Kloster Wendhusen erwähnt, das vor 840 als Kanonissenstift als eines der ersten Klöster auf sächsischem Boden gegründet worden war. Das Kloster geriet in der Folgezeit unter die Schutzherrschaft des Stiftes in Quedlinburg. Das Dorf wurde ab 1231 als Dat Dorp to dem Dale bezeichnet (dessen Geschlecht in latinisierter Form, ab 1288 mit der Ortsbezeichnung de valle, ab 1303 von Thale wiedergegeben wurde). Das Kloster wurde 1525 während des Bauernkriegs zerstört.
Seit 1445 lässt sich in Thale eine Eisenhütte nachweisen. Sie wurde nach Verödung im Dreißigjährigen Krieg 1648 als Berghaus zum Wilden Mann wieder aufgebaut, 1670 jedoch völlig zerstört. 1686 entstand eine kleine Hammerschmiede, aus der sich später eine neue Eisenhütte entwickelte, die besonders durch die Nähe zu Erzvorkommen und Holz begünstigt war. Sie existierte bis 1714. 1740 wurde abermals ein Betrieb eröffnet. Kurzzeitig war die Eisenhütte im Besitz von Friedrich dem Großen. 1755 erwarb Ernst August von dem Bussche-Hünnefeld das Rittergut Thale mit dem ehemaligen Kloster Wendhusen; Thale wurde als Rittergut „Wendhusen I“ geführt, das aus dem Kloster entstandene Klostergut als „Wendhusen II“; beide blieben bis zur Enteignung 1945 im Besitz der Familie, ebenso das benachbarte Gut Stecklenberg.
mini|Karte von Thale (1912) 1831 wurde in Thale die erste in Deutschland gebaute schmiedeeiserne Wagenachse hergestellt. 1835 wurde das älteste Blechemaillierwerk Europas in Thale gegründet. Nach dem Anschluss der Stadt an die Eisenbahn 1862 aus Richtung Halberstadt zum Hauptbahnhof Thale wuchsen der Ort und die Zahl der Arbeiter: Während das Eisenhüttenwerk Thale AG im Jahre 1872 nur 350 Personen beschäftigte, waren es 1905 schon 4400. Vor allem die Emailleproduktion trug zum internationalen Ruf Thales bei, immerhin kamen aus dem größten europäischen Emaillewerk zu Spitzenzeiten 10 % der weltweiten Produktion. 1910 sprachen Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Clara Zetkin zu Thalenser Arbeitern.
Seit dem 19. Jahrhundert blühte der Fremdenverkehr in Verbindung mit dem später als radonhaltig eingestuftem Wasser der Hubertusquelle auf der Hubertusinsel auf, die 1836 erschlossen worden war. So besuchten verschiedene Literaten wie Heinrich Heine (Die Harzreise) und Theodor Fontane den Ort und besonders das Bodetal. Außerdem genossen vor allem Berliner Touristen die Thalenser Sommerfrische, ermöglicht u. a. durch die Eisenbahnverbindung. 1909 folgte eine Nebenbahn aus Blankenburg (Harz) bzw. Quedlinburg zum Bahnhof Thale Bodetal. Personen- und Güterfahrten auf dieser Strecke wurden zwischen 1969 und 1994 schrittweise eingestellt.
mini|Friedenspark-Gefallenendenkmal, im Hintergrund die Roßtrappe Im Ersten Weltkrieg wurden ab 1916 im Eisenhüttenwerk die deutschen Stahlhelme (M1916) produziert, deren Prototyp dort 1915 entwickelt worden war. Ab 1934 besaß das Werk das Monopol für die Stahlhelmfertigung.
1922 erhielt der Ort das Stadtrecht.
Bis 1937 war der jüdische Unternehmer Albert Ottenheimer Hauptaktionär der Eisen- und Hüttenwerke AG. Diese Beteiligung musste er unter Druck staatlicher Stellen veräußern, sie gelangte an die konkurrierende Kölner Otto-Wolff-Gruppe.
Thale wurde nach Räumung durch restliche deutsche Truppenteile am 20. April 1945 weitgehend kampflos von US-amerikanischen Truppen besetzt. Auch das Hüttenwerk fiel ihnen unzerstört in die Hand. Auf dem Friedhof Thale findet sich ein Gedenkstein für 21 unbekannte Wehrmachtsoldaten. Auf dem Friedhof des Ortsteils Warnstedt zeigt ein Grabstein 20 dort beerdigte deutsche Soldaten an, zwei von ihnen sind „unbekannt“.
Ab Anfang Juli 1945 wurde auch Thale Teil der SBZ und ab 1949 der DDR.
mini|links|Hüttenmuseum mini|Emailliertes Wandbild von Willi Neubert Zu DDR-Zeiten wurde das Werk in den VEB Eisen- und Hüttenwerke Thale umgewandelt. Zum 300-jährigen Jubiläum 1986 wurde am Standort des Werks das Hüttenmuseum Thale gegründet.
Von 1952 bis 2007 lag Thale im Kreis Quedlinburg (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Halle, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 2007 gehört die Stadt zum Landkreis Harz.
Der jahrelange Investitionsstau führte nach der Wende beinahe zum Aus für das Unternehmen. Es wurde schließlich 1993 durch den Verkauf an den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht und den Kaufmann Hans Henry Lamotte privatisiert. Zu einer konkurrenzfähigen Weiterentwicklung kam es aber in dieser Zeit nicht. Erst mit der Übernahme durch die Schunk Group aus Gießen (1997) wurde wieder in die unterschiedlichen Unternehmensbereiche, vor allem die Emailleverarbeitung investiert. In: Sachsen-Anhalt-Wiki
Seit Mai 2004 trägt Thale das Prädikat als „staatlich anerkannter Erholungsort“.
Vom 12. bis zum 14. Juni 2009 war Thale unter dem Motto Thale sagenhaft Veranstaltungsort des Sachsen-Anhalt-Tages, zu dem etwa 200.000 Besucher kamen.
Eingemeindungen Warnstedt wurde 2003 eingemeindet. zu den Gebietsveränderungen 1994–2007StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003 Im Jahr 2009 wurden insgesamt sieben Gemeinden zu vier verschiedenen Zeitpunkten eingegliedert.StBA: Gebietsänderungen am 01.01.2009StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009 Westerhausen kam 2010 hinzu.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010 Allrode wurde 2011 ein Ortsteil von Thale.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2011 Die Eingemeindungen von Friedrichsbrunn und Stecklenberg waren umstritten, da die Nachbargemeinden Gernrode, Bad Suderode und Rieder mit diesen zusammen die Bildung einer Einheitsgemeinde angestrebt hatten. Die ursprüngliche Eingemeindung zum 29. September 2009 wurde damit aufgeschoben.Gesetz über die Eingemeindung der Stadt Gernrode und der Gemeinden Bad Suderode und Rieder in die Stadt Quedlinburg, Entwurf vom 11. Juli 2013
Ehemalige Gemeinde Datum Allrode 1. Januar 2011 Altenbrak 1. Juli 2009 Friedrichsbrunn 23. November 2009 Neinstedt 1. Januar 2009 Stecklenberg 23. November 2009 Treseburg 1. Juli 2009 Warnstedt 21. Dezember 2003 Weddersleben 1. Januar 2009 Westerhausen 1. September 2010
+ Entwicklung der Gemeindefläche Datum Fläche 21. Dezember 2003 38,13 km² 1. Januar 2009 50,13 km² 1. Juli 2009 78,47 km² 23. November 2009 102,79 km² 1. September 2010 120,21 km² 1. Januar 2011 137,62 km²
Bevölkerung
bis 1939: , ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Religion Zum evangelischen Kirchspiel Thale gehören die Kirchen St. Andreas aus dem 18. Jahrhundert im Unterdorf und St. Petri von 1906 im Friedenspark. Ihre Kirchengemeinden gehören zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Die katholische Gemeinde verfügt über die von 1911 bis 1913 erbaute Herz-Jesu-Kirche an der Walter-Rathenau-Straße, seit 2010 gehört sie zur Pfarrei St. Mathilde in Quedlinburg.
Die neuapostolische Gemeinde Thale wurde 2006 mit der Gemeinde Blankenburg zusammengeschlossen, seitdem finden in Thale keine neuapostolischen Gottesdienste mehr statt.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Thale besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 28 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 51,4 % 15 41,3 % 12 AfD 13,9 % 1 28,2 % 8 Die Linke 12,5 % 3 8,9 % 3 Freie Wähler – – 8,5 % 2 Bürgerliste 11,0 % 3 8,1 % 2 SPD 6,1 % 2 4,1 % 1 FDP – – 0,9 % – FWG Westerhausen 5,0 % 1 – – Insgesamt 100 % 25 100 % 28
Bei der Wahl 2019 entfielen auf die AfD vier Sitze, von denen drei unbesetzt blieben, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister mini|Rathaus Thale 1922–1931: Otto Schönermark (1865–1947), erster Bürgermeister, seit 1902 Ortsvorsteher 1931–1933: Willy August 1933–1935: Herrmann Friedrich RichterEintrag beim Landesarchiv Sachsen-Anhalt 1936–1945: Werner Günter Hellmuth Meyer-Estner 1945–1945: Ernst Nilges 1945–1950: Willi Wenkel 1950–1959: Julius Bock 1959–1965: Albin Fleischmann 1965–1989: Heinz Hornburg 1989–1990: Udo ThielBürgermeisterliste nach Aufstellung durch das Archiv der Stadt Thale 1990–1994: Erich Schweidler (parteilos/CDU) 1994–2001: Hans-Michael Maertens (parteilos/CDU) 2001–2020: Thomas Balcerowski (CDU) 2020–2021: Frank Hirschelmann (parteilos), amtierender Bürgermeister seit 2021: Maik Zedschack (CDU)
Zedschack wurde bei der Bürgermeisterwahl am 31. Januar 2021 mit 58,3 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 31. Januar 2021 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen
Wappen in nationalsozialistischer Zeit
Wappen zu DDR-Zeiten
Städtepartnerschaften Es besteht seit 1990 eine Städtepartnerschaft mit Seesen (Niedersachsen) am Nordwestrand des Harzes und seit 1998 mit der 18 km von Paris entfernten französischen Stadt Juvisy-sur-Orge sowie der nordwestlich des Flusses Niger gelegenen nigrischen Stadt Tillabéri.
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Bauwerke Das aus karolingischer Zeit stammende ehemalige Kloster Wendhusen Das 1863 errichtete Hotel Zehnpfund, des zu seiner Zeit größten Sommerhotels in Deutschland Die 1906 fertiggestellte evangelische Sankt-Petri-Kirche In den Jahren von 1911 bis 1913 entstand die katholische Herz-Jesu-Kirche seit 2017 verbindet eine Fußgängerhängebrücke und Megazipline über den Stausee Wendefurth die Oberharzer mit der Thalenser Seite des Stausees Die weithin sichtbare Windmühle im Ortsteil Warnstedt
Ebenfalls unter Denkmalschutz stehen die 1848 errichtete Villa Rosenburg und das Berghotel Rosstrappe. Die Baudenkmale Thales sind in der Liste der Kulturdenkmale in Thale eingetragen, die Bodendenkmale in der Liste der Bodendenkmale in Thale.
Mythenweg mini|hochkant|Wotan-Ross Sleipnir am Mythenweg im Friedenspark