Die Ringelblume (Calendula officinalis), auch Gewöhnliche Ringelblume oder Garten-Ringelblume genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Ringelblumen (Calendula) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ihre Pflanzenteile werden in der Heilkunde verwendet.

Beschreibung mini|Habitus mini|Junger Fruchtstand Vegetative Merkmale Die Ringelblume ist eine einjährige krautige Pflanze, seltener wächst sie einjährig überwinternd oder zweijährig und erreicht meist Wuchshöhen von 30 bis 50, selten bis 70 Zentimeter. Die Wurzel ist spindelförmig und faserreich. Der aufrechte, wenig oder lediglich im oberen Bereich verzweigte Stängel ist kantig und kurzflaumig behaart und bis oben beblättert. Die Laubblätter sind ungestielt; nur die untersten sind stielartig verschmälert. Die oberen Blätter sind mit abgestutztem oder herzförmigen Grund sitzend. Die einfache Blattspreite ist behaart, ganzrandig, und von länglich lanzettlicher bis verkehrt-eiförmiger Form. Ihre Farbe ist mittel- bis hellgrün, sie sind 3 bis 12 (selten bis 18) cm lang und 1 bis 3 (selten bis 6) Zentimeter breit.

Generative Merkmale Die Blütezeit dauert von Juni bis Oktober, ein Blütenkorb blüht meist vier bis fünf Tage lang. Die Blütenkörbe stehen einzeln an beblätterten, langen Blütenstandsstielen und haben einen Durchmesser von bis zu 4 Zentimeter. Die 12 bis über 40 Hüllblätter sind 10 bis 12 Millimeter lang, sie sind lanzettlich, pfrimlich zugespitzt und mit Wimpern behaart. Am Blütenkorbrand stehen (selten 30 bis) 60 bis über 150 weibliche, fruchtbare Zungenblüten von dottergelber bis orangegelber Farbe. Sie sind 15 bis 30 Millimeter lang. Im Inneren der Körbe stehen 30 bis 50 (bis selten über 100) funktionell männliche Röhrenblüten.

Aus den Zungenblüten entwickeln sich die 9 bis 15 (selten bis über 25) Millimeter langen, einsamigen Achänen (Schließfrüchte). Die Achänen sind teilweise geflügelt, sichelförmig, gekrümmt bis geringelt, fast alle kahnförmig und am Rücken kurzstachelig und gaben der Pflanze ihren Namen. Die Ringelblume ist heterokarp: es gibt Kahn-, Ringel- und Hakenfrüchte, die sich in der Art ihrer Ausbreitung unterscheiden: Sie erfolgt durch Haftung an Tieren (Epizoochorie), durch Wind (Anemochorie), oder durch Nahrungseintrag der Ameisen (Myrmekochorie, Mundwanderung; Stomatochorie).

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28, 32 oder 36.

Inhaltsstoffe Die pharmazeutisch bedeutsamen Inhaltsstoffe der Blüten sind die Flavonoide, vor allem Quercetin- und Isorhamnetinglycoside, deren Konzentration bis 1 % beträgt. Triterpensaponine sind mit 2 bis 10 % vertreten, Carotinoide mit bis zu 3 % und Polysaccharide mit rund 15 %. Ätherische Öle sind mit 0,2 bis 0,3 % gering vertreten, sie bestehen vor allem aus Sesquiterpenen wie Cadinol und Jonon.

Die Achänen, Früchte enthalten bis zu 25 % Fett, 20 bis 60 % der darin enthaltenen Fettsäuren ist die ansonsten selten vorkommende Calendulasäure.Sabine Krist: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. 2. Auflage, Springer, 2013, ISBN 978-3-7091-1004-1, S. 693.

Vorkommen Die genaue Herkunft der Gewöhnlichen Ringelblume ist unbekannt, wird jedoch im Mittelmeerraum vermutet. POWO gibt Spanien als Ursprungsland an. Die Art wird weit verbreitet kultiviert und kommt verwildert in ganz Europa vor. In Mitteleuropa ist sie eine Adventivpflanze, jedoch nicht eingebürgert. Sie verwildert leicht, jedoch nur unbeständig. In Mitteleuropa wächst sie auf Schutt und nährstoffreichen Lockerböden in der collinen bis montanen Höhenstufe. Angebaut kommt sie im Kanton Uri bis 1420 Meter, in Tirol am Reschenpass bis 1500 Meter Meereshöhe vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

Ökologie Bestäuber sind Bienen, Hummeln und Schwebfliegen. Es kommt jedoch oft Selbstbestäubung vor.

Taxonomie Die Garten-Ringelblume wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Band 2, Seite 921 als Calendula officinalis erstbeschrieben.

Krankheiten und Herbivore Im Anbau sind als pilzliche Krankheitserreger Alternaria calendulae, Cercospora calendulae und Entyloma calendulae von Bedeutung, die die Blätter schädigen. Der Echte Mehltau kann zu großen Ertragsausfällen führen. Blattläuse (Aphis fabae, Myzus persicae) verursachen Saugschäden an den Triebspitzen und übertragen Viren.

Anbau Die Ringelblume wird vor allem in Deutschland und den Niederlanden angebaut, weitere Anbaugebiete sind Ägypten, Ungarn, Polen und die Balkanländer. Angebaut werden vor allem gefüllte Sorten. An den Standort stellt sie keine besonderen Ansprüche, am besten gedeiht sie auf gut versorgten Lehmböden. Zu starke Stickstoffdüngung oder Mangel an Phosphor und Kalium führen zu vermindertem Blütenansatz. Die Ernte erfolgt händisch oder maschinell mit Pflückmaschinen, wobei es mehrere Erntedurchgänge gibt. Die Körbchen werden bei Lufttemperatur oder bis 45 °C getrocknet und gerebelt, Blüten als Schmuckdrogen bei 80 °C, um die Farbe zu erhalten. Die Ernteerträge liegen bei 0,9 bis 1,5 Tonnen Zungenblüten pro Hektar.

Nutzung In der EU ist die medizinische Anwendung der Ringelblume durch den Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (englisch Committee on Herbal Medicinal Products, kurz HMPC) der europäischen Arzneimittel-Agentur (englisch European Medicines Agency, kurz EMA) geregelt. Laut der HMPC ist eine medizinische Wirkung anhand von Studien nicht ausreichend belegt, jedoch wird die Pflanze auf Grund langer traditioneller Nutzung als nicht-gesundheitsschädlich eingestuft. Vor einer Nutzung bei bestehender Allergie gegen Pflanzen der Familie Asteraceae (Korbblütler) wird gewarnt.

In der Lebensmittelindustrie wird die Ringelblume als Farbstoff eingesetzt, unter anderem bei Käse und Butter. In Teemischungen dient sie als Schmuckdroge. In der Vergangenheit diente sie zum Verfälschen von Safran.

In der Naturheilkunde werden die getrockneten ganzen oder zerkleinerten Blütenkörbchen und die getrockneten Zungenblüten verwendet. Verabreicht werden sie in Form von Teeaufgüssen, wässrigen Auszügen, Tinkturen, Extrakten und Salben. Präparate werden zur äußerlichen Anwendung bei Hautentzündungen, zur Wundheilung, bei Quetschungen, Furunkeln und Ausschlägen angeboten. Bei Magen- und Darmgeschwüren und bei Menstruationsbeschwerden werden sie innerlich angewendet. Des Weiteren wird sie gerne als Schmuckdroge Tees zugesetzt.

In der Volksmedizin gilt die Ringelblume als Diaphoretikum, Diuretikum, Antispasmodikum, Antihelminthikum, Emmenagogum und wurde gegen Leberleiden eingesetzt.

Die Ringelblume wird gerne in Bauerngärten angepflanzt. Ebenso eignet sie sich als Schnittblume. Sie ist seit ca. dem 12. Jahrhundert in Kultur. Es wurden u. a. auch halb- oder ganz gefüllte Sorten gezüchtet. Beispiel für eine gefüllte Sorte ist die Sorte „Fiesta Gitana“.Eckehart Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin/Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 630.

Trivialnamen Für die Ringelblume bestehen bzw. bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bleschblommen (Siebenbürgen), Brügamsblom, Brüjamsblaum (Mecklenburg), Butterblume (Schlesien), Christusauge, Dannblaume (Göttingen), Donnblaume (Göttingen), Dotterblume (Schlesien), gäl Gölling (Mecklenburg), Gardryngele, Gartringele, Gelcken (Ostpreußen), Gilken (Ostpreußen, Schlesien), Göldeke, Gölling (Mecklenburg), Goldblome (mittelniederdeutsch), Goldblume (Westfalen, Schlesien, Mecklenburg), Goldbluome (mittelhochdeutsch), Goldeke (bereits 1483), Goldenblöme (Ostfriesland), Goldjenblome (Ostfriesland), Goltje (Ostfriesland), Gugelkopf, Haussonnenwirbel, Hunneblöme (Ostfriesland), Ingelbluoma (St. Gallen bei Sargans), Kolblum, Marienbloem (mittelniederdeutsch), Mergenbluome (mittelhochdeutsch), Morgenbluom (mittelhochdeutsch), Morgenröte, Muzelplüm (für Variante mit gewölbten Blättern, mittelhochdeutsch), Reggele (althochdeutsch), Rinderblume (Schweiz), Ringel und Ringele (mittelhochdeutsch), Ringela (mittelhochdeutsch), Ringelbusch (Franken), Ringeli (St. Gallen bei Werdenberg), Ringelken (Göttingen), Ringelkrut (mittelniederdeutsch), Ringella, Ringeln (Schwaben bei Kirchheim), Ringelplum (mittelhochdeutsch), Ringelrose (Weser, Schlesien), Ringerbe (mittelhochdeutsch), Ringila (althochdeutsch), Ringlibluma (St. Gallen bei Toggenburg), Ringula, Rintzeln (mittelhochdeutsch), Rynzele (althochdeutsch), Sonnenwende (Schlesien), Summerlowe (mittelhochdeutsch), Studentenblume (Mark Brandenburg), Todtenblume (Salzburg, Augsburg, Thüringen), Weckbröseln (Henneberg), Warzenkraut, Zunenwirvel, Kringel (Eichsfeld-Thüringen).

Im Englischen wird die Pflanze Marigold („Mariengold“Vgl. etwa Barbara Newerla: Ringelblumenzeit – Von Sonnenbraut und Mariengold. In: wildundfrei.net, 7. August 2020, abgerufen am 7. Juni 2026.) oder Mary’s Gold („Marias Gold“) genannt – ein Verweis auf die Nutzung der Blume im Rahmen der katholischen Marienverehrung.

Aberglaube Es ist die Blume, die man klassischerweise für die Frage Er liebt mich, er liebt mich nicht verwendet. Das Abpflücken der Blumen soll allerdings Gewitter heraufbeschwören.

Die Ringelblume soll sich auch zur Liebesweissagung im Traum verwenden lassen: Sie wird gemeinsam mit Sommerkräutern getrocknet, gemahlen und mit Honig und Essig zu einer Salbe verarbeitet. Junge Frauen trugen die Salbe auf, bevor sie zu Bett gingen, und riefen den Heiligen Lukas an, sie von ihrer großen Liebe träumen zu lassen.

Bei Bauern stand die Ringelblume in hohem Ansehen, weil sich mit ihrer Hilfe angeblich das Tageswetter voraussagen lässt. Sind die Blüten zwischen 6 und 7 Uhr bereits geöffnet, so verspreche dies einen schönen, sonnigen Tag. Sind sie jedoch nach 7 Uhr noch geschlossen, so müsse mit Regen gerechnet werden.

Geschichte Antike Ob Calendula officinalis im Altertum schon bekannt war, ist ungeklärt. In Gustav Hegis Illustrierter Flora von Mitteleuropa aus dem Jahr 1929 wird diesbezüglich ausgeführt, dass das Klymenon des Theophrast und Dioskurides sowie die Caltha des Columella, Plinius und Vergil sich auch auf die Art Calendula arvensis beziehen könnten. Ebenso sind die Arten Taraxacum officinale und Cichorium intybus nicht auszuschließen. Aus den Klostergärten zur Zeit Karl des Großen ist eine Kultivierung nicht belegt.

Die ersten belastbaren schriftlichen Nachweise zur Verwendung der Ringelblume als Heilpflanze stammen aus dem 12. Jahrhundert, so von Hildegard von Bingen, die sie unter dem Namen „Ringula“ zur Behandlung von Verdauungsstörungen und Ekzemen empfiehlt.Manfred Boksch: Das praktische Buch der Heilpflanzen. BLV-Verlag, ISBN 3-405-14937-1, S. 60.

Die Erwähnung der Calendula bei Hildegard von Bingen kann als Hinweis gewertet werden, dass die Pflanze schon im 12. Jahrhundert in der Volksmedizin genutzt wurde.

Mittelalter In den Hildegard von Bingen zugeschriebenen Physica-Manuskripten des 13. bis 15. Jahrhunderts wurde eine Pflanze mit dem Namen ringula als innerlich giftwidrig wirkendes Mittel beschrieben. Mit dem Schwarzen einer Speckschwarte zu einer Salbe bereitet sollte sie äußerlich gegen „grint am Kopf“ wirksam sein. Die äußerliche Anwendung der „ringelblumen“ gegen „warzen“ und gegen „haupt flecken“ wurde auch im 15. Jahrhundert im Alemannischen Kräuterbuch (Cod. S. 386) empfohlen.