Wolfgang Preissler (* 23. März 1932 in Freital, Sachsen; † 4. Januar 2023 in Berlin), auch Preißler geschrieben, war ein deutscher Musiker und Komponist.
Leben Preissler war Solopauker, klassischer Schlagzeuger, Marimbaphon-Solist und Komponist. Seine Ausbildung in den Fächern Schlagzeug und Pauke erhielt er von 1946 bis 1950 durch Heinrich Knauer und Heinz Weise im Internat der Orchesterschule Villa Bruno Krumbholz in Kötzschenbroda, einem Stadtteil von Radebeul bei Dresden. Im Anschluss arbeitete er von 1950 bis 1951 als Schlagzeuger im Solistenensemble des damaligen Mitteldeutschen Rundfunks der DDR. Von 1951 bis 1959 war er Pauker und Soloschlagzeuger im Berliner Sinfonieorchester. Seit dieser Zeit bestand eine lebenslange enge Freundschaft mit dem Schlagzeuger der Berliner Philharmoniker Hans-Dieter Lembens.
Preisslers Tätigkeit im Berliner Sinfonieorchester wurde von 1952 bis 1953 aufgrund verbotener politischer Äußerungen durch ein staatlich verhängtes Berufsverbot unterbrochen. Hierbei wurde er dazu verpflichtet, sich als einfacher Transportarbeiter auf einem Rangierbahnhof im Sinne des Sozialismus zu bewähren.
Von 1959 bis 1961 war Preissler stellvertretender Solopauker des Großen Orchesters des Berliner Rundfunks und von 1961 bis 1964 stellvertretender Solopauker des Städtischen Berliner Symphonie-Orchesters. Von 1964 bis 1977 war er der erste Solopauker des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin.DEFA-Dokumentarfilm Der Augenzeuge. defa-stiftung.deEhemalige Orchestermitglieder. Rundfunk Sinfonieorchester Berlin Von staatlicher Seite wurden ihm für sein musikalisches Schaffen die Ehrentitel Kammermusiker und in der Folge Kammervirtuose verliehen.
Von 1954 bis 1977 gab es parallel eine enge Verbundenheit mit dem Berliner Ensemble. Preissler arbeitete dort unter der Leitung von Bertolt Brecht, Helene Weigel und Ruth Berghaus bei hunderten Brecht-Aufführungen, Neuinszenierungen und internationalen Gastspielreisen als musikalischer Interpret von Kompositionen von Paul Dessau. Zusammen mit Werner Pauli u. a. begleitete er musikalisch die Brecht-Interpretin Gisela May bei Auftritten und es entstanden mehrere Rundfunk- und LP-Aufnahmen. Ebenfalls nebenher begleitete er die Brechtinterpretin Sonja Kehler als Mitglied der Combo von Bernd Wefelmeyer und war zwischen 1965 und 1977 als Percussionist im Rundfunk Tanzorchester Berlin unter der Leitung von Günter Gollasch, der Siegfried Schäfer Combo und dem Orchester Gerd Natschinski tätig.
Nach vier Ausreiseanträgen aus beruflichen und politischen Gründen in den Jahren 1976 und 1977, wurde Preissler Ende 1977 fristlos aus dem Rundfunk der DDR entlassen und erhielt Berufsverbot, Auftrittsverbot und Kontaktsperren. 1978 erfolgte im Zuge der Ausbürgerung seines Freundes, dem Komponisten Tilo Medek, seine „Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR“. Medek hatte ihm mehrere seiner Werke persönlich gewidmet, die er zum Teil in der DDR uraufgeführt hatte. Hierzu gehörte auch Medeks in 1976/77 geschaffene „Konzert für Marimbaphon und Orchester“, das Wolfgang Preissler als Solist am Marimbaphon mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter dem Dirigenten Heinz Rögner aufnahm, für das jedoch unmittelbar nach der Produktion aus politischen Gründen ein Sendeverbot erteilt und jegliche öffentlichen Aufführungen verboten wurden. Das Sendeverbot galt letztlich für alle Werke, an denen Preißler in der DDR mitgewirkt hatte.
Im Zuge seiner Entlassung aus der Staatsbürgerschaft verließ er sofort die DDR und siedelte mit seiner Familie nach West-Berlin über. Auf Betreiben seines Freundes Hans-Dieter Lembens hin hatten die Berliner Philharmoniker geschlossen für die Anmietung einer Wohnung gebürgt, sodass Preissler mit seiner Familie nicht ins Notaufnahmelager Marienfelde musste. Anschließend wirkte er zunächst als Schlagzeuger bei den Berliner Philharmonikern mit, war danach weit über 20 Jahre Solopauker des Orchesters Philharmonia Hungarica und spielte als Paukist auf historischen Originalinstrumenten (Barockpauken) beim Collegium Aureum. Darüber hinaus unterrichtete er die Fächer Pauken und klassisches Schlagzeug als Privatdozent und gab Meisterkurse. Sein letzter internationaler Meisterkurs fand auf offizielle staatliche Einladung hin im Jahr 2000 in China statt.Friedrich Hofmeister Musikverlag.
Wolfgang Preissler ist auch als Komponist für Hörspiel- und Filmmusik sowie als Autor von Notenbüchern und Lehrheften für Schlaginstrumente bekannt. Er komponierte über 100 Hörspielmusiken.Hörspieldatenbank HörDatHörspiele im Deutschen Rundfunkarchiv (DRA); Hörspieldatenbank. 1972/73 experimentierte er im Rundfunk der DDR zusammen mit dem Regisseur Albrecht Surkau mit der im Westen neu erschienenen Kunstkopf-Stereophonie. Speziell hierfür kaufte der Rundfunk der DDR bei der Firma Neumann in der BRD einen Kunstkopf, Modell KU-80. 1973 schrieb er noch vor der Veröffentlichung der ersten Komposition für Kunstkopf als Gemeinschaftsprojekt von RIAS/BR/WDR im Westen, die erste Komposition für Kunstkopf-Stereophonie in der DDR. Die Produktion erfolgte im Juli 1973 in den Hörspielstudios des Rundfunks der DDR in der Nalepastraße in Berlin, die Erstsendung fand im Januar 1974 im Rundfunk der DDR statt.Deutsches Rundfunkarchiv (DRA) Er war der Vater des Musikers und Komponisten Thomas Preissler.
Wolfgang Preissler wurde nach seinem Tod auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin beigesetzt.
Auszeichnungen 1972: Verleihung des Titels KammermusikerVerlag Musiktotal. 1976: Verleihung des Titels Kammervirtuose
Werke Einige der Kompositionen für Hörspiel: Der schwarze Eremit. von Ngugi Wa Thiongo mit Martin Flörchinger, Gerd Grasse, Bärbel Bolle, u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: Rundfunk der DDR, 1973 Postenjäger. von Iwan Wasow mit Jürgen Zartmann, Lotte Loebinger, u. a. Regie: Wolfgang Brunecker. Prod.: Rundfunk der DDR, 1973 Blues. von Ernst Bruun Olsen mit Peter Reusse, Gerd Grasse, Barbara Dittus u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: Rundfunk der DDR, 1973, Ursendung 1974 (Erste große Kunstkopf-Produktion der DDR) Alter schützt vor Torheit nicht. von Ivan Isacovic mit Ursula Braun, Klaus Piontek, Joachim Tomaschewsky, u. a. Regie: Albrecht Surkau, Prod.: Rundfunk der DDR, 1974. (Kunstkopf Stereo) Der Präsident. von Maxime N'Debeka, mit Dietrich Körner, Joachim Siebenschuh, Walter Wickenhauser, Gerd Ehlers u. a. Regie: Helmut Hellstorff. Prod.: Rundfunk der DDR, 1974 Randbewohner. von Joachim Walther mit Hans-Peter Minetti, Klaus Piontek, u. a. Regie: Werner Grunow. Prod.: Rundfunk der DDR, 1974. Krach in Dagenow. von Rolf Gumlich. mit Martin Flörchinger, Heidi Weigelt, Helmut Müller-Lankow u. a. Regie: Werner Grunow. Prod.: Rundfunk der DDR, 1974 Der große Coup von übermorgen. von Dieter Müller mit Margit Bendokat, Ellen Tiedtke, u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: Rundfunk der DDR, 1974 Nachtaufnahme Nr. 1. von Inge Meyer mit Elsa Grube-Deister und Günter Naumann, Regie: Barbara Plensat. Prod.: Rundfunk der DDR, 1974 Eine Chance für ZYX von Günther Schiffel mit Jürgen Zartmann, Ingolf Gorges, u. a. Regie: Leonore Mütterlein. Prod.: Rundfunk der DDR, 1974. Kinderhörspiel / Rätselsendung Die Eheleute Fu. von To Hoai mit Gerd Grasse, Joachim Siebenschuh, Herwart Grosse u. a. Regie: Edith Märtin. Prod.: Rundfunk der DDR, 1975 Das Treffen. von Vaclav Cibula mit Wolfgang Sörgel, Knut Degner, Walter Wickenhauser u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: Rundfunk der DDR, 1975 (Kunstkopf Stereo) Ballade vom kleinen Mädchen. von Erik Zames mit Fred Düren, Hasso Zorn, Werner Kamenik u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: Rundfunk der DDR, 1975 (Kunstkopf Stereo) Ein Fingerhut voll Leningrad. von Reinhard Kuhnert. Regie: Barbara Plensat. Prod.: Rundfunk der DDR, 1975 Der Poet Petricä. von Ion Bäiesu mit Kurt Böwe, Werner Kamenik, Trude Bechmann u. a. Regie: Edith Schorn. Prod.: Rundfunk der DDR, 1975 Die guten Tage, die schlechten Tage. von Isidora Aguirre mit Gabriele Gysi, Brigitte Lindenberg, Otmar Richter u. a. Regie: Peter Groeger. Prod.: Rundfunk der DDR, 1975 Aufstand in Asturien. von Albert Camus mit Martin Seifert, Ekkehard Hahn, u. a. Regie: Peter Groeger. Prod.: Rundfunk der DDR, 1975 Vor der Herberge. von Krishna Chandar mit Ursula Werner, Horst Weinheimer, u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: Rundfunk der DDR, 1975 Gebrauchter Sarg. von Erzsebet Galgoczy mit Ruth Kommerell, Katarina Tomaschewsky, Margit Bendokat u. a., Regie: Albrecht Surkau, Prod.: Rundfunk der DDR, 1976 (Kunstkopf Stereo) Nesthocker. von Werner Gawande mit Dieter Wien, Barbara Adolph. Regie: Werner Grunow. Prod.: Rundfunk der DDR, 1976 Im Frühfrost. von Rainer Maria Rilke. Bearbeitung: Ursula Münchow mit Klaus Piontek, Barbara Schnitzler u. a. Regie: Peter Groeger. Prod.: Rundfunk der DDR, 1976 Nur der Form halber. von Silviu Georgescu mit Hans Knötzsch und Jürgen Holtz, Dramaturgie: Irini Weakis. Prod.: Rundfunk der DDR, 1976 Die schlanke Stimme. von Leszek Porok mit Ingolf Gorges, Ernst Meincke, Regina Beyer u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: Rundfunk der DDR, 1976. (Kunstkopf Stereo) Die Englischstunde. von Natasa Tanska mit Monika Lennartz und Kerstin Latke, Regie: Albrecht Surkau, Prod.: Rundfunk der DDR, 1976. Die Wohltäterin. von David Campton mit Käthe Reichel, Wolfgang Brunecker, Margit Bendokat u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: Rundfunk der DDR, 1977. Die Nacht der Trommel. von Michael Kittermaster. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: Rundfunk der DDR, 1977 (Kunstkopf Stereo) Banitschek läßt grüßen. von Eckhard Rösler mit Kurt Julius Goldstein, Ruth Kommerell, Jürgen Kluckert u. a. Regie: Manfred Täubert. Prod.: Rundfunk der DDR, 1977 Reise auf dem roten Pferd. von Ervin Lázár mit Joachim Siebenschuh, Angelika Waller, u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: Rundfunk der DDR, 1977, Erstsendung am 19. März 1978. Gericht über den Mann, der nicht gekämpft hat. von Mamduh Adwan mit Jochen Thomas, Helmut Müller-Lankow, u. a. Regie: Peter Groeger. Prod.: Rundfunk der DDR, 1977 Die leere Klasse. von Iván Mándy mit Walter Wickenhauser, Wolf Kaiser, Herbert Köfer, u. a. Regie Helmut Hellstorff. Prod.: Rundfunk der DDR, 1977, Erstsendung am 25. April 1978 Im Treppenhaus. von Iván Mándy mit Madeleine Lierck, Horst Schäfer, u. a. Regie: Albrecht Surkau, Prod.: Rundfunk der DDR, 1977 Strafraum. von Sheila Hodgson mit Martin Semmelrogge, Pierre Franckh u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: WDR, 1988 Verschlüsselte Nachrichten. von Conrad Hansen mit Marie-Luise Marjan, Walter Schramm u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: WDR, 1991, Erstsendung 9. Mai 1991 Stille. Nacht. Klirrende Fahnen. von Joachim Walther mit Winfried Glatzeder, Ingeborg Westphal, Horst Lampe, Ingolf Gorges u. a. Regie: Albrecht Surkau. Prod.: DLR, 1995
Einige der Kompositionen für Film: Ein nützlicher Mensch, TV-Komödie, Regie: Wolfram Krempel, mit Herwart Grosse, Helga Göring, Dieter Wien, u. a., Prod.: Fernsehen der DDR, 1974, Erstsendung 15. Dezember 1974.Lexikon Fernsehen der DDR Magische Stadt - Macau, Folge der Sendereihe Länder – Menschen – Abenteuer, Prod.: WDR, Erstsendung 3. Oktober 1979
Druckwerke Kleine Trommel. 31 Solostücke. Verlag MusikTotal, 2012, ISBN 978-3-938967-61-4. 50 Solostücke für kleine Trommel. Musikverlag Friedrich Hofmeister, 2015, .
Tonträger So nah ist dieses Land. Die USA-Kompanie von Son My (1971). Komposition: Paul Dessau. Vinyl-LP, Eterna 8 15 063. Schützt diese Welt (1971). Lieder und Chansons von Gisela May. Vinyl-LP, NOVA, 885 009. So ein Struwwelpeter. Musikalischer Bilderbogen für Sopransolo, Kinderchor und Solostimmen, Flöte, Fagott, Marimbaphon und andere Schlaginstrumente (1975). Text: Hansgeorg Stengel, Komposition: Tilo Medek. Schattenspiele. Lerina, 5 Stücke für Marimbaphon (1980). Komposition: Tilo Medek. Vinyl-LP, Verlag Schwann, VMS 1026.