Ülpenich ist ein Stadtteil von Zülpich im Kreis Euskirchen, Nordrhein-Westfalen. Ortsvorsteher ist seit dem Jahr 2020 Helmut Fischer (Stand: Januar 2021).
Lage Ülpenich liegt am südöstlichen Ortsrand des Stadtgebietes Zülpich. Von der Kernstadt Zülpich ist Ülpenich in östlicher Richtung rund drei Kilometer entfernt gelegen. Ülpenich liegt im Rheinland und gehört zum Gebiet der Zülpicher Börde, die wiederum ein Bestandteil der Region Kölner Bucht ist. Direkte Nachbarorte von Ülpenich sind nach Osten hin Dürscheven, nach Nord-Westen hin Nemmenich, nach Westen hin Zülpich, nach Süd-Westen Lövenich und nach Süden hin Enzen. Am nordwestlichen Rand fließt der Rotbach und es erstreckt sich dort der Mühlengraben.
Geographie Geographisch liegt der Ort Ülpenich auf einem Plateau und hat daher an der Westseite eine durchgängige Hanglage mit unterschiedlicher Höhe. Unterhalb des Hangs befindet sich das Neubaugebiet Ülpenich-West. Der Hang selbst gilt als Naturschutzgebiet und darf nicht bebaut werden. Südlich von Ülpenich befindet sich der Schievelsberg.
Geschichte Ortsname mini|hochkant|Römische Glasflasche, 2. Hälfte 3. Jahrhundert, Fundort: Gut Dürffenthal, Ülpenich
Ülpenich ist seit 1140 urkundlich belegt.Zu einem möglichen Erstbeleg des 9. Jahrhunderts, wo „De ulpiche“ jedoch wahrscheinlich „De [Z]ulpiche“ zu lesen und auf Zülpich statt Ülpenich zu beziehen ist, siehe Wolfgang Jungandreas, Ältere Belege für Ortsnamen um Zülpich, in: Rheinische Vierteljahresblätter 25 (1960), S. 149 Die ältesten, jeweils lateinischen Belege („in Ulpiaco“ 1140, „de Ulpech“ 1140, „de Ulpich“ 1166, „in Ulpich“ 1181, „iuxta Ulpich“ 1290)Theodor Joseph Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Band I, Düsseldorf 1840, Nr. 341 („in vlpiaco“ S. 230, „Iohannes de Vlpech“ S. 231), Nr. 420 („Alberto de Vlpich“ S. 291), Nr. 421 („predium in Vlpich“ S. 293), Nr. 478 („Predium in Vlpich“ S. 338), Nr. 907 („apud Kuoweide iuxta“ Ulpich S. 540) bezeugen hierbei die seit der Frühen Neuzeit außer Gebrauch gekommene Namensform Ulpiacum bzw. Ulpech, Ulpich, die in heutiger Fortsetzung Ülpich statt Ülpenich ergeben würde. Die Meinungen in der Forschung sind geteilt, ob dies die ursprüngliche Namensform war, die dann in Analogie zu Ortsnamen wie Lövenich (Lupiniacum), Zülpich (Martiniacum), Gürzenich (Curtiniacum) usw. zu der heute üblichen Form erweitert wurde,Hubert Marjan, Rheinische Ortsnamen, Heft IV, Aachen: Jacobi & Co., 1884, S. 13, gefolgt u. a. von Wilhelm Kaspers, Die -acum-Ortsnamen des Rheinlandes. Ein Beitrag zur älteren Siedlungsgeschichte, Tübingen: Niemeyer, 1921, S. 15 Nr. 59; Wilhelm Bofinger, Lateinische Personennamen in den Ortsnamen auf -anum, -acum und -anicum. Versuch einer vergleichenden Toponomastik, Tübingen: Bölzle, 1938, Nr. 262, S. 47 und Anm. 15. oder ob aus der heutigen Namensform ein ursprüngliches *Ulpiniacum zu erschließen ist, das lediglich zeitweise zu einer Nebenform Ulpiacum/Ulpich kontrahiert wurde.Max Siebourg: Matronen-Terrakotta aus Bonn. Nebst Bemerkungen zum Matronen-Kultus. In: Bonner Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande. Heft 105, 1900, S. 78–102, hier S. 83; Siegfried Gutenbrunner: Die germanischen Götternamen der antiken Inschriften. Niemeyer, Halle 1936, S. 189; gefolgt u. a. von Theo Vennemann genannt Nierfeld: Zur Erklärung bayerischer Gewässer- und Siedlungsnamen. In: Derselbe: Europa Vasconica – Europa Semitica. Herausgegeben von Patrizia Noel Haziz Hanna. De Gruyter, Berlin 2003, S. 33–94, hier S. 84–85 Anm. 97; Theo Vennemann: Die mitteleuropäische Orts- und Matronennamen mit f, Þ, h und die Spätphase der Indogermania. , ebenda S. 95–121, hier S. 97 und 110 Anm. 12; Theo Vennemann: Dating the division between High and Low Germanic. A summary of arguments. In: Toril Swan u. a. (Hrsg.): Language Change and Language Structure. Older Germanic Languages in a Comparative Perspective (= Trends in Linguistics. Band 73) Mouton de Gruyter, Berlin/New York 1994, S. 271–304, hier S. 285–286.
Der Name ist in der einen wie der anderen Form jedenfalls eine für Landgüter in dieser Region typische römisch-keltische Bildung, bestehend aus dem keltischen Suffix *-ākon „Ort, Besitz“, und dem Namen einer Person, normalerweise des Besitzers, der in diesem Fall den verbreiteten Gentilnamen Ulpius trug oder aber ein vergleichsweise eher seltenerer Ulpinius war, wie er als Eponym etwa auch für Olpignac (im Gebiet von Champagnac-le-Vieux)Bofinger, Lateinische Personennamen… (1938), Nr. 263, S. 48; Albert Dauzat, La toponymie française, rev. Neuausg., Paris: Payot, 1960, Nr. 549, S. 296 und für Upigny (im Gebiet von Éghezée) angesetzt wird.Hermann Gröhler: Über Ursprung und Bedeutung der französischen Ortsnamen, Heidelberg: Winter, 1913, Teil I, S. 297; Jean-Jacques Jespers: Dictionnaire des noms de lieux en Wallonie et à Bruxelles, Brüssel: Éditions Racine, 2005, S. 596
Der ursprünglich altrömische Ortsname Ulpiacum (lateinisch, zu deutsch „Hof des Ulpiacus“) könnte daher möglicherweise am ehesten auf einen Römer namens Ulpius zurückgehen, der oder evtl. dessen Vorfahren auf dem circa 800 m südlich von heutigen Ülpenich gelegenen Schievelsberg in einer römischen Villa oder Militärbefestigung in der Nähe der römischen Zweigstraße von Billig nach Zülpich gewohnt oder gearbeitet haben könnte. Eine am ehesten denkbare Militärbefestigung auf den Schievelsberg könnte möglicherweise wegen der von dort auch heute noch guten Aussicht in die westlich gelegene Zülpicher Ebene und die südlich beginnende Eifel bei Kommern als Späh- bzw. Frühwarnposten gedient haben. Auch ein richtiger Aussichtsturm zur potentiellen Abwehr feindlicher Angriffe auf das damalige nahe gelegene römische Militärlager mit dem Namen Tolbiacum (Zülpich) und zum Schutz der Römerstraße von Zülpich nach Billig ist denkbar.
In dem im nahegelegenen Aachener Raum befindlichen Frauenkloster der Reichsabtei Burtscheid residierte von circa 1363 bis 1390 die Abtissin Richardis von Ülpenich, deren Nachname auch als ein Hinweis auf die bereits damalige spätmittelalterliche Existenz des heutigen ebenso geschriebenen Ortsnamens Ülpenich hindeuten könnte.
Antike mini|Römische Glasflasche, gefunden 1904 Der Siedlungskern von Ülpenich befindet sich in einer für römische Ansiedlungen dieser Region typischen Hanglage auf der Abbruchkante des Prallhanges oberhalb des Rotbaches und unweit der römischen Nebenstraße zwischen Billig und Zülpich, deren Verlauf dem der späteren Rheinstraße entsprach.Harald Herzog / Norbert Nussbaum, Stadt Zülpich, Köln: Rheinland-Verlag, 1988 (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmäler im Rheinland, 9.5), S. 267–269. Dass der Ort in antiker Zeit tatsächlich schon besiedelt war, wurde 1904 durch einen archäologischen Fund auf dem Gebiet von Gut Dürffenthal bestätigt, der in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. datiert wird und offenbar als Grabbeigabe aus einer bei der Entdeckung nicht näher dokumentierten Grabstätte stammt. Dabei handelte es sich um eine Flasche aus frei geblasenem, dunkelrot durchscheinendem Glas, mit einem kugelförmigen Gefäßkörper und einem eingeschnürten, leicht geschwellten und am Ende lippenlosen Hals. Sie ist auf dem Mittelfeld der Kugel in Emailfarben mit zwei in einem Rennen befindlichen Viergespannen bemalt und weist auf der Schulter eine eingeritzte, teilweise durch Ranken übermalte Inschrift „PROVINCIA BELGIC(a)“ auf.Rheinisches Landesmuseum Bonn, Inventar-Nr. 17303; dazu Anna-Barbara Follmann-Schulz: Die römischen Gläser im Rheinischen Landesmuseum Bonn, Köln: Rheinland-Verlag, 1992 (= Kunst und Altertum am Rhein 138), S. 76 ff. Nr. 42. Zum Grabzusammenhang mit weiteren Funden jetzt auch Raymund Gottschalk: Spätrömische Gräber im Umland von Köln. Rheinische Ausgrabungen 71, Darmstadt 2015, S. 375 und Taf. 146.
Eine kontinuierliche Weiternutzung des Ortes im Frühmittelalter ist demgegenüber nicht bezeugt, da die schriftlichen Erwähnungen und die archäologischen Funde aus nachantiker Zeit nicht vor das 12. Jahrhundert zurückreichen.
Mittelalter In dem im Süden von Ülpenich befindlichen heutigen Restwaldgebiet Schievelsberg sollen bis ins hohe Mittelalter hinein öffentliche Gerichtsverhandlungen mit der damals üblichen sofortigen Urteilsvollstreckung (u. a. auch Hinrichtungen) stattgefunden haben, was eine Urkunde aus dem Jahr 1279 belegen soll. Der mittelalterliche Name Schavegras für den heutigen Schievelsberg scheint dabei von dem altgermanischen Begriff der „Schiffelwirtschaft“ (hochdeutsch: Schafwirtschaft) abgeleitet worden zu sein. Des Weiteren besaß Ülpenich bereits im Mittelalter ein ordentliches örtliches Schöffengericht.
Die heutige Besiedlung von Ülpenich entstand in der Form eines mittelalterlichen Haufendorfes beiderseits der Verbindungsweges von Enzen nach Nemmenich (heute: Moselstraße), mit der Kapelle des Hl. Kunibert, seit 1849 Pfarrkirche, als dem ungefähren Siedlungskern. Etwa 800 m südlich befand sich der Ort des Jülicher Hochgerichts Schievelberg, dem bis 1555 außer Ülpenich die Orte Langendorf, Linzenich, Lövenich, Nemmenich, Lüssem und Rövenich unterstanden. In den Rotbachauen unterhalb der Siedlung sollen sich bis ins 16. Jahrhundert noch zwei verschiedene Burganlagen befunden haben, von denen die ältere, nicht mehr erhaltene der Stammsitz (Burg Ülpenich) eines besonders im 13./14. Jahrhundert urkundlich belegten Adelsfamilie von UlpichDazu Florian Gläser, Schönau – Schönforst. Eine Studie zur Geschichte des rheinisch-maasländischen Adels im Spätmittelalter, Diss. Trier 1999, S. 43f. Digitale Version, PDF gewesen sein soll, der möglicherweise auch bereits ein 1140 belegter „Iohannes de Vlpech“ zuzurechnen ist, während die jüngere, das heute noch so genannte Haus Dürffenthal, seit 1307 urkundlich belegt ist und wahrscheinlich schon im 13. Jahrhundert von den Herren von Dürffenthal, Lehnsträgern der Grafen von Jülich, gegründet wurde.
Ebenfalls dem Mittelalter zuzurechnen sein dürfte die auch heute noch ähnlich wie die bereits erwähnte Burg Ülpenich in den Rotbachauen gelegene Probst-Mühle, die heute allerdings nur noch teilweise erhalten ist und sich seit geraumer Zeit in Privatbesitz befindet. Diese der damaligen frühmittelalterlichen Propstei bzw. Abtei Zülpich gehörende Mühle liegt in Richtung Westen außerhalb von Ülpenich an der Bundesstraße 56 in nahezu direkter Nähe zum heutigen Wassersportsee Zülpich. Trotz der ebenfalls großen Nähe zum benachbarten Ort Lövenich gehört die Probst-Mühle heute samt dem darin befindlichen Unternehmen zur Futtermittelherstellung postalisch und meldetechnisch zu Ülpenich.
Im sog. geldrischen Krieg im Jahr 1559 wurde Ülpenich als Ort vollständig zerstört.
Neuzeit mini|Ülpenich, St. Kunibert, Luftaufnahme (2016)
Im Jahr 1794 wird erstmals ein Lehrer in Ülpenich erwähnt, noch heute befindet sich im Ort eine städtische katholische Grundschule.