Das Martin-Rinckart-Gymnasium Eilenburg (MRGE) ist ein Gymnasium in der Stadt Eilenburg. Es befindet sich in Trägerschaft des Landkreises Nordsachsen. Das MRGE war eine von 57 Pilotschulen und ist aktuell eine von über 200 Schulen in Deutschland und dem deutschsprachigen Teil Belgiens, die das europäische Zertifikat CertiLingua verleihen. Das Einzugsgebiet der Schule erstreckt sich auf den weiteren Raum Eilenburg und reicht bis Mockrehna im Osten, Thallwitz im Süden, Jesewitz und Krostitz im Westen und Bad Schmiedeberg im Norden.
Pädagogische Arbeit und Angebote Sprachen und Bilinguale Ausbildung
Am MRGE werden die Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch und Latein unterrichtet. In den neuen Sprachen ist der Erwerb internationaler Sprachdiplome, in Latein der Erwerb des Latinums möglich. Seit dem Schuljahr 2006/2007 bietet die Schule ab Klassenstufe 7 die Möglichkeit einer bilingualen Ausbildung an. So werden Teile des Fachunterrichts der Gesellschafts- und Naturwissenschaften in englischer Sprache durchgeführt. Dafür kooperiert die Schule mit der Abteilung Fachdidaktik des Instituts für Anglistik der Philologischen Fakultät der Universität Leipzig. So leiten Dozenten der Universität Leipzig etwa Seminare und Workshops, gleichzeitig hospitieren Lehramtsstudenten philologischer und gesellschaftswissenschaftlicher Fachrichtung und werden in die Unterrichtsgestaltung einbezogen.Martin-Rinckart-Gymnasium Eilenburg: Schulprogramm, 3.2.3 Kooperation mit der Universität Leipzig, S. 9/10 (PDF; 1,6 MB) (abgerufen am 25. April 2010)
CertiLingua
Weiterhin wurde das Martin-Rinckart-Gymnasium 2008 vom sächsischen Kultusministerium als eine von 57 Pilotschulen in Deutschland akkreditiert, an einem europaweiten Projekt namens CertiLingua teilzunehmen. Dieses ist ein „Exzellenzlabel für mehrsprachige, europäische und internationale Kompetenzen“. Damit bietet die Schule sprachlich interessierten und begabten Schülern die Möglichkeit, ihre Anstrengungen zu intensivieren, u. a. mit Auslandsaufenthalten, um neben der allgemeinen Hochschulreife ein Zertifikat zu erhalten, dass den jeweiligen Schülern besondere Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen auf einem europaweit festgelegten Niveau bescheinigt und ihnen den Zugang zu internationalen Hochschulen erleichtern soll.Martin-Rinckart-Gymnasium Eilenburg: Schulprogramm, 3.2.4 Die Teilnahme des Martin-Rinckart-Gymnasiums am europäischen Pilotprojekt CertiLingua, S. 10/11 (PDF; 1,6 MB) (abgerufen am 25. April 2010)
Schulprofile
Außerdem ist den Schülern ab Klassenstufe 8 eine Profilierung möglich. Es wird ein künstlerisches Profil angeboten, das mit den Fächern Darstellendes Spiel, Musik und Kunst u. a. die Inhalte Architektur, Tanz, Musiktheater, Computer, Fotografie und Bildbearbeitung bearbeitet. Mit dem im Raum Leipzig einmaligen sportlichen Profil, soll eine Verknüpfung von Sportpraxis mit theoretischen Inhalten stattfinden; so werden u. a. Fitness und Gesundheit, Ernährung, Bewegungsmechanik, Formen einer neuen Spiel- und Bewegungskultur, sportpraktische Übungen sowie Ski- und Wassersportarten bearbeitet. Das Profil wird mit zwei Wochenstunden unterrichtet.Martin-Rinckart-Gymnasium Eilenburg: Schulprogramm, 3.4 Profile, S. 18/19 (PDF; 1,6 MB) (abgerufen am 25. April 2010)
Arbeitsgemeinschaften
An der Schule bestehen eine Vielzahl außerschulischer Angebote, die von Lehrern und/oder Schülern betreut werden. Neben sportlichen Angeboten wie Volleyball, gibt es technisch-naturwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaften wie Chemie, Technik und Computer/Informatik/Internet, musische Aktivitäten wie den Schulchor oder eine Schülerband, sowie Projekte mit gesellschaftlichem Aspekt wie die Schülerzeitung SchülerCocktail (abgerufen am 20. Dezember 2013), der Schulsanitätsdienst und die AGen Gesunde Ernährung und Schulhofgestaltung.Lehren und Lernen am Martin-Rinckart-Gymnasium Eilenburg in der Schuldatenbank Sachsen (abgerufen am 18. Juli 2013)
Geschichte + Zeitleiste des Gymnasialstandortes Eilenburg 1865 1882 1907 1935 1937 1946 1959 1979 1990 1992 Höhere Bürgerschule Realprogymnasium Realgymnasium Reform-realgymnasium Städtische Oberschule für Jungen Oberschule Erweiterte Oberschule Erweiterte Oberschule „Friedrich Engels“ Erweiterte Oberschule Martin-Rinckart-Gymnasium
Die Anfänge des Eilenburger Gymnasiums mini|Das 1906 eröffnete Stammhaus am Dr.-Külz-Ring 9 beherbergt heute die Volkshochschule Nordsachsen 1865 fassten die städtischen Behörden den Beschluss, eine Höhere Bürgerschule in Eilenburg zu errichten. Nachdem die Genehmigung seitens der übergeordneten Königlichen Behörden kurz darauf erteilt worden war, konnte die neue Anstalt bereits Ostern 1865 eröffnet werden. Der Unterricht wurde mit 27 Schülern aufgenommen. Mit der Einführung der Obersekunda (Klassenstufe 11) im Jahr 1882 wurde die Schule zum Realprogymnasium weiterentwickelt, wobei die OII im Zuge einer Schulreform später wieder abgegeben wurde. Dem Wachstum der Stadt entsprechend beschloss die Stadtverordnetenversammlung im Februar 1902, das Realprogymnasium zu einem vollwertigen Realgymnasium mit Oberstufe auszubauen. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem preußischen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten, an denen auch bereits der ab 1904 amtierende Bürgermeister Alfred Belian beteiligt gewesen sein sollVerein der Freunde und Förderer des Martin-Rinckart-Gymnasiums e. V. (Hrsg.): Vom Realprogymnasium zum Martin-Rinckart-Gymnasium, Druck & Werbung Mosig, Wölpern 1996, Seite 8, wurde diesem Ansinnen am 24. Januar 1904 entsprochen. So folgte die Einführung der Obersekunda Ostern 1904, die der Unterprima 1905 und der Oberprima 1906. Schließlich konnten Ostern 1907 die ersten Reifeprüfungen abgenommen werden, womit die Entwicklung zum vollwertigen Realgymnasium abgeschlossen war.Jahres-Bericht des Städtischen Realgymnasiums in Entwicklung zu Eilenburg, Ostern 1907
Die Genehmigung für das neue Realgymnasium wurde an die Bedingung geknüpft, einen Neubau zu errichten. Die ursprünglich geplante Erweiterung des Bestandsgebäudes am Südring 17 (heute Polizeirevier) wurde daraufhin verworfen. Die noch im selben Jahr begonnenen Bauarbeiten wurden 1906 planmäßig abgeschlossen und das neue Schulhaus im April feierlich eingeweiht. Das erste Schuljahr im neuen Gebäude wurde mit 223 Schülern begonnen. 1909 besuchte der Oberpräsident der Provinz Sachsen, Wilhelm von Hegel, die Schule.Jahresbericht des Städtischen Realgymnasiums zu Eilenburg, Ostern 1909, C. W. Offenhauer, Eilenburg Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges legten in Eilenburg 106 Schüler das Abitur ab, darunter auch Externe.Verein der Freunde und Förderer des Martin-Rinckart-Gymnasiums e. V. (Hrsg.): Vom Realprogymnasium zum Martin-Rinckart-Gymnasium, Druck & Werbung Mosig, Wölpern , Seite 11
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 wurden fünf Lehrer und zwei Kandidaten zum Kriegsdienst eingezogen. Neben den 16 Abiturienten des Jahrgangs 1914/15 meldeten sich 13 Schüler der UI, zehn aus OII sowie acht aus UII freiwillig zum Militärdienst. Die verbliebenen Schüler schlossen sich der Jungwehr an. Im Rahmen von zwei Goldsammelaktionen trugen Schüler und Lehrer insgesamt 31.000 Mark Gold aus Eilenburg und den umliegenden Dörfern zusammen, die an die Reichsbank abgeliefert wurden. Darüber hinaus beteiligten sich die Schüler an der Reichswollwoche und bei Metallsammlungen. Der Unterrichtsbetrieb konnte ohne größere Einschränkungen aufrechterhalten werden.Jahresbericht des Städtischen Realgymnasiums zu Eilenburg, Ostern 1915, C. W. Offenhauer, Eilenburg
Weimarer Zeit und Nationalsozialismus Entsprechend Artikel 109 der Weimarer Reichsverfassung, nach dem Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes aufzuheben waren, öffnete sich das Realgymnasium auch für Kinder weniger vermögender Eltern. So erhielten in den 1920er-Jahren rund zehn Prozent der Schülerschaft einen Schulgelderlass; dieser Anteil steigerte sich bis 1929 auf 16 Prozent. Ab 1926 wurden auch Mädchen zur Reifeprüfung zugelassen. Aus diesem Grund mussten die Lehrpläne des Realgymnasiums mit denen des Lyzeums harmonisiert werden. So ersetzte Englisch fortan Latein als 1. Fremdsprache. Die Schule führte daher nun die Zusatzbezeichnung i. U. z. ReformrealgymnasiumStädtisches Realgymnasium Eilenburg: Bericht über das Schuljahr 1925–1926, Verlag C. W. Offenhauer, Eilenburg 1926, Seite 19 (Digitalisat). Ende der 1920er-Jahre wurde eine so genannte Hilfsbücherei eingerichtet, in der Schüler die geforderten Lehrbücher gegen geringe Gebühr entleihen konnten.
Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde 1933 der bisherige Oberstudiendirektor Schulz auf Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums seines Amtes enthoben. Als kommissarischer und später ordentlicher Nachfolger wurde Studienrat Hans Kirsten bestimmt.Städtisches Realgymnasium Eilenburg: Jahresbericht für das Schuljahr 1933/34, Seite 15 (Digitalisat) 1934 waren bis auf drei Mädchen sämtliche Schüler der Anstalt Mitglied der Hitlerjugend, von den Primanern gehörten zwei der SS und fünf der SA an. Die weltanschauliche Schulung im Sinne des Nationalsozialismus nahm von nun an breiten Raum ein, das Fach Rassenkunde wurde Bestandteil des Stundenplans. Mit dem Ablauf des Schuljahres 1934/35 war die Umwandlung vom Realgymnasium zum Reformrealgymnasium abgeschlossen,Städtisches Reformrealgymnasium Eilenburg: Jahresbericht für das Schuljahr 1934/35, Seite 1 (Digitalisat) mit Reform des Schulsystems 1937 jedoch wieder obsolet. Das Gymnasium führte nun den Namen Städtische Oberschule für JungenStädtische Oberschule für Jungen in Eilenburg: Jahresbericht für das Schuljahr 1937/38 (Digitalisat). 1939 wurden die ersten Lehrer und ab Dezember 1942 auch Schüler zum Kriegsdienst eingezogen. Die zunehmend kleiner werdenden Klassen wurden zusammengelegt.
Nachkriegszeit und DDR Nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann am 1. Oktober 1945 wieder der Schulbetrieb. Die in der sowjetischen Besatzungszone erfolgte Reform des Schulwesens hatte die Beseitigung des bürgerlichen Bildungsprivilegs zum Ziel. Im neuen System ersetzte die Oberschule das Gymnasium. Da das vom Artilleriebeschuss Eilenburgs weitgehend verschont gebliebene Realgymnasium als städtisches Verwaltungsgebäude in Anspruch genommen wurde, zog die Oberschule zunächst kurzzeitig in die Bergschule und danach in das ehemalige Seminargebäude. Nachdem der Wiederaufbau des Eilenburger Rathauses 1949 abgeschlossen war, erfolgte der Umzug zurück in das Stammhaus 1951 nach einer Renovierung. Auch in der neu gegründeten DDR spielte die Einheit von Bildung und weltanschaulicher Erziehung eine große Rolle. Schulbücher und Lehrpläne im Sinne des Marxismus bestimmten den Unterricht. 1949 waren rund 50 Prozent der Schülerschaft Mitglied der FDJ. Die Kinder der werktätigen Schichten profitierten von Schulgelderlass, Unterhaltsbeihilfen und kostenloser Schulbuchversorgung. 1953 erhielten dreiviertel der Eilenburger Oberschüler derartige Beihilfen. 1953 wurde ein Schulgarten eingerichtet. Es bildeten sich Arbeitsgemeinschaften wie eine Laienspiel- und eine Volkstanzgruppe sowie ein Foto- und ein Schachzirkel. Im sportlichen Bereich gab es eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Gesellschaft für Sport und Technik. Vergleichswettkämpfe mit Schulen der Umgebung und Schülerfestivals waren Ausdruck der hohen Bedeutung, die dem Sport in der DDR beigemessen wurde. 1959 erhielt die Oberschule die Bezeichnung Erweiterte Oberschule, die 1979 um den Namen Friedrich Engels erweitert wurde. Im Sinne der polytechnischen Ausbildung gab es ab 1970 das Fach Wissenschaftlich-praktische Arbeit, 1978 folgte die Einführung des Wehrunterrichts. Mit dem Auslaufen der Klassen 9 und 10 als Vorbereitungsklassen gab es ab dem Schuljahr 1982/83 nur noch die Klassenstufen 11 und 12 an der EOS. 1989 erhielt die Eilenburger EOS das erste Computerkabinett im Bezirk Leipzig.
Seit 1990