Die neupreußische Heeresorganisation behandelt die Aufbauorganisation der preußischen Armee von der Heeresreform von 1807 bis 1814 an, bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914.

Organisation der neupreußischen Armee Die altpreußische Armee wurde im Krieg von 1806 durch Napoleon völlig zerschlagen, viele Soldaten gingen in Gefangenschaft. Mit der beginnenden Neuformation wurde beschlossen, die alten Regimenter in ihrer bestehenden Form aufzulösen und eine neue Struktur zu schaffen.

Noch während des Krieges gegen Frankreich, nach dem katastrophalen Herbstfeldzug 1806, begann die Reorganisation des Heeres. Am Anfang blieb sie auf die verbliebenen nichtbesetzten Ostprovinzen Preußens (Ostpreußen, Schlesien, Pommern) beschränkt. So entstanden 19 neue Reservebataillone, 6 Kavalleriebrigaden, sowie einige Freikorps. Zusammen mit den 1806 in den Ostprovinzen zurückgebliebenen Regimentern und Garnisonsbataillonen bildete diese „neue“ Streitmacht bei Kriegsende 1807 63.000 Mann. Diese Streitmacht ist bereits als neupreußische Armee zu bezeichnen.

Nach erfolgter Heeresreform zwischen 1807 und 1814 entstand die neupreußische Armee mit dem für sie typischen Nebeneinander von Linienarmee und Landwehr. Die Bezeichnung der Regimenter nach ihren jeweiligen Chefs fiel weg, von da an erhielten die Regimenter Nummern und den Namen ihrer Provinz als Bezeichnung (1823 fiel die Bezeichnung nach den Provinzen zwischenzeitlich wieder weg).

Eine wichtige strukturelle Veränderung der Reformen, war die Einrichtung des Kriegsministeriums, in dem ab dem 25. Dezember 1808 die zuvor auf verschiedene Behörden verteilte Militärverwaltung zusammengefasst wurde.

Vom 16. November 1808 an wurden die verbliebenen Regimenter in sechs Brigaden zusammengefasst (Ostpreußische Brigade, Westpreußische Brigade, Pommersche Brigade, Brandenburgische Brigade, Niederschlesische Brigade und die Oberschlesische Brigade). Dabei kamen auf eine Brigade zwei Infanterieregimenter und zwei bis drei Kavallerieregimenter. Die Brigaden entsprachen damit praktisch gemischten Divisionen. Der Zweck dieser Einteilung war es, ein besseres Zusammenspiel der einzelnen Truppengattungen zu erreichen. Ab 1813 bildeten die sogenannten Brigaden das Gegenstück zur Infanteriedivision französischen Typs, mit je einem Infanterieregiment, einem Reserveregiment, einem Landwehrregiment, einem Kavallerieregiment und einer Batterie.

Am 11. Juni 1813 wurden drei Armeekorps gebildet (als I., II., III. Armeekorps bezeichnet). Jedes Armeekorps bestand aus vier gemischten Brigaden einschließlich 16 Landwehrbataillonen. Dazu kam noch eine Kavalleriereserve von drei Brigaden, wovon in der Regel die ersten beiden aus regulären Regimentern bestanden, die dritte aus Landwehr. Die Artilleriereserve wurde unter einem eigenen Kommandeur zusammengefasst und konnte bis zu acht Batterien umfassen. Die Gliederung des zu einem Großteil aus Landwehr bestehenden IV. Armeekorps wich von der der übrigen ab, da die unterstellten Truppen defensive u. a. Aufgaben erfüllen sollten. Die Gardetruppen standen bis auf ein Halbbataillon der Gardejäger bei der russischen Garde.

Die neupreußische Armee gliederte sich folgendermaßen (1813): Armeekorps (I.,II.,III.) Brigade (gemischter Verband) Infanteriebrigade/Kavalleriebrigade: 2–3 Infanterie- oder Kavallerieregimenter Regiment Bataillon Kompanie

Gliederung eines preußischen Armeekorps 1813: Armeekorps ⇓ 4 gemischte Brigaden, Kavalleriereserve (3 Brigaden), Artilleriereserve ⇓ 8 Infanterieregimenter, 1 Jäger- oder Schützenbataillon, ca. 14 Kavallerieregimenter, 16 Landwehrbataillone, 12 Batterien mit 96 Geschützen

Die Zusammensetzung der Brigaden aus Truppen von verschiedenem Wert entsprach der Absicht, den jungen Landwehren im Gefecht einen soliden Rückhalt an erprobten Linientruppen zu geben.

Am 23. März 1815 wurde die Armee von drei auf sechs Armeekorps eingeteilt (Die Sollstärke eines Armeekorps betrug um die 35.000 Mann). In der Schlacht von Waterloo war es das IV. Armeekorps unter Kommando von Blücher, das die Schlacht entschied.

Nach dem Wiener Kongress 1815, bestand die preußische Linienarmee aus folgenden Einheiten: Die Infanterie bestand aus 2 Garderegimentern, 2 Grenadierregimentern und 32 Linieninfanterieregimentern. Die Kavallerie bestand aus 4 Gardekavallerieregimentern und 32 Linienkavallerieregimentern.

Verteilung der Verbände auf die Armeekorps (1840) Armeekorps Division Infanterie-Brigade Kavallerie-Brigade Landwehr-Brigade dem Korps unterstelltGarde-Korps(Berlin)1. Garde-Division(Berlin) 1. Garde-Rgt. zu Fuß 2. Garde-Rgt. zu Fuß Garde-Jäger-Bataillon Gardes du Corps Garde-Husaren-Rgt. 1. Garde-Ulanen-(Landw.-)Rgt. 1., 2. Garde-Landwehr-Rgt. Garde-Artillerie-Brigade Garde-Pionier-AbteilungGarde-Res.-Infanterie-(Landw.-)Rgt.2. Garde-Division(Berlin) 1. Garde-Grenadier-Rgt. 2. Garde-Grenadier-Rgt. Garde-Schützen-Bataillon Garde-Kürassier-Rgt. Garde-Dragoner-Rgt. 2. Garde-Ulanen-(Landw.-)Rgt. 3., 4. Garde-Landwehr-Rgt.I. Armee-Korps(Königsberg i. Pr.)1. Division(Königsberg i. Pr.) 1., 3. Infanterie-Rgt. 3. Kürassier-, 1. Dragoner-Rgt. 1., 3. Landwehr-Rgt. 1. Artillerie-Brigade 1. Pionier-Abteilung33. Infanterie-Rgt. (1. Res.-Rgt.) 1. Jäger-Abteilung2. Division(Danzig) 4., 5. Infanterie-Rgt. 5. Kürassier-, 1. Husaren-Rgt. 4., 5. Landwehr-Rgt.II. Armee-Korps(Stettin)3. Division(Stettin) 2., 9. Infanterie-Rgt. 2. Kürassier-, 5. Husaren-Rgt. 2., 9. Landwehr-Rgt. 2. Artillerie-Brigade 2. Pionier-Abteilung34. Infanterie-Rgt. (2. Res.-Rgt.) 2. Jäger-Abteilung4. Division(Stargard) 14., 21. Infanterie-Rgt. 3. Dragoner-, 4. Ulanen-Rgt. 14., 21. Landwehr-Rgt.III. Armee-Korps(Frankfurt a. d. Oder)5. Division(Frankfurt a.d. Oder) 8., 12. Infanterie-Rgt. 2. Dragoner-, 3. Ulanen-Rgt. 8., 12. Landwehr-Rgt. 3. Artillerie-Brigade 3. Pionier-Abteilung35. Infanterie-Rgt (3. Res.-Rgt.) 3. Jäger-Abteilung6. Division(Torgau) 20., 24. Infanterie-Rgt. 6. Kürassier-, 3. Husaren-Rgt. 20., 24. Landwehr-Rgt.IV. Armee-Korps(Berlin)7. Division(Magdeburg) 26., 27. Infanterie-Rgt. 7. Kürassier-, 10. Husaren-Rgt. 26., 27. Landwehr-Rgt. 4. Artillerie-Brigade 4. Pionier-Abteilung36. Infanterie-Rgt. (4. Res.-Rgt.) 4. Jäger-Abteilung8. Division(Erfurt) 31., 32. Infanterie-Rgt. 8. Kürassier-, 12. Husaren-Rgt. 31., 32. Landwehr-Rgt.V. Armee-Korps(Posen)9. Division(Glogau) 6., 7. Infanterie-Rgt. 4. Kürassier-, 2. Husaren-Rgt. 6., 7. Landwehr-Rgt. 5. Artillerie-Brigade 5. Pionier-Abteilung37. Infanterie-Rgt. (5. Res.-Rgt.) 1. Schützen-Abteilung10. Division(Posen) 18., 19. Infanterie-Rgt. 7. Husaren-, 1. Ulanen-Rgt. 18., 19. Landwehr-Rgt.VI. Armee-Korps(Breslau)11. Division(Breslau) 10., 11. Infanterie-Rgt. 1. Kürassier-, 4. Husaren-Rgt. 10., 11. Landwehr-Rgt. 6. Artillerie-Brigade 6. Pionier-Abteilung38. Infanterie-Rgt. (6. Res.-Rgt.) 2. Schützen-Abteilung12. Division(Neiße) 22., 23. Infanterie-Rgt. 6. Husaren-, 2. Ulanen-Rgt. 22., 23. Landwehr-Rgt.VII. Armee-Korps(Münster)13. Division(Münster) 13., 15. Infanterie-Rgt. 11. Husaren-, 6. Ulanen-Rgt. 13., 15. Landwehr-Rgt. 7. Artillerie-Brigade 7. Pionier-Abteilung39. Infanterie-Rgt. (7. Res.-Rgt.) 3. Schützen-Abteilung14. Division(Düsseldorf) 16., 17. Infanterie-Rgt. 8. Husaren-, 5. Ulanen-Rgt. 16., 17. Landwehr-Rgt.VIII. Armee-Korps(Koblenz)15. Division(Köln) 25., 28. Infanterie-Rgt. 4. Dragoner-, 7. Ulanen-Rgt. 25., 28. Landwehr-Rgt. 8. Artillerie-Brigade 8. Pionier-Abteilung40. Infanterie-Rgt. (8. Res.-Rgt.) 4. Schützen-Abteilung16. Division(Trier) 29., 30. Infanterie-Rgt. 9. Husaren-, 8. Ulanen-Rgt. 29., 30. Landwehr-Rgt.

Nach dem Deutschen Krieg 1866 kamen infolge der Gebietsgewinne drei weitere Armeekorps (das IX., X., XI.) dazu. In diesen wurden die Truppen Schleswig-Holsteins und der annektierten Staaten Hannover, Kurhessen und Nassau eingereiht. Zudem bildete die sächsische Armee mit zwei Divisionen das XII. Armeekorps, und die Armee des Großherzogtums Hessen wurde zu der keinem Korps zugeordneten 25. Division. Die Verbände der kleineren norddeutschen Staaten wurden nach Abschluss entsprechender Militärkonventionen in Form einzelner Regimenter oder Bataillone in die preußische Armee integriert.

So entstand die Armee des Norddeutschen Bundes, welche aus nun insgesamt 27 Divisionen bestand. (Preußen hatte 1865 erst 18 Divisionen besessen). Durch Schutz- und Trutzbündnisse mit den süddeutschen Staaten wurde die Mitwirkung ihrer Truppen im Kriegsfalle gesichert.

Der Bestand der preußischen Armee betrug zum 27. September 1866 (inklusive der kleineren Bundeskontingente) 96 Infanterieregimenter, 12 Jägerbataillone, 19 Dragonerregimenter, 17 Husarenregimenter, 16 Ulanenregimenter, 11 Feldartillerieregimenter, 11 Pionierbataillone und 11 Trainbataillone.

Mit der Proklamierung des Deutschen Reiches 1871 kamen zwei weitere Armeekorps dazu (das XIV. und XV. Armeekorps). So stellte die preußische Armee im Reichsheer 13 von 18 Armeekorps.

1875 waren von insgesamt 420.000 Mann im Reichsheer, 325.000 Mann Angehörige der preußischen Armee. 1888 waren von 487.000 deutschen Soldaten 377.000 Soldaten der preußischen Armee.

1914 umfasste die preußische Armee 498 Infanteriebataillone in 166 Infanterieregimentern zu 3 Bataillonen, 14 Jäger-/Schützen-Bataillone, 7 Unteroffiziersschulen, 9 MG-Abteilungen (180 MG-Kompanien, 15 Festungs-MG-Abteilungen), 430 Kavallerieschwadronen in 86 Regimentern zu 5 Schwadronen, 483 Feldartillerie-Batterien in 76 Regimentern, eine Feldartillerieschießschule, 38 Fußartilleriebataillone in 19 Regimentern zu 2 Bataillonen, 28 Pionierbataillone, 7 Eisenbahnbataillone, 6 Telegrafenbataillone, 4 Fliegerbataillone, 1 Kraftfahrbataillon, 19 Train-Abteilungen und 242 Bezirkskommandos.

Für weitergehende Organisationsstrukturen im Deutschen Kaiserreich, Siehe auch: Reichsheer 1871–1918

Infanterie Siehe auch: Infanterieregimenter der neupreußischen Armee 1807–1918

Durch die Niederlage der preußischen Armee im Krieg gegen Napoleon wurden die alten Regimenter in ihrer bisherigen Form aufgelöst und neu gebildet. Dabei blieb die grundsätzliche taktische Gliederung nach Regiment, Bataillon, Kompanie, Zug wie noch in der altpreußischen Armee erhalten.

Am 20. November 1807 begann für die Infanterie die Neuaufstellung. Die fortbestehenden Regimenter bestanden nun pro Regiment aus 2 Musketierbataillonen zu 4 Kompanien pro Bataillon, 2 Grenadierkompanien und ein drittes sogenanntes leichtes Bataillon auch zu 4 Kompanien, das für den Kampf als Plänkler besonders ausgebildet war (1809 in Füsilierbataillon umbenannt). Ab 1813 bestand ein Infanterieregiment aus 2053 Mann. Die Sollstärke wurde also Schritt für Schritt bis dahin erhöht.

Bestand der preußischen Infanterie im August 1813 nach Ablauf des Waffenstillstandes: Linieninfanterie Garnison Jäger Landwehr 32 Infanterieregimenter mit 90 Bataillonen 39 Bataillone 8 Jägerbataillone 151 Bataillone = 72.000 Mann = 32.000 Mann = 11.000 Mann = 110.000 Mann Bestand der preußischen Infanterie im Jahre 1859 vor der Heeresreform: Linieninfanterie Landwehrinfanterie Jäger 2 Garde-Regimenter 2 Grenadieregimenter 32 Infanterieregimenter 8 Reserve-Infanterieregimenter 4 Garde-Landwehrregimenter 32 Landwehrregimenter 8 Reserve-Landwehrbataillone 8 Jägerbataillone = 95.000 Mann = 3.600 Mann = 4.300 Mann Bestand der preußischen Infanterie im Jahre 1861 nach der Heeresreform: Linieninfanterie Landwehrinfanterie Jäger 4 Garde-Regimenter 4 Grenadierregimenter 72 Infanterieregimenter 8 Füsilierregimenter(ehemals Reserve-Regimenter) 4 Garde-Landwehrregimenter 32 Landwehrregimenter 8 Reserve-Landwehrbataillone 8 Jägerbataillone

Linieninfanterie Die preußische Armee bestand 1815 u. a. aus 32 Linieninfanterieregimentern.

Die 1.–12. Regimenter wurden aus den alten Regimentern gebildet. Sie waren gut ausgebildet und kampfstark. Nur ihnen war es gestattet, in den Befreiungskriegen eigene Truppenfahnen zu führen. Die ersten 12 Infanterieregimenter wurden auch als Stammregimenter bezeichnet.