Das Waldgebiet Josefslust, zu dem auch der Wildpark Josefslust gehört, ist ein Jagdrevier des Hauses Hohenzollern beiderseits der Landesstraße 456 von Sigmaringen nach Krauchenwies. Josefslust wird als Straßenname der Stadt Sigmaringen geführt, ist aber kein eigenständiger Ortsteil. mini|Schweinefamilie im Wildpark
Lage und Größe mini|400px|Karte des Wildparks Der Wildpark Josefslust ist Teil des „Sigmaringer Forsts“, eines Waldgebiets, das im Norden von der Donau und im Süden von der Ablach begrenzt wird. Der Sigmaringer Forst ist nach dem Altdorfer Wald das größte zusammenhängende Waldgebiet Oberschwabens und erstreckt sich von Meßkirch bis nach Mengen. Er wird durch zwei in nord-südlicher Richtung verlaufende Straßen – im Westen die Kreisstraße 8267 von Laiz nach Göggingen und im Osten die Landesstraße 456 von Sigmaringen nach Krauchenwies – in drei etwa gleich große Waldflächen geteilt.
Der „Josefsluster Wald“ wird häufig fälschlicherweise als „Josefswald“ tituliert, der Josefswald ist jedoch lediglich ein Gewann im Josefsluster Wald. Letzterer umfasst heute eine Fläche von rund 15 km², davon sind 7,2 km² als Wildpark eingezäunt. Der eigentliche „Wildpark Josefslust“ mit einer Fläche von 780 HektarArno Möhl (mö): Geänderte Rechtslage: Waldbesitzer haften bei Unfällen nicht mehr. In: Schwäbische Zeitung vom 28. Oktober 2010 ist die mittlere Waldfläche zwischen K 8267 und L 456 und zudem der zentrale Punkt des Landkreises Sigmaringen.Karlheinz Fahlbusch (kf): Sigmaringen ist der Mittelpunkt. In der Südkurier-Ausgabe vom 29. März 2003
Fürstlich Hohenzollerischer Wildpark Josefslust Der Wildpark Josefslust ist ein weitläufiger, von einem 35 Kilometer langen Wegenetz durchzogener Naturpark. Er darf von jedermann kostenlos zum Zweck der Erholung zu jeder Zeit und überall betreten werden. mini|links|Haupteingang Der Haupteingang zum Wildpark liegt an der Straße zwischen Krauchenwies und Sigmaringen. Nach Überqueren der Fahrbahn gelangt man vom Waldparkplatz zum Haupteingang, einer efeuberankten Toreinfahrt im Osten des Wildparks. Das schwere Eisentor ist von zwei Säulen gefasst. Auf ihnen thronen gusseiserne Rothirschplastiken, rechts die eines Zwölfenders, links die eines Vierzehnenders.
Der Wildpark Josefslust hatte bis 2010 teils groß angelegte Schaugatter mit Wild der heimischen Tierwelt: Wildschweine, Rot- und Damwild. Ein 2,5 Kilometer langer Rundweg führte noch bis 2010 zu den Gehegen für Rot- und Damwild. Das größte Gehege hatte drei Hektar Fläche.Christoph Wartenberg: Josefslust. Kinder sehen keine süßen Frischlinge mehr. In: Schwäbische Zeitung vom 2. März 2010 Gleich am Eingang befindet sich noch ein Kleingehege für Wildschweine.
Des Weiteren zeichnet sich Josefslust durch ein weites Waldgebiet mit vielen zum Teil unter Naturschutz stehenden, sehr alten Bäumen, mehreren romantischen Seen, Skulpturen und einigen versteckt gelegenen alten Toren aus. Außerdem gibt es einen Grillplatz. Alte gusseiserne Wegweiser weisen Wanderern den Weg. Eigentümer des Parks ist das Fürstenhaus Hohenzollern-Sigmaringen.
Landschaftsbild Der Wildpark Josefslust gehört zum Naturpark Obere Donau. Laut der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern – Geschäftsbereich Forst – gibt es im Gebiet des Parks sehr nährstoffreiche Waldböden und damit Wälder mit einer überdurchschnittlich hohen Zuwachs- und Ertragsleistung. Er ist folgerichtig als besonders schutzbedürftiger Bereich für die Forstwirtschaft ausgewiesen: Die nachhaltige Sicherung der Erzeugung hochwertigen Holzes und der Erhaltung der für den Naturhaushalt bedeutsamen Waldfunktionen ist seine ganz elementare und laut Landesentwicklungsplan besonders schützenswerte Zielbestimmung.Selbstdarstellung Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern So wird ebenfalls im Wildpark eine hochwertige Wiesenmahd durch die Fürstlich Hohenzollerische Forstverwaltung durchgeführt.
Geschichte Die Anfänge von Josefslust liegen im 15. Jahrhundert. So gingen im Jagddistrikt „Faulbronnen“, in alten Karten als Waldfläche zwischen Krauchenwies und Sigmaringen gekennzeichnet, die Grafen von Werdenberg zu Sigmaringen und die Grafen von Zimmern zu Meßkirch ihrer Jagdleidenschaft nach. Um Streitigkeiten zu vermeiden, teilten die beiden Grafengeschlechter 1463 das Jagdgebiet auf und legten die Jagdgrenzen fest. Als 1535 die Grafen von Zollern die Werdenberger ablösten, wurde der Jagdbezirk noch bedeutsamer. Auch die nachfolgenden Adligen waren begeisterte Jäger, und die Fürsten Joseph Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen (1702–1769) und Karl Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen (1724–1785) waren als Nimrode bekannt.
Der Name Josefslust geht zurück auf das 1727 durch Fürst Joseph Friedrich von Hohenzollern erbaute Jagdschlösschen „Josefslust“.Vgl. Karte vom Fürstlichen Tierpark Josefslust von 1789 Die erste Einzäunung entstand im Jahr 1790, wohl zur Vermeidung von Problemen mit der Bevölkerung wegen der Wildschäden, der Wildpark wurde unter Fürst Anton Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen eingezäunt. Der Fürst kaufte den Bauern viele Weiderechte ab, und durch Kauf und Tausch weiterer Flächen erreichte der Wildpark in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine größte Ausdehnung. 1403 Hektar war „Josefslust“ groß und reichte bis an die Gemarkungsgrenzen von Mengen, Scheer und Sigmaringendorf.
mini|Ökonomiegebäude beim Jagdschloss An den Zugängen wurden Häuser errichtet, deren Bewohner – stets fürstliche Förster oder Holzmacher – diese zu bewachen und dafür Sorge zu tragen hatten, dass kein Wild „ausbüxen“ konnte. An diese Ära der bewachten Parkzugänge erinnern noch die alten Waldabteilungsnamen „Schätterhaus“ und „Torwardhaus“ an der Straße von Krauchenwies nach Sigmaringen. Der westliche Bereich war vom „Oberjägerhaus“ bewacht. Im Wildpark war früher Schwarzwild und Rotwild „eingegattert“.
1850 ließ Fürst Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen (1811–1885) den Wildpark auf 840 Hektar verkleinern. Unter Fürst Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen (1835–1905) und Fürst Wilhelm von Hohenzollern (1864–1927) fanden hier noch Hofjagden statt, an denen Mitglieder des europäischen Hochadels teilnahmen.Karlheinz Fahlbusch (kf): „Josefslust“ – Kein zoologischer Garten sondern ein Stück Heimat. In der Südkurier-Ausgabe vom 30. November 2002 Später wurde im weniger stark frequentierten Teil des Parks eine Tontauben-Schießanlage angelegt. Am 15. April 1892 wurde in Josefslust Ernst Gottlieb Föhr geboren.
Um 1900 mussten unter Fürst Leopold Teile der Gemäldegalerie im Sigmaringer Schloss wegen der großen Borkenkäferplage in den fürstlichen Wäldern verkauft werden. Während des Ersten Weltkrieges wurden im Jahr 1917 wegen akuten Fleischmangels alle Wildschweine und große Teile des Dam- und Rotwildbestandes abgeschossen.Chronik der Gemeinde Sigmaringendorf Im Jahr 1948 kam es zu einem starken Borkenkäferbefall, der die umliegenden Wälder heimsuchte. Alle älteren Fichtenwälder im weiten Umkreis des Oberjägerhauses sind dem Kahlfraß zum Opfer gefallen. Waldarbeiter aus Reutlingen und aus der Schweiz wurden im Oberjägerhaus einquartiert, Forstlehrlinge und Forstanwärter waren von der Forstdirektion Tübingen zur Borkenkäferbekämpfung abkommandiert worden. Unter Leitung von Forstmeister Wellenstein mussten sie mit „Viton“ (DDT) und Arsen dem Käfer zu Leibe rücken. Vergeblich, wie sich herausstellte. Erst die nassen und verhältnismäßig kalten Sommermonate zu Beginn der 1950er Jahre haben den Borkenkäfer dann eingedämmt.
Im milden Winter 2006/2007 wurde die komplette Umzäunung des Wildparks mit einer Länge von 14 Kilometern erneuert.
Vor Jahren wurden auf Veranlassung der Familie Hohenzollern vom Geschäftsbereich „Forst“ der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern für 87.000 Euro Kleingehege als Schaugatter angelegt. Die jährlichen Unterhaltskosten betrugen durchschnittlich 10.250 Euro ohne Lohnkosten. Ein Berufsjäger verbrachte täglich eineinhalb Stunden mit der Fütterung der Tiere und Kontrolle der Gatter. Am 11. Dezember 2009 teilte das Veterinärsamt des Sigmaringer Landratsamtes mit, dass zum 1. Januar 2010 aufgrund neuer EU-Richtlinien das Gehegewild als Farmwild eingestuft wird. Aus diesem Grund wurden die Gatter 2010 aufgelöst.Christoph Wartenberg: Die Schaugatter werden abgebaut. In: Schwäbische Zeitung vom 2. März 2010
Sehenswürdigkeiten Jagdschloss Josefslust mini|Das Jagdschloss Josefslust Das Jagdschloss Josefslust () („Jagdschlösschen“) im Wald „Faulbronn“ befindet sich 250 Meter westlich des Haupteingangs. Es wurde 1717Vgl. Wohnplatz Josefslust; abgerufen am 17. Februar 2015, nach anderen Angaben 1727Vgl. Hans Baron: Aus der Geschichte des Wildparks Josephslust. In: Hohenzollerischer Geschichtsverein (Hrsg.): Hohenzollerische Heimat. Heft 1, 8. Jahrgang 1958. S. 21–22, vom begeisterten Jäger Fürst Josef Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen (1715–1769) erbaut. Ursprünglich stand noch eine Kapelle dabei, und ein „ständiger Jäger“ fand Wohnung in einem Nebengebäude. An Stelle des alten Jagdschlösschens wurde im Jahre 1830 das Jagdschloss nach den Plänen von Rudolf Burnitz (1788–1849) errichtet und diente als Fürstlich Hohenzollerische Revierförsterei. Ein Blechschild im Torbogen wies bis vor kurzem noch auf den Sitz hin.
Bis vor wenigen Jahren beherbergte das Jagdschloss Josefslust, in einem im Torbogen befindlichen Schaukasten, das ausgestopfte Tierpräparat des letzten auf hohenzollerischem Gebiet erlegten Wolfes. Er wurde am 18. Januar 1831 bei Gauselfingen erlegt, nachdem er im Juni 1830 in Pferche bei Kettenacker, Harthausen und Feldhausen eingebrochen war und drei Schafe gerissen hatte. Zwischenzeitlich wurde die in die Jahre gekommene Trophäe, von der Bevölkerung „Isegrim“Martina Goldau (mag): Peterchens Mondfahrt und ganz viel Schnee. In der Südkurier-Ausgabe vom 8. Dezember 2006 genannt, restauriert und in den „Hubertussaal“ auf Schloss Sigmaringen verbracht.
Nach der Sanierung und Umbau durch die „Hohenzollern Architekten“ (Ferdinand von Hohenzollern, Berlin) im Jahr 2006 erstrahlt das Jagdschloss Josefslust mit seinen schmiedeeisernen Fenstergittern wieder in neuem Glanz. Das Jagdschloss ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.
In der Nähe des Jagdschlosses wurden in der Vergangenheit keramische Funde gemacht, die in die flavische Zeit datieren.Friedrich Hertlein und Peter Goessler: Die Strassen und Wehranlagen des römischen Württemberg. (Friedrich Hertlein, Oscar Paret, Peter Goessler: Die Römer in Württemberg. Teil 2). Kohlhammer, Stuttgart 1930, S. 198
Landhaus Josefslust mini|Das Landhaus Rund 200 Meter westlich des Jagdschlosses befindet sich hinter einer hohen Hecke und elektrischem Zufahrtstor ein Landhaus (). Diesen Landsitz ließ sich 1956/57 nach Plänen des Architekten Paul Schmitthenner (1884–1972) der damalige Erbprinz Friedrich Wilhelm von Hohenzollern als Wohnsitz erbauen. Das Landhaus Josefslust trägt die Postanschrift Josefslust 2, 72488 Sigmaringen.Standesamtliche Nachrichten für Sigmaringen und Umgebung. September 2010. Sterbefälle. In: Schwäbische Zeitung vom 28. Oktober 2010 Entwürfe des Architekten Martin Elsaesser (1884–1957) aus dem Frühjahr 1948 fanden keine Anwendung.Birgit Meyenberg: Avantgarde in Hohenzollern: Die Entwürfe des Architekten Martin Elsaesser für den Fürsten von Hohenzollern 1948. In: Landesarchiv Baden-Württemberg (Hrsg.): Archivnachrichten, Nr. 45 September 2012, S. 28. Das Landhaus wurde um eine private Schwimmhalle und Außenswimmingpool durch die „Hohenzollern Architekten“ (Ferdinand von Hohenzollern, Berlin) erweitert. Es wurde durch Friedrich Wilhelm bis zu dessen Tod im Jahre 2010 bewohnt und im Anschluss durch seinen Sohn und Nachfolger Karl Friedrich von Hohenzollern umfassend renoviert und modernisiert. Die Hauselektrik, die noch aus der Zeit der Fertigstellung stammte, wurde erneuert und die 25 Zimmer (800 m² Wohnfläche) wurden komplett neu ausgestattet. Das Gebäude dient Karl Friedrich und dessen Frau Katharina Maria als Hauptwohnsitz und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.