mini|Bronzebüste Catos im Musée des Antiquités Préislamiques, Rabat, Marokko Marcus Porcius Cato (zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Urgroßvater Cato der Jüngere genannt, lateinisch Cato Minor, nach seinem Todesort auch Cato Uticensis; * 95 v. Chr.; † 12. April 46 v. Chr.Dieses Datum des vorjulianischen römischen Kalenders entspricht dem 13. Februar 46 v. Chr. nach dem im folgenden Jahr eingeführten julianischen Kalender. in Utica im heutigen Tunesien) war ein einflussreicher konservativer Politiker in der Endzeit der römischen Republik. Als Senator, Redner und Truppenbefehlshaber nahm er an den politischen und militärischen Auseinandersetzungen teil, die mit dem Untergang der Republik endeten.

Nach dem Vorbild seines Urgroßvaters forderte Cato vehement die Hochhaltung der altrömischen Ideale, zu denen insbesondere Unbestechlichkeit, strikte Befolgung des geltenden Rechts und republikanische Gesinnung zählten. Er gehörte zu den Optimaten, einer aristokratischen Gruppierung, deren Hauptanliegen die Sicherung der Herrschaft des Senats war. Die Optimaten wandten sich gegen drohende Umsturzversuche ehrgeiziger Politiker, die im Verdacht standen, den Staat in ihre Gewalt bringen zu wollen. Cato wurde zu einem herausragenden Wortführer dieser innerhalb der Führungsschicht dominierenden Richtung. Er leistete einen bedeutenden Beitrag zum republikanischen Widerstand gegen den popularen Politiker Caesar, der nach der Alleinherrschaft strebte. Damit profilierte sich Cato als führender Verteidiger der „Freiheit“ – der herkömmlichen aristokratisch-republikanischen Staatsordnung – gegen die aufkommende Monarchie.

Zunächst bekämpfte Cato die Ambitionen Caesars und des Pompeius, der ebenfalls eine dominierende Stellung im Staat zu erlangen versuchte, mit politischen Mitteln. Als jedoch Caesar 49 v. Chr. militärisch gegen den Senat rebellierte und den Bürgerkrieg begann, verbündeten sich die Optimaten notgedrungen mit Pompeius, der als bewährter Feldherr nun zur Hauptstütze der Republik wurde. Nach der Niederlage des Pompeius, der Caesar in der entscheidenden Schlacht von Pharsalos unterlag, zog sich Cato mit einem Teil der restlichen republikanischen Streitmacht nach Nordafrika zurück. Dort war er maßgeblich an der Organisation des weiteren Widerstands gegen Caesar beteiligt, weigerte sich aber, den Oberbefehl zu übernehmen. Am 6. April 46 v. Chr. wurde das Heer der Republikaner in der Schlacht bei Thapsus vernichtend geschlagen. Kurz darauf nahm sich Cato das Leben, um zu vermeiden, von Caesar gefangen und verschont zu werden, da dieser kein Recht habe, über Catos Schicksal zu entscheiden.

Nach seinem Tod wurde Cato für die Gegner monarchischer Machtausübung zur idealisierten Symbolfigur altrepublikanischer Tugenden vor dem Hintergrund der angeblichen Dekadenz und Korruption seiner Epoche. Als Muster altrömischer Unbestechlichkeit und Tapferkeit genoss er breite Verehrung. In der römischen Kaiserzeit verherrlichten ihn seine Bewunderer als standhaften Verteidiger von Moral und Recht; Oppositionelle verbanden die Catoverehrung mit nostalgischer Erinnerung an die verlorene republikanische Freiheit. Philosophische Kreise schätzten Cato als Vorbild des praktizierten Stoizismus. Auch in der Frühen Neuzeit galt er als Freiheitsheld und Verkörperung römischer Tugend. Die dramatischen Umstände seines Lebensendes dienten als Stoff für Bühnenautoren und als Sujet für bildende Künstler.

In der modernen Altertumswissenschaft sind die Urteile sehr unterschiedlich ausgefallen. Das Verdikt von Theodor Mommsen, der Caesar verehrte und in Cato einen starrsinnigen, wirklichkeitsfremden „Don Quichotte der Aristokratie“ sah, hat stark nachgewirkt, ist aber auch auf entschiedenen Widerspruch gestoßen. Weitgehender Konsens besteht aber darüber, dass Cato von vornherein auf verlorenem Posten stand.

Leben Herkunft und Jugend Cato gehörte dem plebeischen Geschlecht der Porcier (gens Porcia) an, das seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. zur Führungsschicht des römischen Reichs zählte. Sein sehr konservativer Urgroßvater Marcus Porcius Cato der Ältere (234–149 v. Chr.) hatte sich als Staatsmann, Feldherr, Redner und Schriftsteller ausgezeichnet und durch sein kraftvolles Auftreten großen, anhaltenden Ruhm erlangt. Wegen seiner Rolle als Censor nannte man den älteren Cato Censorius. Von dem hohen Ansehen, das ihm sein Kampf gegen Amtsmissbrauch und Sittenverfall eingebracht hatte, profitierten auch seine Nachkommen, denn der Beiname Cato, den sie ebenfalls trugen, stand für strenge Rechtlichkeit, tadellose Amtsführung und altrömische Tugend. Ein Enkel des Censorius namens Marcus Porcius Cato Salonianus war der Vater Catos des Jüngeren. Er heiratete Livia, eine Angehörige des plebeischen Geschlechts der Livii Drusi, deren Vater Marcus Livius Drusus im Jahr 112 v. Chr. Konsul gewesen war. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, der 95 v. Chr.Zur Datierung siehe Rudolf Fehrle: Cato Uticensis. Darmstadt 1983, S. 64 und Anm. 9. geborene jüngere Cato und eine Tochter namens Porcia. Außerdem hatte Livia aus ihrer früheren Ehe mit dem Patrizier Quintus Servilius Caepio zwei weitere Kinder: einen Sohn, der wie sein Vater Quintus Servilius Caepio hieß, und eine Tochter namens Servilia, die später eine Geliebte Caesars und die Mutter des Caesarmörders Marcus Iunius Brutus wurde. Somit hatte der jüngere Cato neben seiner Schwester noch zwei Halbgeschwister.Rudolf Fehrle: Cato Uticensis. Darmstadt 1983, S. 50–54. Vgl. zur Genealogie Ann-Cathrin Harders: Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Servilia, Ehefrau des L. Licinius Lucullus: Schwester oder Nichte des Cato Uticensis? In: Historia. Jahrgang 56, 2007, S. 453–461.

Schon in seinen ersten Lebensjahren verlor Cato der Jüngere beide Eltern. Darauf übernahm sein Onkel Marcus Livius Drusus, der Bruder seiner Mutter, seine Erziehung. Auch seine Schwester und seine beiden Halbgeschwister wurden im Haus des Drusus aufgenommen; sein Halbbruder Caepio war von Kind auf sein bester Freund. Drusus war ein einflussreicher Politiker. Er setzte sich für die rechtliche Gleichstellung der Italiker ein, die Bundesgenossen Roms waren und damals das römische Bürgerrecht forderten. Damit schuf er sich jedoch viele Feinde; im Jahr 91 v. Chr., als Cato noch keine fünf Jahre alt war, wurde er ermordet.Rudolf Fehrle: Cato Uticensis. Darmstadt 1983, S. 63–65; Franz Miltner: M. Porcius Cato Uticensis. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Bd. 22/1, Stuttgart 1953, Sp. 168–211, hier: 168 f.

Der anekdotischen Überlieferung zufolge zeigte Cato schon als Knabe einige später für ihn typische Charakterzüge, vor allem Mut und Hartnäckigkeit; Schmeichelei wies er schroff zurück, jedem Einschüchterungsversuch leistete er entschlossenen Widerstand und bei Gefahr benahm er sich furchtlos. Im Haus des Diktators Sulla soll er als Vierzehnjähriger offen seine Absicht geäußert haben, den Diktator zu töten, um dessen Schreckensherrschaft zu beenden und das Vaterland von ihm zu befreien.Plutarch, Cato minor 1–3. Siehe dazu Rudolf Fehrle: Cato Uticensis. Darmstadt 1983, S. 65–67.

Um das Jahr 75 v. Chr. wurde Cato in das Priesterkollegium der Quindecimviri sacris faciundis (Fünfzehn Männer für die Durchführung sakraler Handlungen) gewählt. Bald darauf erhielt er die Verfügung über seinen Anteil am Vermögen seines Vaters, der sich auf 120 Talente belief, und bezog eine eigene Wohnung. Er beschäftigte sich mit Fragen der Ethik und der Anwendung ethischer Grundsätze auf die Politik, begeisterte sich für das Ideal der Gerechtigkeit und schloss sich dem stoischen Philosophen Antipatros von Tyros an. Zugleich bildete er sich in der Abgeschiedenheit autodidaktisch zum Redner aus, denn die Fähigkeit, auf eine Volksmenge einzuwirken, war eine Voraussetzung für politischen Erfolg.Plutarch, Cato minor 4. Siehe dazu Rudolf Fehrle: Cato Uticensis. Darmstadt 1983, S. 67 f.; Sabine Wussow: Die Persönlichkeit des Cato Uticensis. Düsseldorf 2004, S. 36 f. (online). In seiner späteren Rolle als Politiker stellte Cato eine beeindruckende rhetorische Kompetenz unter Beweis.Rex Stem: The First Eloquent Stoic: Cicero on Cato the Younger. In: The Classical Journal. Bd. 101, 2005, S. 37–49; Adam Afzelius: Die politische Bedeutung des jüngeren Cato. In: Classica et Mediaevalia. Bd. 4, 1941, S. 100–203, hier: 117 f. Vgl. aber die abweichende Einschätzung von William C. McDermott: Cato the Younger: loquax or eloquens? In: The Classical Bulletin. Bd. 46, 1969/1970, S. 65–75.

Im Zeitraum zwischen 75 und 73 v. Chr. verlobte sich Cato mit seiner Cousine Aemilia Lepida, der Tochter des Konsulars Mamercus Aemilius Lepidus Livianus, eines Bruders seiner Mutter Livia. Sie entschied sich aber schließlich für Metellus Scipio, der dem berühmten Adelsgeschlecht der Meteller angehörte und wegen seiner vornehmen Herkunft als Bräutigam attraktiv war. Scipio war schon früher mit Lepida verlobt gewesen, hatte dann aber auf sie verzichtet und damit Catos Werbung freie Bahn gegeben. Später, als Cato bereits die Hochzeit plante, änderte Scipio seine Meinung und gewann die Braut für sich zurück. Über diesen Vertrauensbruch war Cato so erbittert, dass er den Rivalen mit Schmähgedichten verspottete. Er heiratete dann Atilia aus dem Geschlecht der Atilii Serrani. Mit ihr hatte er den Sohn Marcus und die Tochter Porcia, die nach seinem Tod den späteren Caesarmörder Marcus Iunius Brutus heiratete.Plutarch, Cato minor 7. Siehe dazu Rudolf Fehrle: Cato Uticensis. Darmstadt 1983, S. 59; Matthias Gelzer: Cato Uticensis. In: Matthias Gelzer: Kleine Schriften. Bd. 2. Wiesbaden 1963, S. 257–285, hier: 261.

Militärische Erfahrungen und politischer Aufstieg Im Jahr 72 v. Chr. nahm Cato als Freiwilliger am Spartacuskrieg teil, da es ihm wichtig war, seinen Halbbruder Caepio zu begleiten, der in dem gegen aufständische Sklaven kämpfenden Heer als Militärtribun diente. Der Feldzug, bei dem die beiden ihren Dienst leisteten, endete wegen Versagens der Führung mit einem Desaster. Cato weigerte sich, die militärischen Auszeichnungen anzunehmen, die ihm der Oberkommandierende, der Konsul Lucius Gellius Publicola, zukommen lassen wollte. Damit drückte er seine generelle Missbilligung der nach seiner Ansicht zu großzügigen Verleihung solcher Auszeichnungen aus.Plutarch, Cato minor 8. Siehe dazu Rudolf Fehrle: Cato Uticensis. Darmstadt 1983, S. 69 f.; Franz Miltner: M. Porcius Cato Uticensis. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Bd. 22/1, Stuttgart 1953, Sp. 168–211, hier: 169.

In den frühen sechziger Jahren ließ sich Cato von seiner Gattin Atilia scheiden, da er sie der Untreue verdächtigte. Darauf schloss er die Ehe mit Marcia aus dem angesehenen Geschlecht der Marcier. Sie war die Tochter des Politikers Lucius Marcius Philippus. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor, die jedoch anscheinend starben, ohne das Erwachsenenalter erreicht zu haben.Plutarch, Cato minor 24 f. Siehe dazu Rudolf Fehrle: Cato Uticensis. Darmstadt 1983, S. 59 f.