Rockenberg ist eine Gemeinde im hessischen Wetteraukreis.

Geografie Geografische Lage Rockenberg liegt im nordwestlichen Teil des Wetteraukreises im mittleren Hessen. Durch das Gemeindegebiet fließt der im Vogelsberg entspringende Fluss Wetter. Rockenberg liegt etwa fünf Kilometer von der Bundesautobahn 5 und ca. acht Kilometer von der Bundesautobahn 45 entfernt. Rockenberg zählt zum nördlichen Rand des Rhein-Main-Gebiets. Nach Gießen sind es 25 km, nach Marburg 35 km und nach Frankfurt 40 km. Der nächste Bahnhof mit Personenverkehr befindet sich in Butzbach.

Nachbargemeinden Rockenberg grenzt im Norden an die Stadt Münzenberg, im Osten an die Gemeinde Wölfersheim, im Süden an die Stadt Bad Nauheim und die Gemeinde Ober-Mörlen sowie im Westen an die Stadt Butzbach.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Oppershofen und Rockenberg. Die Gemeindeverwaltung befindet sich im Ortsteil Rockenberg.

Geschichte Frühgeschichte Die Römer gaben um 260 n. Chr. den Limes auf und zogen sich hinter den Rhein zurück. Aus dem 4./5. Jahrhundert wurde im Jahr 2022 ein großes Gräberfeld der germanischen Siedler (vermutlich Alamannen) im Süden Rockenbergs ausgegraben, das 334 Brandbestattungen und 71 Körperbestattungen umfasst. Damit handelt es sich um den mit Abstand größten Gräberfund der Antike in Hessen. Neben vielen Kindergräbern traten auch Waffengräber zutage. Grabbeigaben wie Schalen und Gefäße deuten auch nach dem Abzug der Römer auf Handelsbeziehungen mit den Germanen. Nach der Restaurierung durch das Landesamt für Denkmalpflege Hessen ist eine Ausstellung der Funde in maximal fünf Jahren vorgesehen.hessenschau.de: Archäologen legen Sensationsfund in der Wetterau frei, abgerufen am 28. Mai 2022.

Mittelalter Rockenberg wurde erstmals 1191 als Roggenberch urkundlich erwähnt.

Von der Ritterfamilie, die sich nach Rockenberg benannte, kommen folgende namentlich in Urkunden vor: Henricus de Rocgenberc, 1229–1237. Johannes de Rochenburg 1324–1326. Herr Johann von Rockenberg, der Vater des Ritters Wernher von Rockenberg, 1329–1334.Georg Wilhelm Justin Wagner (Grossherzoglich hessischer Geometer): Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen. Dritter Band, Provinz Oberhessen, Darmstadt 1830, über Rockenberger Personen in Urkunden, S. 240

Die umfriedete Burg war Zentrum des Ortes. Errichtet wurde sie von Johannes von Bellersheim um das Jahr 1317. Nachdem im 15. Jahrhundert das Dorf befestigt wurde, erweiterte man auch die Burg Rockenberg. Bis zum 17. Jahrhundert wechselten immer wieder die Besitzer, die Burg diente bis dahin als Wohnsitz. In der Folge wurden dort Ställe und Lager eingerichtet. Rockenberg war im Mittelalter in wechselndem Besitz. So gehörte es bis 1255 zur Herrschaft Münzenberg, danach zu Falkenstein, Eppstein und 1535 den Grafen von Stolberg-Königstein. Ab 1581 gehörte Rockenberg samt Kloster Marienschloss zum Besitz des Kurbistums Mainz im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

Neuzeit Erst die Herrschaft Napoleons in Deutschland änderte die Verhältnisse grundlegend. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde das Marienkloster säkularisiert und die Nonnen mussten es verlassen. Nach der Auflösung des Hl. Römischen Reichs Deutscher Nation 1806 wurde Rockenberg dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt zugesprochen. Die Burg wechselte in den Besitz des Freiherrn von Wiesenhütten, der die Anlage als Gutshof bis 1915 bewirtschaftete. 1811 wurde aus dem ehemaligen Kloster Marienschloss ein Gefängnis. Der Anschluss Rockenbergs an die Main-Weser-Bahn wurde 1847 durch Widerstand der Grundstückseigner verhindert. Ab ca. 1870 entstanden auf dem Gelände von Rockenberg Quarzitsteinbrüche verschiedener Firmen und die um 1854 gegründete Zigarrenfabrik wurde in eine Kofferfabrik umgewandelt.

Ab 1906 fand der Bau der Butzbach-Licher-Eisenbahn statt. Seit 1913 besitzt Rockenberg elektrisches Licht.

Über die Inhaftierung verschiedener Persönlichkeiten in der JVA wird auch in Rockenberg das Regime des Dritten Reichs sichtbar. So saß ab 1933 bis 1938 der Landtagsabgeordnete der KPD Wilhelm Hammann dort ein. Prominentester Insasse war der Gewerkschafter und Sozialdemokrat Wilhelm Leuschner im Jahr 1933. Ein weiterer Häftling war 1944 Jean Jülich (Widerstandsgruppe Edelweißpiraten). Beim Angriff eines alliierten Tieffliegers am 27. März 1945 wurden zwei Gebäude total, zwei teilweise zerstört. Es gab sechs Todesopfer. Am 29. März 1945 rückten amerikanische Streitkräfte in Rockenberg ein.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen erfolgte nach einvernehmlichen Beschlüssen zum 31. Dezember 1971 die Eingliederung der Nachbargemeinde Oppershofen. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rockenberg angehört(e):

vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurmainz, Oberamt Höchst und Königstein, Amt und Kellerei Vilbel und Rockenberg, Amtsvogtei Rockenberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Oberfürstentum Hessen, Amt Rockenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Rockenberg ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Butzbach ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk ButzbachTrennung von Justiz (Landgericht Friedberg) und Verwaltung, ab 1829: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Verlegung und Umbenennung in Landratsbezirk Friedberg ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis FriedbergIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag 9. Mai 2011 in Rockenberg 4270 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 716 Einwohner unter 18 Jahren, 1919 zwischen 18 und 49, 869 zwischen 50 und 64 und 797 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 149 (3,5 %) Ausländer, von denen 44 aus dem EU-Ausland, 76 aus anderen europäischen Ländern und 31 aus anderen Staaten kamen. Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 6,9 %. Die Einwohner lebten in 1751 Haushalten. Davon waren 470 Singlehaushalte, 485 Paare ohne Kinder und 628 Paare mit Kindern, sowie 150 Alleinerziehende und 23 Wohngemeinschaften. In 303 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1222 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Historische Religionszugehörigkeit • 1961: 557 evangelische (= 23,55 %) und 1787 (= 75,56 %) katholische Einwohner • 1987: 799 evangelische (= 21,66 %), 2700 katholische (= 73,19 %), 190 sonstige (= 5,15 %) Einwohner • 2011: 1069 evangelische (= 25,0 %), 2239 katholische (= 52,4 %), 965 sonstige (= 22,6 %) Einwohner

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Rockenberg erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 39,2 9 38,9 9 41,6 10 42,5 10 47,8 11 49,0 11 DP Dorfpartei40,99 28,4 6 29,4 7 24,7 6 13,4 3 7,5 2 20,0 5 12,6 3 18,5 4 18,3 4 21,9 5 27,5 6 — — 20,1 5 10,4 2 14,5 3 7,2 2 — — UWG Unabhängige Wählergemeinschaft — — — — — — — — 9,7 2 15,9 4 Gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 Wahlbeteiligung in % 66,1 63,8 57,7 58,9 57,2 49,9

Vorsitzender der Gemeindevertretung: Bardo Raab (CDU)

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Rockenberg neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und vier weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeisterin ist seit dem 1. März 2022 Olga Schneider (DP). Sie wurde als Nachfolgerin von Manfred Wetz, der nach drei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 26. September 2021 im ersten Wahlgang bei 80,07 Prozent Wahlbeteiligung mit 53,62 Prozent der Stimmen gewählt.Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Rockenberg 2021

Amtszeiten der Bürgermeister 2021–2028 Olga Schneider (DP)FNP, 18. Februar 2022: Abschied und Anfang: „Am 28. Februar ist der letzte Arbeitstag von Manfred Wetz im Rathaus. Am 1. März übergibt er die Schlüssel an seine Nachfolgerin Olga Schneider, die dann die Arbeit im Rathaus aufnimmt.“ - Olga Schneider: Über mich 2004–2022 Manfred WetzFNP, 12. Februar 2022: Bürgermeister Wetz im Interview: Rückblick auf das Amt, einem Drohbrief und schwierigen Entscheidungen 1990–2003 Patrick Bingel (SPD) 1984–1990 Karl Maria Weckler (CDU) 1958–1984 Josef Weckler (CDU) 1945–1958 Heinrich Weckler III (CDU) 1938–1945 Reinhold Preuß 1919–1938 Peter Landvogt 1902–1919 Anton Wettner 1884–1901 Karl Wolf 1878–1884 Johann Georg Landvogt 1864–1878 Georg Krämer 1849–1864 Adam Wettner 1842–1849 Philipp Streb 1822–1842 Anton Dietz

+ Ergebnisse der Bürgermeister-Direktwahlen Jahr Wahlbeteili-gung in % Kandidaten Partei Stimmenin % 2021 80,07 Olga Schneider DP 53,62 Johannes Weil CDU 37,86 John Schuh 8,52 2015 65,2 Manfred Wetz 77,0 Ralf Koch CDU 15,4 Alexander Gnau 7,6 2009 80,7 Manfred Wetz 89,4 2004 69,2 Manfred Wetz 50,4 Karl Maria Weckler CDU 49,6 2001 61,0 Patrick Bingel SPD 73,7 1995 75,7 Patrick Bingel SPD, UWGFDP, GLUK 68,1 Albert Langsdorf CDU 31,9 Schultheiße: 1654–1684: Johann Heinrich Streb 1684–1710: Hans Kaspar Windhäuser 1711–1737: Johann Enders Heinstadt 1737–1755: Johann Heinrich Jakobi 1755–1781: Jakob Weckler 1782–1793: Johann Jakob Dietz 1794–1821: Franz Dietz 1821–1822: Philipp Dietz

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Geologie/Umwelt mini|Rockenberger Sandrose Rockenberg besitzt am nördlichen Ortsrand eine Sandgrube. Die Grube ist ein bedeutender Fundort für Sandrosen, die durch Baryt statt Gips gebildet sind. Ein Teilbereich, die „Hölle von Rockenberg“, ist seit 1993 Naturschutzgebiet. Seit 1999 ist der Gewässerbereich Schutzgebiet für die Europäische Sumpfschildkröte. Das Projekt wird vom Frankfurter Zoo sowie von ehrenamtlichen Biologen betreut. Weitere Schutzgebiete sind die „Klosterwiesen“ in Rockenberg und der „Wingertsberg“ im OT Oppershofen.

Bauwerke