mini|Google-Fahrzeug beim Fotografieren einer Straße in Honolulu mini|Google-Street-View-Auto 2020 in Wien
Google Street View ist ein Onlinedienst des US-amerikanischen Unternehmens Google, der 360-Grad-Ansichten aus der Straßenperspektive darstellt. Er erweitert den unternehmenseigenen Kartendienst Google Maps und das Programm Google Earth.
Der Dienst wurde im Mai 2007 mit ausgesuchten, nur in den Vereinigten Staaten verfügbaren Ansichten vorgestellt. Seither wurde das Angebot auf über 100 Länder ausgeweitet.Google will let phone users 'time travel', in New York Post, 24. Mai 2022. Deutschland nahm dabei infolge einer datenschutzrechtlichen Grundsatzdiskussion für längere Zeit eine Sonderstellung ein.
Technik und Aufnahme Fahrzeuge
Bei den Rohdaten handelt es sich um digitalisierte 360-Grad-Panoramabilder, die mit ausgerüsteten Pkw und Fahrrädern aufgenommen werden. Die Fahrzeuge haben auf dem Dach in etwa 2,9 Metern Höhe (in der Schweiz 2 Meter und in Japan 2,05 Meter,Steiger Legal: Google Street View kollidiert mit dem Datenschutz, abgerufen am 22. Juni 2015. beim Google-Bike etwas niedriger) neun Kameras montiert: acht Kameras für den 360-Grad-Blick, eine Kamera ist nach oben gerichtet. Zudem sind drei Lasermessgeräte zur dreidimensionalen Vermessung installiert. Durch die 3D-Daten soll es künftig in Google Earth eine räumliche Darstellung der Gebäude mit Street-View-Daten als Oberflächen geben. Der Erfassungsradius der von der deutschen Firma Sick AG hergestellten Laserscanner beträgt etwa 50 Meter.
Software
Außer Foto- und 3D-Daten sammelt Google jeweils auch Details zu lokalen Funknetzen, insbesondere Netzwerknamen (SSID), Verschlüsselungsstärke und MAC-Adressen. Die Daten sollen zur WLAN-basierten Ortung dienen. In unverschlüsselten lokalen Funknetzen wurden übermittelte Daten aufgezeichnet. Google verwendet dazu das Programm Kismet. Die Methode ist, unter anderem als Wardriving, seit längerem bekannt. Im März 2011 verhängte Frankreichs Datenschutzbehörde CNIL eine Geldstrafe gegen Google wegen des Aufzeichnens der WLAN-Daten.
Zur Nutzung der Street-View-Daten in Google Maps gelangt der Nutzer, indem er das gelb-orange Symbol eines stilisierten Männchens (Pegman) auf der rechten unteren Seite des Google-Maps-Interface mit dem Cursor in dem ausgewählten Gebiet auf einen bestimmten Ort zieht. Straßen, für die Street-View-Daten verfügbar ist, sind blau unterlegt. Steht Street View für eine bestimmte Karte nicht zur Verfügung, ist das Männchen ausgegraut.
Das Bild ist mit der Maus um 360 Grad sowie nach oben und unten drehbar. In Google Maps sind Pfeile in das Bild integriert, um zum nächsten oder zurück zum vorherigen Panorama zu wechseln. Da etwa alle zehn Meter ein Foto gemacht wird, ist es möglich, eine Strecke virtuell in Google Maps oder Google Earth „abzufahren“.
Kameras
Google verwendete vier Arten von Street-View-Kameras. Kameras der Generationen 1–, 2, 3 und 4 wurden verwendet, um Fotos in den Vereinigten Staaten zu machen. Die erste Generation war schnell überholt. Die zweite Generation setzte man in Australien ein. Kameras bis zur dritten Generation verursachten mitunter sichtbare Schatten in Bildern, die morgens und abends aufgenommen wurden. Aufnahmen mit Kameras der vierten Generation ersetzen alte Aufnahmen durch Bilder in nahezu HD-Qualität.
Im Februar 2010 führte Google an einem Schneemobil die vierte Generation der Street-View-Kamera mit, um Bilder der „Whistler Blackcomb Ski Slopes“ für die Olympischen Winterspiele in Vancouver (Kanada) aufzunehmen. Im Oktober 2011 begann Google, Bahnstrecken für Street View zu erfassen. Die Verbindung zwischen Thusis über St. Moritz nach Tirano gehört zum UNESCO-Welterbe, Google wurde dabei durch die Rhätische Bahn unterstützt.Google Street View jetzt auch auf Schienen unterwegs, Netzwelt, abgerufen am 22. Oktober 2011.
Seit der Einführung von tragbaren Kameras auf Rucksäcken, den sogenannten „Trakkern“, im Jahr 2012 können auch Bilder von Orten, die nicht per Auto zugänglich sind, aufgenommen werden. Nach US-Nationalparks haben Fußgänger Sehenswürdigkeiten auf der ganzen Welt dokumentiert. Die Rucksack-Kameras sind in Rund zweieinhalb Metern Höhe und können auch für Aufnahmen auf Booten oder andernorts genutzt werden. Kamerarucksäcke oder Streetview-kompatible Panoramakameras können zur Aufnahme für Streetview – auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz – kostenlos ausgeliehen werden. Organisationen, Unternehmen, professionelle Fotografen und Privatpersonen können damit für kulturell, historisch oder touristisch bedeutende Orte werben.Street View Camera Loan Application, Google.com, abgerufen am 2. Januar 2019. So nahm beispielsweise der dänische Schauspieler Nikolaj Coster-Waldau 2017 medienwirksam die Google-Street-View-Bilder im grönländischen Dorf Igaliku auf, dem Heimatort seiner Frau Nukâka und seines Schwiegervaters Josef Motzfeldt.Game of Thrones star in Greenland for Google Street View. The Guardian (9. Februar 2017).
Im Mai 2017 begann Google, alle Street-View-Kameras aufzurüsten.Google's New Street View Cameras Will Help Algorithms Index The Real World, wired.com, abgerufen am 8. September 2017.
Verfügbarkeit Das Angebot wurde bis 2017 auf 87 Länder ausgeweitet und deckte 16 Millionen Kilometer Straßenzüge virtuell ab. Ende 2020 rief man dazu rund 170 Milliarden Streetview-Bilder ab, deren Menge ständig erweitert wird. Gut 30 % aller Suchergebnisse in Google Maps oder Websuchen mit Karten liefern Streetview-Ansichten zurück. Im Jahr 2015 waren fast alle Länder der Europäischen Union, mit Ausnahme von Deutschland und Österreich, flächendeckend durch Google Street View erfasst. Seit Juli 2023 wird das Angebot in Deutschland mit der Veröffentlichung neuer Bilder ausgeweitet. mini|900px|zentriert|
Deutschland
mini|Google Streetview Art Car auf der CeBIT 2010 mini|Street-View-Fahrzeuge in Wien mini|Street-View-Fahrzeug in Genf mini|Ein Google-Street-View-Dreirad, mit dem unter anderem die Aufnahmen in Adeje, Teneriffa, gemacht wurden
Ab Juli 2008 nahm Google deutsche Straßen in vielen Städten und Landkreisen auf und veröffentlichte, an welchen Orten weitere Aufnahmen geplant wurden. Im August 2010 gab Google bekannt, dass der Kartendienst für die damals 20 größten Städte Deutschlands bereitgestellt wird: Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal. Google warb dafür im August 2010 mit ganzseitigen Anzeigen in Zeitschriften, Tageszeitungen und Regionalzeitungen.Rheinische Post vom 14. August 2010 auf Seite A5. Die Seite enthält den gleichen Text wie Ab August 2010 konnte man vor Veröffentlichung die Unkenntlichmachung des eigenen Hauses beantragen. Nachträgliche Widersprüche sind ebenfalls möglich. Google ließ die Unkenntlichmachung durch den TÜV Rheinland prüfen und bekam das TÜV-Rheinland-Gütesiegel. Google räumte ein, dass es bei der manuellen Unkenntlichmachung vereinzelt zu Fehlern kommen kann. In solchen Fällen ist ein wiederholter Einspruch möglich, den Mitarbeiter bearbeiten. Insgesamt gab es 244.237 Anträge auf Unkenntlichmachung, die vor dem Start bearbeitet werden mussten. Diese Gebäude erscheinen unwiderruflich verpixelt, da Google sich verpflichtet hat, das Rohdatenmaterial zu löschen. Zudem führte Google Gespräche mit dem hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit.
Obwohl zunächst keine Bilder aus Deutschland verfügbar waren, erfolgten nach Angaben von Google etwa eine Million Aufrufe pro Tag aus Deutschland, so viele wie aus keinem anderen Land, in dem Street View nicht angeboten wurde. Ähnliche Dienste waren auch bei anderen Anbietern wie sightwalk, Navteq, Bing Maps für einige deutsche Städte geplant oder verfügbar.
Im November 2010 wurden zum ersten Mal Bilder von in Deutschland liegenden Straßenzügen in Street View online gestellt. Neben der Möglichkeit, bekannte Objekte wie das Kanzleramt, die Siegessäule oder zehn Stadien der Fußball-Bundesliga zu betrachten, konnte der Betrachter auch in Teilen des bayerischen Ortes Oberstaufen virtuell „spazieren gehen“. Zwei Wochen später wurden die 20 nach Einwohnerzahl größten Städte online gestellt.
Im April 2011 gab Google bekannt, den in Deutschland durch Street View abgedeckten Bereich nicht auszuweiten oder zu aktualisieren. Damit galt Deutschland als das einzige größere westeuropäische Land, für das es weder aktuelle noch flächendeckende Streetview-Aufnahmen gab. Dies führte zu in der Presse mitunter als „Zeitreise“ bezeichneten Effekten, weil sich die Realität seit 2008 vielerorts erheblich veränderte. Seit 2017 immer wieder zu sehende Fahrzeuge von Google aktualisierten lediglich Kartendienste oder erstellten Präzisionskarten für zukünftiges autonomes Fahren. Im Oktober 2019 berichtete die Welt am Sonntag, dass Gespräche zwischen Google und der Hamburger Datenschutzbehörde liefen, um die aktuelle Rechtslage zu klären. Zur Diskussion stehe, ob der Rechtsanspruch auf Verpixelung weiterhin gelte und ob nun vielleicht eine andere Behörde zuständig sei, da Google seinen Europa-Hauptsitz nun in Irland hat. Auch Gespräche mit anderen Stellen seien geplant. Von 2020 bis März 2022 (in Hamburg geplant bis August 2022) waren in Deutschland wieder Street-View-Autos unterwegs. Dies nährte Spekulationen auf eine Rückkehr des Dienstes nach Deutschland, laut Google werden die neuen Bilddaten jedoch nur zur Aktualisierung der Kartendienste genutzt, es gebe „keine Pläne“, die Bilder zu veröffentlichen.Google Street View in Deutschland: Neue Aufnahmen 2022? – Giga.de Unterdessen hat der Mitbewerber Apple mit seinem in die Kartenanwendung integrierten 360-Grad-Dienst Look Around in Deutschland 2022 erstmals eine vergleichbare Anwendung online gestellt.
Entgegen vorheriger Aussagen von Google wurde im Juni 2023 bekannt, dass frühestens einen Monat später neue Street-View-Bilder veröffentlicht werden sollen. Unkenntlichmachungen können neu beantragt werden. Vormalige Widersprüche verlieren mit den neuen Bildern ihre Gültigkeit. Seit dem 25. Juli 2023 sind aktualisierte Aufnahmen sichtbar. Zudem werden die verfügbaren Regionen ausgeweitet. Einige Tage zuvor wurden alte Aufnahmen aus den Jahren vor 2010 entfernt.
Österreich
In Österreich begann Google Street View im Jahr 2008.Street View in Österreich – Online seit 2008. Thomas Prenner auf futurezone.at, 2. Dezember 2010. Neben Schutz der Privatsphäre, Datenschutz und von anderen Persönlichkeitsrechten bestehen in Österreich insbesondere Bedenken, dass (BMI/Polizei).Straßenansichten im Internet: „Google Street View“ und „Norc“. Informationsbroschüre, Polizei: Kriminalprävention, o. D. (2010), abgerufen am 18. Juli 2015 (PDF, bmi.gv.at).
Die Datenschutzbehörde bewirkte 2010 eine Pause der Ablichtung der Straßenzüge in Österreich, nicht wegen der Bilder, sondern wegen mitaufgezeichneter Funknetz-Details. Ein Auflagenbescheid Dezember 2010 legte fest, welche Einschränkungen Google einhalten muss, um die Street-View-Aufnahmen fortsetzen zu dürfen. So werden zwar Gesichter und Autokennzeichen automatisch unkenntlich gemacht, es müsste zum Beispiel aber vor Kirchen, Spitälern oder Frauenhäusern der ganze Körper verpixelt werden, oder von Spaziergängern nicht einsehbare Privatgärten, die die hochgestellten Kameras erfassen können, retuschiert werden.Kein Google Street View für Österreich. In: Kleine Zeitung online, 17. August 2014.