Die mongolischen Versuche einer Invasion Japans (jap. Genkō dt. „Einfall der Yuan“, Mōko shūrai oder , Mongoru shūrai, beides wörtlich „Mongoleninvasion“.Genkō war neben Bun'ei Mōko kassen, dt. „Mongolenschlacht in [der Ära] Bun’ei“ und , Kōan Mōko kassen, dt. „Mongolenschlacht in [der Ära] Kōan“ gängige Bezeichnung für die Invasionsversuche in der Kamakura-Zeit. In der Fachliteratur haben sich die Begriffe Mōko shūrai und Mongoru shūrai durchgesetzt. Vgl. Saeki 2003, S. 7.) von 1274 und 1281 waren die größten militärischen Angriffe auf Japan in vormoderner Zeit. Auch wenn sie für sich genommen nicht zum Sturz des Kamakura-Shōgunats führten, war ihr Beitrag für den politischen Umbruch – und so für die weitere Entwicklung Japans – entscheidend.
Vorgeschichte der Invasionsversuche Aufstieg der Mongolen im 13. Jahrhundert Am Beginn des 13. Jahrhunderts stiegen die Mongolen unter der Führung Dschingis Khans zur Invasionsmacht auf. Sukzessive eroberten sie große Teile Ost- und Westasiens (siehe hierzu Mongolische Kriegführung). Bereits 1234 unterwarfen sie die Jin-Dynastie (1125–1234) in Nordchina, von der sie neue Waffentechnologien wie Schusswaffen mit Schießpulver oder Explosivgeschosse übernahmen. Zudem nahmen sie das Königreich Goryeo auf der Koreanischen Halbinsel ein und beendeten in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Herrschaft der Song-Dynastie in Südchina. 1271 rief Kublai Khan, Enkel Dschingis Khans, die Yuan-Dynastie aus. Mit der Festigung seiner Macht auf dem Kontinent erstrebte er nun die Ausweitung seines Einflussgebiets auf Japan.
Gesandtschaften der Mongolen nach Japan Im Jahre 1268 erreichte eine erste mongolische Gesandtschaft Dazaifu, die Regierungshauptstadt Kyūshūs und Sitz des Chinzei bugyō, des „Verteidigungskommissars für den Westen“. Dort ließ man die Botschafter zwar nicht nach Kamakura weiterreisen, übermittelte ihre Nachricht jedoch an das Shōgunat. Ebenso konsultierte man, wenn auch nur der Form halber, den Kaiserhof in Kyōto. In Kamakura reagierte man auf den Inhalt der Botschaft, den Wunsch nach Aufnahme „freundschaftlicher“ Beziehungen, relativ gleichgültig. Das Bakufu (Militärregierung) war nicht bereit, in diplomatischen Kontakt mit den Mongolen zu treten. Zwar ließen Informationen aus Korea auf eine drohende Invasion schließen, was beim Hofadel in Kyōto Angst auslöste. Der politikbestimmende Schwertadel in Kamakura unter Führung des shōgunalen Regenten Hōjō Tokimune blieb jedoch unbeeindruckt. Erstens enthielt die Botschaft keine kriegerischen Äußerungen, zweitens fühlte man sich durch die Insellage Japans und die Armee aus gut ausgebildeten Samurai für den Fall eines Invasionsversuchs sicher. Die mongolischen Botschafter wurden entsprechend ohne Antwort zurückgeschickt. Auch weitere Gesandtschaften blieben ergebnislos.
Die erste Mongoleninvasion von 1274 Verlauf Infolge der ergebnislosen Gesandtschaften entschied sich Kublai Khan zu einem Militärschlag. So machte sich 1274 ein Expeditionsheer aus mongolischen, chinesischen und koreanischen TruppenDer Brockhaus in Text und Bild 2003 [SW], elektronische Ausgabe für Office-Bibliothek, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, 2003; Artikel: „Korea“ auf etwa 1.000 koreanischen Kriegsschiffen in Richtung Japan auf. Aufgrund des Zeitdrucks beim Bau waren die Schiffe jedoch von relativ schlechter Qualität und kaum hochseetauglich. Die Streitmacht, deren Stärke sich bei unsicheren Angaben auf 20.000 bis 40.000 Mann belaufen haben soll, nahm auf ihrem Weg trotzdem schnell die japanischen Inseln Tsushima und Iki ein. Nach der Landung in der Hakata-Bucht auf Kyūshū, dem für die Mongolen am besten geeigneten Ort für eine Invasion, traf sie auf die japanische Verteidigungsarmee, aufgestellt von den lokalen Herrschern, den Gokenin (), der Provinzen Kyūshūs, welche das Bakufu bereits nach der ersten Gesandtschaft der Mongolen anwies, Vorbereitungen für einen Krieg zu treffen.
In dieser sogenannten Schlacht von Bun’ei, der „Ersten Schlacht in der Hakata-Bucht“, waren die Invasoren den Japanern zunächst nicht nur zahlenmäßig, sondern vor allem auch kriegstechnisch überlegen: Die geschlossene Formation der Mongolen übertraf in ihrer Wirkung den Kampf Mann gegen Mann der Samurai, vergiftete Pfeile erhöhten die Verluste der Verteidiger und Knallkörper sorgten für Panik unter Kriegern und Pferden. So vermochten es die Mongolen auch, Hakata rasch einzunehmen und die Japaner am 20. Tag der Schlacht aus der Bucht ins Landesinnere zu verdrängen. Diese verschanzten sich in der Festung Mizuki (), um das nahegelegene Dazaifu, den Sitz des Verteidigungskommissars, verteidigen und halten zu können. Dort wollte man das Eintreffen weiterer Truppen des Bakufu aus Zentral- und Ostjapan abwarten. Allerdings entschieden sich die mongolischen Befehlshaber bereits vorher zum Rückzug. Gründe hierfür dürften einerseits die Versorgungsprobleme gewesen sein, die sich verschärften, je weiter die Invasoren ins Landesinnere vordrangen, andererseits die eigenen Verluste. So wurde beispielsweise der mongolische General Liu Fu-heng schwer verwundet. Die Entscheidung zum Rückzug stellte den Wendepunkt der Schlacht dar. Denn nach der Einschiffung der Truppen in der Hakata-Bucht zog ein schwerer Sturm auf, der etwa ein Drittel der wenig robusten Schiffe versenkte. In Kyōto, wo man in den Tempeln für den japanischen Sieg gebetet hatte, interpretierte man den Sturm als „göttlichen Wind“, als Kamikaze. Ob der Sturm kriegsentscheidend war oder ein japanischer Sieg auch ohne ihn wahrscheinlich gewesen wäre, bleibt umstritten.
Die gesellschaftlichen Folgen nach 1274 Bei den japanischen Soldaten führte die Invasion vielfach zur Verarmung. Denn die Kriegskosten, etwa für Ausrüstung und Verpflegung, mussten die Krieger selbst übernehmen. Deshalb forderten viele von ihnen vor dem Go’on bugyō (), dem Kommissar für Entschädigungsfragen des Bakufu, eine Entschädigung für ihre Ausgaben. Das Bakufu verfügte jedoch nicht über die nötigen finanziellen Mittel, da es in diesem Krieg keine eroberten Gebiete oder Kriegsbeute zu verteilen gab. Entsprechend erhielten lediglich etwa 120 Krieger eine Entschädigung. Die Situation verschärfte sich zusätzlich, da das Bakufu zum Schutz vor weiteren Invasionen die Provinzen in Kyūshū anwies, bewaffnete Truppen zur Verteidigung der Küste bereitzuhalten. Für die Soldaten bedeutete dies gleich nach dem Rückzug der Mongolen und über viele Jahre hinweg einen zusätzlichen Kriegsdienst für drei Monate pro Jahr.
Die politischen Folgen nach 1274 Aus politischer Sicht konnte das Bakufu aus der ersten gescheiterten Invasion durchaus noch Vorteile ziehen. Im Zuge der Verteidigungsvorbereitungen gelang es den Hōjō, der Regentenfamilie, die eigene Macht zu konsolidieren. Sie konnten sich einerseits ihrer Gegner entledigen, meist durch Ermordungen, und andererseits die Spaltung in der eigenen Familie entschärfen. Zudem vermochten sie es, ihre Macht erstmals von Vasallen auch auf Nicht-Vasallen auszudehnen. Dennoch sollte die Vorbereitung auf einen erneuten Invasionsversuch das Bakufu und seine Ressourcen vor große Probleme stellen.
Die Vorbereitungen auf weitere Invasionen mini|Verteidigungswall bei Hakata. Mōko Shūrai Ekotoba, ca. 1293 mini|Wallreste bei Imazu im Westen der Bucht von Hakata
Aus Korea und Südchina bezog das Bakufu Informationen über Vorbereitungen der Mongolen zu einer zweiten Invasion. Infolgedessen entschied man sich in Kamakura, die eigenen Streitkräfte weiter auszubauen und neue Militärposten an strategisch wichtigen Punkten Kyūshūs zu errichten. Diese Maßnahmen hatten weitreichende Folgen für die Gesellschaft: Da alle kriegstauglichen Männer seit Beginn der ersten Invasion ständig in militärischer Bereitschaft zu stehen hatten, fehlte es auf den Feldern an Arbeitskräften. Meist bewirtschafteten nur noch Alte, Frauen und Kinder das Land. Viele Anbauflächen lagen brach. Infolge dieses Einbruchs in der Agrarproduktion kam es auf Kyūshū zu mehreren Hungersnöten. Gleichzeitig verbreitete sich der Shintō-Glauben massiv in der Bevölkerung. Das Bakufu entsandte zu jener Zeit eine Vielzahl Boten zu Tempeln und Schreinen, mit der Bitte, dass die dortigen Priester und Mönche für den Sieg Japans beten mögen.
Im Mai 1275 sollten schließlich die Weichen für einen neuen Krieg gestellt werden. Zu dieser Zeit erreichte eine mongolische Gesandtschaft die Provinz Nagato auf Honshū. Zwar ließ man sie zum Bakufu vor, exekutierte sie jedoch im Dezember 1275, um gegenüber den Mongolen eine Position der Stärke und Unnachgiebigkeit zu demonstrieren.
Nun mussten die Japaner über ihr weiteres Vorgehen entscheiden. So zog man in Kamakura sogar einen Präventivschlag gegen Korea in Betracht, welches durch seine strategische Nähe zu Japan und seine Kriegsschiffe einen wichtigen Faktor für die Invasionspläne der Mongolen darstellte. Das Bakufu verwarf diese Idee jedoch wieder, da bei Aufrechterhaltung der Defensivstrategie die finanziellen Mittel für eine Offensivstrategie nicht ausreichten. Stattdessen entschied man sich, in der Hoffnung, dort einen weiteren Einfall besser verhindern zu können, für den Bau einer Verteidigungsmauer um die Hakata-Bucht. Währenddessen richtete Kublai Khan ein Amt für die Eroberung Japans (wörtlich: „Amt zur Züchtigung Japans“) ein, um die Vorbereitungen schneller voranzutreiben. Die Mongolen wiesen Korea an, erneut 1.000 Schiffe und 20.000 Soldaten bereitzustellen. Man ergänzte diese mit etwa 50.000 mongolischen Soldaten sowie 3.000 Kriegsschiffen der Song und 100.000 chinesischen Kriegern. Letztere sollten sich von China aus kommend mit der mongolisch-koreanischen Streitmacht bei der japanischen Insel Iki vereinen.
Die zweite Mongoleninvasion von 1281 Verlauf Die Koordination dieser beiden Truppenteile misslang den Mongolen jedoch zunächst. Die Chinesen sahen sich mit logistischen Problemen konfrontiert, ausgelöst durch einen Aufstand von Hafenarbeitern, den Tod eines hohen chinesischen Offiziers und Schwierigkeiten bei der Besetzung der Schiffsmannschaften, weshalb sie erst im Sommer 1281 bereit zum Auslaufen waren. Dagegen drängten die Mongolen die Koreaner, die bereits im Frühling 1281 angriffsbereit waren, zu einer Attacke auf die japanische Insel Tsushima, ohne auf die Unterstützung der Chinesen zu warten. Diesen ersten Angriff konnten die Japaner aber aufgrund der verbesserten Verteidigung zurückschlagen.
Der nächste Vorstoß fand erst nach dem Eintreffen eines ersten Teils der chinesischen Truppen statt. Die Streitmacht rückte nun, über Tsushima und Iki, auf Kyūshū vor und landete im Gebiet zwischen Munakata und der Hakata-Bucht. Von dort aus versuchte sie, die Flanken der Mauer einzunehmen. Allerdings vermochten die Japaner diese Angriffe nicht nur jedes Mal zurückzuschlagen, sondern gingen einige Male sogar zum Gegenangriff über.
Währenddessen landete der Großteil der nachrückenden chinesischen Truppen in der Provinz Hizen. Doch selbst gegen beide Truppenteile der Invasoren gelang es den Japanern in der sogenannten Schlacht von Kōan, der „Zweiten Schlacht in der Hakata-Bucht“, welche die Kämpfe in der Bucht selbst und in der Provinz Hizen umfasste, die Linien bis zum 14. August 1281, dem 53. Tag seit der Invasion, ohne größere Probleme zu halten.Richard Storry: A history of modern Japan. Penguin, Harmondsworth, 9. Aufl. 1972, S. 40. Am 15./16. August schließlich zog ein Taifun über die Küste Kyūshūs hinweg, der etwa ein Drittel der koreanischen und weit über die Hälfte der chinesischen Streitkräfte vernichtete. Die geringeren Verluste der Koreaner lassen sich dadurch erklären, dass sie erfahrene Seefahrer waren und die Anzeichen für den Taifun rechtzeitig erkannt hatten; sie brachten Teile der Flotte in sichere Entfernung zur Küste. Mit dem Rückzug der verbliebenen Truppen nach Korea war der zweite Invasionsversuch beendet.