mini|hochkant|Mauro Forghieri 1991 mini|hochkant|Mauro Forghieri (r.) mit John Surtees 1965 im Fahrerlager des Nürburgrings neben einem 1512 mini|Forghieri (kniend, rechts) mit dem Fahrer Carlos Reutemann bei Testfahrten mit dem Ferrari 312T3 in Zandvoort im Jahr 1978.

Mauro Forghieri (* 13. Januar 1935 in Modena; † 2. November 2022 ebenda) war ein italienischer Maschinenbauingenieur, der vor allem durch seine Arbeit als Konstrukteur von Formel-1-Rennwagen bei der Scuderia Ferrari in den 1960er und 1970er Jahren bekannt wurde. Während seiner Zeit bei Ferrari war er für zahlreiche technische Entwicklungen verantwortlich, darunter die Konstruktion und Weiterentwicklung der Sportwagenmodelle 250 GTO und der sogenannten „P-Serie“ (Prototypen), die Ferrari-Motorenbaureihe der 12-Zylinder-Boxermotoren, und Ferraris ersten Turbomotor in einem F1-Rennwagen. Ihm wird unter anderem auch die Einführung der ersten speziell konstruierten Heckflügel in der Formel 1 (beim Großen Preis von Belgien 1968) zugeschrieben. In Forghieris Amtszeit bei Ferrari gewann das Unternehmen viermal die Fahrer- und siebenmal die Konstrukteursweltmeisterschaft der Formel 1. Nach seinem Abschied von Ferrari im Jahr 1987 arbeitete er für Lamborghini und Bugatti, bevor er 1995 die Oral Engineering Group gründete.

Kindheit, Jugend und Ausbildung Forghieri wurde am 13. Januar 1935 in Modena (Emilia-Romagna) als einziges Kind von Reclus und Afra Forghieri geboren.https://www.topgear.com/car-news/one-ferraris-greatest-ever-engineers-mauro-forghieri-has-died Sein Vater, ein Maschinendreher, arbeitete während des Zweiten Weltkriegs in der Rüstungsindustrie bei Ansaldo in Neapel. In dieser Zeit lebte Mauro vorwiegend bei seiner Mutter. Nach dem Krieg kehrte die wieder vereinte Familie Forghieri nach Modena zurück, wo Reclus eine Stelle im Ferrari-Werk in Maranello antrat. Währenddessen absolvierte Mauro Forghieri das naturwissenschaftliche Gymnasium („liceo scientifico“). Danach studierte er an der Universität Bologna Maschinenbau, und machte 1959 seinen Hochschulabschluss. Er begann eine Lehrtätigkeit, plante aber nach Kalifornien zu gehen, um dort in der Luftfahrtindustrie zu arbeiten.

Beruflicher Werdegang Ferrari Im Jahr 1959, unmittelbar nach seinem Studienabschluss und dank der Beziehungen und Fürsprache seines Vaters, der in den 1930er-Jahren für Ferrari gearbeitet hatte, erhielt er von Enzo Ferrari ein Angebot in dessen Werk zu arbeiten, das er 1960 annahm. Nur zwei Jahre später, im Alter von 26 Jahren, wurde Forghieri Sportdirektor und Chefdesigner und Eugenio Dragoni wurde Teamchef im Ferrari-Rennteam. 1970 wurde er Technischer Direktor. Er entwickelte die Wagen ebenso wie die Motoren, mit denen Ferrari vier Fahrer-Weltmeisterschaften mit John Surtees (1964), Niki Lauda (1975 und 1977) und Jody Scheckter (1979), sowie sieben Konstrukteurstitel gewann.

1981 verpflichtete Ferrari den britischen Konstrukteur Harvey Postlethwaite als Unterstützung für Forghieri. Die Zusammenarbeit funktionierte allerdings nicht wie gewünscht und nach einigen politischen Querelen und ausbleibendem Erfolg wurde Forghieri 1985 in eine andere Entwicklungsabteilung versetzt, während Postlethwaite allein die Verantwortung für den Formel-1-Bereich trug. Forghieri blieb bis 1987 bei Ferrari und wechselte dann zu Lamborghini Engineering.

Leitende Tätigkeiten Im Frühjahr 1960 begann er eine Ausbildung in der Motorenabteilung. Forghieri arbeitete an der Seite zahlreicher Ingenieure, die bereits die Frühzeit von Ferrari mitgeprägt hatten – darunter Vittorio Jano, Carlo Chiti und Luigi Bazzi – sowie gemeinsam mit Rennleiter Romolo Tavoni. Zudem arbeitete er mit Gian Paolo Dallara zusammen, der 1960, kurz nach Forghieri, zu Ferrari gestoßen war (und im Bereich Fahrgestell-Entwicklung arbeitete). Forghieris erstes Arbeitsgebiet bei Ferrari umfasste sowohl Rennwagen als auch Straßenfahrzeuge.

Ende 1961 – nach seiner Heirat mit Franca Barbieri und der Geburt seines ersten Sohnes Alessandro, kam es zu Chitis Wechsel zu A.T.S. um dort ein Formel-1-Team aufzubauen, sowie Dallaras Abgang zu Maserati. Forghieri, der zu diesem Zeitpunkt erst 27 Jahre alt war, blieb als einziger qualifizierter Ingenieur im Unternehmen zurück. Vor diesem Hintergrund ernannte Enzo Ferrari ihn zum Leiter der technischen Abteilung im Rennwagensektor, wobei der Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf der Formel 1 und den Sportprototypen lag.Eraldo Sculati, Forghieri, in L'Automobile, n. 23, 1969. Diese Position, hatte er bis 1984 inne. Zu seinen Aufgaben gehörten die Leitung der technischen Entwicklung im Werk, die Führung der Technikabteilung bei den Rennen sowie die Zusammenarbeit mit anderen Ferrari-Abteilungen, darunter die Versuchs- und die Konstruktionsabteilung.

Er entwickelte die Wagen und die Motoren, mit denen Ferrari vier Fahrer-Weltmeisterschaften mit John Surtees (1964), Niki Lauda (1975 und 1977) und Jody Scheckter (1979), sowie sieben Konstrukteurstitel gewann.

1981 verpflichtete Ferrari den britischen Konstrukteur Harvey Postlethwaite als Unterstützung für Forghieri. Die Zusammenarbeit funktionierte allerdings nicht wie gewünscht und nach einigen politischen Querelen und ausbleibendem Erfolg wurde Forghieri in eine andere Entwicklungsabteilung versetzt, während Postlethwaite allein die Verantwortung für den Formel-1-Bereich trug.

Forghieri gab seinen Posten als Technischer Direktor im Jahr 1984 auf. Im Januar 1985 begann er mit der Arbeit am Konzeptfahrzeug Ferrari 408 4RM. Das Projekt 408 wurde im Frühjahr 1987 abgeschlossen; kurz darauf verließ Forghieri Ferrari endgültig und wechselte dann zu Lamborghini Engineering.

Technische Entwicklungen mini|Der Ferrari "Tipo 021" Turbomotor (Bj. 1981) aus dem Ferrari 126CK Forghieri war an der Entwicklung jedes Rennwagens beteiligt, den das Werk zwischen seiner Einstellung im Jahr 1960 und seinem Weggang 1987 einsetzte.

Zu den unter Forghieris Leitung entworfenen Rennsportwagen zählte der 250 GTO der GT-Klasse; dessen Entwicklung führte Forghieri fort, nachdem das ursprüngliche Team unter der Führung von Carlo Chiti und Giotto Bizzarrini das Unternehmen im Zuge des Streits von 1961 verlassen hatte. Weitere Fahrzeuge der GT-Klasse waren die Wettbewerbsversionen des 275 GTB und des 330LMB. Zu den von Forghieris Team entworfenen Sportprototypen gehörten die P-Serie sowie spätere Ausführungen der Dino-Reihe, beginnend mit dem Dino 166 P aus dem Jahr 1965. Forghieri bezeichnete den 330 P4 von 1967 als seinen persönlichen Favoriten unter allen von ihm entworfenen Fahrzeugen.

1964 entwarf Forghieri den von einem V8-Motor angetriebenen Ferrari 158, mit dem John Surtees die Formel-1-Weltmeisterschaft 1964 gewann. Der 158 und der Ferrari 1512 basierten auf einem von Forghieri konstruierten Aluminium-Monocoque-Chassis – dem ersten Einsatz dieser Technologie in einem Formel-1-Wagen von Ferrari.

Ab 1966 entwarf Forghieri die Ferrari-312-Baureihe (siehe untenstehende Galerie) sowie die Sportwagen 312P und 312PB.

Im Jahr 1979 entwickelte er ein halbautomatisches Getriebe für den 312T; es wurde zwar von Gilles Villeneuve getestet, kam jedoch nie zu einem Renneinsatz. Ein ähnliches System war erst im F1-Ferrari 640 (1989) und mit der Einführung des automatisierten Schaltgetriebes („F1-Getriebe“) für Straßenfahrzeuge im Modell F355 (1997) verfügbar.

Ebenfalls 1979 begann er mit der Entwicklung des ersten Ferrari-Turbomotors, der 1981 im Modell 126CK sein Debüt feierte.

Forghieris Ferraris in der F1

Lamborghini mini|Der unter der Gesamtleitung von Forghieri entwickelte Lambo 291 mini|Der von Forghieri konstruierte Lamborghini 3512 V12

Lamborghini Engineering war ein auf Initiative des Chrysler-Chefs Lee Iacocca gegründetes, in Modena ansässiges Unternehmen, das von dem Sportwagenhersteller Lamborghini zwar rechtlich unabhängig war, aber ebenso wie Lamborghini damals zum Chrysler-Konzern gehörte. Technischer Leiter wurde Forghieri.

Ziel des neuen Unternehmens unter dem Chef Daniele Audetto war zunächst die Entwicklung eines Formel-1-Motors. Ab 1989 wurden Zwölfzylinder-Saugmotoren an die Formel 1 geliefert. Kunden waren unter anderem die Teams Larrousse, Ligier und Lotus. Im September 1989 wurde das Unternehmen von dem mexikanischen Investor Fernando Gonzáles Luna Bueno beauftragt, ein komplettes Rennauto für ein künftiges mexikanisches Formel-1-Team zu konstruieren. Der alternativ als Lambo L290 oder Glas 001 bezeichnete Wagen wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1990 entwickelt. Wenige Tage vor seiner geplanten Vorstellung anlässlich des Großen Preises von Mexiko 1990verschwand Gonzáles Luna allerdings spurlos.N.N.: Heart of Glas? Motoring News vom 27. Juni 1990. Daraufhin entschlossen sich Lamborghini Engineering und der Mutterkonzern Chrysler, das Projekt mit einem anderen Partner fortzuführen. Der italienische Unternehmer Carlo Patrucco war bereit, für die Saison 1991 ein in Italien ansässiges Team zu gründen und zu finanzieren, das diesen Rennwagen einsetzen sollte. Lamborghini legte Wert darauf, den Rennstall nicht als Werksteam erscheinen zu lassen; deshalb wurde es unter der Bezeichnung Modena Team (alternativ: Scuderia Modena) gemeldet. Ungeachtet dessen gab es enge persönliche Verflechtungen zwischen dem Rennstall und Lamborghini Engineering. So halfen Mitarbeiter von Lamborghini Engineering in der Vorbereitungsphase bei der Organisation des Teams, und im Laufe der Saison 1991 übernahm Mauro Forghieri faktisch die Rollen des Teamchefs und des Rennleiters.Alan Henry: Auto Course 1991/92. London 1992 (Hazleton Securities Ltd.), ISBN 0-905138-87-2, S. 90.

Das Modena Team meldete den gegenüber 1990 nur geringfügig veränderten Wagen in der Saison 1991 als Lambo 291 für Nicola Larini und Eric van de Poele. Beide Fahrer schafften insgesamt nur sechs Rennteilnahmen. Im Spätsommer 1991 befand sich das Team am Rand der Zahlungsunfähigkeit und erwog kurzfristig die Fusion mit Coloni, dem schwächsten Rennstall des Jahres. Dazu kam es jedoch nicht. Mit Ablauf der Saison 1991 stellte das Modena Team den Betrieb ein, und Forghieri kehrte zu Lamborghini Engineering zurück und betreute die Kundenmotoren, die bis 1993 in der Formel 1 liefen.

Nach der Formel 1 1992 entwickelte Forghieri für Enel einen Minivan mit Elektro-Antrieb.

Ende 1992 übernahm er den Posten des Technischen Leiters bei Bugatti, wo er bis 1994 blieb.

1994 war Forghieri Teil der Expertenkommission, die für die Gerichtsverhandlung die Umstände von Ayrton SennasUnfalltod beim Großen Preis von San Marino 1994 klären sollte.

Im Januar 1995 gründete Forghieri gemeinsam mit Franco Antoniazzi und Sergio Lugli die Oral Engineering Group, ein Unternehmen für Maschinenbau und Konstruktion. Forghieri war operativ im Unternehmen tätig, dessen Aufgabenbereich Konstruktion, Forschung und Entwicklung von Motoren und Komponenten für Automobile, Motorräder, Wasserfahrzeuge und Karts umfasste. Zu den Kunden zählten unter anderem BMW, Bugatti und Aprilia. Oral Engineering Group erhielt den Auftrag, das Konzeptfahrzeug Ferrari Pinin von einem reinen Ausstellungsstück zu einem fahrbereiten Fahrzeug weiterzuentwickeln.

2005 trat Forghieri als Chefingenieur dem Projekt 1221 bei, einem italienischen Automobilunternehmen, das einen neuen Sportwagen mit der Bezeichnung MF1 entwickelte, der von einer emissionsfreien Gasturbine von Williams angetrieben werden sollte.

Späteres Leben und Würdigung Forghieri stand dem in den 2010er-Jahren in der Formel 1 eingeführten Drag Reduction System (DRS) kritisch gegenüber.

2021 wurde er zum Ehrenbürger von Modena ernannt.