Die Katholisch österreichische Studentenverbindung K.ö.St.V. Babenberg Graz ist eine katholische Verbindung des Österreichischen Cartellverbands (ÖCV), die 1920 gegründet wurde. Als solche bekennt sie sich zu den vier Prinzipien religio (katholischer Glaube), patria (Vaterland), scientia (Wissenschaft und Bildung) und amicitia (Lebensfreundschaft). Ihr Hochschulort ist Graz.
Gründungsgeschichte Gründungsvorbereitungen Die beiden Grazer CV-Verbindungen KÖHV Carolina Graz und KÖStV Traungau Graz verzeichneten vor dem Ersten Weltkrieg einen so starken Mitgliederzuwachs, dass Carolina Ende des Sommersemesters (SS) 1914 den Beschluss fasste, eine zweite Tochterverbindung zu gründen. Der Kriegsausbruch stoppte die bereits begonnenen Vorarbeiten.
Nach dem Ersten Weltkrieg drängten die zurückgekehrten Kriegsteilnehmer an die Hochschulen. Der Mitgliederzuwachs führte bei beiden Grazer CV-Verbindungen rasch zur Wiedererlangung der Personalstärke der Vorkriegszeit. Carolina, die im Wintersemester (WS) 1919/20 über einen außerordentlich großen Fuchsenstall verfügte, griff den Gedanken an die Gründung einer dritten CV-Verbindung am Hochschulort Graz wieder auf. Nachdem am 12. März 1920 Otto Junk (Ferdinandea Prag, Carolina) auf dem Burschenconvent (BC) den Teilungsgedanken vorgetragen hatte, bildete sich eine Teilungskommission. Diese besorgte die finanziellen Mittel, mit denen Ende Mai 1920 ein Zimmer im 1. Stock des Carolinenhauses als Heim der Tochterverbindung eingerichtet und die notwendige Couleurausstattung angeschafft wurde. Zu Beginn des SS 1920 zeigte sich innerhalb der Altherrenschaft Carolinas eine starke Strömung gegen die Teilung. Zwar konnten die Gegensätze durch Einsetzung einer zweiten Teilungskommission überbrückt werden, aber am 22. Mai stimmte der Cumulativconvent (CC) dem Teilungsantrag nicht zu. Er ermächtigte jedoch die Teilungskommission, die Arbeiten fortzusetzen, woraufhin der BC am 1. Juni aus drei Vorschlägen den Namen Babenberg auswählte und die Farben festlegte. Die Namensvorschläge lauteten Babenberg, Bajuvaria und Welfia.Gerhard Hartmann: Im Gestern bewährt. Im Heute bereit. 100 Jahre Carolina. Zur Geschichte des Verbandskatholizismus. Unter Mitarbeit von Dieter A. Binder. Hrsg. von Maximilian Liebmann i. A. des AHV der KÖHV Carolina, Graz 1988, S. 232. Der Vorschlag Baders, die Landesfarben der Steiermark, Weiß-Grün in die Farben aufzunehmen wurde wegen der voraussichtlichen Schwierigkeiten mit den Universitätsbehörden wieder verworfen.
Genehmigung zur Teilung der Carolina Am 7. Juli 1920 beschloss der CC der Carolina die Gründung der Tochterverbindung Babenberg mit großer Mehrheit. Wegen des nahen Termins der 51. Cartellversammlung in Regensburg konnte der Tagesordnungspunkt „Gründung einer Tochterverbindung Carolinas“ nur noch telegraphisch beim Vorort Vindelicia München angemeldet werden. Wegen der fehlenden schriftlichen Begründung wurde der Antrag vom Vorort ablehnend begutachtet. Ein Rundschreiben der Teilungskommission, die Bemühungen des Carolinenvertreters Richard Lindner (später Winfride) auf der Cartellversammlung und die dort vorgetragene positive Stellungnahme von Traungau Graz führten zur Stimmungsänderung, so dass am 25. August 1920 die Aufnahme Babenbergs als vollberechtigte Verbindung beschlossen wurde.Gerhard Hartmann: Im Gestern bewährt. Im Heute bereit. 100 Jahre Carolina. Zur Geschichte des Verbandskatholizismus. Unter Mitarbeit von Dieter A. Binder. Hrsg. von Maximilian Liebmann i. A. des AHV der KÖHV Carolina, Graz 1988, S. 232 f.
Gründungsvollzug Da auch die akademischen Behörden, die Landesregierung und die Polizeidirektion die eingereichte Satzung bestätigten und das neue Verbindungsheim im Admonterhof, Kaiser-Franz-Josefs Kai, zur Aufnahme Babenbergs ausgestattet war, drängte die Teilungskommission auf die baldige Einberufung des Gründungs-CC, der am 13. Oktober 1920 auf der Carolinenbude zusammentrat. 18 Aktive und sechs Füchse traten zur Tochterverbindung über. Ferdinand Schmölzer wurde erster Senior und Alfons Gorbach, der spätere österreichische Bundeskanzler, erster Fuchsmajor.Gerhard Hartmann: Im Gestern bewährt. Im Heute bereit. 100 Jahre Carolina. Zur Geschichte des Verbandskatholizismus. Unter Mitarbeit von Dieter A. Binder. Hrsg. von Maximilian Liebmann i. A. des AHV der KÖHV Carolina, Graz 1988, S. 233. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte die finanzielle Basis der neuen Verbindung durch großzügige Spenden v. a. von kirchlicher Seite sowie von Südtiroler Alten Herren der Carolina gefestigt werden.Erich Leitner: Politik und Hochschule. Der CV in der Steiermark 1918-1938. Wien 1978, S. 22 f. Anlässlich eines Kommerses der Grazer CV-Verbindungen am 23. Oktober 1920 chargierte Babenberg erstmals und zeigte tags darauf ihre Farben zum ersten Mal beim Sonntagsbummel in der Öffentlichkeit.Reichspost vom 31. Oktober 1920, S. 11 (25. Mai 2012)
Frühe Geschichte 1920–1938 Schwierige Erlangung des Aufzugsrechts Das Aufzugsrecht an der Universität und der Technischen Hochschule, am 7. Oktober 1920 beantragt, wurde zunächst nicht gewährt. Beim Publikationsfest vom 3. bis 5. Dezember 1920 verweigerte der Universitätsrektor Fritz Pregl den Empfang der Festabordnungen mit der Bemerkung, die Empfindlichkeiten der freiheitlichen Korporationen schonen zu wollen. An der Technischen Hochschule verwehrte der Rektor Friedrich Emich den Chargierten Babenbergs den Zutritt, obwohl laut Prorektor das Aufzugsrecht vom Professorenkollegium bereits gebilligt worden war.Gerhard Hartmann: Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. Lahn-Verlag (= Band 3 der Schriftenreihe der ÖCV-Bildungsakademie), Kevelaer 2006. 303. Erst beim 5. Stiftungsfest im SS 1925 wurde Babenberg erstmals vom Rektor der Technischen Hochschule feierlich empfangen.
Die 1920er Jahre – Aufbauphase Im SS 1921 nahm KÖStV Babenberg erstmals an der Fronleichnamsprozession teil.Grazer Mittags-Zeitung vom 27. Mai 1921, S. 3 (17. Juli 2012) Das WS 1921/22 brachte starken Zuwachs, die Zahl der Aktiven stieg auf 40. Am 10. April 1923 konstituierte sich der Altherrenverband.
1924 kam es auf Initiative des Hochschulprofessors Wilhelm Kosch (Gründer der späteren CV-Verbindung Nibelungia Brünn, heute Darmstadt) vorübergehend zu Überlegungen, gemeinsam mit Aenania München eine Tochterverbindung in Graz zu errichten. Im WS 1924/25 gründete Kosch Suevia auf dem Waldhof, zu der zwei Babenberger übertraten; da die Verbindung nicht in den CV aufgenommen wurde, trat sie dem RKDB bei. Die Suevia auf dem Waldhof driftete in Folge immer mehr ins rechte Lager ab.Gerhard Hartmann: Für Gott und Vaterland. Geschichte und Wirken des CV in Österreich. (= Band 3 der ÖCV-Bildungsakademie) Lahn-Verlag, Kevelaer 2006. 305.
In den Sommerferien 1927 wurde die Bude renoviert. Im WS 1927/28 erhielt die Verbindung das Recht, hellgrüne Mützen im steifen Format zu tragen. Da wenige Tage vor dem Auftreten Babenbergs die Landsmannschaft Viruna in grauen steifen Tellermützen auftrat, sah sich Babenberg gezwungen, das Grau in Graugrün abzuändernGerhard Hartmann: Im Gestern bewährt. Im Heute bereit. 100 Jahre Carolina. Zur Geschichte des Verbandskatholizismus. Unter Mitarbeit von Dieter A. Binder. Hrsg. von Maximilian Liebmann i. A. des AHV der KÖHV Carolina, Graz 1988, S. 273.; die grauen Pekeschen wurden durch schwarze ersetzt. Im SS 1929 kam es beim 9. Stiftungsfest zu einer Schlägerei mit freisinnigen Studenten, die das Fest stören wollten.Gerhard Hartmann: Im Gestern bewährt. Im Heute bereit. 100 Jahre Carolina. Zur Geschichte des Verbandskatholizismus. Unter Mitarbeit von Dieter A. Binder. Hrsg. von Maximilian Liebmann i. A. des AHV der KÖHV Carolina, Graz 1988, S. 277.
Die 1930er Jahre Im Juni 1930 feierte Babenberg das 10. Stiftungsfest, in dessen Rahmen das Ehrenband an Fürstbischof Pawlikowski verliehen wurde.Reichspost vom 22. Juni 1930, S. 7 (17. Juli 2012)
Im SS 1931 erhielt Babenberg erstmals Zuzug reichsdeutscher Studenten. In Hinblick auf den Nationalsozialismus bekannte sich Babenberg zu Österreich und duldete keine NSDAP-Anhänger in ihren Reihen. Infolge der sich verstärkenden Auseinandersetzungen mit den nationalen Korporationen kam es im November 1932 zu mehrtägigen Zusammenstößen zwischen katholischen und nationalen Studenten, in deren Zuge zwei Babenberger schwer verletzt wurdenWalter Höflechner: Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz: von den Anfängen bis in das Jahr 2008. Graz 2009, S. 133..
Am 17. Mai 1933 wurde beschlossen, dem diktatorisch regierenden Bundeskanzler Engelbert Dollfuß das Band zu verleihen, feierlich überreicht am 6. Juli 1933 im Hotel „Steirerhof“. Mit dem 10. Juli 1933 schloss sich Babenberg in Abschaltung vom CV dem gleichzeitig gebildeten 3. ÖCV an. Als 1934 Glückauf Leoben nach Graz verlegt wurde, stellte Babenberg drei Aktive zu ihr ab. 1935 hatte Babenberg bereits 147 Mitglieder, wobei der Anteil der steirischen Aktiven und Alten Herren bedeutend höher war, als jener der anderen steirischen CV-Verbindungen.Erich Leitner: Politik und Hochschule. Der CV in der Steiermark 1918–1938. Wien 1978, S. 24–27. Von 1935 bis zum Verbot 1938 war Christian Albrecht Philistersenior.
Nach der Rücktrittsrede von Dollfuß-Nachfolger Kurt Schuschnigg am Abend des 11. März 1938 und dem bevorstehenden „Anschluss“ an das Deutsche Reich konnten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion noch Verbindungsutensilien in Sicherheit gebracht werden, bevor die SA die Bude besetzte und das Budeninventar beschlagnahmte. Die Fahne der Babenberg hat die Kriegsereignisse gut verpackt in einem Kohlenkeller in Wien überlebt. Am 10. Juni 1938 wurde der ÖCV und mit ihm Babenberg behördlich aufgelöst. Babenberg nahm jedoch noch bis zum Jahresende 1938 Burschungen vor; die Aktiven versammelten sich regelmäßig in verschiedenen Gaststätten. Neuaufnahmen wurden aber nicht mehr getätigt.
Ab Ende 1938 dezimierten Einberufungen die Aktivitas. Mit Kriegsausbruch erlosch der Verbindungsbetrieb in Graz endgültig, während in Wien einige Grazer Babenberger um Hans Schifko 1942, 1943 und 1944 das Stiftungsfest im Untergrund feierten. Schifko hielt auch auf schriftlichem Wege Kontakt zu den Bundesbrüdern.Erich Thaller: Katholische Österreichische Studentenverbindung Babenberg Graz im ÖCV. Verbindungsbuch 2010. Graz 2010. S. 36–38. 1945 wurde der Admonterhof durch Bomben teilweise zerstört. (20. Mai 2013)
Neuere Geschichte nach 1945 Wiederaufbau und nochmaliges Verbot Als sich im Sommer 1945 immer mehr Babenberger in Graz zusammenfanden, festigte sich der Wille zur Rekonstituierung. Am 29. August 1945 wurde hierzu ein vorbereitender Ausschuss eingesetzt, der sich aus Franz Thaller als Vorsitzenden, Alois Georg Maitz, Karl Wallner und Karl Friedl zusammensetzte. Es erfolgte die Gründung eines Katholischen Akademikervereins Babenberg, der am 25. September 1945 polizeilich genehmigt wurde und im Gasthaus „Winterbierhaus“, Burggasse 15, ein Heim fand.
Am 17. Oktober 1945 erfolgte die Wiedererrichtung des Altherrenverbandes, am 28. November 1945 die Reaktivierung der Babenberg, sodass das 25. Stiftungsfest am 15./16. Dezember 1945 bereits wieder gefeiert werden konnte.Erich Thaller: Katholische Österreichische Studentenverbindung Babenberg Graz im ÖCV. Verbindungsbuch 2010. Graz 2010. S. 40 f.