Die Zwilling J. A. Henckels AG (eigene Schreibweise: ZWILLING J.A. Henckels) ist ein Unternehmen der Schneidwarenindustrie mit Sitz in Solingen. Zum Produktportfolio gehören unter anderem Kochmesser, Scheren, Kochtöpfe, Bestecke, Gläser, Küchenhelfer, elektrische Küchengeräte, Vakuumiersysteme sowie Grill/Grillzubehör.

Zur Zwilling-Gruppe gehören folgende Marken: ZWILLING, HENCKELS, Miyabi, BSF, Demeyere, Staub, Fontignac, Ballarini, Flammkraft und Santos Grills. Seit 1970 ist die Neusser Wilh. Werhahn KG Alleinaktionärin.J.A. Henckels ZWILLINGSWERK AG (Hrsg.): 1731–1981, 250 Jahre ZWILLING J.A. Henckels (Jubiläumsbroschüre ). Solingen 1981, S. 22. Produktionsstandorte in sieben Ländern und der Vertrieb in mehr als 100 Ländern bilden das weltweite Netz der Zwilling-Gruppe. Mit einer über 290-jährigen Geschichte zählt Zwilling zu den ältesten Marken der Welt. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit rund 3.300 Mitarbeiter, 2021 wurde ein Umsatz von 874 Millionen Euro erzielt, 40 % davon im Online-Geschäft.

Geschichte mini|Eintrag der Marke ZWILLING als Handwerkszeichen in die Solinger Messermacherrolle 1731 mini|Johann Abraham Henckels jun. (1869) mini|Werksansicht (um 1910) Die Geschichte der Marke Zwilling begann, als am 13. Juni 1731, also im Sternzeichen Zwillinge, sich der Solinger Messerschmied Peter Henckels, Angehöriger einer nachweislich seit etwa 1450 im Raum Solingen, Elberfeld und Lennep tätigen Schleifer- und Schmiedefamilie,Conrad Mattschoss: Beiträge zur Geschichte der Technik. In: Jahrbuch des Verbandes des Vereins Deutscher Ingenieure, Band 15, Julius Springer, 1925, Seite 283 den Zwilling als Handwerkszeichen in die Solinger Messermacherrolle eintragen ließ.Kurt Th. Friedlaender (Hrsg.): 200 Jahre (J. A. Henckels, Zwillingswerk, Solingen) – 13. Juni 1731 bis 13. Juni 1931. Solingen ca. 1931. Zwilling ist damit eine der ältesten Marken der Welt. Johann Abraham Henckels (1771–1850) siehe zu diesem gab dem Unternehmen seinen Namen.J.A. Henckels ZWILLINGSWERK AG (Hrsg.): 1731–1981, 250 Jahre ZWILLING J.A. Henckels (Jubiläumsbroschüre). Solingen 1981, S. 2. 1818 eröffnete es in Berlin die erste Verkaufsniederlassung.J.A. Henckels ZWILLINGSWERK, Solingen In: Stadtbaurat Schmidhäussler (Hrsg.): Solingen und sein Industriebezirk Ohligs, Wald, Gräfrath und Höhschild. Deutsche Kunst- und Verlagsanstalt GmbH, Solingen 1922, S. 150–151. 1883 wurde ein Geschäft in New York eingerichtet. 1884 folgte Wien, das Geschäft befand sich an der Kärntner Straße 24 im 1. Bezirk Innere Stadt. 1897 folgten Filialen in Kopenhagen und Rotterdam.Carl Locht: 1818–1911 – Hausgeschichte der Firma J. A. Henckels Berlin. Gebrüder Grunert, Berlin 1911.

Wurde anfangs der verwendete Stahl noch aus England bezogen, so folgte in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Umstellung der Produktion auf einheimischen Stahl. Eine Arbeitersparkasse gründete man 1851, die erste Dampfmaschine wurde in der Produktion 1853 in Betrieb genommen. Und eine neue Art des Schmiedens in Gesenken beispielsweise von Gabeln und Scheren fand Verwendung, lange bevor diese Technik auch bei anderen Herstellern zum Standard wurde. Die Umstellung von Dampfkraft auf Elektroantriebe folgte im Unternehmen rund 50 Jahre später ab 1905 mit der Inbetriebnahme eines eigenen Kraftwerkes. Die Chronik „Solingen und sein Industriebezirk“ aus dem Jahr 1922 bezeichnet Johann Abraham Henckels jr. als „Pionier einer neuen Betriebsform und der maschinellen Technik.“

Den größten Mitarbeiterstamm hatte Zwilling mit 1200 Betriebs- und 1500 Heimarbeitern in der Mitte der 1920er Jahre, zu jener Zeit war das Unternehmen der weltgrößte Schneidwarenhersteller. Im Zweiten Weltkrieg wurden im Zwillingswerk in Solingen Zwangsarbeiter eingesetzt. Die Firma war der viertgrößte Arbeitgeber für ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene der Stadt. Die mehr als 700 Zivilarbeiter und 36 Kriegsgefangenen des Unternehmens wurden in verschiedenen Lagern untergebracht: in der Gaststätte Zellerberg an der Katternberger Straße 225, im Lager „Fritz“ an der Felder Straße und im Lager an der Grünewalder Straße 12–22. In der Zeit des Nationalsozialismus war die Firma einer von elf lizenzierten Produzenten des Fahrtenmessers der Hitlerjugend.

Das unter der Bezeichnung „Friodur“ bekannte Verfahren zur Härtung nichtrostender Klingenstähle durch Tiefkühlung wurde 1939 erfunden und 1951 für die Firma patentiert. Die 1867/1868 aufgenommene eigene StahlproduktionDer Solinger Zwilling. Artikel in der Zeitung Die Zeit vom 17. November 1978, online abgerufen am 18. September 2013 gab Zwilling 1965 wieder auf.mini|Werbung von ZWILLING J.A. Henckels aus dem Jahr 1905

Immer wieder nahm Zwilling an Weltausstellungen teil, erstmals im Jahr 1851 in London, wo das Unternehmen eine erste Medaille erhielt. Weitere Auszeichnungen folgten: Zwilling J. A. Henckels gewann 1893 die einzige zu vergebene Medaille in Chicago, den Grand Prix von Paris 1900 und den Grand Prix von St. Louis 1904 sowie 1915 vier erste Preise in San Francisco. Das Unternehmen wurde auch mit der Preußischen Goldenen Staatsmedaille prämiert. Des Weiteren wurde J. A. Henckels zum k.u.k. Hof-Stahlwaren-Fabrikanten ernannt.

Im Jahre 1909 gründete Zwilling seine erste Tochtergesellschaft in den USA. Weitere folgten in Kanada, den Niederlanden, Dänemark, der Schweiz, Japan, Italien, Frankreich, Spanien, der Volksrepublik China und Taiwan. Anfang 2008 wurden Tochtergesellschaften in Großbritannien und Brasilien, 2013 in der Türkei begründet.

mini|Historische Entwicklung des ZWILLING-Logos, 1731 bis heute

Bis zum Jahr 1969 blieb Zwilling im Familienbesitz. Bis in dieses Jahr hinein war die schwarze Silhouette, eingetragen im Sternzeichen des Zwillings, das immer wieder modifizierte Markenzeichen des Unternehmens. Das rote Quadrat trat 1969 hinter die Zwillingfiguren.

1953 wurde Zwilling in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, alle Anteile blieben zu diesem Zeitpunkt im Familienbesitz. Die Wilh. Werhahn KG aus Neuss übernahm zunächst 1969 die Aktienmehrheit und wurde im folgenden Jahr zur Alleinaktionärin.

Die Produkte des Unternehmens werden in über 100 Ländern vertrieben. Außerdem betreibt das Unternehmen Läden, Studios und Partnershops im In- und Ausland, darunter etwa 200 Shop-in-Shops in China. 2004 hat Zwilling den japanischen Messerhersteller Nippa übernommen. Mit der Akquisition des belgischen Herstellers Demeyere (Edelstahlkochgeschirr) und der französischen Gruppe Staub (Gusseisenkochgeschirr) im Frühjahr 2008 sowie der Übernahme des italienischen Spezialisten für Aluminiumkochgeschirr Ballarini im Jahr 2015 hat Zwilling sein Kochgeschirr-Segment weiter ausgebaut. 2021 ergänzt Zwilling sein Marken-Portfolio in Richtung Barbecue durch eine Mehrheitsbeteiligung bei Santos Grills (Grillfachhändler) und Flammkraft (Hersteller von High-End-Grills).

Hergestellt werden die Produkte von Zwilling in Deutschland am Standort Solingen, aber auch in Japan und China, wo das Unternehmen seit 1995 an einem Joint Venture beteiligt ist. Der Schneidwarenhersteller beschäftigt weltweit 3.800 Mitarbeiter. Der Umsatz des Unternehmens wird zu rund 80 % im Ausland erwirtschaftet.

2013 wurden die von Zwilling übernommenen Solinger Hersteller für Friseurbedarf Jaguar und Tondeo in der United Salon Technologies GmbH zusammengefasst. Diese Geschäftseinheit wurde 2021 an die CERTINA-Gruppe verkauft.

Zeittafel mini|Erste Zwilling-Filiale 1818 in Berlin mini|Anleihe der Stadt Solingen von 1922 mit Darstellung des Firmengeländes von J. A. Henckels 1731: Eintragung des Zwilling und damit der Marke in die Solinger Messermacherrolle durch Peter Henckels (geb. 1659) 1818: Eröffnung der Niederlassung Berlin. 1851: Weltausstellung in London. Ein Preis wurde gewonnen 1855: Höchste Auszeichnung auf der Weltausstellung Paris 1883: Eröffnung der Filiale New York 1893: Zwilling erhält die einzige zu vergebende Medaille auf der Weltausstellung in Chicago 1900: Höchste Auszeichnung auf der Weltausstellung Paris 1904: Weltausstellung in St. Louis 1909: Gründung der Firma J. A. Henckels USA Inc. (heute: ZWILLING J.A. Henckels LLC) 1915: Vier erste Preise auf der Weltausstellung San Francisco 1923: Einführung der nichtrostenden Stahlklingen 1927: Eröffnung Filiale Paris 1938: Zwilling erhält das Patent für die Scherenserie „Küchenhilfe“ 1939: Zwilling erhält das Patent für das Eishärteverfahren 1942–1945: Zwilling setzt über 700 Zwangsarbeiter im Solinger Werk ein 1951: Einführung der eisgehärteten Stahlklingen unter dem Namen Friodur 1953: Zwilling wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt 1969: Zwilling-Logo auf rotem Grund 1969: Wilh. Werhahn KG übernimmt Aktienmehrheit 1970: Wilh. Werhahn KG wird Alleinaktionär 1976: Zwilling entwickelt die **** Vier-Sterne-Messerserie 1993: Beteiligung an Arcos Hermanos S.A., Spanien 1995: Gründung von Joint Venture China 1995: Übernahme M.H. Wilkens & Söhne und der Marke BSF 2004: Erwerb der japanischen Messermanufaktur Nippa 2005: Erster Concept Store in Paris 2008: Übernahme der Firma Demeyere NV aus Belgien 2008: Übernahme der Firma Groupe Staub S.A. aus Frankreich 2009: Eröffnung des Betriebskindergartens Twinny Land 2010: Eröffnung Joint Venture Russland 2012: Eröffnung eines Flagship Stores in Düsseldorf 2013: Eröffnung des Concept Stores in Hangzhou/China 2015: Übernahme des italienischen Pfannenherstellers Ballarini 2021: Mehrheitsbeteiligung beim Grillfachhändler Santos Grills 2021: Mehrheitsbeteiligung bei Flammkraft, Hersteller von High-End-Grills

Konzernstruktur mini|Firmengebäude der ZWILLING J.A. Henckels AG in Solingen

Die Zwilling Gruppe ist ein international ausgerichtetes Produktions- und Vertriebsunternehmen. Ausgehend vom ursprünglichen Kerngeschäft der Messer- und Scherenproduktion am Stammsitz in Solingen hat sich das Unternehmen in die drei Geschäftsfelder Küche, Beauty und Friseurbedarf aufgegliedert.Wilh. Werhahn KG (Hrsg.): Geschäftsbericht 2012. Neuss 2013.

Hergestellt werden die Produkte in insgesamt zehn Produktionsstätten, vornehmlich in Europa und Asien. Neben Werken in Deutschland, Belgien, Frankreich und Spanien gehören Produktionen in China, Japan und Indien zur Zwilling Gruppe.

Der Verkauf ist in der Unternehmensentwicklung neben der Produktion ein zentrales Element. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Vertriebstöchter in internationalen Exportmärkten aufgebaut und ein Filialnetz in wirtschaftlich bedeutenden Städten weltweit installiert. Heute ist die Zwilling Gruppe zum Beispiel mit eigenen Vertriebsgesellschaften in den großen europäischen Märkten, in Russland, der Türkei, Brasilien, Kanada und den USA sowie in China, Japan und Taiwan vertreten.

Darüber hinaus bestehen aktuell zehn Filialen oder Concept Stores weltweit, so beispielsweise in Berlin, Paris, Genf, Barcelona, Istanbul, Budapest und São Paulo. Komplettiert wird der weltweite Markenauftritt durch die Präsentationen im stationären Handel, Outlet Stores sowie Online-Portale in verschiedenen Sprachen. 2012 kamen zu diesem Netzwerk ein Flagship Store in Düsseldorf sowie 2013 ein Concept Store im chinesischen Hangzhou dazu.

Seit 1970 gehört die Zwilling Gruppe zur Wilh. Werhahn KG mit Sitz in Neuss.

Marken der Zwilling Gruppe