Julia und ihre Liebhaber (Originaltitel Tune in Tomorrow…, auch erschienen unter dem Titel Aunt Julia and the Scriptwriter)Aunt Julia and the Scriptwriter in der IMDb ist eine US-amerikanische Filmkomödie von Jon Amiel aus dem Jahr 1990. William Boyd schrieb das Drehbuch anhand des Romans Tante Julia und der Kunstschreiber von Mario Vargas Llosa. Die Hauptrollen im Film sind besetzt mit Barbara Hershey, Keanu Reeves und Peter Falk.
Das Filmplakat fragte seinerzeit: „Can Martin find true love with luscious Aunt Julia? Will the scriptwriter screw up their lives and everyone else’s? Does a frog have a waterproof ass? Tune in Tomorrow… For this year’s most outrageous romantic comedy.“ (Wird Martin in seiner hinreißenden Tante Julia die wahre Liebe finden? Wird der Drehbuchautor ihr Leben und das aller anderen ruinieren? Hat ein Frosch einen wasserdichten Hintern? Schalten Sie morgen ein… Für die verrückteste romantische Komödie des Jahres.)Tune in Tomorrow… Abb. Filmplakat in der IMDb
Handlung New Orleans im Jahr 1951: Der 21 Jahre alte, also gerade erst volljährige, Jurastudent Martin Loader bekommt einen Job beim Radiosender WXBU. Es ist die Zeit, in der das Radio in den USA große Erfolge verbuchen kann. Besonders die Rundfunk-Seifenopern von Pedro Carmichael haben es dem Publikum angetan. Seine Geschichten entleiht Carmichael größtenteils der Realität. Schon seine erste Arbeit für den Sender hatte Maßstäbe gesetzt: Auf der Hochzeit seiner Schwester gesteht deren Bruder seinem Onkel nicht nur, dass er die Schwester liebt, sondern auch, dass das Kind, das sie erwartet, von ihm sei. Und in diesem Soziolekt ging die Geschichte dann auch weiter.
Martin verliebt sich in seine angeheiratete und schon zweimal geschiedene Tante Julia, die mit 35 Jahren deutlich älter ist als er, und nach ihrer zweiten Scheidung gerade aus New York City zurückgekehrt ist.
Als Pedro Carmichael, ein Kollege Loaders, der für WXBU als Drehbuchautor arbeitet, von der Liebesbeziehung der beiden erfährt, sieht er darin eine Chance, für die Seifenoper des Senders ein großes Drama zu entwickeln, indem er die Gespräche zwischen Martin und Julia auf Tonbandgeräten aufzeichnet. Um diese Möglichkeit zu haben, hat er Martin und Julia scheinbar selbstlos sein Haus zur Verfügung gestellt. Auch schreckt er nicht davor zurück, sich als französisches Hausmädchen, als Chirurg oder Rabbi zu verkleiden, um seine Figuren besser verstehen zu können. Tatsächlich wird die Story im Radio ein Riesenerfolg. Als die Dialoge der beiden Liebenden dann fast wortwörtlich in der Seifenoper auftauchen, zieht das nach sich, dass Martin außer sich ist. Nicht nur dass Details aus seinem Liebesleben öffentlich gemacht worden sind und Julias Ruf Schaden genommen hat, wendet sie sich auch noch von ihm ab. Auch die Familie beider ist nicht amüsiert auf diese Weise von der Affäre beider zu erfahren.
Carmichael ist jedoch ein Meister darin, eine Lösung zu präsentieren, die dem reißerisch-sentimentalen Gestrüpp seiner Seifenoper neue Nahrung verleiht. Der Drehbuchautor weiß aus Erfahrung, dass das Publikum ein Happy End in dieser schwierigen Liebesbeziehung herbeisehnt. Carmichael ist sich sicher, dass er da etwas nachhelfen muss, sowohl in der Radiostory als auch im wahren Leben.
Produktion Synchronisation Der Film wurde durch die Berliner Synchrom GmbH Wenzel Lüdecke, Berlin, synchronisiert. Dialogbuch und Dialogregie lagen bei Lutz Riedel.
Tante Julia Barbara Hershey Kerstin Sanders-Dornseif Martin Loader Keanu Reeves Benjamin Völz Pedro Carmichael Peter Falk Wolfgang Völz Tante Olga Patricia Clarkson Eva-Maria Werth Onkel Luke Richard Portnow Lutz Riedel Sam / Sid Jerome Dempsey Gerd Duwner Leonardo Pando Richard B. Shull Hans-Werner Bussinger Donald Loader Paul Austin Friedrich Georg Beckhaus Big John Coot Henry Gibson Friedrich W. Bauschulte Richard Quince Peter Gallagher Mathias Einert Robert Quince Dan Hedaya Klaus Sonnenschein Pater Serafim Buck Henry Peter Matic Margaret Quince Hope Lange Maria Körber Albert Quince John Larroquette Jürgen Kluckert Elena Quince Elizabeth McGovern Dagmar Biener Elmore Dubarque Robert Sedgwick Thomas Petruo
Dreharbeiten, Hintergrund Der Film wurde im Zeitraum vom 14. August bis 20. Oktober 1989 in New Orleans und in Wilmington (North Carolina) gedreht. Weitere Filmaufnahmen entstanden in Paris in Frankreich.Filming locations für Tune in Tomorrow… in der IMDb. Abgerufen am 23. Juli 2007.
Mario Vargas Llosa, ehemaliger peruanischer Präsidentschaftskandidat, erhob den Helden in seinem Roman zu jemanden, der von Ressentiments gegen Bolivianer besessen ist. Im Film werden daraus nun Angriffe gegen Albaner und das Geschehen wurde von Peru nach New Orleans verlegt.Tune in Tomorrow cinegeek.de
Veröffentlichung Seine Weltpremiere hatte der Film am 15. September 1990 auf dem Toronto International Film Festival.Premierendaten für Tune in Tomorrow… in der IMDb. Abgerufen am 23. Juli 2007.
In Deutschland wurde Julia und ihre Liebhaber am 18. Juni 1992 erstmals veröffentlicht. In den Vereinigten Staaten kam der Film in einer limitierten Ausgabe am 26. Oktober 1990 in einzelne Kinos, am 2. November 1990 startete er dann allgemein in den amerikanischen Kinos. In Frankreich wurde der Film erstmals im Dezember 1990 veröffentlicht. 1991 erfolgte eine Veröffentlichung in Portugal, Finnland, im Vereinigten Königreich und in Japan und 1992 in Australien. Veröffentlicht wurde der Film zudem in Brasilien, Bulgarien, Kanada, in der Tschechischen Republik, Griechenland, Ungarn, Italien, Norwegen, Polen, Rumänien, Singapur, in der Sowjetunion, in Spanien, Schweden und in Venezuela.
Twentieth Century Fox gab den Film am 5. Februar 2007 mit einer deutschen Tonspur auf DVD heraus.Julia und ihre Liebhaber Abb. DVD-Hülle Metro Goldwyn Mayer
Soundtrack Chewin’ Fat, geschrieben und vorgetragen von Wynton Marsalis (und seiner Band) Wedding Samba, geschrieben von Abraham Ellstein, Allan Small und Joseph Liebowitz,vorgetragen von Don Jacobi and The College Allstars Sunsetting in The Bayou, geschrieben und vorgetragen von Wynton Marsalis (und seiner Band) Mama Leona, geschrieben und vorgetragen von Wynton Marsalis (und seiner Band) I Can’t Get Started, geschrieben von Vernon Duke und Ira Gershwin,vorgetragen von Wynton Marsalis und seiner Band Uptown Top Table Rap, geschrieben und vorgetragen von Wynton Marsalis (und seiner Band) Second Street Line (Hot Hoppin’), geschrieben und vorgetragen von Wynton Marsalis (und seiner Band) Crescent City Crawl, geschrieben und vorgetragen von Wynton Marsalis (und seiner Band) New Orleans, My Home (Going Back To New Orleans), geschrieben von Ellis Walsh,vorgetragen von The Neville Brothers It’s A Good Day, geschrieben von Peggy Lee & Dave Barbour, vorgetragen von Peggy Lee
Rezeption Kritik Auf einem Filmplakat zum Film war zu lesen: „The Best Comedy of 1990“ „A Truly Uproarious Comedy“ „Thoroughly Entertaining… Thoroughly Original“ „This one I Loved … What a Treat“ „Wild and Wacky“ (Die beste Komödie von 1990! Eine urkomische Komödie, durch und durch unterhaltsam … absolut originell! Diese hier fand ich großartig… Was für ein Genuss! Wild und verrückt.)
Günther Bastian kam im Februar 2002 im Lexikon des internationalen Films zu dem Ergebnis: „Ein in fotografischer Poesie angefertigtes Zeit- und Menschenbild, das in Vermischung von Humor, Ironie, Charme und Psychologie die gegenseitige Durchdringung von Sein und Schein aufzeigt. Auch in der virtuosen Darstellung der Fragwürdigkeit von Wiedergabe des Lebens durch Trivialkunst erreicht der schauspielerisch hervorragende Film eine bemerkenswerte Verbindung von Vergnügen und Nachdenklichkeit. Das Geschehen hat alle Möglichkeiten zu einer rosa Komödie mit schwarzen Troddeln im Sinne Jean Anouilhs; und sie werden auch mit kunstvollen Verzahnungen von Komik, Ironie, Charme und tieferer Bedeutung voll wahrgenommen. – Sehenswert.“Günther Bastian:
Die Prisma-Redaktion gab dem Film vier von fünf möglichen Sternen und führte aus: „Jon Amiel drehte nach der wunderbaren Literaturvorlage von Mario Vargas Llosa eine überaus originelle Komödie, die gleichzeitig eine Hommage an die 50er Jahre und speziell an den Einfallsreichtum damaliger Radiomacher ist. Dank des Charmes, der guten Darsteller – allen voran Peter Falk als verschrobener Carmichael –, der pointierten Dialoge und der guten Musik von Jazz-Trompeter Wynton Marsalis ist dies beste Unterhaltung für Nostalgie-Fans.“
Die Redaktionskritik der Filmzeitschrift Cinema hingegen fiel wenig freundlich aus. Dort war zu lesen: „‚Matrix‘-Star Keanu Reeves lief hier noch gegelt und gescheitelt durchs Bild. Fazit: Altbacken geratenes Dampfradio-Stück.“
Der Kritiker Roger Ebert beschäftigte sich auf seiner Seit mit dem Film und meinte, Jon Amiel lote gerne die Grenzen des Glaubwürdigen aus und spiele mit der Grenze zwischen Realität und Fiktion. In diesem Film springe die Handlung zwischen Seifenoper und den darin agierenden Figuren hin und her, wodurch eine Geschichte in der Geschichte entstehe. Der Film biete denselben Witz wie Woody Allen in Radio Days. Einige der besten Lacher des Films seien entstanden, wenn den Zuhörern vor Entsetzen und Staunen über Falks aberwitzige Fantasien der Mund offen stehen geblieben sei. Niemand scheine jedoch so recht zu wissen, wie man auf die offenkundig skrupellosen Angriffe auf die Albaner reagieren solle, und tatsächlich ziehe sich der uneinheitliche Humor des Films wie ein roter Faden die gesamte Handlung hindurch. Manchmal lache man leicht, manchmal unsicher, und manchmal starre man einfach nur auf die Leinwand und frage sich, warum irgendjemand das lustig finde. Die Albaner seien Teil des Problems, wenn auch vielleicht nicht, wenn der Film in der Türkei gezeigt werde.Roger Ebert: Tune in Tomorrow ** 2½ Sterne von 4 möglichen rogerebert.com (englisch), 2. November 1990. Abgerufen am 20. November 2025.
Peter Travers schrieb im RollingStone, dass die Verschmelzung von Fantasie und Realität eine heikle Angelegenheit sei. Regisseur Jon Amiel habe oft meisterhaft bewiesen, dass er dies könne. Doch so begabt er auch sei, strauchele er in dieser missglückten Verfilmung von Mario Vargas Llosas gefeiertem Roman Aunt Julia and the Scripter. Drehbuchautor William Boyd habe Llosas Roman weniger adaptiert, als dass er ihn als Sprungbrett für weniger fantasievolle Erfindungen genutzt habe. Barbara Hershey verkörpere ihre Figur mit trockenem Humor. Peter Falk hingegen ersticke jegliche Nuancen, die die weiteren Schauspieler und Regisseur Amiel dem Film zu verleihen versucht hätten. Wie dessen übertriebene Darstellung verliere auch Tune in Tomorrow schnell seinen Reiz.Peter Travers: Tune in Tomorrow rollingstone.com (englisch), 26. Oktober 1990. Abgerufen am 20. November 2025.