mini|220px|Franz Philipp, 1963 Franz Joseph Philipp (* 24. August 1890 in Freiburg im Breisgau; † 2. Juni 1972 ebenda) war ein deutscher Kirchenmusiker, Komponist und Musiker im Nationalsozialismus.

Leben Franz Philipp wurde als Sohn des Buchhändlers Leonhard Philipp (1839–1905) und dessen Frau Maria, geb. Lipp (1856–1939), in Freiburg geboren. Er erhielt bereits 1908 als Schüler am Freiburger Musik-Konservatorium Unterricht in Violine, Komposition, in musiktheoretischen Fächern sowie Klavierunterricht.

Seine erste Organistenstelle hatte er noch als Schüler in der Freiburger Herz-Jesu-Gemeinde, wo auch seine erste Messkomposition aufgeführt wurde. Von 1911 bis 1912 studierte er an der Universität Freiburg die Fächer Literaturwissenschaft und Philosophie. Von 1912 bis 1913 studierte er am Basler Konservatorium Orgel, Kontrapunkt und Improvisation bei Adolf Hamm, der seinerseits Schüler von Max Reger und Karl Straube war. 1914 spielte er 23 Notenrollen für die Welte-Philharmonie-Orgel ein.

Im Ersten Weltkrieg wurde Franz Philipp als Soldat des 5. Badischen Infanterie-Regiments Nr. 113 an der Front in den Vogesen verschüttet und erlitt dabei einen irreversiblen Hörschaden. Noch während des Kriegs wurde 1916 in der Berliner Philharmonie seine von Kriegsbegeisterung geprägte Kantate Deutschlands Stunde uraufgeführt. 1919 bis 1924 war Franz Philipp als Kirchenmusiker in der Freiburger St.-Martins-Gemeinde tätig und hatte ab 1923 einen Lehrauftrag für Orgel, Gesang, Theorie und Musikgeschichte am Lehrerseminar. 1924 heiratete er Sophie Hummel und wurde zum Direktor des Badischen Konservatoriums für Musik in Karlsruhe berufen, das unter seiner Führung 1929 zur Staatlichen Hochschule erhoben wurde und von ihm bis 1942 geleitet wurde.

1925 wurde sein Sohn Johannes geboren, der 1944 während der alliierten Offensive in der Normandie ums Leben kam. Franz Philipp gründete 1925 und 1926 die Badische Orgelschule, das Institut für Katholische Kirchenmusik, den Badischen Kammerchor und das Badische Kammerorchester. Von 1925 bis 1927 leitete er außerdem den Bachchor Karlsruhe.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten trat er zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.463.967).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/32360824Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, CD-Rom-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 5610 Während der Zeit des Nationalsozialismus komponierte Franz Philipp verschiedene NS-Feiermusiken zu Thingspielen und anderen Gelegenheiten, Volkskantaten und Gesangswerke mit Texten im Sinne der NS-Machthaber.Beispiele bei Fred K. Prieberg: Handbuch, S. 5610 bis 5617. Philipp wurde von den Machthabern als Musiker sehr geschätzt. Sein Orchesterwerk „Heldische Feier“ Op. 35 wurde vom Völkischen Beobachter gefeiert als vorbildlich nationsozialistische Komposition, weil der Geist unseres Kampfes und die gestaltenden Mächte dieser Musik als zwei gültige Zeugen der inneren Wahrheit dieses neuen Weltbildes vor uns stehen.Theodor Ritte: Franz Philipp. Ein alemannischer Tonkünstler voll Herzblut, in: Mein Heimatland, Hrsg.: Landesverein Badische Heimat, Freiburg i. Br., Band 23, 1936, S. 141–142. Sein Fahnenlied op. 38, 2 wurde zum SA-Lied der SA-Gruppe Südwest.Der Kirchensänger, 37. Jg., Nr. 3, März 1937, S. 58

Trotz seiner Anbiederung an das nationalsozialistische Regime brachte ihm seine starke Verwurzelung in der katholischen Kirchenmusik scheinbar Schwierigkeiten und persönliche Konflikte ein, er trat 1942 von seinem Amt als Direktor der Musikhochschule Karlsruhe zurück. Seit seinem Rücktritt war er in Freiburg im Breisgau als freischaffender Komponist tätig. Herbert Haag gibt in einer Kurzbiographie als Grund für seinen Rücktritt gesundheitliche Gründe und das Jahr 1941 an.Herbert Haag: Oberrheinisches Orgelbuch. Willy Müller, Süddeutscher Musikverlag, Heidelberg, 1943. S. 7. Nach dem Krieg gelang es ihm anscheinend auch, seine tragende Rolle in der nationalsozialistischen Musik herunterzuspielen. Die Opusnummern der nationalsozialistischen Kompositionen versuchte er nach Kriegsende, als ihm sein Bekenntnis zum Nationalsozialismus peinlich war und er sich wieder intensiver der Komposition von kirchenmusikalischen Werken widmete, durch neue Kompositionen mit derselben Opuszahl zu tilgen.Fred K. Prieberg: Handbuch, S. 5617. In der zu seinem 70. Geburtstag erschienenen Festschrift kommt das Dritte Reich nicht vor. 1960 wurde er in Freiburg als erster Künstler mit dem Reinhold-Schneider-Preis ausgezeichnet und erhielt das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Er starb 1972 in seiner Heimatstadt und wurde auf dem Freiburger Hauptfriedhof beigesetzt.

Wirkung Franz Philipp versuchte, als Komponist nicht auf den ausgetretenen Pfaden des Cäcilianismus zu wirken, und setzte sich hingegen für die Neuorientierung der katholischen Kirchenmusik ein. Nur oberflächlich betrachtet erscheint er als ein Epigone von Anton Bruckner. Sein musikalisches Schaffen hat, von seinem Orgelwerk abgesehen, Bezüge zum Gregorianischen Gesang und zum deutschen Volkslied, ist somit von der sogenannten „Liturgischen Bewegung“ geprägt und umfasst Kinderlieder genauso wie groß angelegte sinfonische Chorwerke.

Trotz seiner umfangreichen Tätigkeit als Organist, bei der er sich besonders durch seine Improvisationskunst hervortat, hat Franz Philipp nur wenige Orgelkompositionen hinterlassen. Philipps Orgelopus ist im Gegensatz zu seinem sonstigen Schaffen sehr am spätromantischen Stil von Max Reger orientiert.

Sein Werk, das vorwiegend aus Chorkompositionen besteht, ist nach seinem Tod weitgehend in Vergessenheit geraten. Seine Kompositionen für den NS-Kult und Philipps Versuch einer späteren Kaschierung werden von Musikwissenschaftlern und Historikern nach wie vor kritisch beleuchtet und machen eine heutige Rezeption seines geistlichen Werks sicherlich nicht einfach.

Von 1960 bis 1979 bestand in Freiburg die Franz-Philipp-Gesellschaft, die das Mitteilungsblatt Vox herausgab.

Werke (Auswahl) Franz Philipps Opus umfasst offiziell 98 Titel, daneben existieren allerdings noch etwa 20 Werke ohne Opuszahl. Der Nachlass des Komponisten befindet sich in der Badischen Landesbibliothek und wurde dort verzeichnet.Judith Marcinczak: Nachlass Franz Philipp [in der Musikabteilung der Badischen Landesbibliothek]. Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, 2003. Recherchen in Bibliotheken ergeben aber weitere Drucke seiner Stücke mit variierenden Angaben. Werke, die mit derselben Opuszahl aber eindeutig anderem Inhalt identifiziert werden konnten, sind durch eine angehängte -2 markiert und durch eine Fußnote erläutert.

Lenaulieder-Zyklus, op. 1 (1908) Toccata für Klavier D-Dur, op. 2. Karlsruhe, F. Müller, 1927 Zwei Frauenchöre a cappella, op. 3. Karlsruhe, F. Müller, 1928 1. Gebet (Eduard Mörike) 2. Ave Maria Trauerlied, op. 4. (UA 1913 im Basler Münster) Vier Lieder aus dem Krieg, op. 5 (1914). Berlin; Leipzig, Simrock 1917 Ballade für Klavier Ich hatt' einen Kameraden, op. 6 Fünf Lieder, op. 7. Berlin, Simrock 1919 Fünf kleine Lieder, op. 8. Ludwigsburg, Schultheiß, um 1918 Vier Lieder op 9. Mönchengladbach, Böhm, ca. 1932 (Musik im Haus, 122) Kantate Deutschlands Stunde, op. 10 (UA Philharmonie Berlin 1916, ungedruckt). Simson-Vorspiel, Symphonischer Prolog zu Hermann Burtes Simson, op. 11 (1918). Ludwigsburg, Schultheiß, um 1920 Friedensmesse, op. 12 (UA 24. Juli 1924 in Freiburg i. Br. anl. der 800-Jahr-Feier). Karlsruhe, Fritz Müller, 1928 Klavierquartett c-Moll für Klavier, Violine, Viola u. Violoncell, op. 13 (1919). Augsburg, Filser, o. J.; Augsburg. Böhm, 1968. An Hans Thoma. Ein Lied, Ged. von Kurt Karl Eberlein, op. 14. Zum 82. Geburtstag d. Meisters. Augsburg; Wien, Böhm, ca. 1921. Unserer lieben Frau. Eine Folge von a cappella-Chören, op. 15. Regensburg, Feuchtinger & Gleichauf, ca. 1925 Eichendorff-Zyklus für Männerchor, Horn, Orgel u. Posaunen, op. 16. Karlsruhe, Fritz Müller, 1927 Drei Choralvorspiele aus der Passionszeit für Orgel, op. 17. Mönchengladbach, Volksvereinsverl., o. J. Lieder op. 20. Lieder für eine hohe Singstimme und Klavier. Karlsruhe i. B., Fritz Müller, Süddt. Musikverl., 1928. Trio für Flöte, Violine und Bratsche, op. 23 Chorzyklus Sancta Elisabeth. Litanei zur heiligen Elisabeth, op. 24. Gottes Lob aus Kindermund, eine Folge von Kindergebeten für Mutter und Kind, op. 25. Düsseldorf, Schwann, o. J. Arbeiterlied, op. 26 aFranz Philipp. 70 Jahre. Das Bild eines deutschen Musikers in Zeugnissen von Zeitgenossen. Freiburg, 1960. Werkverzeichnis A, nach Opus-Zahlen, S. 165–173 Freiburger St-Georgs-Lied op. 26 b Der Freund (Text: H. Voigt). Lied im Volkston für 4stg. Männerchor a cappella, op. 27 b. Augsburg; Wien, Böhm, o. J. Laudate Dominum, a cappella-Messe für vierstimmigen gemischten Chor, Op. 28. Düsseldorf, Schwann, 1932. Alemannische Lieder im Volkston, op. 31. Augsburg; Wien, Böhm, 1935 Nr. 1. Heil dir, my alimannisch Heimetland. Nr. 2. D' Meidli im Wiesedahl. Nr. 3. De Postlima. Nr. 4. Dicki Chöpf. Nr. 5. Wälderart Kantate Heiliges Vaterland op. 32 Ruf der Fackelträger, op. 32, 3 (Text: Heinrich Anacker) Totenklage, Op. 32[-2?] (Text: Maria Kahle) Deutsche Volkshymne zum Lob d. Arbeit für gem. Chor u. gr. Blasorchester mit Fanfaren. Dichtung von Heinrich Lersch. Komp. für Aufführungen im Freien mit Massenchören. op. 33. Augsburg, Böhm, 1934. Hymne zum Lob d. Arbeit op. 33-2 Heimat (Text: Gottfried Buchmann), Lied im Volkston, op. 34. Augsburg; Wien, Böhm, o. J. Orchesterwerk Heldische Feier zu einer Dichtung von Gerhard Schumann, op. 35 Cäcilien-Hymne für gem. Doppelchor. Dichtung von Wilhelm Fladt. op. 36. Augsburg, Böhm, 1935 (UA 1935 Limburg, Dom) Neue Lieder im Volkston, op. 37. Augsburg, Böhm, o. J. Haimet am Hochrhy ged. von Paul Körber Ans Land Baden, op. 38 a. Augsburg, Böhm, 1936. Auch op. 37, 3c Abschiedslied der Hotzen Alimannisch Land. Augsburg, Böhm, ca. 1930 In einem Wiesental, op. 37, 4 c Bodensee-Lied, op. 37, 6 (Gedicht von Gerhard Schumann), Augsburg; Wien, Böhm, o. J. Deutsche Hymne, op. 37, 7. Augsburg, Böhm, 1950. Feier der Arbeit, op. 38. Augsburg; Wien, Böhm, 1936 Fahnenlied. Wenn die Fahnen und Standarten. (Gedicht von Gerhard Schumann) für 1stg. Chor u. Blasorchester, op. 38,2. Augsburg, Böhm, o. J. Ans Land Baden, op. 38-2 Bläser-Rufe zur Ehrung der Toten der Bewegung, op. 39. Augsburg; Wien, Böhm, 1938. Bläserrufe op. 39-2 Johann-Peter-Hebel-Lieder, op. 40. Lahr, Schauenburg, ca. 1950 Fahnen hoch, Marsch op. 41. Augsburg, Böhm, ca. 1938 Marsch für Blasorchester op. 41-2 Kantate Volk ohne Grenzen op. 42. In: Das Feierwerk, hrsg. von d. Reichswaltung d. NS.-Lehrerbundes. München, Deutscher Volksverlag, 1937. Lied der Kämpfer und Marschlied aus der Kantate Volk ohne Grenzen, op. 42 a/b. Augsburg; Wien, Böhm, o. J. Brautlied, op. 42-2 Es sungen drei Engel, Oberrheinisches Triptychon für 3stg. Frauen- oder Knabenchor a cappella, op. 43. Augsburg, Böhm, o. J. (UA Nürnberg 1949) Lieder op. 44. Lieder für 1 Singstimme u. Klavier. Augsburg, Böhm, o. J. Ewiges Volk, Volkskantate zu einer deutschen Chorfeier, op. 45. Augsburg; Wien, Böhm, o. J. Festliche Andacht zur Heiligen Eucharistie, op. 45-2 (UA Freiburg i Br. oder Köln 1948). Düsseldorf, Schwann, o. J. Eine Folge von Hermann-Burte-Liedern : für eine mittlere Singstimme und Klavier, op. 46. Augsburg, Böhm, 1940 Jugendmusik, Marschlied der Baukompanien (Ged. von Wilhelm Schwarz), op. 47. Augsburg; Wien, Böhm, o. J. Jugendmusik für 3 Geigen, (Triangel u. kleine Trommel nach Belieben), op. 47-2. Augsburg; Wien, Böhm,o. J. Als Herre Christ geboren ward. Eine Folge von Weihnachtsgesängen, op. 48 (UA Freiburg i. Br., St. Urban, 30. Dezember 1945). Augsburg; Wien, Böhm, um 1943. Musik für eine deutsche Feier (Orgelwerke), op. 49. Heidelberg, Willy Müller, 1943.