Eine Auflistung der Abwurfmunition von Flugzeugen der deutschen Luftwaffe von 1935 bis 1945.

Nomenklatur Die Nomenklatur der deutschen Abwurfmunition folgt überwiegend diesem Muster: Typ Gewichtsklasse Zusatz (HL = Hohlladung, RS = Raketenunterstützung, F = Fallschirm) Sie ist allerdings nicht immer einheitlich.

Sprengbombe Cylindrisch (SC) Als Unterschied zu den Bomben der Kategorie SD hatten die Bomben der Kategorie SC einen höheren Sprengstoffanteil (meist um die 50–60 %), weshalb diese von der Luftwaffe als Minenbomben klassifiziert wurden. Im internationalen Vergleich war für Minenbomben bzw. Luftminen jedoch ein noch größerer Sprengstoffanteil am Gesamtgewicht üblich, was dazu führte, dass andere Staaten die deutschen SC-Bomben eher als Mehrzweck-Sprengbomben einstuften.

Bezeichnung Gewicht (kg) Durchmesser (mm) Länge (mm) Länge Bombenkörper (mm) Sprengstoff (kg)SC 5050 (±4)200110076625SC 100 it.10047–50SC 250250 (±12)36816401173125SC 500500 (±20)47020101432260SC 500 J5004701975245SC 1000 „Herrmann“1027 (±34)65425801678530–590SC 1200111765027811905631SC 1800 „Satan“1832 (±65)660350026741000–1100 SC 2000200066035001200SC 2500 „Max“245082938951700 Trotz der Bezeichnung Sprengbombe Cylindrisch wurde die SC 10 von der deutschen Luftwaffe als Splitterbombe bezeichnet, sie ist daher unter den Splitterbomben aufgeführt. Die SC-100 it. wurde aus italienischen Munitionsbeständen übernommen. Die SC 2500 wurde nur zu Versuchen in wenigen Einsätzen in England eingesetzt. Eine geplante SC 5000 kam nicht über einen Prototyp hinaus.

Sprengbombe Dickwandig (SD) Diese Bezeichnung „dickwandig“ wurde entweder für typische Splitterbomben (z. B. „Schlachtfliegerbombe“ SD 2) aber auch für Sprengbomben mit größerer Eindringtiefe als die SC-Bomben verwendet. Der Sprengstoffanteil lag etwa bei 30 %. SBe = Sprengbombe Beton (auch Betonbombe genannt) HL = Hohlladung (geeignet zur Panzerbekämpfung) Bezeichnung Gewicht (kg) Durchmesser (mm) Länge (mm) Länge Bombenkörper (mm) Sprengstoff (kg)SD 10,76501700,11SD 1 frz.0,52501600,06SD 22783030,225SD 3 (8 cm Wgr)3,2803052250,55SD 4/HL4923100,31SD 9 (8,8 cm)9885780,8SD 9/HL91203100,85SC 1010865450,9SC 10 dw10865450,9SD 10 A10865450,9SD 10 C8765450,75SD 15 (10,5 cm)151056371,75SD 5050 (±4)200109059016SD 50 Tel.50 bzw. 66200109059015 bzw. 23SBe 506020011005903 bis 5,4SD 7066200109080724SD 250250 (±12)368163889080SD 250 Tel.250 (±12)368163889078SBe 250229370163749SD 500480 (±23)3962007137090SD 500 A45044720221323180SD 500 B5003962007142090SD 500 C48539620001418172SD 500 E480 (±23)3961744108075SD 1400 „Esau“140056328401691325SD 1700 „Sigismund“1704 (±80)66033002315705 Die SD 1 frz. wurde aus den Körpern erbeuteter französischer 50-mm-Wurfgranaten gefertigt, die SD 3 (8 cm Wgr) aus den Körpern deutscher 8-cm-Wurfgranaten (beide mit dem Zünder (73) der SD 1). Die SD 9 (8,8 cm) wie auch die SD 15 (10,5 cm) wurden aus den Körpern von 8,8-cm- bzw. 10,5-cm-Sprenggranaten, die den Qualitätsansprüchen als Artilleriegranate (z. B. Maßhaltigkeit) nicht entsprachen, mit dem Zünder eAZ(66) der SD 10 gefertigt.

Trotz der Bezeichnung SC wurde die SC 10 von der Luftwaffe als Splitterbombe bezeichnet. Es gab sie mit Leitwerk für den Hochangriff und ohne Leitwerk für den Tiefangriff (der Zünder musste dann auf Verzögerungswirkung eingestellt werden). Die SC 10 dw (dickwandig) sollte mit Betonmantel mit eingegossenen Stahlsplittern eine stärkere Splitterwirkung bewirken. Aufgrund der Empfindlichkeit des Zünders AZC(10)(hut) (der Zünder wurde nach dem Ziehen des Vorsteckers nach 2,4 Sekunden scharf, auch bei versehentlichem Ziehen des Vorsteckers am Boden) wurden die noch vorhandenen Bomben SC 10 ab Oktober 1942 in die SD 10 A umlaboriert.

Die SD 10 A ist eine umlaborierte SC 10 mit geänderter Zünderaufnahme für den Zünder eAZ (66), Die SD 10 C sollte die ab Juli 1944 nicht mehr gefertigten SD 10 A ersetzen, es gab die Ausführungen (Pr) aus Pressstahl, (L) mit Bombenkörper aus einem Rohr mit eingedrehten Rillen, (Stg) aus Stahlguss, (Te) aus Temperguss, (SGe) als Sonderguss und (PGe) aus Perlitguss.

Von der SBe 50 gab es mehrere Ausführungen, die leicht variieren: Ausführung A mit 6 kg Splittern (aus Gusseisen oder Stahl) und 5,4 kg Sprengstoff, Ausführung B mit 12 kg Splittern und 5,4 kg Sprengstoff, Ausführung D mit 12 kg Splittern, 3 kg Sprengstoff, und Ausführung E (im Schleuderverfahren gefertigt) mit 16 kg Splittern und 5,4 kg Sprengstoff.

Die Bomben SD 50 Tel., SD 70 Tel. bzw. SD 250 Tel. wiesen speziell für den Einsatz in der Schlamm- und Schneeperiode an der Ostfront ein Teleskoprohr auf, das kurz nach dem Abwurf pyrotechnisch ausgefahren wurde und die Bombe ca. 2,3 Meter über dem Boden zur Detonation bringen sollte. Es handelte sich – bei ansonsten gleichen Abmessungen – um Sonderkonstruktionen mit geändertem inneren Aufbau und speziellen Zündern, die bei Kontakt des ausgefahrenen Teleskoprohres sofort zur Wirkung kamen.

Anbauteile für Sprengbomben Für die deutschen Standard-Bomben (Gewichtsklasse 50 kg, 70 kg, 250 kg, z. T. 500 kg) gab es verschiedene Anbauteile, die die Eigenschaften der Bomben für bestimmte Aufgaben optimierten:

Stachelbomben (Stabo) mini|Stachelbombe Bombenkörper hoher Güteklasse konnten mit einem 400 mm (SD 50), 580 (SD 70) bzw. 700 mm langen Stachel an der Spitze versehen werden und bildeten dadurch die Bomben SD 50 Stabo, SD 70 Stabo bzw. SD 250 Stabo. Der Stachel sollte bei Tiefangriffen gegen Eisenbahnen und Verkehrswege insbesondere mit aufgeschüttetem Damm ein Abprallen vom Ziel verhindern. Die Bombe blieb im Erdwall stecken, die Auslösung der Detonation erfolgte über einen Bombenzünder mit Verzögerung (zum Schutz des eigenen Flugzeuges), auch der Einsatz von Langzeitzündern oder Störzündern (Auslösung durch Erschütterung des vorbeifahrenden Zuges) waren möglich.

Dinort-Stäbe Die nach dem Stuka-Piloten Oskar Dinort benannten Stäbe wurden ähnlich dem zuvor genannten Stachel an die Bombenspitze von SD 50, SD 70 (600 mm lang), SD 250 oder SD 500 (375 mm lang) geschraubt. Dinort-Stäbe dienten dazu, dass die Bombe schon beim Auftreffen der Spitze des Dinortstabes (der mit entsprechend großer Fläche versehen war) durch Auslösung des normalen Bombenzünders ansprach. Dadurch wurde ein gewisser Abstandszünder-Effekt erreicht, der eine optimale Verteilung der Splitter versprach. Als Weiterentwicklung dieser „Abstandszünder“ wurden speziell hergestellte „Teleskop-Bomben“ entwickelt (siehe SD 50 Tel. und SD 250 Tel.)

Prallscheiben mini|Rückprallschutzplatten

Bei Einsätzen von Bomben aus geringeren Höhen (40 bis 100 Meter) gegen Schiffsziele erfolgte durch die ogive Bombenspitze oftmals ein unkontrolliertes Abprallen von der Wasseroberfläche, teilweise sogar vom Blech des Decks, so dass die Bombe sogar über das Schiff hinaussprang und dem werfenden Flugzeug nacheilte (und es dann durch die Detonation gefährdete). Durch den Anbau von Prallscheiben an die Bombenspitze von SC 250 oder SC 500 wurde zwar das Abprallen von der Wasseroberfläche nicht verhindert, aber die Bomben wurden derart stark abgebremst, dass sie sich über der Wasseroberfläche der Länge nach überschlugen und entweder gegen die Bordwand des angegriffenen Schiffes prallten (und dort durch den Aufschlagzünder detonierten) oder nach kurzer „Flug“-strecke von 25 bis 35 Metern neben dem Schiff versanken (und dann über die Verzögerungsfunktion des Zünders unter Wasser detonierten). Bei Aufschlägen auf das Deck sollte die Prallscheibe das Abprallen verhindern und die sofortige Detonation auslösen.

Kopfringe Im Gegensatz zu den Prallscheiben sollten Kopfringe durch den gezielten Strömungsabriss beim Eintritt in das Wasser die Bombe gezielt auf ihrer Flugbahn auch unterhalb der Wasseroberfläche halten. Für die Bomben SC 50, SD 70, SC 250 und SC 500 wurden diese Kopfringe als Zubehörteil zum nachträglichen Anbau separat geliefert, die größeren Bomben (z. B. SC 1000, SD 1700, SC 1800 und die Großladungsbombe SB 2500) wiesen diese Kopfringe bereits ab Werk auf dem Bombenkörper auf.

Jericho-Gerät Zur psychologischen Kriegsführung konnten an den Leitwerken von deutschen Bomben (SC 50 und SC 250) sog. „Jericho-Geräte“ befestigt werden. Diese erzeugten beim Fallen ein lautes Pfeifen, das die Menschen im Zielbereich der Bombe zusätzlich demoralisieren sollte.

Panzersprengbombe (PC und PD)

PC = Panzersprengbombe Cylindrisch PD = Panzersprengbombe Dickwandig

Bezeichnung Gewicht (kg) Durchmesser (mm) Länge (mm) Länge Bombenkörper (mm) Sprengstoff (kg)PC 500 „Paulina“500395200798PD 5005002762100138532 PD 500 RS????PC 1000 „Pol“988 (±50)50021001476152PC 1000 RS10003982220119065PC 1400 „Fritz“1408 (±55 kg)56228361932320PC 1600160066028121667230 PC 1800 RS „Panther“180053626901667220

Großladungsbombe (SB und SA)

Diese Kategorie kann zu Minenbombe gezählt werden. SB = Spezialbombe (oder Sprengbombe?) Bezeichnung Gewicht (kg) Durchmesser (mm) Länge (mm) Länge Bombenkörper (mm) Sprengstoff (kg)SB 1000100066026501530850SB 2500 (Al)2500 (±70)8253895ca. 28002000SB 25002370 (±70)7853693ca. 28001570 Der Bombenkörper der SB 2500 (Al) bestand aus Aluminiumguss bzw. aus geschweißten Aluminiumblechen mit angeschweißtem Leitwerk aus Aluminium. Im Zuge der Einsparung von Aluminium als kriegswichtigem Material wurde ab 1943 die SB 2500 wie bei den anderen Bomben üblich aus Stahlblechen mit angeschweißtem Stahlkopf gefertigt. Die Abmessungen wurden zur Aufnahme in die neueren Bomber wie He 177 und Do 217 verkleinert. Ab Dezember 1942 gab es SB 2500, die statt mit Fp 60/40 mit Trialen 105 zum Einsatz gegen Schiffsziele gefüllt wurden, diese Bomben waren ca. 140 kg schwerer.

Brandbombe (B, BC)

B = Brandbombe BC = Brandbombe Cylindrisch Bezeichnung Gewicht (kg) Durchmesser (mm) Länge (mm) FüllungB 1 E1503500,68 kg (Elektron + Thermit)B 1,3 E1,3503500,68 kg (Elektron + Thermit)B 2 EZ2505250,68 kg (Elektron + Thermit), 0,06 kg PETNB 2,2 EZ2,2505250,68 kg (Elektron + Thermit), 0,1 kg PETNB 44 bis 4,5807001,2B 101111510703,5Brand C 50 A41200110012 kg BrandmasseSpreng-Brand C 505020011006,5 kg Fp 60/40, 73 ElektronbrandkörperBrand C 250 A185368165465 kg BrandmasseFlam C 250125368165274 kg FlammmischungFlam C 5002254701765157 kg Flammmischung

Die Brandbomben B 1 E bzw. B 1,3 E bestanden aus einer Elektronhülle und einem Thermitanzündsatz (siehe auch Stabbrandbombe). Die B 1 E besaß ein Kopfteil aus Aluminium, sie wurde aufgrund der besseren Durchschlagleistung (und zur Einsparung von Aluminium) ab 1943 durch die B 1,3 E mit Kopfteil aus Stahl ersetzt. Äußerlich nicht zu unterscheiden, gab es die Ausführungen B 1 EZ bzw. B 1,3 EZ, in die zur Unterbindung von Löschversuchen eine Zerleger-Sprengladung von 8 bzw. 15 Gramm PETN einlaboriert wurde, die 1/2 bis spätestens 5 Minuten nach dem Aufschlag detonierten.

Die Brandbombe B 2 EZ bestand aus der B 1 E mit verlängertem Leitwerk und einem vormontierten Sprengsatz mit 60 Gramm Nitropenta. Beim Aufschlag wurde die Brandbombe wie üblich angezündet, gleichzeitig wurde über eine Trenn-Pulverladung der Sprengkopf abgetrennt und einige Meter fortgeschleudert. Nach 2, 4 oder 6 Minuten Verzögerung detonierte der fortgeschleuderte Sprengkopf. Eine Weiterentwicklung war die B 2,2 EZ, hier war – bei gleichen Gesamtabmessungen – der vorgesetzte Sprengkopf auf ca. 100 Gramm vergrößert.