mini|Rory Gallagher (1982)

William Rory Gallagher [] (* 2. März 1948 in Ballyshannon im County Donegal, Irland; † 14. Juni 1995 in London) war ein irischer Gitarrist und Singer-Songwriter. Sein musikalisches Schaffen konzentrierte sich auf Bluesrock und Blues in verschiedenen Spielarten. Gallagher nahm in erster Linie Eigenkompositionen auf, seltener auch Coverversionen alter Blues-Klassiker.

Leben und Werk Frühe Jahre mini|The Rory Gallagher Corner (Dublin)

Im Alter von acht Jahren begann Gallagher Gitarre zu spielen. Ab 1963 war er Mitglied der Fontana Show Band, die sich später in Impact umbenannte. Gallagher war nach eigener Aussage ein Blues- und Rock-’n’-Roll-Fan, seine musikalischen Vorbilder waren unter anderem Lonnie Donegan, Muddy Waters und Leadbelly.

1966 gründete Gallagher mit Norman Damery (Schlagzeug) und Eric Kitteringham (E-Bass) das „Powertrio“ Taste. Diese Formation wurde 1968 aufgelöst. Gallagher, mittlerweile professionell aus der Musikindustrie beraten, ersetzte die Rhythmussektion im selben Jahr auf Drängen des Managements durch John Wilson am Schlagzeug und Richard (Charlie) McCracken am Bass. Mit dieser Formation gelang Gallagher durch Auftritte im Londoner Marquee Club und an dem Isle of Wight-Festival der Durchbruch in der britischen Rockszene. Am 11. Juli 1970 trat er mit Taste beim Open Air Pop Festival in Aachen auf. Gallagher nahm später mit dieser Besetzung sämtliche Alben der Band Taste auf.

1971–1976 mini|hochkant|Taste 1970, Nieder­sachsen­halle, Hannover

Ab 1971 trat Gallagher mit neuer Band (Wilgar Campbell, Schlagzeug, und Gerry McAvoy, Bass) nur noch unter dem Namen „Rory Gallagher“ auf. Fast alle folgenden Alben produzierte er selbst, die Arrangements wurden differenzierter. Ab 1972 vervollständigten Rod de Ath am Schlagzeug und Lou Martin an den Tasteninstrumenten die Band. Die Leser des Musikexpress wählten ihn von 1971 bis 1973 in Folge zum beliebtesten Gitarristen. Geprägt war Gallaghers E-Gitarrenspiel-Stil durch ein Blues-Rock-Fundament, auch akustische Gitarre, Mandoline, Mundharmonika und Altsaxophon zeugten von Gallaghers irischem musikalischem Erbe. Die Bilderwelt der Texte bewegte sich zwischen dem „Mythos Amerikas“ und der „Melancholie Irlands“. Mit dem im November 1973 erschienenen Tattoo setzte Gallagher den auf dem Vorgängeralbum Blueprint eingeschlagenen Weg fort. In der Zeitschrift Sounds sah Bernd Rolf darin eine „Tendenz zu einer komplexeren Musikauffassung“ und führte sie auch auf den wachsenden Einfluss Lou Martins auf den Stil der Gruppe zurück. Maßstabsetzend fand er das Album nicht, bescheinigte ihm aber ein „ausgewogeneres Bild“ als dem Vorgänger und empfahl es allen Fans. Auf seiner Irland-Tour 1974 entstand das Album Irish Tour ’74. Zu dieser Tour drehte der Regisseur Tony Palmer den gleichnamigen Film, der die einfache Arbeitsweise der Band „on the road“ zeigt, sowie den ausschließlich am Musikmachen interessierten Star ohne Allüren. Setlist von Film und Album weichen voneinander ab.

Gallaghers Einstellung und Charakter verboten es ihm auch, auf das Interesse von Top-Bands wie Cream (1969), Rolling Stones (1974) oder Deep Purple (1975) zu reagieren, die Gallagher nach dem Ausscheiden ihrer Gitarristen Eric Clapton, Mick Taylor bzw. Ritchie Blackmore gerne in ihre Band aufgenommen hätten.

Die Times beschrieb das Gitarrenspiel Gallaghers 1973 so:

1976–1995 Im Münchner Musicland Studios nahm Gallagher 1976 das Album Calling Card auf. Produziert wurde es von Roger Glover, dem Bassisten von Deep Purple. Mit diesem Album begann – bedingt durch Glovers Einfluss – ein stärkerer Hardrock-Ton auf den Aufnahmen. Das Album Photo Finish aus dem Jahr 1978 war wieder ein Trio-Album mit Ted McKenna am Schlagzeug. Ab dem Album Jinx spielte Brendan O’Neal am Schlagzeug.

Bis 1982 brachte Gallagher in fast jährlichem Rhythmus ein neues Album auf den Markt. Photo Finish, Top Priority und Jinx wurden im Dierks Studio bei Köln eingespielt. 1987 meldete er sich nach fünfjähriger Pause mit Defender zurück. 1992 stellte er selbst den Sampler Etched in Blue zusammen, der von seinen 14 Alben jeweils einen Titel enthält.

mini|Gallaghers Grab auf dem Friedhof von Ballincollig, County Cork

Rory Gallagher wurde einem breiten deutschsprachigen Publikum spätestens am 23. Juli 1977 durch seinen Live-Auftritt in der ersten, europaweit über Fernsehen und Radio ausgestrahlten Rockpalast Nacht in der Grugahalle in Essen bekannt. Zwischen 1976 und 1990 trat er fünfmal im Rockpalast auf. Nachdem es Ende der 1980er-Jahre ruhig um den Musiker und Sänger geworden war, startete er, gesundheitlich stark angeschlagen, Anfang der 1990er-Jahre mit einer neuen Band ein Comeback: Mit Mark Feltham (Mundharmonika), Richard Newman (Schlagzeug), David Levy (Bass) und Jim Leverton (Keyboards) ging er auf Tour.

Gallagher starb am 14. Juni 1995 an den Folgen einer Lebertransplantation, die aufgrund seines Tablettenkonsums und Alkoholismus notwendig geworden war. Sein Geburtshaus in Ballyshannon und sein Grab auf dem St. Oliver Cemetery in Ballincollig (County Cork) werden von Fans oft besucht.

Der Rolling Stone listete Gallagher 2011 auf Rang 57 der 100 größten Gitarristen aller Zeiten.

mini|hochkant|Rory Gallaghers Stratocaster E-Gitarre von 1961, hier bei einer Ausstellung im Jahre 2007

Equipment Gallaghers Markenzeichen war seine von ihm nahezu ausschließlich gespielte E-Gitarre, eine Fender Stratocaster des Baujahres 1961. Charakteristisch für Gallaghers Gitarre war deren Korpus, der ursprünglich eine Lackierung in der Farbgebung Sunburst getragen hatte, die durch intensiven Gebrauch des Instruments im Laufe der Jahre weitgehend abgetragen und nie erneuert worden war. Andere Teile des Instrumentes wurden dagegen regelmäßig repariert und modifiziert.Udo Pipper: Classic Tone – Rory Gallagher. Rubrik in der Zeitschrift Gitarre & Bass – Das Musiker-Fachmagazin, Ausgabe März 2010, S. 226 f. MM-Musik-Media-Verlag, Ulm, Nach Gallaghers Tod brachte Fender eine Sonderauflage der Stratocaster heraus, eine bis ins Detail der Lackschäden exakte Nachbildung von Gallaghers Gitarre.

Als Gitarrenverstärker verwendete Gallagher meist einen Vox AC30 in Verbindung mit einem „Rangemaster“, einem Treblebooster der Firma Dallas.Marian Menge: „Soundalike Blues Rock Special – Rory Gallagher“. Gitarre & Bass, Februar 2013, S. 189–191

Akustische Instrumente waren u. a. eine Martin D-35-Gitarre oder eine Mandoline Style A derselben Firma; zu hören bei Pistol Slapper Blues und Going to My Home Town auf dem Album Live! In Europe (1972).

Diskografie Einige der Veröffentlichungen wurden remastered und mit zusätzlichem Material wie Bonustiteln, Fotos oder Texten versehen, so dass unterschiedliche Ausstattungen möglich sind. Für Veröffentlichungen mit Taste siehe hier.

Studioalben

Livealben

Weitere Livealben 2003: Meeting with the G-Man – Amsterdam 1993 2006: Rory Gallagher Live at Montreux (1 CD, Live-CD, Querschnitt von den Auftritten 1975, 1977, 1979, 1985 und 1994) 2010: Rory Gallagher – The Beat Club Sessions 2013: Rory Gallagher – Live at the Montreux Festival 1975–94, The Definitive Collection

Kompilationen

Weitere Kompilationen 1972: The Best Years 1972: Pop History Vol. 30 1974: In the Beginning 1974: The Story So Far 1975: The Story of Rory Gallagher 1975: Rory Gallagher 1977: Best of Rory Gallagher 1978: Very Best of Rory Gallagher 1995: A Blue Day for the Blues 1998: Etched in Blue 2001: Let’s Go to Work (vier Live-CDs: Live In Europe, Irish Tour ‘74, Stage Struck und Meeting with the G-Man, Amsterdam 1993) 2009: Crest of a Wave: The Best of Rory Gallagher (2 CDs) 2013: Kickback City

Videoalben Erzielte Platzierungen in Deutschland gelten für die Albumcharts.

Weitere Videoalben 2001: Irish Tour ’74 2005: Rory Gallagher – The Complete Rockpalast Collection (Dreifach-DVD, limitierte Auflage. DVD 1: WDR Studio L Köln 1976, Grugahalle Essen 1977, Jam Session Wiesbaden 1979; DVD 2: Loreley 1982, Loreley Jam Session 1982; DVD 3: Maifestspiele Wiesbaden 1979, Live Music Hall Cologne 1990) (DE: ) 2006: Live at the Cork Opera House (Sony-BMG) 2008: Rock Goes to College (DVD, Middlesex Polytechnic, 27. Januar 1979) 2010: Rory Gallagher – Ghost Blues: The Story of Rory Gallagher (Doppel-DVD; Disc 1: “The Story of Rory Gallagher”. Disc 2: “The Beat Club Sessions 1971–72”.) 2011: Irish Tour ’74 (BluRay) 2013: Rory Gallagher – Live at the Montreux Festival 1975-94, The Definitive Collection (Doppel-DVD)

Gastbeiträge 1977: Joe O’Donnell – Gaodhal’s Vision 1978: Lonnie Donegan – Puttin’ On the Style (Titel A1, B4, B5) 1984: Box of Frogs – Box of Frogs 1986: Box of Frogs – Strange Land 1988: Davy Spillane Band – Out Of The Air 1994: Energy Orchard – Pain Killer (Titel 3)

Literatur Jean-Noel Coghe: Rory Gallagher – a Biography. The Mercier Press Ltd, 2002, ISBN 1-85635-388-5. Dan Muise: Gallagher, Marriott, Deringer & Trower – Their Lives and Music. Hal Leonard Corporation, 2002, ISBN 0-634-02956-8. Gerry McAvoy mit Pete Chrisp: On the road. Mein Leben mit Rory Gallagher und Nine Below Zero. Heel, 2007, ISBN 978-3-89880-569-8. Julian Vignoles: Rory Gallagher – Der Mensch hinter der Gitarre. Mendoza Verlag, 2023, ISBN 978-3-9822752-2-2.

Weblinks

Englischsprachige Fan-Seite, enthält ausführliche Informationen über das von Gallagher verwendete Equipment Webpräsenz Rory Gallagher

Einzelnachweise

Kategorie:Blues-Rock-Gitarrist Kategorie:Songwriter Kategorie:Ire Kategorie:Geboren 1948 Kategorie:Gestorben 1995 Kategorie:Mann