mini|Ansicht von Norden Die evangelisch-lutherische Marktkirche zum Heiligen Geist ist die historische Hauptkirche im Ortsteil Clausthal der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld. Sie ist die größte Holzkirche Deutschlands und gehört durch ihre Architektur und Ausstattung zu den bedeutendsten Baudenkmälern des norddeutschen Barocks.
Baubeschreibung Kirchengebäude Die im Stil des Barock erbaute Kirche wurde ganz aus Eichen- und Fichtenholz erbaut und war 1642 fertiggestellt worden. Das als Hallenkirche erbaute Gebäude ist außen 57 m lang, 26 m breit und bietet Platz für etwa 1200 Besucher (Stand 2014). Der im Westen stehende Glockenturm ist 30 m hoch, unten ist der Turm quadratisch, oberhalb der Glockenstube hat dieser einen achteckigen Grundriss. Oberhalb der Glockenstube (hinter den Schallluken) ist der Turm durch eine große Haube, Laterne und abschließende kleine Haube mit Turmkugel und Wetterfahne gedeckt. Hinter dem Glockenturm trägt das Dach einen Dachreiter, der als Uhrenturm dient und dessen Laterne und Haube der des Glockenturmes gleichen. In ihm sind auch die Schlagglocken für die Uhrzeit untergebracht. Die zwölf Fenster des Uhrenturmes stehen für die Stunden der Uhr.
Das Gebäude ist mit einem hölzernen Querbeschlag verkleidet und ist seit 2013 wieder in der ursprünglichen Farbe Blau gestrichen. Das Dach, der Glockenturm und der Dachreiter sowie die Hauben der Treppenhäuser sind mit Blei gedeckt. Die Fassade wird durch drei Treppenhäuser auf der nördlichen Seite und zwei auf der südlichen Seite unterbrochen. Das mittlere Treppenhaus der Nordseite diente als Sondereingang zur Loge des Berghauptmanns, östlich davon lag der Aufgang zur Orgel. Der Eingang zur Kirche liegt im nordwestlichen Treppenhaus.
Farbanstriche der Fassade Im Rahmen eines die 2001 begonnene Sanierung begleitenden „Forschungsprojektes Marktkirche zum Heiligen Geist“ wurde u. a. untersucht, welche Farbgebungen für die Fassade der Kirche gewählt worden waren. Die Auswertung der historischen Bauakten ergab, dass die Fassade beim Bau der Kirche zunächst in der natürlichen Farbe belassen wurde, das Holz erhielt lediglich einen Wetterschutz durch einen Leinölfirnis. Damit erreichte man, dass das Holz weiter trocknen konnte und ein späterer Farbanstrich nicht blättern würde. Den ersten Anstrich erhielt die Kirche dann 1655, damals wurden die Flächen in einem kräftigen Blau gestrichen, während die Rahmen und Profile weiß gestrichen waren.
Diese Farbgebung ergab sich zum einen aus der Untersuchung des Holzes.Bernd Gisevius, Marktkirche Clausthal, Kotyrba Verlag und Medien, Braunschweig, 2017, ISBN 978-3-942712-47-7, Seite 33 Zum anderen ließ diese sich durch Baurechnungen von 1695/96 belegen, die nach der Erweiterung der Kirche in den Jahren 1689/91 ausgestellt worden waren. Auch hier hatte man das Holz erst einige Jahre nur durch Leinöl geschützt. Für den Farbanstrich wurde dann eine Lieferung von 1,1 Zentnern Bleiweiß und einem Zentner „blaue Bercke“ verwendet (mit „blaue Bercke“ wurde damals das Azurit bzw. Bergblau bezeichnet), mit denen dann die Außenfläche des Erweiterungsbaues gestrichen wurde. Die Farbe Blau galt zur Bauzeit der Kirche als ein Symbol der „göttlichen Weisheit“, so gibt es im Alten Testament mehrere Stellen, die die blaue Farbe mit dem Thron Gottes in Verbindung bringen. In Buch Ezechiel ist Blau die Farbe von Gottes Thron, in steht der Thron auf blauem Grund. Andere Quellen vermuten, dass die Farbe Blau seinerzeit besonders teuer war und hier das Repräsentationsbedürfnis eine Rolle gespielt haben könnte.
Bei den Arbeiten von 1734/36 erhielt die Kirche einen neuen hellgrünen Außenanstrich,Clausthal-Zellerfeld: Eine Holzkirche mit großer Symbolik auf harzkurier.de, abgerufen am 16. September 2024 (kostenpflichtig) Fenster und Profile wurden grau gestrichen. Der Grund für den Wechsel der Farbe waren wohl die hohen Baukosten. Unvorhergesehene Reparaturmaßnahmen hatten es notwendig gemacht, an anderer Stelle Kosten einzusparen. Und da der blaue Farbstoff Azurit damals zu den teuersten Farben gehörte, wurde für den Außenanstrich stattdessen eine preiswertere Farbe verwendet. Im Jahre 1792 wurde berichtet, dass die Kirche außen mit Schiefer beschlagen sei. Dieser Behang wurde 1843 wieder entfernt und die Kirche wieder mit Holz verkleidet, das jetzt in einem dunklen Grau gestrichen wurde. Später erhielt die Kirche wechselnde Anstriche in Ockergelb und Grau. Seit September 2013 ist die Kirche wieder blau gestrichen.
mini|hochkant=0.5|Glockenturm und Dachreiter mit Turmuhr
Glocken Die beim Brand der Vorgängerkirche zerstörten großen Kirchenglocken wurden 1636 in Einbeck umgegossen und 1637 im fertiggestellten Glockenturm aufgehängt. 1639 wurden aus Einbeck zwei weitere Glocken für die Marktkirche geliefert.
Eine Stundenglocke erhielt die Kirche 1660, diese wurde im Dachreiter (dem späteren Uhrenturm), aufgehängt. Es handelte sich um eine Schlagglocke, die von Hand geläutet wurde. Die Uhrzeit wurde damals von einer Sonnenuhr abgelesen, die an der Südseite des Glockenturmes angebracht war. Die große Glocke wurde 1792 erneuert. Ebenfalls erneuert wurden damals die Klöppel und der Aufhängemechanismus. Aus den Reparaturrechnungen dieser Zeit lässt sich entnehmen, dass die Glocken anfangs mit Seilen geläutet wurden, die Glöckner standen dazu auf einer Plattform im unteren Turmbereich. Später wurden Tretbretter an den Schwingen der Glocken angebracht, auf denen die Glöckner standen und mit denen die Glocken in Schwingung versetzt wurden. Seit 1952/54 übernehmen elektrische Läutemaschinen diese Arbeit.
Turmuhr Mit dem Umbau der Kirche von 1734/36 erhielt die Kirche eine mechanische Uhr, die im Dachreiter aufgestellt wurde. In diesem Dachreiter wurden auch die beiden Schlagglocken der Uhr aufgehängt, zu diesem Zweck wurde der Dachreiter abgebaut und größer wieder aufgebaut. Aus einer Zeichnung von 1783 geht hervor, dass neben den beiden Zifferblättern des Dachreiters an der zum Oberbergamt zeigenden Westseite des Glockenturmes ein drittes Zifferblatt angebracht war. Dieses war bei einer Sanierung um 1890 entfernt worden und wurde anlässlich der Reparatur des Glockenturmes 2008 erneuert.
Außengelände Der Platz um die Kirche war ursprünglich frei von Bäumen, um die zentrale Wirkung des Kirchenbaus zu unterstreichen. 1910 wurden ein Terrassengarten angelegt und Lindenbäume gepflanzt. Diese wurden anfangs kugelförmig geschnitten, später blieben die Bäume unbeschnitten. Seit der Renovierung 2010/13 wird der Platz um die Kirche wieder dem ursprünglichen Prinzip folgend frei gehalten.
Geschichte der Marktkirche Vorgängerkirchen Die erste Kirche auf dem Gebiet von Clausthal wurde zwischen 1570 und 1573 erbaut. Sie stand am Rande des heutigen Platzes An der Marktkirche an der Ecke von Adolf-Römer-Straße und Schulstraße. Da diese Kirche schon bald zu klein war, wurde zwischen 1610 und 1611 in unmittelbarer Nähe mitten auf dem Marktplatz eine neue Kirche gebaut. Es handelte sich um eine Holzkirche mit einem bleigedeckten Dach. Im Jahr 1632 wurde die Kirche durch den Goslarer Kunstmaler Daniel Lindemeyer ausgeschmückt, die Kosten dafür hatte die Bergbehörde übernommen. Lindemeyer schuf in den 55 Feldern des Deckengewölbes Bilder aus der Geschichte des Neuen Testaments. Er gestaltete auch den Altaraufsatz, auf dem er die Übergabe der Augsburgische Konfession 1530 an Kaiser Karl V. darstellte.Herbert Dennert: Kleine Chronik. S. 74.
Am 20. September 1634 wurden durch einen Großbrand mehr als ein Drittel aller Häuser Clausthals vernichtet. Neben 162 Wohnhäusern und ungezählten Nebengebäuden wurden das Rathaus, die Schule und die Marktkirche samt Pfarr- und Lehrhaus ein Opfer der Flammen. Um weiterhin Gottesdienste durchführen zu können, wurde die Kapelle des Clausthaler Friedhofs (heute Alter Friedhof östlich der Adolf-Römer-Straße) erweitert. Für den kleinen Glockenturm dieser Kapelle verkaufte die Gemeinde von St. Andreasberg eine ihrer Glocken nach Clausthal, so dass die Clausthaler weiterhin durch das tägliche Läuten informiert werden konnten. In dieser Gottesackerkirche wurden bis zur Fertigstellung der Marktkirche 1642 die Clausthaler Gottesdienste abgehalten. Als sie 1744 baufällig geworden war, wurde sie abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt, so dass es in Clausthal jetzt zwei Gotteshäuser gab. Die Gottesackerkirche wurde am 15. September 1844 durch einen Großbrand zerstört und wurde danach nicht wieder aufgebaut.Herbert Dennert: Kleine Chronik. S. 77.
Bau der Kirche 1639 bis 1642 mini|Dachboden der Marktkirche Clausthal Für den Bau der Kirche war einerseits die Stadt Clausthal zuständig, andererseits aber auch die Bergbehörde. Für den Bergbau übernahmen damals die Kirchenglocken die Funktion einer „Schichtglocke“ (oftmals als „Anläuteglocke“ bezeichnet), mit denen die Bergleute sowohl eine Stunde vor Arbeitsbeginn geweckt wurden als auch über die Abläufe in den Bergwerken, wie Schichtbeginn und Schichtende sowie An- und Ausfahren, informiert werden konnten. Die Stadt war aber durch die Folgen des Brandes stark belastet, denn durch das Feuer war ein Drittel der Bevölkerung obdachlos geworden, überdies waren die Nahrungsvorräte verbrannt und mussten vordringlich neu beschafft werden. Anders war die Lage der Bergbehörde, denn diese verfügte trotz der Kriegszeiten (Dreißigjähriger Krieg) durch die gute Ertragslage der Bergwerke über genügend finanzielle Mittel, so dass diese zunächst den Glockenturm bauen ließ.
Als erstes wurden 1636 die durch den Brand zerstörten Glocken nach Einbeck gebracht, wo diese neu gegossen wurden. Nachdem das Holz für den Bau des Turmes im Dezember 1636 gefällt und der Bau anschließend auf dem Zimmerplatz vorgerichtet worden war, wurde im Frühjahr 1637 mit dem eigentlichen Bau des Glockenturmes begonnen. Am 12. September 1637 wurden der Turmknauf und die Wetterfahne aufgesetzt; der Glockenturm war damit fertiggestellt.
Der Grundstein für das Kirchenschiff wurde am 17. September 1639 gelegt, das Richtfest konnte am 16. Oktober 1640 gefeiert werden und die Einweihung der Kirche fand am Pfingstsonntag 1642 statt. Das für den Bau benötigte Fichtenholz stammt aus der Gegend von Altenau, welche seitdem den Namen Kirchholz trägt. Das im Fachwerkstil errichtete Gebäude war etwa 45 m lang und halb so breit, es wurde im Osten durch ein halbes Sechseck abgeschlossen, das den Altarraum aufnahm. Hinter dem Glockenturm trug das Dach einen Dachreiter mit einer etwas kleineren welschen Haube. In diesem hing die kleine Schichtglocke, mit der die Zeit angezeigt wurde. Ein zweiter Dachreiter mit Haube befand sich auf dem Ostgiebel, dieser war nach der Vergrößerung von 1689 nicht wieder aufgebaut worden. Jede der drei Hauben des Daches trug eine Wetterfahne, die für Gottvater, den Sohn und den Heiligen Geist standen und so die Dreieinigkeit Gottes symbolisierten. Auch die beiden Treppenhäuser trugen geschweifte Hauben.
Der Innenraum der Kirche ist eine dreischiffige Halle, deren Decke ein von hohen Stämmen getragenes hölzernes Tonnengewölbe bildet. An der Nord-, Süd- und Westseite war eine Reihe Emporen angebracht. Decke und Wände waren holzsichtig gestrichen, erst 1734 erhielten diese einen hellen Farbanstrich. Die Kirche bot nach dem Bau etwa 1000 Besuchern Platz, die Sitzplätze befanden sich auf und unter den Emporen, das mittlere Kirchenschiff blieb frei. Der Altar stand im nahezu halbrunden Chor im Ostteil der Kirche. Die Orgel stand gegenüber auf der westlichen Empore, gleich hinter dem Glockenturm.
Renovierungen und Umbauten Vergrößerung 1689 bis 1691