Als Narrativ (Maskulinum, von „erzählen“) werden in den Sprachwissenschaften zwei grammatische Phänomene bezeichnet: In den kaukasischen Sprachen ist der Ausdruck Narrativ eine Kasusbezeichnung, die hauptsächlich in der Kaukasistik Verwendung findet. Sie bezeichnet den sogenannten Erzählkasus. Beispielsweise ist der Ergativ der georgischen Sprache ein Narrativ, da er ausschließlich in der perfektiven Vergangenheitsform des Aorists, also in erzählendem Stil, verwendet wird. Der georgische Name für den Ergativ lautet . In den baltischen Sprachen ist der Narrativ ein spezieller Erzählmodus, dessen Formen mit dem Modus relativus identisch sind (auch Partizipialsprache genannt), zum Beispiel „es lebte ein König“ vs. . Im biblischen Hebräisch ist der Narrativ als Modus eine Erzählform, die durch eine Präformativkonjugation (PK) mit vorangestelltem Waw gebildet wird. Das bestimmende Verb besteht dann aus einer Wurzel, einem vorangestellten Personalkennzeichen, das als Konsonant (zumindest bei starken Verben) durch ein Dagesch geschärft ist und vor dem dann ein Waw mit einem a-Laut steht. Bsp.: (im Deutschen mit dem Erzähltempus, dem Präteritum wiedergegeben). Diese Form („PK-x“) fokussiert ein Ereignis auf der Erzähllinie. Für zusätzliche Informationen außerhalb der Erzähllinie kann eine weitere Form gewählt werden: eine sogenannte Afformativkonjugation (AK), bei der das Personalkennzeichen an die Wurzel angehängt wird. Dabei steht in dem Erzähltext das Satzglied („x“), auf das sich die Verbform bezieht, stets hinter dem Verb der Form PK, jedoch beim Verb der AK-Form fast immer davor („x-AK“). Bsp.: – In der ersten Vershälfte gilt x = Laban, AK = „ging bereits“, bzw. „war gegangen“ [..], während in der 2. Vershälfte die Erzähllinie voranschreitet: „und sie stahl“ (PK) [..].

Einzelnachweise

Kategorie:Grammatischer Modus