Marko Perković (* 1966) ist ein kroatischer Sänger, der seit den 1990er Jahren unter seinem Spitznamen Thompson auftritt. Thompson ist gleichzeitig auch der Name seiner Band.

Namensgebung Den Spitznamen Thompson erhielt Sänger Perković als Anspielung auf die im Kroatienkrieg von ihm benutzte Maschinenpistole der Marke Thompson. Perković gehörte dem Bataillon Čavoglave (Bojna Čavoglave) an, der Einheit seines Heimatortes. Bei der Verteilung der Waffen kam Perković spät. Daraufhin erhielt er eine alte Thompson, die noch verfügbar war. Von da an zogen ihn seine Kameraden wegen dieser Waffe auf und gaben ihm seinen Spitznamen.

Konzerte und Auftritte Eine Welttournee begann im September 2002 vor 40.000 Besuchern in Split. Die Tournee, während der Perković auch sein bestbesuchtes Konzert in Deutschland in Frankfurt am Main vor 13.000 Besuchern gab, endete im Mai 2005 in Sydney, Australien. Im November 2007 begann eine Konzerttournee durch Nordamerika.

Laut der New York Sun wurde ein im November 2007 geplantes Konzert in Toronto zunächst abgesagt, nachdem die kanadische „Task Force Against Hate“ dagegen protestiert hatte.Maruxa Relaño: Neo-Nazi Band Set To Play Amid Protests, The New York Sun, 24. Oktober 2007 Das Konzert fand dann auf einem Privatgrundstück statt, auf das die Veranstalter 5000 Fans per Mail und SMS gelotst hatten.Gegen die Verharmlosung von Nazi-Konzerten! Der Ticketverkauf für das Konzert in Manhattan wurde unter anderem durch die örtliche kroatische Kirchengemeinde abgewickelt. Gegenüber dem Simon Wiesenthal Center erklärte der kroatische Botschafter, dass man sich von dem Auftritt distanziere. Auch liege keine Einladung durch ein Mitglied des kroatischen diplomatischen Corps vor.Croatian singer's alleged Nazi sympathies strike a sour note. In: Jerusalem Post, 27. Oktober 2007

mini|Frontmann Perković bei einem Konzert (2013) Bei Konzerten wurde auch das faschistische Ustascha-Lied Jasenovac i Gradiška Stara gespielt, das die Tötung von Juden und Serben in den Konzentrationslagern Jasenovac und Stara Gradiška verherrlicht.Efraim Zuroff: Ustasa rock n' roll. In: The Jerusalem Post, 25. Juni 2007Nazis Rock on in Croatia. The Centre for Peace in the Balkans, 23. Juni 2007 Perković bestritt zunächst, dieses Lied gesungen zu haben, und gab es erst zu, nachdem ein entsprechender Mitschnitt eines Konzerts auftauchte. Die Darstellung beruht auf journalistischen Berichten und späteren Rekonstruktionen; ein öffentlich zugänglicher, eindeutig verifizierter Primärbeleg für dieses Eingeständnis ist nicht dokumentiert. Perković äußerte, er distanziere sich vom Rechtsradikalismus bzw. der Ustascha-Ideologie. Er sehe sich selbst als „Patriot“. Beobachter ordnen ihn jedoch als nationalistisch ein.

Im Mai 2007 wurde ein in Sarajevo anlässlich des 10. Jahrestages des Besuchs von Papst Johannes Paul II. geplantes Benefizkonzert zugunsten kroatischer Studenten abgesagt. Die als Organisator auftretende „Kroatische Katholische Wohlfahrt“ (HKKD) hatte diese Entscheidung getroffen, nachdem mehrere Mitglieder anonyme Drohungen erhalten hatten.Threats cancel Croat singers's Sarajevo concert

Nach der Ankündigung eines Konzerts im luzernischen Kriens im September 2009 demonstrierten die Schweizer Jungsozialisten gegen Perkovićs Auftreten. Die Luzerner Regierung wandte sich an das Bundesamt für Polizei, das am 29. September 2009 mit Verweis auf die Rassismus-Strafnorm ein Einreiseverbot gegen Perković verhängte. Das Bundesamt berief sich auf die Ergebnisse des Dienstes für Analyse und Prävention, das eine Verherrlichung der kroatischen Faschisten in den hetzerischen Texten Perkovićs festgestellt hatte.nzz.ch: Einreiseverbot für Perkovic hat Folgennzz.ch: Kroatischer Blut-und-Boden-Rockstar Das kroatische Außenministerium wandte sich daraufhin in einer diplomatischen Note an die Schweizer Botschaft und bestellte den Schweizer Botschafter ins kroatische Außenministerium. Der kroatische Staatspräsident Stjepan Mesić kritisierte darauf das Außenministerium und verteidigte die Schweiz bezüglich des Einreiseverbots.nzz.ch: Kein Anspruch auf Protest gegen die Schweiz Auch in der Gespanschaft Istrien und den Niederlanden wurden Auftritte Perkovićs verboten., fr-online.de, 22. November 2009

Nach sechsjährigem Auftrittsverbot in der Schweiz fand am 5. Dezember 2015 ein Konzert in Freiburg im Üechtland statt, bei dem es Auflagen zu den gesungenen Stücken gab.Der Barde des Hasses. In: nzz.ch, 18. Juli 2016 Dagegen wurde ein geplantes Konzert im österreichischen Kremsmünster durch den Bürgermeister abgesagt. Im Zuge der Absage hatte der österreichische Verfassungsschutz ein Gefahrenpotential gesehen.

Im Juli 2025 trat Perković vor hunderttausenden Zuschauern in Zagreb auf (nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 281.774 bis 504.000 Besucher; im Vorverkauf wurden 450.000 Karten verkauft). Im Vorfeld des Konzerts wurden Touristen vor dem Besuch der von Fans überfüllten Stadt gewarnt. Das Konzert gilt eines der größten je in Europa veranstalteten kommerziellen Musikevents. Viele der Konzertbesucher waren jünger als 28 Jahre, sind also erst nach dem Kroatienkrieg geboren, von dem viele der Lieder handeln. Medienberichten zufolge waren bei dem Event auch Symbole und Zeichen der Ustascha zu sehen. Mehrere serbische Politiker, darunter der rechtspopulistische Präsident Aleksandar Vučić und der liberale Ex-Präsident Boris Tadić, kritisierten die Veranstaltung als Fanal gegen die Völkerverständigung. Auch in Kroatien selbst gab es Kritik.Michael Martens: Rechtsextreme Parolen auf Kroatiens größter Bühne. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Juli 2025, abgerufen am 6. Juli 2025.Hunderttausende feiern in Zagreb bei Konzert von Marko Perković. In: Der Spiegel, 7. Juli 2025, abgerufen am 7. Juli 2025.

Fußball-WM 2018: Thompson und die kroatische Nationalmannschaft Im Kontext des Erfolges der kroatischen Fußballnationalmannschaft wurde bekannt, dass die Spieler in der Kabine Thompsons Musik hörten.Hinter den Kulissen der WM Kroatiens Fußball und die Faschismus-Verherrlichung Deutschlandradio Kultur 13. Juli 2018 Moderation: Christine Watty Audio 1/2 Jahr onlineKroatiens Präsidentin und die WM Jubeln mit politischem Kalkül, Erich Rathfelder, TAZ 11. Juli 2018 Marko Perković nahm ebenfalls an der Fahrt im offenen Bus der Nationalmannschaft bei der Ankunft und Triumphfahrt durch Zagreb teil.Rechtsrocker Marko Perkovic fährt mit Kroatiens Helden durch Zagreb, Die Welt 17. Juli 2018Eklat um Kroatiens WM-Helden: Modric und Rakitic posieren mit umstrittenem Sänger, Focus 17. Juli 2018Marko Perkovic alias Thompson Umstrittener Rocker liefert Song für kroatische WM-Feiern Stuttgarter Zeitung 22. Juni 2018Fünf Jahre Kroatien in der EU : Feiern mit dem Barden des Hasses, von Michael Martens, FAZ 21. Juni 2018Ultranationalistischer Sänger bei Feier der Kroaten Michael Robausch Der Standard 17. Juli 2018Eklat bei WM-Feier: Kroatiens Nationalteam feiert mit "Fascho-Rocker" von Marco Fieber, Huffington Post 17. Juli 2018Warum dieser Auftritt der Kroaten alles kaputt macht, von Danijela Pilic, Süddeutsche Zeitung 18. Juli 2018

Sonstiges An Merchandising-Ständen gab es neben schwarzen T-Shirts mit ihrem Markenzeichen, einem Schwert, auch Sliwowitz-Flaschen zu kaufen, auf denen das Konterfei des HVO-Generals Ante Gotovina prangte. Auch sammelte Perković Geld für die Verteidigung von Gotovina, der in Den Haag wegen Kriegsverbrechen angeklagt war und freigesprochen wurde.„Meine Songs sprechen für mich“, Caroline Fetscher in: Tagesspiegel vom 4. Juli 2007.

mini|Jugendlicher Fan mit Crna-Legija-T-Shirt Fans treten bei Konzerten teilweise in schwarzer Kleidung und Symbolen der Ustascha-Bewegung auf oder tragen Symbole der „Schwarzen Legion“ (Crna legija). So wurden bspw. bei einem Konzert im Mai 2009 mit 20.000 Besuchern in Zagreb drei Personen wegen Tragens von Ustascha-Symbolen festgenommen. Der Gruß „Za Dom Spremni!“ (Für die Heimat bereit) der Ustascha-Bewegung wird häufig skandiert. Bei einzelnen Konzerten wurde der Hitlergruß gezeigt. Perković distanzierte sich in einem Interview vor einem Konzert in Vukovar am 13. April 2007 von Fans, die mit Ustascha-Symbolen auf ihrer Kleidung zum Konzert kämen. Er könne den Fans keine Kleidervorschriften machen, aber sie sollten lieber Symbole des kroatischen Unabhängigkeitskrieges tragen als Ustascha-Symbole., 13. April 2007

Rezeption Die Presse sieht Thompson in der Regel kritisch. Die häufigsten Vorwürfe beziehen sich dabei auf eine Verherrlichung des kroatischen Faschismus im Zweiten Weltkrieg. Thompson würde einen Nationalismus bedienen, der in der kroatischen Gesellschaft tief verwurzelt ist und über den rechten Rand hinausgeht. Hierbei wird gerne auf verschiedene Stimmen der kroatischen Politik verwiesen, die sich von Thompson distanzieren. Die kroatische Staatsanwaltschaft ermittelte im Jahr 2003 wegen des Verdachts der Volksverhetzung, jedoch wurde keine Anklage erhoben. Ein weiterer Vorwurf bezieht sich auf die Unterstützung der vom internationalen Kriegsverbrechertribunal ICTY angeklagten kroatischen Generäle.FAZ: Der Hass-Sänger

Als Indiz für die Kritik wird häufig das Verbot eines Auftritts in Umag im Jahr 2008 angeführt, das in Kroatien zu heftigen Diskussionen führte. Hunderte Politiker, Intellektuelle und Bischöfe unterzeichneten eine Petition gegen das Verbot. Ebenso äußerte sich der Leiter des „Kroatischen Helsinki-Komitees“ für Menschenrechte (HHO), Ivo Banac, kritisch zum Verbot angesichts der Tatsache, dass weder sicherheitsrelevante noch rechtliche Gründe angeführt wurden, die ein Verbot des Auftritts rechtfertigten. Der Lokalpolitiker der regionalen, linksliberalen Partei IDS, Damir Kajin, hatte das Verbot mit Unterstützung des damaligen kroatischen Staatspräsidenten Stipe Mesić durchgesetzt.

Diskografie

Studioalben 1992: Moli, mala 1995: Vrijeme škorpiona 1996: Geni kameni 1998: Vjetar s Dinare 2002: E, moj narode 2006: Bilo jednom u Hrvatskoj 2013: Ora et labora 2025: Hodočasnik

Kompilationen 2003: Sve najbolje (HR: ) hgu.hr, 7. Dezember 2005, abgerufen am 4. Mai 2025 (kroatisch). 2008: Druga strana 2015: The Best of Collection 2016: Antologija 2019: Original Album Collection

Singles (Auswahl) 1998: Pukni, Puško 1998: Zaustavi Se, Vjetre 1998: Lijepa Li Si 1998: Prijatelji 1998: Crne Noći, Bijeli Putevi 2002: Moj Ivane 2002: Iza Devet Sela 2002: Neć Izdat Ja 2002: Reci, Brate Moj 2002: Ne Varaj Me 2002: E, Moj Narode 2002: Stari Se 2002: Geni Kameni 2003: Sude Mi (mit Miroslav Škoro) 2006: Dolazak Hrvata 2006: Neko Ni'ko Ne Dira U Moj Mali Dio Svemira 2006: Kletva Kralja Zvonimira 2006: Moj Dida I Ja 2006: Sine Moj 2006: Duh Ratnika 2006: Lipa Kaja 2006: Početak 2008: Bojna Čavoglave 2008: Anica - Kninska Kraljica 2013: Samo Je Ljubav Tajna Dvaju Svjetova 2013: Bosna 2024: Ako ne znaš šta je bilo (mit Hrvatske ruže)

Videoalben 2002: Poljud (limitierte Auflage von 2500 Stück) 2004: Turneja – E, moj narode 2007: Turneja – Bilo jednom u Hrvatskoj 2013: Poljud

Literatur Bernd Robionek: Musik als Transportmittel für Ideologie: Das Beispiel des kroatischen Sängers Marko Perković „Thompson“. In: Kemal Bozay, Dierk Borstel (Hrsg.): Ungleichwertigkeitsideologien in der Einwanderungsgesellschaft: Ursachen, Hintergründe und Ideen für die pädagogische und politische Praxis (= Edition Centaurus – Jugend, Migration und Diversity). Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-12978-1, S. 223 ff.

Einzelnachweise

Weblinks

Website (kroatisch) „Fascist Overtones From Blithely Oblivious Rock Fans“, New York Times, 2. Juli 2007

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