Der zweite Vicksburg-FeldzugDie Benennung erfolgt analog zur Einteilung der Civil War Sites Advisory Commission Operations Against Vicksburg. war eine militärische Operation vom 29. März bis 4. Juli 1863 während des Amerikanischen Bürgerkrieges auf dem westlichen Kriegsschauplatz, die beiderseits des Mississippi in den Bundesstaaten Mississippi, Arkansas und Louisiana stattfand. Ziel des Feldzuges war die Eroberung der Stadt Vicksburg in Mississippi, um dadurch den Mississippi militärisch und wirtschaftlich uneingeschränkt für die Union nutzen zu können. Der Tennessee-Armee unter Generalmajor Ulysses S. Grant gelang es nach einer Serie von Marschbewegungen, Gefechten und Schlachten die Stadt einzunehmen.
Vorgeschichte US-Präsident Abraham Lincoln war davon überzeugt, dass die Festungsstadt Vicksburg der Schlüssel zum Sieg im amerikanischen Bürgerkrieg war. Vicksburg und Port Hudson in Louisiana waren die letzten Bollwerke der Konföderation, die die vollständige Kontrolle des Mississippi durch die Union verhinderten. Gegen Angriffe vom Fluss her war die Stadt nahezu unverwundbar, was Admiral Farragut bei den fehlgeschlagenen Operationen im Mai 1862 und Generalmajor Grant während des ersten Vicksburg-Feldzugs im Winter 1862/63 festgestellt hatten.
Obwohl Lincoln weiter sein Vertrauen in Grant setzte, erlaubte er dem Kriegsministerium Charles A. Dana, einen der stellvertretenden Kriegsminister, als Sonderbeauftragten zur Tennessee-Armee zu entsenden, um die vermeintliche Erfolglosigkeit Grants verbunden mit Vorwürfen der Alkoholabhängigkeit zu untersuchen.
Für die Konföderation war Vicksburg das Scharnier, mit dem die westlichen Teile der Konföderation mit dem Hauptgebiet verbunden waren. Der Verlust der Stadt bedeutete nicht nur den Wegfall der sicheren Verbindung mit dem Westen, sondern auch der Kontrolle des Verkehrs auf dem Mississippi und den Verlust großer Teile des Bundesstaates Mississippi. Für die Verbindung mit dem Westen musste allerdings nicht nur Vicksburg gehalten werden, sondern auch der Fluss weiter südlich bis zur Mündung des Red River in den Mississippi. Der Red River und seine Zuflüsse waren der einzige relevante Verkehrsweg, der die beiden Hälften der Konföderation verband. Für die Südstaatler war es deswegen wichtig, nicht nur Vicksburg und das (südlich der Red-River-Mündung gelegene) Port Hudson zu halten, sondern auch den Flussabschnitt zwischen den beiden Städten.Richard M. McMurry: The Civil Wars of Joseph E. Johnston, El Dorado Hills: Savas Beatie, 2023, Volume 1, S. 184f.
Die Oberbefehlshaber und Kommandeure Die Hauptakteure auf Seiten der Union waren Generalmajor Grant, Oberbefehlshaber der Tennessee-Armee und die Generalmajore Sherman, McClernand und McPherson als Kommandierende Generale.
Die Überprüfung der Tennessee-Armee verlief aus Sicht Lincolns und Grants außerordentlich zufriedenstellend. Der Sonderbeauftragte Dana lobte Grant in seinen Berichten als „keinen großen Mann außer seiner Moral“ und als „keinen originellen oder brillanten Menschen, aber ehrlichen, bedachtsamen und scharfsinnigen Mann, der mit einer nie schwankenden Zuversicht versehen ist“.James McPherson, Battle Cry of Freedom, S. 590
Die Befehlshaber der Konföderation waren General Joseph E. Johnston, Befehlshaber West, Generalleutnant John C. Pemberton, Oberbefehlshaber des Wehrbereichs Mississippi und Ost-Louisiana und Brigadegeneral John Stevens Bowen als Divisionskommandeur Pembertons. Pemberton hatte in seinem Wehrbereich eigens zur Verteidigung von Vicksburg am 7. Dezember 1862 die Mississippi-Armee aufgestellt, deren Kommandeur er ebenfalls war. Brigadegeneral John Gregg führte eine verstärkte Brigade der Johnston direkt unterstellten Truppen während der Verteidigung von Jackson.
Gelände und Operationsplan mini| mini| Vicksburg lag auf einem überhöhten Plateau an einer scharfen Biegung des Flusses und wurde das „Gibraltar des Mississippi“ genannt. Zehn Meilen nördlich Vicksburg am Yazoo befanden sich auf dem Höhenzug mit Artillerie verstärkte Befestigungen der Konföderierten. Südlich der Stadt setzte sich das Höhengelände bis zum Big Black und zum Bayou Pierre fort. Das Gelände östlich des Big Black war leicht wellig – die höchsten Erhebungen waren die Hügel in der Gegend um Champion Hill – der Fluss Big Black selbst war bis zu 50 Meter breit mit eingeschnittenen Ufern. Er konnte nur an Übergangsstellen oder mit Booten überquert werden. Nach Westen folgten die bis zu 40 Meter über die Ebene hinausragenden Höhen, auf denen auch Vicksburg lag.
Das Gebiet westlich des Mississippi in Louisiana durchschnitten unzählige Flüsse und ehemalige Flussarme des Mississippi und nur wenige, schlechte Landstraßen. Das Wetter war Anfang April umgeschlagen, so dass der Wasserstand des Mississippi rasch fiel und alle Bemühungen um befahrbare Kanäle zunichtemachte.
Die Tennessee-Armee sollte zunächst durch Louisiana nach Süden bis in Höhe der Mündung des Big Black marschieren. Gleichzeitig sollte das Mississippi-Geschwader bei Nacht an den Befestigungen Vicksburgs vorbeifahren und die Tennessee-Armee über den etwa eine Meile breiten Strom übersetzen. Die Hauptversorgungsbasis der Armee sollte auf dem rechten Ufer eingerichtet werden und von Kanonenbooten gesichert werden.
Nach der Invasion Mississippis hatte Grant drei Handlungsmöglichkeiten: Angriff nach Süden und Eroberung von Port Hudson, anschließend gemeinsames Vorgehen mit Banks auf Vicksburg zunächst Eroberung von Jackson, danach Angriff auf Vicksburg Angriff nach Norden und sofortige Eroberung von Vicksburg Der Präsident und Generalmajor Henry W. Halleck wollten, dass Grant unbedingt gemeinsam mit Banks Vicksburg erobern sollte. Halleck legte in einem Telegramm vom 2. April noch einmal diesen Standpunkt klar, überließ jedoch die Entscheidung über das weitere Vorgehen Generalmajor Grant – Hauptsache sei der Nachdruck, mit dem die Operationen am Mississippi vorangetrieben würden.The War of the Rebellion. Serie I, Band XXIV, Teil I, S. 25: Entscheiden Sie nach Ihrem Ermessen
Grant entschied sich für die zweite Möglichkeit. Durch die Eroberung Jacksons konnte er Vicksburg von nahezu allen Verbindungs- und Versorgungslinien abschneiden. Danach sollte die Tennessee-Armee Vicksburg von Osten angreifend einnehmen. Als das nicht gelang, belagerten Grants Truppen die Stadt bis zu deren Kapitulation am 4. Juli 1863. Der Marsch durch Louisiana und das Übersetzen über den Mississippi wurde durch Ablenkungsangriffe des XV. Korps nördlich Vicksburg und den Raid Oberst Griersons abgeschirmt. Dadurch sollte Pemberton gehindert werden, Truppen in den Süden zu verlegen.
Der Feldzug Vorbereitung Marsch durch Louisiana mini| Grant befahl Generalmajor McClernand am 29. März 1863, mit dem XIII. Korps nach New Carthage, Louisiana zu marschieren. Das XV. und XVII. Korps sollten folgen.The War of the Rebellion. Serie I, Band XXIV, Teil I, S. 46f: Marsch durch Louisiana McClernand nahm Richmond, Louisiana – 12 Meilen von Millikens Bend entfernt – am 31. März. Während des weiteren Marsches mussten immer wieder Übergänge über Bayous geschlagen und die schlechten Straßen ausgebessert oder neu gebaut werden. Deshalb und wegen ständiger Feuerüberfälle konföderierter Kavallerieeinheiten dauerte der Marsch bis Mitte April.The War of the Rebellion. Serie I, Band XXIV, Teil I, S. 139f: Marsch durch Louisiana Diese konföderierten Einheiten waren Teil der Division Brigadegeneral Bowens, deren Hauptteil bei Grand Gulf, Mississippi eingesetzt war. Am 17. April gab Pemberton Bowen die Genehmigung, alle Truppen vom westlichen Ufer abzuziehen.The War of the Rebellion. Serie I, Band XXIV, Teil III, S. 755: Ausweichen auf das Ostufer
New Carthage erwies sich wegen Überflutungsgefahr als ungeeignet für die Einrichtung des Hauptversorgungsdepots der Armee. Als neuer Ort wurde Hard Times, Louisiana festgelegt – ungefähr 70 Meilen – das entsprach drei Tagesmärschen – von Millikens Bend, Louisiana entfernt.
Durchbruch des Mississippi-Geschwaders mini|links| Admiral Porter befahl nach Absprache mit Generalmajor Grant der Mississippi-Flottille, am 16. April mit acht Kanonenbooten und drei Steamern, die zwölf Lastkähne in Schlepp hattenThe War of the Rebellion. Serie I, Band XXIV, Teil I, S. 75: 1. Durchbruch bei Vicksburg, und am 22. April mit drei Transportschiffen, die ausschließlich mit Freiwilligen der Armee bemannt waren, bei Nacht an den Befestigungen Vicksburgs vorbeizufahren. Die Steamer waren durch wassergetränkte Heu- und Baumwollballen und Tonnen gefüllt mit Rindfleisch „gepanzert“. Zusätzlich waren längsseits Kähne befestigt, um Treffer unter der Wasserlinie zu verhindern.The War of the Rebellion. Serie I, Band XXIV, Teil I, S. 78: 2. Durchbruch bei Vicksburg Bei beiden Aktionen ging jeweils ein Transportschiff verloren; zwei Matrosen wurden schwer, sechs leicht verletzt. Im weiteren Verlauf gelang es Kanonenbooten und Steamern immer wieder, bei Nacht trotz heftigen Abwehrfeuers an Vicksburg vorbei zu dampfen.
Mit dem ersten Transport wurden Versorgungsgüter zur Versorgung des XIII. Korps mississippiabwärts verschifft, der zweite diente zur Vergrößerung des Transportvolumens für die Invasion Mississippis. Nur wenige Übersetzmittel wurden über den neu gegrabenen Duckport-Kanal und die verschiedenen Bayous bis nach New Carthage gebracht, da der Wasserstand schnell fiel.
Durch die Präsenz der Unionsflotte südlich von Vicksburg hatte Vicksburg bereits den Großteil seiner militärischen Bedeutung für die Konföderierten verloren, da der Wasserweg über den Red River nun nicht mehr von ihnen kontrolliert wurde. Richard M. McMurry: The Civil Wars of Joseph E. Johnston, El Dorado Hills: Savas Beatie, 2023, Band 1, S. 184f., S. 232
Grierson's Raid Grant hatte dem Kommandierenden General des XVI. Korps, Generalmajor Hurlbut, befohlen, zeitgleich mit dem Marsch der Tennessee-Armee nach Süden eine Ablenkungsoperation im Hinterland der Mississippi-Armee durchzuführen. Hurlbut beauftragte Oberst Grierson mit einer Brigade bestehend aus 1.700 Kavalleristen und einer Artilleriebatterie, die rückwärtigen Verbindungen der Mississippi-Armee von Tennessee aus nach Süden vorgehend, wo immer möglich zu unterbrechen und zu zerstören. Der Raid begann am 17. April in La Grange, Tennessee. Teile der Brigade schickte Grierson am 19. April mit Gefangenen und erbeuteten Versorgungsgütern nach La Grange zurück. Ein Regiment beauftragte er, die Konföderierten durch ein Ablenkungsmanöver an der Mobile & Ohio Eisenbahnlinie über die Absichten der Brigade zu täuschen. Mit den restlichen 1.000 Mann ritt er mehr als 600 Meilen durch das feindliche Hinterland, zerstörte Eisenbahnlinien und Depots und erreichte am 2. Mai Baton Rouge, Louisiana.The War of the Rebellion. Serie I, Band XXIV, Teil I, S. 521ff: Berichte Griersons
General Pemberton verfügte nur über wenig Kavallerie, da Generalmajor Van Dorn im mittleren Tennessee gebunden war und Brigadegeneral Forrest den Raid Oberst Abel Streights in Alabama abwehren musste. Die unerwarteten Aktionen Griersons führten auf Seiten der Konföderierten zu unübersichtlichen Reaktionen, was daraus deutlich wird, dass der Armeeoberbefehlshaber einzelne Regimenter dirigierte. Pemberton versuchte mit allen Mitteln, die Bedrohung für seine Verbindungs- und Nachschublinien abzuwehren. Für den Schutz der für die Mississippi-Armee lebenswichtigen Vicksburg-Jackson Eisenbahnlinie setzte er insgesamt eine Infanteriedivision ein, die ihm bei der Abwehr Grants nach der Invasion Mississippis fehlte.The War of the Rebellion. Serie I, Band XXIV, Teil III, S. 781–802: Reaktionen Pembertons
Übergangsversuch bei Grand Gulf