Die Siemens ES64U2 ist eine elektrische Lokomotive der EuroSprinter-Familie, die von Siemens Transportation Systems und Krauss-Maffei entwickelt wurde. Insgesamt wurden zwischen 1999 und 2006 437 Lokomotiven gebaut. Die größte Flotte betreiben die ÖBB-Produktion (ÖBB-PROD) mit insgesamt 332 Lokomotiven, die als Reihen 1016 und 1116 geführt werden. Die übrigen Lokomotiven sind bei verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen im Personen- und Güterverkehr im Einsatz.
Geschichte Lokomotiven der ÖBB
Zur Erneuerung der Fahrzeugflotte veröffentlichte die ÖBB Ende 1996 eine Ausschreibung für neue elektrische Lokomotiven. Im Juli 1997 wurde der Auftrag zur Konstruktion und Fertigung von 50 Einsystem- und 25 Zweisystemlokomotiven, mit einer Option von 325 weiteren Lokomotiven, an Siemens Mobility Österreich vergeben. Das Auftragsvolumen für die 75 Lokomotiven betrug 2,7 Milliarden Schilling (etwa 196,2 Millionen Euro).
Im Juli 1999 erfolgte die Präsentation der ersten Lokomotive 1116 001 in München-Allach. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die erste Option über 100 weitere Lokomotiven durch die ÖBB bekannt gegeben. In der Folge fanden Zulassungsfahrten statt und am 7. Januar 2000 die termingerechte Übergabe der ersten Lokomotive an die ÖBB. Im Februar 2000 erfolgte die Auslieferung der 1116 001 aus Allach. Die ÖBB schöpfte die Option auf die weiteren Lokomotiven der Baureihe voll aus und bestellte im Jahr 2000 zusätzliche 225 Exemplare, so dass der Gesamtauftrag sich auf 400 Stück belief.https://web.archive.org/web/20190422163152/https://www.welt.de/print-welt/article523846/Siemens-bekommt-aus-Oesterreich-Lok-Auftrag-ueber-zwei-Milliarden-Mark.html.
Wie bei den ÖBB-Maschinen der Reihen 1016 und 1116 erfolgt auch beim Großteil der restlichen Lokomotiven die Erhaltung und Instandsetzung im ÖBB-TS-Werk Linz.
In Deutschland sind die ÖBB-Lokomotiven vor Güter- und Fernzügen, hauptsächlich zwischen Passau und Ingolstadt/Hamburg bzw. zwischen Salzburg und Frankfurt/Main anzutreffen. Seit Dezember 2008 verkehren 20 mit entsprechenden Folien versehene Lokomotiven für Rail Cargo Hungaria, zeitweise waren dies die 1116 001 bis 012, 014, 015, 041 und 045 bis 049.
Lokomotiven der DB mini|182 002 der Deutschen Bahn im Güterverkehr für die damalige Railion auf der rechten Rheinstrecke bei der Stadt Unkel
Die österreichischen Behörden verweigerten die Zulassung der DB-Baureihe 152 in Österreich, weil man die auftretenden Gleiskräfte als zu hoch bewertete. Aus diesem Grund wandelte die Deutsche Bahn im August 2000 die Auftraggebung der letzten 25 Lokomotiven der DB-Baureihe 152 in 25 ES64U2 um. Diese entsprachen den Lokomotiven der ÖBB-Reihe 1116, allerdings wurde auf den im Ursprungszustand vorhandenen dritten Stromabnehmer verzichtet. Eine Nachrüstung wäre mit geringem Aufwand möglich. Die Lokomotiven erhielten wegen ihrer Zweifrequenzfähigkeit die Baureihennummer 182.
Bei der Deutschen Bahn wurden die Lokomotiven nach der Übergabe der ersten Lokomotive im Juli 2001Siemens liefert die ersten 182 an DB Cargo. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 10/2001, S. 461. wie die Baureihe 152 dem Geschäftsbereich DB Cargo zugeordnet. Die Baureihe 182 war zu diesem Zeitpunkt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h die schnellste Lokomotive der Deutschen Bahn und wurde in einem Bereich eingesetzt, in dem diese ihre Höchstgeschwindigkeit nicht ausfahren konnte. Als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise gingen im Jahr 2009 die Transportmengen bei Railion so stark zurück, dass die Güterverkehrssparte der Bahn einen Überhang an Lokomotiven hatte. Zudem hatten weitere Lokomotiven der DB-Baureihe 185 mittlerweile die Zulassung für Österreich erhalten, so dass der ursprüngliche Einsatzzweck auch anderweitig abgedeckt werden konnte. Im Herbst 2009 wurde daher ein Einsatz bei DB Regio in verschiedenen Regionen Deutschlands erwogen und teilweise auch erprobt.
Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2009 fuhren fünf der Lokomotiven auf der Linie RE 10 Cottbus–Leipzig, sowie auf der RE 18 Cottbus-Dresden, als Ersatz für elektrische Nahverkehrstriebwagen vom Typ Talent 2, die wegen Qualitätsmängeln noch nicht zugelassen waren. Auch auf der RB-Linie 20 in Thüringen von Eisenach über Erfurt nach Halle (Saale) kamen Lokomotiven dieser Baureihe von Dezember 2010 bis Dezember 2015 zum Einsatz. Seit Dezember 2014 fuhren diese Züge ausschließlich mit angemieteten Lokomotiven der Reihe 182 von MRCE, da die beiden Regio-Maschinen 182 024 und 025 nach Cottbus umbeheimatet wurden. Im Vergleich zu den dort bisher eingesetzten Lokomotiven der DB-Baureihe 143 wurde die Verspätungsanfälligkeit durch Geschwindigkeitsanhebung auf 140 km/h und die wesentlich höhere Beschleunigung verringert. Zwischen Juni und Dezember 2010 wurden Lokomotiven der Baureihe 182 zudem in einem dreitägigen Umlauf erstmals planmäßig im Fernverkehr der DB eingesetzt, nachdem es bereits 2009 einen kurzzeitigen Einsatz vor Wochenend-IC der Relation Köln–Hamburg gegeben hatte.
Im Laufe des Jahres 2011 sind alle 25 Maschinen der Baureihe 182 vor dem Hintergrund der Talent-2-Ersatzverkehre und der bevorstehenden Betriebsaufnahme des Netzes „Stadtbahn“ im Jahr 2012 in den Bestand der DB Regio übergegangen. Für die Dienste im Nahverkehr bei DB Regio erhielten die Lokomotiven ein Nahverkehrspaket. Das beinhaltet die Ausrüstung und Zulassung mit ep-Bremse und Notbremsüberbrückung des Systems NBÜ 2004, was zum Erlöschen der Zulassung auf dem Netz der ÖBB-Infrastruktur AG führte – dem ursprünglichen Zweck ihrer Anschaffung. Des Weiteren beinhaltet das Nahverkehrspaket die seitenselektiven Türsteuerungen SAT&TAV und ein Fahrgastinformationssystem. Als letzte Maschine ihrer Baureihe rückte dafür die 182 024 am 5. Oktober 2011 im Herstellerwerk in München-Allach ein.Triebfahrzeuge Deutsche Bahn AG: Baureihe 182, in: Bahn-Report 6/2011, Rohr 2011, S. 23.
mini|Einsatz der 182 022 im Nahverkehr vor einem Zug Linie S1 der S-Bahn Dresden im Bahnhof Heidenau (Mai 2012) mini|182 018 auf der Linie S2 der S-Bahn Mitteldeutschland Richtung Dessau Hbf in Leipzig Hbf (tief). mini|182 003 der DB Regio vor einem RE nach Hennigsdorf in Berlin Ostbahnhof (2025) Ab dem 15. August 2011 wurden acht Lokomotiven von DB Regio auf der Linie S1 der S-Bahn Dresden eingesetzt, um dort ebenfalls die Fahrzeiten zu verkürzen. Bis zur vollen Verfügbarkeit aller Lokomotiven (Ausrüstung mit Nahverkehrspaket, Schulung der Triebfahrzeugführer) wurden Lokomotiven der Baureihe 145 eingesetzt. Das Haupteinsatzgebiet der Fahrzeuge war die S-Bahn-Linie S1 (Meißen-Triebischtal–Bad Schandau–Schöna), aber auch Einsätze als Ersatz für die Baureihe 442 auf dem RE50 Saxonia-Express auf der Relation Dresden–Leipzig waren die Regel. Zum 13. Dezember 2015 wurden die acht Dresdner Lokomotiven (182 016 bis 023) an den Betriebshof Magdeburg-Buckau abgegeben. Ersetzt wurden die Maschinen in Dresden durch ebenfalls acht Lokomotiven der Baureihe 146.0. Im September 2016 kamen zwei der ehemaligen Dresdner Lokomotiven (182 018 und 020) erneut im Dresdner S-Bahn-Verkehr auf der S-Bahn-Linie S2 zum Einsatz.
Die seit Ende 2009 auf der Strecke Cottbus–Falkenberg/Elster–Leipzig verkehrenden Fahrzeuge wurden ab Dezember 2011 wieder durch Lokomotiven der Baureihe 143 ersetzt und verkehrten seitdem auf der Linie RE 2 von Cottbus über Berlin nach Wittenberge/Wismar. Nach nur einem Jahr wurden die Lokomotiven von dieser Linie abgezogen und verkehrten ab dann entsprechend den Vorgaben des Bestellers (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg) mit fünf modernisierten Doppelstockwagen des Netzes „Stadtbahn“ auf der Linie RE 1 von Cottbus/Eisenhüttenstadt/Frankfurt (Oder) über Berlin, Potsdam und Brandenburg (Havel) bis nach Magdeburg Hbf. Der Cottbuser Bestand umfasst, rückwirkend zum 10. August 2016, die Maschinen 182 001 bis 006, 008, 010 bis 015, sowie die im Dezember 2014 aus Erfurt hinzugekommenen 182 024 und 025. Ihnen oblag neben der Bespannung der Züge für die Regional-Express-Linie „RE 1“ auch die Bespannung der täglichen IRE-Züge auf der Relation Berlin Ostbahnhof–Stendal–Uelzen–Hamburg Hbf. Im Gelegenheitsverkehr bespannten und bespannen sie immer noch private „Kreuzfahrerzüge“ von Warnemünde/Rostock nach Berlin und zurück.
Die seit 13. Dezember 2015 vom Bh Magdeburg-Buckau eingesetzten Maschinen 182 016 bis 023 fanden bis Anfang August 2016 auf der kombinierten S-Bahn-Linie S2 von Leipzig-Connewitz über Leipzig Hbf (tief), Delitzsch, Bitterfeld nach Dessau und weiter als Regionalbahn RB 42 über Roßlau (Elbe), Güterglück und Biederitz nach Magdeburg Hbf ein neues Einsatzgebiet. Sie verkehrten dort mit je drei Doppelstockwagen der „Elbe-Saale-Bahn“ als Ersatz für noch nicht gelieferte Triebwagen der Baureihe 442 für das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz II.
Seit August 2016 wurden auch die bei DB Regio Südost in Magdeburg nicht mehr benötigten acht Maschinen der Region Nordost übergeben, sodass dort bis auf Weiteres alle Maschinen dieser Baureihe eine Heimat fanden. Darauf wurde die Versetzung einiger Maschinen zum Bh Rostock vorbereitet und durchgeführt, um die Triebfahrzeuge der Baureihe 120.2 abzulösen. Die 182 007 wurde zu Schulungszwecken bereits zum 3. Februar 2015 nach Rostock umbeheimatet, ihr folgte zum 10. August 2016 die 182 009, weitere Maschinen folgten darauf in Kürze. Mittlerweile wurden diese durch Triebfahrzeuge der Baureihe 146.2 ersetzt. Die Lokomotiven der Baureihe 182 kamen daraufhin bis auf 182 024 alle nach Cottbus. Im Jahr 2021 kehrten sie ersatzweise, aufgrund von Fahrzeugmangels, für einzelne Umläufe auf den RE 10 zurück. 2022 gehörte ein Verstärkerzugpaar Berlin-Eberswalde–Angermünde–Prenzlau–Stralsund zu den Leistungen. Zu Schulungszwecken fand man sie ebenfalls 2022 noch auf dem RE 7-Verstärkertakt Bad Belzig–Berlin Ostkreuz–Bad Belzig.
Im Laufe des Jahres 2022 wurden die Lokomotiven im Werk Dessau modernisiert und mit dem Netzwerksystem „Colibri“ ausgestattet, während die dazugehörigen Doppelstockwagen im Werk Wittenberge modernisiert wurden. Seit dem Fahrplanwechsel des 11. Dezember 2022 verkehren sie zusammen mit den modernisierten Doppelstockwagen der Baujahre ab 1997 und 2003 sowie bis zur vollständigen Auslieferung derer auch mit unmodernisierten Doppelstockwagen der Baujahre ab 1995, 1997 und 2003 im Netz Elbe-Spree. Ausgenommen davon war von 2022 bis Ende März 2026 die 182 012, welche seit 2022 schadhaft in Dessau stand, mittlerweile befindet sie sich ebenfalls mit "Colibri" ausgerüstet wieder im Fahrgastbetrieb.
Das Haupteinsatzgebiet besteht aus den Linien:
RE 2: Cottbus – Nauen (frühmorgens ein Zuglauf zum BER)
RB 14: Ostbahnhof – Nauen (ab 06/2026)
Teilweise verkehren die Lokomotiven auch auf den Linien:
RB 32N: Oranienburg – Schönefeld (b Berlin)
FEX: Berlin Hauptbahnhof – Berlin Gesundbrunnen – Ostkreuz – Flughafen BER
RB 32S: Flughafen BER – Ludwigsfelde
RB 24S: Flughafen BER – Wünsdorf-Waldstadt
RE20 Cottbus – Berlin Hbfmini|182 536 der DB Netz AGIm Jahr 2013 erwarb die DB Systemtechnik die Lokomotive 182 506 von MRCE und setzt sie vor RAILab-Messzügen ein. Im Dezember 2020 verkaufte MRCE mit 182 535 und 182 536 zwei weitere Lokomotiven an die DB Netz AG.https://www.elektrolokarchiv.de/index.php?nav=1404953&lang=1&id=26271&action=portraithttps://www.elektrolokarchiv.de/index.php?nav=1404953&lang=1&id=26272&action=portrait 2022 folgten mit 182 513 und 524 zwei weitere Lokomotiven. Somit sind heute 30 Lokomotiven der Baureihe 182 bei Tochtergesellschaften der Deutschen Bahn im Einsatz.
Weitere Betreiber in Deutschland