mini|280px|In der Großen Halle (Great Hall) auf dem Ostcampus werden die Graduierungsfeiern abgehalten Die Witwatersrand-Universität (: University of the Witwatersrand), kurz Wits, ist eine südafrikanische Universität mit Sitz in Johannesburg in der Provinz Gauteng. Die Wits entstand aus der South African School of Mines, die 1896 eröffnet wurde. 1922 wurde ihr der Universitätsstatus verliehen und der heutige Name eingeführt. Während der Zeit der Apartheid durften sich hier nur wenige schwarze Studenten einschreiben. Trotzdem studierten einige bekannte Anti-Apartheid-Führer hier., abgerufen am 31. Oktober 2011.
Zur Universität gehört die Witwatersrand University Press, des größten und ältesten Universitätsverlags in Afrika und bis heute eines der führenden afrikanischen Verlagshäuser im akademischen Bereich.
Geschichte mini|links|Blick auf den East Campus
Die Hochschule wurde 1896 in Kimberley unter dem Namen South African School of Mines gegründet. Acht Jahre später zog sie nach Johannesburg um und änderte ihren Namen in Transvaal Technical Institute. 1906 wurde sie dann in Transvaal University College und 1910 in South African School of Mines and Technology umbenannt. 1922, nachdem sie das College aufgenommen hatte, erhielt sie schließlich den Status einer Volluniversität. Im selben Jahr begannen die Bauarbeiten für den Campus im Milner Park. Sechs Fakultäten waren geplant, die Abschlüsse in Geistes- und Naturwissenschaften, Medizin, Ingenieurwissenschaften, Recht und Wirtschaftswissenschaften anbieten sollten.
Im Lauf der 1960er-Jahre öffnete die Universität viele neue Fachrichtungen und Gebäude; sie wuchs von 6.275 Studenten (1963) auf über 16.400 (1985). Die Graduiertenschule für Wirtschaftswissenschaften wurde 1968 in Parktown eröffnet. Im selben Jahr wurde in der Nähe von Sterkfontein eine Farm namens Swartkrans, die reich an archäologischen Funden ist, sowie die Ausgrabungsrechte für Makapansgat in der heutigen Provinz Limpopo erworben. 1969 wurden die klinischen Abteilungen der neuen Medizinischen Fakultät eingeweiht. Das Hauptverwaltungsgebäude Senate House wurde 1977 bezogen.
1984 wurde die Universität stark erweitert, als sie das Messegelände in Milner Park erwarb und in den Westcampus (West Campus) umwandelte. Im selben Jahr öffnete auch das Gebäude der Minenkammer. Ein Fußgängerüberweg wurde über der Schnellstraße errichtet, die Ost- und Westcampus voneinander trennt.
Organisation Leitung Die Universität wird von einem Vizekanzler (Vice-chancellor) und Prinzipal – seit 2021 Zeblon Zenzele VilakaziUniversity of the Witwatersrand: Professor Zeblon Vilakazi . Porträt auf www.wits.ac.za (englisch). – geleitet, zum Management gehören im Weiteren fünf stellvertretende Vizekanzler und ein Prüfungsbeamter., abgerufen am 31. Oktober 2011. Der Kanzler (Chancellor) – seit 2018 die Unternehmerin Judy Dlamini – hat repräsentative Aufgaben. Die Leitung ist dem Universitätsrat verantwortlich.
Liste der Repräsentanten (Chancellor):University of the Witwatersrand: Chancellor. Liste auf www.wits.ac.za (englisch). Arthur of Connaught 1922–1938 Jan Hofmeyr 1939–1948 Richard Feetham 1949–1961 Oliver Deneys Schreiner 1961–1975 Bertrand Leon “Birch” Bernstein 1975–1982 Aanon Michael “Mike” Rosholt 1983–1997 Richard Goldstone 1996–2007 Dikgang Moseneke 2012–2018 Judy Dlamini seit 2018
Fakultäten Die Universität besteht aus fünf Fakultäten:, abgerufen am 31. Oktober 2011. Wirtschaft, Rechtswissenschaft und Management. Die Fakultät hat eine Graduiertenschule für Business Administration sowie öffentliches und Entwicklungsmanagement. Im „WitsPlus Programme“ kann der Bachelor auch im Teilzeitstudium erworben werden. Die Hochschule kooperiert mit der Global Labour University. Ingenieurwissenschaften und Bauingenieurwesen Medizin Geisteswissenschaften Naturwissenschaften
Statistik, Stand 2015/2016 33.364 Studierende insgesamt 27.121 in Vollzeit 6.243 in Teilzeit 2.674 ausländische Studenten 6.585 Beschäftigte insgesamt 4.712 Akademiker 307 ausländische Akademiker 1.512 Verwaltungs- und Serviceangestellte
Campus Die Universität ist in fünf akademische Einheiten geteilt. Der ursprüngliche Ostcampus (East Campus) liegt im Stadtteil Braamfontein und ist vom neueren Westcampus (West Campus) zwar durch eine Schnellstraße getrennt, sie sind aber durch mehrere Übergänge verbunden. In Parktown befinden sich die drei weiteren Standorte und beherbergen unter anderem die medizinische Fakultät.
Weitere Universitätseinrichtungen In Johannesburg Die Universität umfasst zahlreiche Museen und Sammlungen. Dazu gehören das Wits Art Museum in Braamfontein, das afrikanische Kunst zeigt,Wits Art Museum (englisch), abgerufen am 12. März 2016 das Anthropology Museum auf dem Ostcampus,Anthropology Museum (englisch), abgerufen am 12. März 2016 das 1962 gegründete Adler Museum of Medicine für Medizingeschichte in ParktownAdler Museum (englisch), abgerufen am 12. März 2016 und das einzige Geologiemuseum der Provinz Gauteng, das Bleloch Geology Museum.Bleloch Geological Museum (englisch), abgerufen am 12. März 2016 Ausgestellt werden dort unter anderem der Taung-Schädel, Dinosaurier-Fossilien und Schmetterlinge. Die Lowenstein-Sammlung von Felszeichnungen und Steinwerkzeugen der San befindet sich im Rock Art Research Institute auf dem Ostcampus. Das Wits Life Sciences Museum and Biodiversity Centre ist ein naturhistorisches Museum auf dem Ostcampus. (englisch), abgerufen am 14. März 2016 Das Origins Centre auf dem Westcampus zeigt die Entstehung des modernen Menschen. Im Hunterian Museum of Anatomy in Parktown werden anatomische Präparate ausgestellt. (englisch), abgerufen am 14. März 2016 Zur Universität gehören mehrere Galerien. Die Fassler Gallery zeigt architektonische Arbeiten, während in der auf dem Ostcampus gelegenen James Kitching Gallery paläontologische Exponate ausgestellt werden. Bis 2002 gab es die Gertrude Posel Gallery und die Studio Gallery, beide im Senate House. Letztere war für ihre Sammlung afrikanischer Perlstickereien bekannt. Beide Galerien gingen im Wits Art Museum auf.Geschichte des Wits Art Museum (englisch), abgerufen am 14. März 2016 Das Johannesburg Planetarium in Braamfontein wurde 1960 eröffnet und bietet rund 400 Personen Platz.Planetarium (englisch), abgerufen am 12. März 2016 Das Wits Theatre befindet sich nahe dem Senate House. Dort treten Studentengruppen und Berufsschauspieler auf; außerdem ist dort der Wits Choir beheimatet.Wits Theatre (englisch), abgerufen am 12. März 2016
Außerhalb Johannesburgs Die Höhlen von Sterkfontein (nahe Krugersdorp) werden ebenfalls von der Universität betreut. Sie sind eine der bedeutendsten Fundstätten von Hominiden-Fossilien. Das Gebiet gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Neben den Höhlen befindet sich das Robert Broom Museum.Cradle of Humankind (englisch), abgerufen am 12. März 2016 Es widmet sich der Menschheitsgeschichte und ist eng mit den Fossilienfunden der Cradle of Humankind verknüpft. Weiterhin zeigt es Felszeichnungen der San sowie deren moderne Interpretationen. (englisch), abgerufen am 12. März 2016 Die Wits Rural Facilities nahe Bushbuckridge in der Provinz Limpopo dienen als Forschungsgelände für die LandwirtschaftWits Rural Facilities (englisch), abgerufen am 12. März 2016
Bekannte Absolventen und Mitglieder des Lehrkörpers Boris Balinsky (1905–1997), Biologe, Hochschullehrer und Dekan der Fakultät Naturwissenschaften Lindsay Bremner (* 1954), Architektin, Autorin und Professorin Dennis Brutus (1924–2009), Dichter und Anti-Apartheid-Kämpfer Rory Byrne (* 1944), Chefdesigner für das Ferrari-Formel-1-Team Johnny Clegg (1953–2019), Gitarrist, Sänger, Tänzer und Komponist Mimi Coertse (1932–2026), Sopranistin, seit 1966 österreichische Kammersängerin Raymond Dart (1893–1988), Anatom und Anthropologe, Entdecker des Taung-Schädels Clement M. Doke (1893–1980), Linguist John Dugard (* 1936), Jurist, Dekan der Rechtsfakultät und Sonderberichterstatter der UN Max Gluckman (1911–1975), Anthropologe Richard Goldstone (* 1938), Jurist, Völkerrechtler und ehemaliger UN-Chefankläger Manfred Hermer (1915–2010), Architekt Gavin Hood (* 1963), Schriftsteller, Filmproduzent und -regisseur, bekannt geworden durch die Regie von Tsotsi Peter Horn (1934–2019), Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Teresa Heinz Kerry (* 1938), Philanthropin und Ehefrau des US-Senators John Kerry Ludwig Lachmann (1906–1990), Ökonom und Mitglied der Österreichischen Schule Winnie Madikizela-Mandela (1936–2018), geschiedene Ehefrau von Nelson Mandela Nelson Mandela (1918–2013), ANC-Führer und erster Präsident der Republik Südafrika, der in freien, allgemeinen Wahlen gewählt wurde Manfred Mann (* 1940), Keyboard-Spieler der Musikgruppen Manfred Mann und Manfred Mann’s Earth Band Eduardo Mondlane (1920–1969), Anthropologe, Professor an der Syracuse University und Gründer der Befreiungsbewegung FRELIMO Seymour Papert (1928–2016), Pionier der Künstlichen Intelligenz und Erfinder der Programmiersprache Logo Audrey Richards (1899–1984), Sozialanthropologin Jonny Steinberg (* 1970), Journalist und Autor Helen Suzman (1917–2009), Anti-Apartheid-Aktivistin und Politikerin Kevin Volans (* 1949), Komponist und Pianist Ivan Vladislavić (* 1957), Schriftsteller Benedict Wallet Vilakazi (1906–1947), Dichter, Schriftsteller und Linguist David Webster (1945–1989), Anthropologe und Anti-Apartheid-Aktivist Frederik van Zyl Slabbert (1940–2010), Soziologe und Politiker David Unterhalter (* 1958), ehemaliges Mitglied am Appellate Body der WTO, sowie Richter in Südafrika und Professor
Nobelpreisträger Aaron Klug (1926–2018), 1982 (Chemienobelpreis) Nadine Gordimer (1923–2014), 1991 (Literaturnobelpreis) Nelson Mandela (1918–2013), 1993 (Friedensnobelpreis) Sydney Brenner (1927–2019), 2002 (Nobelpreis für Medizin und Physiologie)
Literatur The Golden Jubilee of the University of the Witwatersrand. Jubilee Committee, University of the Witwatersrand Press, Johannesburg 1972, ISBN 0-85494-188-6. Bruce Murray: Wits: The Early Years: a History of the University of the Witwatersrand Johannesburg and its Precursors 1896–1936. University of the Witwatersrand Press, Johannesburg 1982, ISBN 0-85494-709-4. Jonty Winch: Wits Sport: An Illustrated History of Sport at the University of the Witwatersrand. Windsor, 1989, ISBN 0-620-13806-8. Mervyn Shear: Wits: A University in the Apartheid Era. University of the Witwatersrand Press, Johannesburg 1982, ISBN 1-86814-302-3. Bruce Murray: Wits: The „Open Years“. University of the Witwatersrand Press, Johannesburg 1997, ISBN 1-86814-314-7. Guerino Bozzoli: A Vice-Chancellor Remembers: the Memoirs of Professor G.R. Bozzoli. Alphaprint, 1995, ISBN 0-620-19369-7. Reuben und Naomi Musiker: Wits Library: a Centenary History. Scarecrow Books, 1998, ISBN 0-620-22754-0.
Weblinks Webpräsenz der Witwatersrand-Universität. auf www.wits.ac.za (englisch) SARUA: WITS: History. auf www.sarua.org (englisch) Digitales Archiv der Universität zur südafrikanischen Geschichte. auf www.historicalpapers.wits.ac.za (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Universität in Südafrika Kategorie:Bildung in Johannesburg Kategorie:Organisation (Johannesburg) Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1896