Vesuvianit (früher kurz Vesuvian), auch Idokras oder Jewreinowit genannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (Ca,Na)19(Al,Mg,Fe)13(SiO4)10(Si2O7)4(OH,F,O)10 und entwickelt kurze, prismatische bis säulige oder tafelige Kristalle, aber auch radialstrahlige, körnige, massige Aggregate in grüner, gelber, hellblauer, violetter oder brauner Farbe. Auch farblose Kristalle sind bekannt.

Etymologie und Geschichte Erstmals als eigenes Mineral wurde Vesuvianit 1795 von Abraham Gottlob Werner erkannt. Er benannte es nach dem einzigen damals bekannten Fundort, dem Vesuv in Italien, der darum auch als Typlokalität gilt. Eine erste genaue chemische Analyse führte Martin Heinrich Klaproth durch. Dabei erkannte er auch die Übereinstimmung mit einer von Erich G. Laxmann 1790 in Sibirien gefundenen und für Hyazinth (eine Zirkon-Varietät) gehaltenen Mineralprobe. Eine zweite Bezeichnung ist Idokras (griech. „gemischte Form“) als Verweis auf seine gemischten Kristallformen.

Klassifikation In der zuletzt 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Vesuvianit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Gruppensilikate (Sorosilikate)“, wo er als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/B.17 bildete.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/C.26-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Gruppensilikate“, wo Vesuvianit zusammen mit Alumovesuvianit, Cyprin, Fluorvesuvianit, Magnesiovesuvianit, Manganvesuvianit und Wiluit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/C.26 bildet.

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Vesuvianit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung „Gruppensilikate (Sorosilikate)“ ein. Diese ist allerdings präziser unterteilt nach der Art der in der Verbindung auftretenden Silikatkomplexen und der Koordinierung der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Gruppensilikate mit gemischten SiO4- und Si2O7-Gruppen; Kationen in oktaedrischer und größerer Koordination“ zu finden ist, wo er namensgebend die „Vesuvianitgruppe“ mit der Systemnummeer 9.BG.35 und den weiteren Mitgliedern Fluorvesuvianit, Manganvesuvianit und Wiluit sowie den hypothetischen Mineralen Chlorvesuvianit, Hydroxylvesuvianit und Oxyvesuvianit bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat MineralName die System- und Mineralnummer 58.02.04.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gruppensilikate: Insulare, gemischte, einzelne und größere Tetraedergruppen“, wo das Mineral zusammen mit Fluorvesuvianit, Manganvesuvianit und Wiluit in der „Vesuvianitgruppe“ mit der Systemnummer 58.02.04 innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Insulare, gemischte, einzelne und größere Tetraedergruppen mit Kationen in und höherer Koordination; Einzel- und Doppelgruppen (n = 1,2)“ zu finden ist.

Kristallstruktur Vesuvianit kristallisiert tetragonal in der mit den Gitterparametern a = 15,678 Å und c = 11,828 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Eigenschaften Aufgrund wechselnder, chemischer Zusammensetzung zeigt Vesuvianit große Schwankungen in seinen physikalischen Eigenschaften. Verschiedentlich wird auch schwacher Pleochroismus beobachtet, der bei grünen Kristallen zwischen gelbgrün und gelbbraun, bei gelben Kristallen zwischen gelb und fast farblos und bei braunen Kristallen zwischen gelbbraun und hellbraun schwankt.

Modifikationen und Varietäten Californit – grün, wird fälschlicherweise oft als Vesuvian-Jade bezeichnet Cyprin – himmelblaue Varietät aus Norwegen Duparcit – kalium- und eisenreiche Varietät aus Marokko, benannt nach Louis Duparc Egeran – Bräunlich stängelige Varietät, die bereits von Johann Wolfgang von Goethe als Mineral geschätzt wurde.

Bildung und Fundorte mini|Bräunlicher Egeran von Haslau, den Goethe 1831 in einem Gedicht verewigte. mini|Grüne Vesuvianitkristalle auf einem Nest aus tafeligen Talkkristallen aus dem Belvidere-Mountain-Steinbruch, Vermont, USA(Größe: 7,0 cm × 5,5 cm × 2,7 cm) Vesuvianit bildet sich entweder metamorph oder hydrothermal in calciumreichen Gesteinen wie beispielsweise Skarn, Marmor oder Rodingit. In seltenen Fällen entsteht Vesuvianit auch in alkalischen, magmatischen Gesteinen. Begleitminerale sind unter anderem Grossular, Wollastonit und Diopsid.

Weltweit konnte Vesuviant bisher (Stand: 2009) an 960 Fundorten nachgewiesen werden, so unter anderem bei Monzoni in Italien, Val-des-Sources/Quebec in Kanada, Hazlov in Tschechien, Crestmore Heights/Kalifornien und Franklin/New Jersey in den USA.

Verwendung als Schmuckstein mini|Vesuvianit in Form eines Trommelsteins Da Vesuvianit ein Mineral von mittlerer Härte und geringer Spaltungsneigung ist, wird er gerne als Schmuckstein verwendet. Klare Kristalle erhalten dabei einen Facettenschliff, trübe Varietäten eher einen Cabochonschliff oder werden zu Trommelsteinen verarbeitet.

Aufgrund seiner Farbe kann Vesuvianit mit Demantoid, Diopsid, Epidot, Hyazinth, Peridot oder Sinhalit verwechselt werden.

Siehe auch Liste der Minerale

Literatur

Weblinks

Mineralienatlas:Vesuvianit (Wiki)

Einzelnachweise American Mineralogist Crystal Structure Database – Vesuvianite (englisch, 2007) Johannes Baier: Goethe und der Egeran von Haslau (Hazlov; Tschechische Republik) – Z. geol. Wiss., 41/42, 115–122; Berlin, 2013/14.

Martin Heinrich Klaproth: Untersuchung des Vesuvians. In: Beiträge zur chemischen Kenntniss [sic] der Mineralkörper. 2. Band, 1797, S. 27–38 ().

Mindat – Vesuvianite (englisch) The Mineralogical Record: Glossary of Obsolete Mineral Names – D (PDF 193,6 kB; S. 20) L. J. Spencer: Thirteenth list of new mineral names In: Mineralogical Magazine Band 23, 1934, S. 624–640 () Webmineral – Vesuvianite (englisch)

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