mini|Karte der BOS Leitstellengebiete in Deutschland
Dieser Artikel behandelt Leitstellen in Deutschland, die durch Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) betrieben werden.
Allgemeines In der Vergangenheit hatte jede größere Stadt und jeder Landkreis eigene Leitstellen, die sich um die Annahme des Notrufs und deren Weiterverarbeitung gekümmert haben. Ein Notruf erfolgte über die Telefonnummern 110 (Polizei) oder 112 (Feuerwehr bzw. Rettungsdienst), letzterer auch über die Servicenummer 19222 oder (noch früher) örtlich festgelegte Festnetznummern. Im ungünstigsten Fall musste man drei Leitstellen pro Bereich betreiben. Für jede Leitstelle muss genügend Personal (Disponenten) und ausfallsichere Technik vorgehalten werden. Oft wurde auch eine Mindestschichtstärke von zwei Disponenten definiert, damit ein einzelner evtl. ohnmächtiger Disponent einen gesamten Notrufbereich nicht lahmlegt.
Um Kosten zu senken, kann man einzelne kleine Leitstellen zu großen „Regionalleitstellen“ zusammenschließen, die dann mehrere Bereiche bearbeiten. Zusätzlich kann man Feuerwehr und Rettungsdienst von einer Leitstelle disponieren und somit auch unter einer einheitlichen Nummer erreichen, man spricht dann von „Integrierten Leitstellen“ (ILS). Dies verringert den Personal- und Technikaufwand erheblich und soll unklare Sachlagen vermindern, indem Notrufe, die den Rettungsdienst betreffen und unter der 112 eingehen, nicht zuerst noch an die Rettungsleitstelle weitergeleitet werden müssen und somit ein Zeit- und Informationsverlust entstehen könnte. Integrierte Leitstellen sind mit Ausnahme des Rettungsdienstbereiches Mainz bundesweiter Standard. Wenn Polizei-, Feuerwehr- und Rettungsdienstnotruf in einer Leitstelle bearbeitet werden, spricht man von einer „Bunten Leitstelle“. Bunte Leitstellen sind in der Praxis schwer zu realisieren, aber doch umsetzbar, wie die Erfahrungen mit der Kooperativen Regionalleitstelle Weserbergland zeigen.
Flächendeckender Aufbau von Integrierten Leitstellen in Bayern und Südwestdeutschland Bayern mini|Der alte Standort der ILSt München, die Feuerwache 3 der Berufsfeuerwehr (Heimeranstr. 10)
Mit dem Gesetz zur Einführung integrierter Leitstellen vom 25. Juli 2002 wurden vom Freistaat Bayern die Rahmenbedingungen für die gemeinsame Erreichbarkeit von Rettungsdienst und Feuerwehr in Bayern geschaffen. Es entstand landesweit zwischen 2007 und 2013 in jedem der 26 Rettungsdienstbereiche eine Integrierte Leitstelle. Die ILSt MünchenKVR – Branddirektion München – Integrierte Leitstelle München. Aufgerufen am 20. April 2012. konnte bis heute nur im Stadtgebiet vollständig in Betrieb gehen, weil wegen politischer Rückendeckung und rechtlicher Lage (Art. 10 Abs. 1 Nr. 10 ILSG sowie Verordnung über die Alarmierung der Feuerwehren im Landkreis München (MüFwAlV) ) eine ständig besetzte FEZ für den Landkreis München weiterhin besteht.. Sachgebiet 5.4 – Feuerwehr-Einsatzzentrale des Landkreises München. Abgerufen am 20. April 2012. Von ihr werden die Feuerwehren im Landkreis München alarmiert. Da der Notruf 112 aus dem Landkreis zur ILS München geschaltet ist, kann die FEZ nicht direkt per Notruf erreicht werden. Die ILS München und die FEZ München Land sind mittels zweier Standleitungen direkt verbunden. Seit Anfang 2020 ist es in jeder bayerischen Integrierten Leitstelle möglich Fahrzeuge aus benachbarten Leitstellengebiete für Einsätze im eigenen Gebiet direkt anzufordern. Dabei ist möglich den genauen GPS-Standort sowie den aktuellen Funkstatus des Rettungsmittels zu sehen. Somit werden leitstellenfremde Fahrzeuge automatisch in den Dispostionsvorschlag aufgenommen. Zudem sind fremde bayerische Rettungsmittel im eigenen Leitstellengebiet auch direkt sichtbar und werden nach dem Grundsatz des nächsten verfügbaren Rettungsmittel für Notfälle disponiert. Das GPS-Routing ist allerdings nur für Rettungsdienstfahrzeuge möglich, da diese Hardware besitzen, um dies zu ermöglichen.
Saarland Im Saarland sollte aufgrund des Gesetzes über die Errichtung und den Betrieb der Integrierten Leitstelle des Saarlandes spätestens zum 1. Januar 2009 die integrierte Leitstelle in Betrieb gehen. Mit sieben Jahren Verspätung ist seit 1. Januar 2016 am Saarbrücker Winterberg nun der Neubau der Rettungsleitstelle als integrierte Leitstelle in Betrieb. Nachdem sich die Berufsfeuerwehr Saarbrücken und der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar (ZRF) nicht über die Details der zunächst angestrebten Zwei-Standort-Lösung einigen konnten, ist die integrierte Leitstelle nun unter alleiniger Trägerschaft des ZRF auf dem Winterberg angesiedelt worden. Alarmierung und Einsatzbearbeitung von Feuerwehreinsätzen im Regionalverband Saarbrücken erfolgt aber aufgrund einer Sonderregelung weiterhin durch die Haupteinsatzzentrale der Berufsfeuerwehr Saarbrücken. Der Notruf 112 aus dem kompletten Saarland wird, egal ob vom Festnetz oder vom Mobilfunk gewählt, zentral auf dem Winterberg durch die ILS abgefragt.
Baden-Württemberg Seit 1. Oktober 2020 erreicht in Baden-Württemberg jeder Anruf beim Notruf 112 eine integrierte Leitstelle. Als letzte ILS ging am 1. Oktober 2020 die Leitstelle Heidelberg/Rhein-Neckar offiziell in Betrieb.
Rheinland-Pfalz Als letztes Bundesland verfügt auch Rheinland-Pfalz seit Frühjahr 2025 flächendeckend über integrierte Leitstellen für Brandschutz und Rettungsdienst. Landesweit sind sieben Leitstellen in Betrieb genommen worden, zuletzt fehlte über viele Jahre nur noch der Rettungsdienstbereich Mainz (seit Ende 2020 sogar Deutschlandweit als einziger Bereich noch mit der alten auslaufenden Rufnummer 19222). Die erste ILS in Rheinland-Pfalz war Trier im November 2000. Es folgten dann Kaiserslautern (Februar 2006), Bad Kreuznach (Januar 2007, geschlossen im Januar 2025), Montabaur (November 2008), Südpfalz in Landau (Februar 2010), Koblenz (Februar 2011) und Ludwigshafen (Mai 2018). Im Rettungsdienstbereich Mainz wurden die DRK-Leitstelle, die Leitstelle der Berufsfeuerwehr sowie eine kleinere ständig besetzte Funkeinsatzzentrale in Worms im Frühjahr 2025 zur letzten noch fehlenden integrierten Leitstelle technisch zusammengelegt. Diese letzte in Betrieb genommene ILS wird nun übergangsweise an den drei genannten Standorten gleichberechtigt betrieben. In der Vergangenheit war landesweit für den Rettungsdienst grundsätzlich die Nummer 19222 gültig; mit der 112 landete man in ländlichen Regionen oftmals bei der nächsten Polizeiinspektion, weil von dort die sogenannte Erstalarmierung der Feuerwehr vorgenommen wurde.
Damit ist nun der langjährige Umstieg von der Servicenummer 19222 auf die Notrufnummer 112 in den vier genannten Bundesländern im Jahr 2025 abgeschlossen worden.
Leitstellen Diese Tabelle gibt Auskunft über die verschiedenen Leitstellen in den Bundesländern sowie deren Aufgaben und Zuständigkeitsbereiche. Funkrufname Aufgaben Örtliche Zuständigkeit Landkreise Kreisfreie Städte Standort Betreiber Fläche Einwohner Anmerkungen Baden-Württemberg Leitstelle Biberach Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Hausnotruf Kassenärztlicher Notdienst Landkreis Biberach Biberach an der Riß DRK/Landkreis Biberach 1.409,8 km² 189.265Seit 1979 bereits eine integrierte LeitstelleLeitstelle Bodensee-Oberschwaben Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Bodenseekreis Landkreis Ravensburg Landkreis Sigmaringen Friedrichshafen Weingarten (Württemberg) DRK 3.500,97 km² 613.939Leitstelle Böblingen Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Kassenärztlicher Notdienst Landkreis Böblingen Böblingen Landkreis Böblingen / DRK Kreisverband / Feuerwehr Stadt Böblingen 617,8 km² 372.293Leitstelle Calw Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Landkreis Calw Calw DRK/Feuerwehr 797,5 km² 159.644Leitstelle Emmendingen Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Hausnotruf Landkreis Emmendingen Emmendingen DRK/Feuerwehr 679,9 km² 166.850Leitstelle Esslingen Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Landkreis Esslingen Esslingen am Neckar Feuerwehr/DRK 641,5 km² 514.503Leitstelle Freiburg Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Kassenärztlicher Notdienst Freiburg im Breisgau Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Freiburg im Breisgau Berufsfeuerwehr/DRK 1.531,39 km² 484.933Leitstelle Freudenstadt Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Landkreis Freudenstadt Freudenstadt DRK 870,7 km² 121.865Leitstelle Göppingen Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Landkreis Göppingen Göppingen Feuerwehr/DRK 642,4 km² 255.807Leitstelle Rhein-Neckar Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Heidelberg Rhein-Neckar-Kreis Heidelberg/Ladenburg gGmbH von Stadt Heidelberg, Rhein-Neckar-Kreis und DRK 1.170,37 km² 719.605Seit Anfang Dezember 2024 sind beide Standorte im vollen BetriebLeitstelle Heilbronn Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Heilbronn Landkreis Heilbronn Heilbronn Berufsfeuerwehr/DRK 1.200 km² 451.929Die integrierte Leitstelle bei der Hauptfeuerwache Heilbronn ist seit 6. Dezember 2011 in Betrieb.Leitstelle Hohenlohe Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Hohenlohekreis Künzelsau-Gaisbach DRK 776,8 km² 109.900Leitstelle Karlsruhe Rettungsdienst Feuerwehr Katastrophenschutz Karlsruhe Landkreis Karlsruhe Karlsruhe DRK KV Karlsruhe/Berufsfeuerwehr 1.258,4 km² 720.436Die ILS wurde am 21. März 2017 in Betrieb genommen und nimmt unter anderem die Nummern 112, 19222 und 116117 entgegen.Leitstelle Konstanz Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Landkreis Konstanz Radolfzell am Bodensee DRK 818,0 km² 275.120Leitstelle Ludwigsburg Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Landkreis Ludwigsburg Ludwigsburg ILS Ludwigsburg gGmbH – Mitarbeiter der Fw und des RD sind dort abgeordnet bzw. ausgeliehen 686,8 km² 515.146Inoffizielle Inbetriebnahme am 8. Juli 2014. DRK Leitstelle ist ab dem Nachmittag des 8. Juli 2014 außer Betrieb. Die ILS hat somit ihren Regelbetrieb aufgenommen.Leitstelle Lörrach Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Hausnotruf Landkreis Lörrach Lörrach DRK/Kreis 806,8 km² 222.528Leitstelle Main-Tauber Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Main-Tauber-Kreis Bad Mergentheim DRK 1.304,42 km² 134.939Leitstelle Mannheim Feuerwehr Rettungsdienst (nur Notfallrettung) Katastrophenschutz Mannheim Mannheim Stadt Mannheim & DRK KV Mannheim 144,96 km² 309.370Krankentransporte werden durch die ILS Rhein-Neckar disponiert. Somit ist die ILS Mannheim formal keine richtige ILSLeitstelle Mittelbaden Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Landkreis Rastatt Baden-Baden Rastatt DRK KV Bühl-Achern, Landkreis Rastatt und Stadt Baden-Baden 1.019,25 km² 326.665 Seit April 2020 auch für die Feuerwehr im Stadtkreis Baden-Baden zuständig.Leitstelle Neckar-Odenwald Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Hausnotruf Neckar-Odenwald-Kreis Mosbach DRK/Kreis 1.126,3 km² 149.885Wird voraussichtlich ab April 2027 mit Heilbronn zusammengelegt.Leitstelle Ortenau Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Ortenaukreis Offenburg Kreis/DRK 1.850,74 km² 417.613Leitstelle Ostalb Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Ostalbkreis Landkreis Heidenheim Aalen DRK 2.138,7 km² 448.073Regionalleitstelle OstwürttembergLeitstelle Pforzheim Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Pforzheim Enzkreis Pforzheim Stadt (Berufsfeuerwehr)/Kreis/DRK 671,7 km² 314.880Die Integrierte Leitstelle ist seit 14. Oktober 2015 in Betrieb.Leitstelle Rems-Murr Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Rems-Murr-Kreis Waiblingen DRK 858 km² 426.158Leitstelle Reutlingen Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz THW Tiefgaragen Stadtgebiet Ursulabergtunnel Scheibengipfeltunnel Landkreis Reutlingen Reutlingen Berufsfeuerwehr/DRK 1.094,0 km² 293.624Leitstelle Rottweil Feuerwehr Rettungsdienst Katastrophenschutz Landkreis Rottweil Rottweil DRK / Landkreis Rottweil 769,4 km² 141.551Leitstelle Schwäbisch Hall Rettungsdienst