Bledeln ist eine Ortschaft im Landkreis Hildesheim in Niedersachsen. Seit 1974 ist es ein Ortsteil der Gemeinde Algermissen.

Geschichte Ortsname mini|Gedenkstein 800 Jahre Bledeln Die erste urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahr 1160 erhalten. Ulrich und Friedrich von Bledeln (Odelricus et Frithericus de Blitehenim), ein ansässiges Adelsgeschlecht, treten als Zeugen bei der Bestätigung eines Gütererwerbs des Klosters Lamspringe in Breinum auf. Die beiden werden als Gefolgsleute (viri) des Grafen Berenger und Friedrich von Poppenburg aufgeführt.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1205 wird Bledeln genannt. Hier hat der Abt Dietrich des Hildesheimer Michaelisklosters vier solidi Einkünfte in Blethenem besessen, die am Tag der Enthauptung Johannes des Täufers fällig waren. Um 1220 gaben die Edelherren von Meinersen in Bledenem eine Hufe als Lehen an Ulrich von Wehmingen.Peter Przybilla: Die Edelherren von Meinersen, Hrsg.: Uwe Ohainski und Gerhard Streich, Hahnsche Buchhandlung Hannover 2007, S. 472 In der Folgezeit wird der Ortsname Bledhenem (1246), Bledennem (1265), Bledenem (1277), Bledenum (1382) und Bledelem (1562) geschrieben, später setzt sich die Schreibweise Bledeln durch.

Eine Annahme ist, dass der Ortsname Bledeln zu den Ortsnamen mit dem Grundwort heim gehört, deren Alter umstritten ist. In der Umgebung von Hildesheim gehören diese Ortsnamen zu den älteren, sie entstanden in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Das Bestimmungswort von Bledeln ist offenbar ein alter Vorname Blede oder Bledel. Die Bedeutung wäre demnach Heim des Blede (Bledel).

Adelsgeschlecht von Bledeln Ulrich von Bledeln aus dem Adelsgeschlecht von Bledeln trat als Zeuge bei einem Verkauf von drei Hufen Land in Lobke an das Moritzstift im Jahre 1189 auf. Zuletzt wird er in einer Urkunde aus dem Jahre 1204 genannt. Sein Sohn Ulrich II. nahm bereits das Verfügungsrecht über das Familiengut wahr, indem er 60 Morgen Land in Klein-Algermissen für 34 Mark Silber an die St. Andreaskirche in Hildesheim verkaufte. Johannes und Konrad von Bledeln, Brüder Ulrichs II., verzichteten gleichzeitig auf ihre Anrechte an den verkauften beiden Hufen.

Noch 1267 eine blühende Sippe, verschwanden die von Bledeln im Dunkel der Geschichte. Sie könnten während der Kämpfe ums Leben gekommen sein, die zwischen Bischof Otto und seinen Brüdern, den Welfenherzögen, nach 1267 ausbrachen.

Gerichtsstätte Goding im Hassel Innerhalb der Grenzen der Bledelner Feldmark befindet sich im Nordwesten das Wäldchen Hassel. Es liegt auf der Kuppe eines flachen Hügels, der sich bis zu erhebt. Hier wurde wahrscheinlich schon in altsächsischer Zeit jahrhundertelang das Goding abgehalten.

Auch das Gericht des Königs fand hier unter dem Vorsitz des von ihm eingesetzten Grafen statt, wie man aus dem Flurnamen „Königsstuhl“ für den alten Grenzstreifen, der sich von der Nordostspitze des Wäldchens in nördlicher Richtung hinzieht, schließt. Dieser Name findet sich in den Grenzbeschreibungen des Amtes Coldingen-Ruthe im 16. und 17. Jahrhundert. Das Königsgericht war jedoch auf die Zeit von etwa 800 bis 1200 beschränkt, während das Goding noch ca. 250 Jahre länger tagte.

Zum ordentlichen Ding erschienen die Einwohner aus dem Gebiet zwischen Bruchgraben und Altwarmbüchener Moor der Leine und der Aue. Bezeugt sind die Orte Anecampe (wüste Ortschaft zwischen Bemerode und Hannover), Anderten, Höver, Bilm, Döhren, Laatzen, Grasdorf, Wülferode, Evern, Rethmar, Sehnde, Müllingen, Oesselse, Gleidingen, Sarstedt, Helperde (Wüstung bei Sarstedt), Gödringen, Hotteln, Bledeln, Lühnde, Ummeln und Bolzum.

Heute existieren von den alten Dokumenten hauptsächlich noch Auflassungsurkunden von Grundeigentum, teilweise solche von erheblichem Umfang. So wurde zum Beispiel im Jahr 1386 auf dem Hassel das ganze Dorf Evern mit dem zehnten Teil des Wertes aufgelassen, für das die von Salder es dem Domkapitel verkauft hatten. Auch Graf Simon von Dassel erklärte, dass die Güter, die er dem Sültekloster 1325 übergab, im Gebiet des Godings lägen.

Aus einer Aufstellung aus der Zeit um 1490 über das Freiding Lühnde ergibt sich, dass auf dem Hassel auch das Gericht, das „Hals und Leute anging“, abgehalten wurde. Doch auch Zivilklagen entschied man auf dem Goding. So war dieses Gericht auf dem Hassel im 14. und 15. Jahrhundert die entscheidende Instanz. Andere Gerichte, wie Freiding, Meierding und Holzding, waren für besondere Angelegenheiten zuständig.

Das Goding auf dem Hassel bestand etwa bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Seine Befugnisse gingen dann auf die Landgerichte über, von denen das Erbregister von 1682 Sarstedt, Ruthe und Steinwedel angeführt.

Wüstung Loppenstedt

Während des Spätmittelalters ist eine Anzahl von Dörfern in der Umgebung von Bledeln von ihren Einwohnern verlassen worden und wüst gefallen, wie Oldendorf und Helperde bei Sarstedt, Delm zwischen Heisede und Hotteln, Bockum nördlich von Oesselse, Nienstedt bei Algermissen, Kleinsehnde östlich von Bolzum, Gilgen bei Haimar, Anecampe bei Bemerode und Loppenstedt 1,5 km südlich von Bledeln.

Zweiter Weltkrieg Am 13. August 1941 fielen bei einem Luftangriff im Zuge englischer Einflüge nach Hannover Sprengbomben auf Bledeln. Eine Einwohnerin starb nach dem Luftangriff an ihren schweren Verletzungen, sechs weitere Personen wurden verletzt, eine Scheune und zwei Wohnhäuser wurden zerstört.Hans Adolf Jacobsen (Bearb.): Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht 1940–1945. I: 1940–1941, Frankfurt am Main 1965; Bernd Sternal, Werner Hartmann: Im Anflug auf die Planquadrate Heinrich-Ulrich/Anton & Julius-Ulrich/Anton – Flugzeugabstürze in den Regionen um Hildesheim-Salzgitter-Einbeck-Seesen-Goslar. Books on Demand, 2017, S. 11.

Am 10. Februar 1944 wurden vier Menschen beim Abwurf von einer Sprengbombe und 30 Brandbomben verletzt. Eine Scheune wurde restlos zerstört und einige Wohnhäuser beschädigt. Am 19. Februar 1944 stürzte ein englischer Bomber unweit von Bledeln ab und explodierte, wobei ein Trichter von 17 m Tiefe entstand. Mehrere seiner Spreng- und Brandbomben trafen das Dorf und richteten an Gebäuden erhebliche Schäden an.Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Lühnde auf feuerwehr-luehnde.de, abgerufen am 5. Februar 2022; W. R. Chorley: Royal Air Force Bomber Command Losses of the Second World War. Vol. 5: 1944. Toronto Public Library, 1966/1997, S. 93.

Eingemeindungen Zur Gebietsreform in Niedersachsen wurde Bledeln am 1. März 1974 in die Gemeinde Algermissen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Jahr 1910 1925 1933 1939 1950 1956 1973 2013 2014 2018 2019Einwohner 383 364 321 346 711 604 432 680 681 710 689Quelle

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Die St.-Georg-Kirche zu Bledeln stammt aus dem 13. Jahrhundert, sie hat noch überwiegend romanische Bausubstanz. Die Innenausstattung ist barock.

Politik

Ortsrat Der Ortsrat, der den Ortsteil Bledeln vertritt, setzt sich aus fünf Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Ortsbürgermeister Der Ortsbürgermeister von Bledeln ist Jürgen Engelke (CDU). Sein Stellvertreter ist Raimund Hennies (Bündnis).

Wappen

Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Ortes

George Meyer (1828–1889), Reichsgerichtsrat Leo Meyer (1830–1910), Sprachforscher, Hochschullehrer und russischer Staatsrat

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen

Carl Busse (1772–1829), Autor, Pastor und Superintendent, war u. a. Pastor in Bledeln

Literatur Friedrich Peine: Die Frühgeschichte der Go Hassel Ders. Das Goding, die Freidinge und das Meierding in Lühnde. In: Blätter für Volkstum und Heimat im Reg.-Bez. Hildesheim. Jahrg. 1941, Heft 7/8, 1943 H. 10/12. Friedrich Peine (Bearb.): Aus der Geschichte des Dorfes Bledeln. Peine 1963. Jörg Mumme: Private, familiengeschichtliche Aufzeichnungen. Bledeln 1989–2004.

Weblinks

Ortschaft Bledeln auf der Webseite der Gemeinde Algermissen. Archiviert vom Original am 7. September 2014; abgerufen am 30. März 2019. Website Bledeln – Unser Dorf

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Hildesheim Kategorie:Geographie (Algermissen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Hildesheim) Kategorie:Ersterwähnung 1160 Kategorie:Gemeindeauflösung 1974