Martin Schleker jun. (* 20. August 1935 in Hayingen; † 6. April 2022Traueranzeige auf schwaebische.de, abgerufen am 9. April 2022 (erfordert Registrierung).) war ein deutscher Schauspieler, Theaterregisseur und Schriftsteller.
Leben Martin Schleker, Sohn von Elisabeth Schleker, geborener Traub, und des 1908 in Ehingen an der DonauSchleker, Martin. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1079–1080. als eines von vier Kindern geborenen katholischen schwäbischen Volksschriftstellers Martin Schleker sen., besuchte die staatliche Schauspielschule Stuttgart und schloss sie mit der Bühnenreifeprüfung ab. Neben zahlreichen Engagements als Schauspieler übernahm er in den 1970er Jahren die Leitung des Naturtheaters Hayingen auf der Schwäbischen Alb, dessen Stil er über Jahrzehnte hinweg als Regisseur, Autor und Schauspieler erfolgreich prägte. Das Theater zählte im Jahr 1994 bereits seinen Millionsten Zuschauer.
Martin Schlekers ureigene Mischung aus Volkstheater und Sozialkritik, die meistens Bezug auf historische Stoffe nimmt, wurde über die Region hinaus bekannt. Der Rezipient eines Stückes gestaltet den In- oder Gehalt selbst mit: So sind Schlekers Stücke sowohl für Erwachsene als auch für Kinder unterhaltsam, Theater für Kopf und Herz, und zwischen den Zeilen finden sich Doppeldeutigkeiten, politische Spitzen, vielleicht auch Lebensweisheiten und auf jeden Fall Witz. Die Zeitungen titelten oftmals, es sei Schleker gelungen, die Stücke und Rollen seinen Laiendarstellern auf den Leib zu schreiben. Zu seinen bekanntesten Stücken zählten u. a. Der Sonnenwirtle von Ebersbach (1987, Esslingen), Der Postmichel von Esslingen. Volksstück, wenn nicht gar ein schwäbischer Krimi (1990, Esslingen, handelt von Johann Friedrich Schwan), Ohne Hammer, ohne Schlegel. Ein schwäbisches Schöpfungsdrama nach Sebastian Sailer (1991 Tübingen) und Die schöne Lau. Ein Drama in fünf Lachern (1992 Hayingen). Häufig übertrug er Motive – aus Klassikern von Shakespeare, Molière, Schiller bis Mörike oder aus regionalen Stoffen von Sebastian Sailer bis David Friedrich Weinland – ins Mundartliche und verwob sie darüber hinaus mit politisch-sozialen Themen der Gegenwart. Sein Stil wurde als „kritisches Volkstheater“ bezeichnet, als „epochenüberspannendes Welttheater“. Er wurde auch „der Brecht vom Lautertal“ genannt.
Darüber hinaus gastierte Schleker als Regisseur, Schauspieler und Autor am Staatstheater Stuttgart, Badischen Staatstheater Karlsruhe, Schauspiel Frankfurt, Theater Paderborn, an der Württembergischen Landesbühne Esslingen und am Landestheater Tübingen.
Martin Schleker schrieb neben Theaterstücken auch Hörspiele, Drehbücher und Kurzgeschichten. Seit den 1970er Jahren übernahm er diverse Fernseh- und Filmrollen. Er wurde vom Arbeitskreis deutscher Schriftsteller mehrfach mit Arbeitsstipendien gefördert. Seine Theaterstücke wurden mehrmals im Landeswettbewerb für Volkstheater des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. 2003 und 2005 erschienen zwei autobiographische Erzählbände von ihm.
Martin Schleker war ab 1973 mit Christa verheiratet. Der Ehe entsprangen vier Kinder: Kathrin Böhler (geborene Schleker), Bärbel Stolz (geborene Schleker), Martin Eberhard Schleker und Eva Maruschel Schleker. Bärbel Stolz und Martin Eberhard Schleker sind ebenfalls Schauspieler.
Ehrungen
1978 – Landespreis für Baden-Württembergische Volkstheaterstücke für "Dem Himmel zu" 1990 – Landespreis für Baden-Württembergische Volkstheaterstücke für "Der Postmichel von Esslingen"
Filmografie (Auswahl) 1961: Der Besuch im Karzer 1979: Das tausendunderste Jahr 1983–1985: Hoffmanns Geschichten 1985: Neues von Britta (Ingo) 1986: Der Eugen 1988: Tatort – Sein letzter Wille (Fernsehreihe) 1992: Der König von Bärenbach 1993: Tatort – Bienzle und die schöne Lau 1994: Unvergessliches Wochenende in Lissabon 1995: Die Fallers 1995: Tatort – Bienzle und der Mord im Park 2003: Tatort – Bienzle und der Taximord
Werke (Auswahl) Das Vespertäschle. Eine Jugend – meine Jugend. Mit einem Vorwort von Felix Huby. Silberburg-Verlag, Tübingen 2003, ISBN 978-3-87407-580-0 Der Schneckenfänger. Oder: Wie ein Älbler doch noch Schauspieler wurde. Geschichten. Silberburg-Verlag, Tübingen 2005, ISBN 978-3-87407-683-8
Theaterstücke
Die Schwäbische Schöpfung (1974) Der Laufenmüller (1976) Das Paradies auf Erden (1977) Dem Himmel zua (1978) Liebs Hergöttle von Biberach (1979) Die sieben Schwaben (1980) Lichtenstein (1981) Das Dorf auf der Grenze (1983) Der Zundelheiner (1984) Wie im Mittelalter (1985) Rulaman (1986) Lieb Heimatland ade (1989) Der Postmichel von Esslingen (1990) Fast wie im Himmel (1991) Die schöne Lau (1992) Der schwäbische Sommernachtstraum (1994)
Literatur Alison Phipps: Edo-drama in the Naturtheater. The Work of Martin Schleker. In: Colin Riordan (Hrsg.): Green thought in German culture. Historical and contemporary perspectives. University of Wales Press, Cardiff 1997, ISBN 978-0-7083-1421-0, S. 259–270.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Autor Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1935 Kategorie:Gestorben 2022 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Hayingen)