mini|Fish & Chips|180x180px Fish and Chips ist ein Gericht aus in Backteig frittiertem Fischfilet und frittierten Pommes (Chips). Sie gelten als Nationalgericht des Vereinigten Königreiches und sind bis heute ein fester Bestandteil der englischen, schottischen und irischen Küche. Obgleich es in den letzten Jahren etwas an Popularität gegenüber internationalem Street Food verloren hat, konnte das Gericht seine Vorrangstellung behaupten.dpa: Heiß und fettig. 150 Jahre Fish and Chips. In: Stuttgarter Nachrichten, 11. März 2010: „Und trotz der Konkurrenz durch Döner Kebab, Burger, Pizza und indischem Curry: Der Backfisch und die Fritten sind auf der Insel nach wie vor die Nummer eins des Fast Foods. 300 Millionen verkaufte Portionen im vergangenen Jahr sprechen für sich.“

Zubereitung Ausgangspunkt der Zubereitung original britischer Chips (Kurzform für chipped potato) sind Speisekartoffeln. Chips sind die britische Variante der Pommes frites, sind aber meist dicker als die in Deutschland üblichen Pommes frites. Zudem sind Chips eher weich statt knusprig, doch dafür weniger fetthaltig. In: sugarvine.com, März 2004: And eating thick-cut chips is healthier than thin-cut fries because they soak up less fat. (= „Und der Verzehr dick geschnittener Pommes frites ist gesünder als dünn geschnittene Pommes frites, weil sie weniger Fett aufsaugen.“) Der Fisch und die Pommes werden 4 bis 5 Minuten lang in Frittieröl gebacken, das auf 185 °CVideo: Fish 'n' Chips: das britische Nationalgericht feiert Geburtstag. In: Deutsche Welle / euromaxx, 31. Oktober 2010, ab 1:22 Min. bis 190 °Cdpa: Heiß und fettig. 150 Jahre Fish and Chips. In: Stuttgarter Nachrichten, 11. März 2010. erhitzt wird. Verzehrt werden echte Chips in Süd- und Mittelengland und Westschottland vorwiegend mit Salz und Malzessig (salt ’n’ vinegar), in Nordengland und Ostschottland auch mit Salz und Brown sauce (salt ’n’ sauce). In Mittelengland frittiert man die Chips vorzugsweise mit Rindernierenfett.. Koch-Doku mit Sarah Wiener, 11. Juni 2012.

Auf der Liste der zur Zubereitung von Fish & Chips verwendeten Speisefische nimmt traditionell der Kabeljau (cod) den ersten Platz ein. Diese Kombination findet man auf der Speisekarte oft als Cod & Chips. Geeignet sind viele Fische mit weißem Fleisch, zum Beispiel Schellfisch (haddock), Seelachs (pollock), Merlan (whiting) oder Scholle (plaice). In vielen Fish-and-Chips-Läden kann der Kunde aus mehreren Arten auswählen. Angesichts der Überfischung und der damit folgenden Verteuerung von Kabeljau empfehlen Wissenschaftler auf die Alternative Seelachs auszuweichen.Jonathan Chadwick: Cod and chips could soon be off the menu! Scientists say Britain should replace the popular white flaky fish with saithe ... if diners are able to look past the colour. In: Daily Mail, 24. November 2025, aufgerufen am 24. November 2025.

Abgefallene Teigstückchen, die im Frittieröl schwimmen, werden manchmal in Fish-and-Chips-Läden in Form von Scraps als Beilage gereicht. In Abwandlung des Originalnamens heißt die Mahlzeit dann Scraps & Chips bzw. Fish & Scraps.

Beilagen Gelegentliche Beilagen zu Fish ’n’ Chips sind ein Brei aus zerstampften Erbsen / Erbspüree (mushy peas), eingelegte Zwiebeln, Gewürzgurken (gherkins) oder in Tomatensauce eingekochte Bohnen (baked beans). Typisch in Nordengland ist außerdem die Variante chips and gravy (Chips mit Bratensoße), die aber im Süden und in Schottland selten anzutreffen ist. Häufig wird dazu Tee getrunken, da Fish-’n’-Chips-Geschäfte in Großbritannien üblicherweise keine Lizenz zum Ausschank alkoholischer Getränke besitzen.

Kultur Fish ’n’ Chips werden nur selten zu Hause zubereitet. Dies liegt daran, dass Fish ’n’ Chips als Street Food gelten. Sie werden oft als Take-away verkauft, also zur Mitnahme für den Verzehr unterwegs oder zu Hause. Im Zuge der kulturellen Aufwertung des Gerichts führen mittlerweile auch gehobene Restaurants das Gericht auf ihren Speisekarten. Ebenso ist es in vielen Pubs Bestandteil des am besten mit dem englischen Begriff Pubfood umschriebenen kulinarischen Angebots. Mit Harry Ramsden’s existiert seit 1928 eine auf Fish ’n’ Chips spezialisierte Restaurant-Kette.Don Mosey & Harry Ramsden, Jr.: Harry Ramsden: The Uncrowned King of Fish and Chips. Dalesman, Clapham 1994, ISBN 978-1-85568-088-3. Dennoch ist der traditionsgemäße Verzehr von Fish ’n’ Chips immer noch mit den in fast allen britischen Städten vorhandenen, spezialisierten und in der Regel in Familienbesitz befindlichen Fish-’n’-Chips-Läden verbunden. In diesen wird der „morgens frisch auf dem Markt eingekaufte Fisch“ in unbedrucktem Papier serviert.

Traditionell werden Fish ’n’ Chips mit den Fingern gegessen. Allerdings haben auch hier moderne Sitten häufig die Tradition verdrängt, sodass heute fast immer kleine Holz- oder Plastikgabeln ausgehändigt werden.Josef Pömmerl: . In: Main-Echo, 13. Januar 2010. Besonders beliebt sind Fish ’n’ Chips am Freitag und am Samstagabend – ursprünglich mag dies eine religiöse Bedeutung gehabt haben; heute steht der Verzehr vor allem mit der Kultur des Night-Clubbing im Zusammenhang. Fish ’n’ Chips dienen dann als stärkende Mahlzeit vor dem eigentlichen Beginn des Abends.

Geschichte Der Ursprung von Fish ’n’ Chips liegt bis heute im Dunklen. Wahrscheinlich kam das Gericht aber auf getrennten Wegen ins Land: die Chips aus Frankreich und die Zubereitungsart des Fischs mit jüdischen Einwanderern.John K. Walton: Fish & Chips and the British Working Class. Leicester University Press 1992, ISBN 0-7185-1327-4, S. 24, , (englisch). Bekannt ist auf jeden Fall, dass Fish ’n’ Chips erst im 19. Jahrhundert zum Nationalgericht aufstieg. Grundlage des Erfolgs waren kleine Familienbetriebe, die traditionell und oft unter lautstarkem Werben die verschiedensten Esswaren auf den Straßen Londons und der großen Industriestädte Nordenglands feilboten. Seit den ersten Anfängen seiner Besiedlung war London ein Zentrum des Fischhandels, im Norden war dagegen die Kartoffel als Grundnahrungsmittel weit verbreitet. Die ersten Chips waren jedoch keinesfalls wie heute Kartoffelstäbchen, sondern frittierte Brotstücke (fried bread)., 2010. Mit der Verknappung des Weizens trat aber schon bald die Kartoffel als Ersatz in Erscheinung.

Offiziell gilt der jüdische Immigrant Joseph MalinJay Rayner: Enduring love. In: The Observer, 19. Januar 2003, (englisch), aufgerufen am 20. März 2024. als Gründer des ersten Ladens für Fish ’n’ Chips im Londoner East End im Jahre 1860. Doch die ersten Fish-’n’-Chips-Geschäfte öffneten schon in den 1850er- und 1860er-Jahren in verschiedenen Londoner Stadtteilen und 1863 in Oldham, Lancashire.John K. Walton: Fish & Chips and the British Working Class. Leicester University Press 1992, ISBN 0-7185-1327-4, S. 25, (englisch), . Sie wurden möglich durch die Expansion des Fischfangs weit in den Atlantik hinein und durch die Eisenbahn, die erstmals über Nacht frischen Fisch von den Küsten in die Hauptstadt brachte, und fügten sich dort nahtlos in die bestehende Kultur der Straßenstände und pastry shops ein. Nach amtlichen Schätzungen gab es 1910 bereits etwa 25.000 Läden im ganzen Königreich,John K. Walton: Fish & Chips and the British Working Class. Leicester University Press 1992, ISBN 0-7185-1327-4, S. 15, (englisch), . die sich ab dem Jahre 1913 in der National Federation of Fish Friers organisierten. In und nach dem Ersten Weltkrieg trugen Fish ’n’ Chips wesentlich zur politischen und sozialen Stabilität Großbritanniens bei. Die britische Arbeiterklasse konnte sich das preisgünstige und nahrhafte Gericht leisten und damit im 20. Jahrhundert den schlimmsten Hunger stillen. Die Fischfrittiervereinigung Northern Counties Federation of Fish Friers schrieb in der Nachkriegszeit nach Walton mit Recht: "Wir standen zwischen der Regierung und schwerster Unzufriedenheit […] und mehr als jedes andere Gewerbe in diesem Land zwischen den Ärmsten der Armen und Hungersnot und Revolte."

Neben dem sozialen Rückhalt zeigte sich Fish & Chips auch im Unternehmergeist. 1936 kam ein Anbieter in Keighley erstmals auf die Idee, das Gericht vom Beiwagen seines Motorrades aus in die zu dieser Zeit neu entstehenden Arbeitersiedlungen zu liefern – der erste Fast-Food-Lieferservice war geboren.Walton, Fish and Chips and the British Working Class, Leicester University Press 1992, ISBN 0-7185-1327-4, S. 148, . Trotz aller durch den Krieg notwendigen Einschränkungen wurden selbst im Zweiten Weltkrieg Fish ’n’ Chips als gehaltvolle und billige Mahlzeit nicht durch das britische Ernährungsministerium rationiertWalton, Fish and Chips and the British Working Class, Leicester University Press 1992, ISBN 0-7185-1327-4, S. 19f., . und dienten auch zur Versorgung der kämpfenden Truppe. Kriegsbedingt aus den Städten aufs Land evakuierte Bürger wurden durch spezielle Fish-’n’-Chips-Wagen versorgt. Während der Landung der alliierten Streitkräfte in der Normandie im Zweiten Weltkrieg am D-Day identifizierten sich britische Soldaten mit der Frage fish? und der Antwort chips!As British as Fish and Chips. #Feeding the nation. In: National Federation of Fish Friers, 2019, aufgerufen am 20. März 2024.

Die Sea Fish Industry Authority führte 1988National Fish & Chip Awards • Frequently asked questions (FAQ): In: seafish.org, 2019. den National Fish and Chip Award für die jeweils besten Fish-’n’-Chips-Läden ein, um für das Lebensmittel zu werben und den Qualitätsstandard anzuheben. In: seafish.org. Die Verwendung von alten Zeitungen als Einwickelpapier diente vor allem der Warmhaltung und dem Aufsaugen des Fettes. In den 1980er Jahren verboten neue Hygienevorschriften das Einpacken der Fish ’n’ Chips in Zeitungspapier.dpa: Heiß und fettig. 150 Jahre Fish and Chips. In: Stuttgarter Nachrichten, 11. März 2010: „Um die Preise möglichst niedrig zu halten, wurden Fish and Chips ursprünglich in der Boulevardzeitung des Vortags gereicht. Seit den 80er Jahren und dem Einzug moderner Hygienevorschriften ist dieser Brauch aber Bratenfett von gestern.“ Der Abrieb der Druckerschwärze war damals noch höher als mit den heute üblichen UV-härtenden Druckfarben.Veronika Schmidt: Kann man Druckerschwärze essen? In: Die Presse, 30. August 2010. Heute haben aus nostalgischen Gründen wieder viele Fish-’n’-Chips-Läden Einwickelpapier aus Butterbrotpapier im Stil der alten Londoner Zeitungen.Fish & Chips – die Delikatesse Großbritanniens. In: speisekarte.de, 17. März 2010, aufgerufen am 20. März 2024.