Die Seraph-Klasse war die dritte Baugruppe der britischen S-Klasse. Die 33 U-Boote wurden im Zweiten Weltkrieg und danach eingesetzt. Die französische Marine nutzte zwischen 1951 und 1961 vier U-Boote der Schiffsklasse.
Baugeschichte und konstruktive Merkmale siehe: Baugeschichte der S-Klasse und Konstruktive Merkmale der S-Klasse
Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden weitere U-Boote der S-Klasse in Auftrag gegeben und ab 1940 aufgelegt. Die ersten Einheiten konnten der Marine im Frühjahr 1942 zugeführt werden.Die Quellen uboat.net und Robert Hutchinson geben beim Datum der Indienststellung teilweise sehr unterschiedliche Daten an. Bagnasco gibt keine Datumsangaben für einzelne U-Boote an. Laut uboat.net wurde der erste Neubau P 222 am 4. März 1942 in Dienst gestellt. Nach Hutchinson war der erste in Dienst gestellte Neubau die Safari am 15. Februar 1942. Der Text nimmt die Angaben aus dem uboat.net als Grundlage. Widersprüche werden über weitere Fußnoten erwähnt. Das letzte U-Boot wurde im Frühjahr 1945 in Dienst gestellt. Mit 33 gebauten Schiffen war die Seraph-Klasse die meistgebaute Unterklasse der S-Klasse.
Die U-Boote wurden auf vier verschiedenen Werften gebaut:
BauwerftU-BooteZwei U-Boote wurden bei Scotts aufgelegt und später bei Vickers fertiggestellt. In der Tabelle werden sie Vickers zugeschlagen.Cammell Laird 17Scotts Shipbuilding and Engineering Company 8Vickers-Armstrongs 5Chatham Dockyard 3
Die Boote der Seraph-Klasse waren größer als die in den 1930ern gebauten U-Boote des ersten und zweiten Bauloses. Im Gegensatz zu den älteren U-Booten der S-Klasse waren sie mit einem Radargerät ausgestattet. Außerdem besaßen sie einen leistungsfähigeren Dieselantrieb und trotzdem eine größere Reichweite, da auch die Treibölbunker vergrößert wurden.
Nach Indienststellung der ersten fünf Einheiten (Safari, Sahib, Saracen, Satyr und Sceptre) wurde ein zusätzliches externes Hecktorpedorohr eingeführt.
Die Kriegswirtschaft (erhöhter Bedarf und gleichzeitiger Arbeitskräfte- bzw. Rohstoffmangel) erforderte eine Optimierung der Produktion der Neubauten. Aus diesem Grund wurden die zu dieser Zeit modernsten Fertigungsmethoden genutzt. Die U-Boote wurden in der Werft aus standardisierten vormontierten Baugruppen zusammengebaut. Die Hülle wurde nicht mehr vernietet, sondern komplett verschweißt.
Durch die konsequente Nutzung der Schweißtechnik erhielten die Kriegsneubauten einen wesentlich widerstandsfähigeren Druckkörper und konnten somit tiefer tauchen als die in den 1930ern gebauten Booten des ersten und zweiten Bauloses. Für die in den 1930ern gebauten U-Boote wurde eine von der Werft zugesicherte Tauchtiefe von 95 m angegeben. Für die im Krieg gebauten U-Boote des dritten und vierten Bauloses wurde eine zugesicherte Tauchtiefe von 110 m angegeben. Die Stubborn erreichte im Februar 1944 nach einem deutschen Wasserbombenangriff eine Tauchtiefe von 165 m. Bei einem Zerstörungstest wurde 1948 die unbemannte Stoic in 183 m Tiefe zerdrückt. Zum Vergleich hatten die deutschen Typ-VII-C/42-Boote aber eine von der Werft garantierte Tauchtiefe von 200 m und eine errechnete theoretische Maximaltauchtiefe von 400 m.
Geschichte siehe: Einsatzgeschichte der S-Klasse und detaillierte Geschichte der S-Klasse
Die ersten U-Boote der Kriegsneubauten waren ab Frühjahr 1942 einsatzbereit. Die Neubauten wurden dringend benötigt, da die im Frieden gebauten S-Boote inzwischen auf eine Anzahl von vier Einheiten zusammengeschrumpft waren.
Die U-Boote wurden anfangs hauptsächlich im Mittelmeer eingesetzt, wo sie gegen die Nachschubwege der im Afrikafeldzug engagierten Achsenmächte eingesetzt wurden. Die Mittelmeerbasen der U-Boote lagen in Gibraltar im Westen, auf der belagerten Insel Malta im Zentrum und in Ägypten im Osten. Weitere U-Boote wurden bis Kriegsende in der Nordsee und der Biskaya eingesetzt.
Nach dem Ende der Kämpfe in Nordafrika am 13. Mai 1943 und dem italienischen Ausscheiden aus dem Krieg am 8. September 1943 konzentrierten sich die Einsätze der britischen U-Boote auf das östliche Mittelmeer vor die immer noch von Deutschland besetzten griechischen Inseln.
Während der Kämpfe im Mittelmeer konnten den italienischen, vichyfranzösischen und deutschen Transportflotten schwere Verluste beigebracht werden. Obwohl die Schiffe der Achse relativ schlecht gesichert waren und die italienische U-Boot-Abwehr wesentlich schlechter ausgestattet war als die deutsche, kam es bis 1944 zu fünf Verlusten im Mittelmeer. Im selben Zeitraum ging ein U-Boot in der Nordsee verloren. (siehe: Verluste der S-Klasse)
Im Sommer 1944 befreiten die Alliierten Südfrankreich. Im weiteren Verlauf des Jahres wurden die Deutschen auch aus Griechenland vertrieben, wodurch das gesamte Mittelmeer in alliierter Hand war und sich weitere Kampfeinsätze erübrigten.
Nach den alliierten Siegen in Nordafrika und Südeuropa wurden viele Seraph-Klasse-Boote zum asiatischen Kriegsschauplatz beordert. Die U-Boote wurden gemeinsam mit konstruktiv ähnlichen niederländischen U-Booten in küstennahen Gewässern des Indischen Ozeans und der Javasee erfolgreich gegen japanische und siamesische Küstentransporter eingesetzt. Die relativ kleinen wendigen britischen und niederländischen U-Boote konnten in flachen Gewässern innerhalb der 10-Faden-Grenze (18 m Wassertiefe)Anthony Preston: Die Geschichte der U-Boote. (siehe Literatur) ist zum Punkt der Tauchtiefe unklar. Dort wird auf Seite 59f angegeben: „Die kleinen holländischen und britischen U-Boote konnten innerhalb der 10-Faden-Linie (28 m) operieren.“. 10 Faden wären aber ca. 18 m. operieren und ergänzten die großen Hochseeboote der US Navy. Die Japanische Marine hatte bis zum Ende des Jahres 1943 über 3 Millionen BRT an Schiffsraum hauptsächlich durch U-Boote verloren. Die Japaner waren darauf angewiesen, ihre Transporte auf kleine Motorschiffe und Segler zu verlegen, die so nahe unter der Küste fuhren, dass sie für die großen US-Boote nicht erreichbar waren. Die zumeist ungeschützten und langsamen Transporter wurden häufig mit dem Deckgeschütz versenkt. Zwei Seraph-Klasse-Boote gingen in Asien verloren. Zwei weitere wurden bei Kämpfen so schwer beschädigt, dass sie stillgelegt werden mussten.
1944 wurden zwei Boote komplett entwaffnet, durch weitere Demontagen leichter gestaltet und dadurch zu höheren Geschwindigkeiten befähigt. Die beiden U-Boote erhielten zusätzlich eine Schnorchelattrappe, um das Aussehen deutscher U-Boote zu simulieren. Sie dienten der U-Abwehr der Navy als Übungsziele rand|30px|Royal Navy 30px|Marine nationale française (Französische Marine)SatyrSaphir1952–1961 an FrankreichSpitefulSirène1952–1958 an FrankreichSportsmanSibylle1951 an Frankreich, 1952 gesunkenStatesmanSultane1952–1959 an Frankreich
Den letzten erfolgreichen Torpedoangriff eines U-Bootes im Zweiten Weltkrieg führte die Statesman am 18. Dezember 1945 durch, als sie in der Straße von Malakka ein treibendes japanisches Wrack versenkte.
Nach Kriegsende versetzte die Royal Navy viele Boote der Klasse in die Reserve. Bis einschließlich 1950 wurden 15 Einheiten verschrottet oder für Übungs- und Testzwecke zerstört.
1951/52 übernahm die Französische Marine vier U-Boote der Klasse. Eines dieser Boote ging schon im September 1952 bei einem Unfall mit der gesamten Besatzung verloren. Die restlichen drei Einheiten wurden zwischen 1958 und 1961 an Großbritannien zurückgegeben, wo sie anschließend verschrottet wurden.
Das letzte U-Boot der Seraph-Klasse war die Sea Devil. Die Royal Navy stellte das U-Boot im Juni 1962 außer Dienst und verkaufte sie im Dezember 1965 zur Verschrottung.
Boote der Klasse siehe auch: Gruppe 3 der S-Klasse