Die Eisenerzgrube Füsseberg – Friedrich Wilhelm (auch Füsseberg oder Fuss genannt) war eines der wichtigsten Eisenerzbergwerke im Siegerländer Erzrevier. Sie erstreckte sich vom Daadetal bei Daaden-Biersdorf bis nach Herdorf in Rheinland-Pfalz. Sie entstand 1932 als Verbund aus den Gruben Füsseberg, Friedrich Wilhelm, Glaskopf und Einigkeit, sowie zahlreichen kleineren Gruben in der direkten Nachbarschaft. Zwischen 1942 und 1965 war sie die bedeutendste Grube des Siegerlandes. Mit ihrer Schließung im März 1965 endete der Erzbergbau im Siegerland. Die Anfänge der Grube reichen mindestens bis 1708 zurück, so dass über 300 Jahre Bergbaugeschichte dokumentiert werden kann.

Geschichte Vorläufergruben mini|Eisenerzgrube Füsseberg – Friedrich Wilhelm (blau eingefärbt), sowie benachbarte Gruben

Erster Bergbau und Verhüttung auf Eisen ist im Siegerland seit dem 2. bis 1. Jahrtausend v. Chr. bekannt. Bergbau zunächst auf Kupfer, später auf Eisen ist im Umfeld von Daaden seit dem 17. Jahrhundert belegt, sehr wahrscheinlich bestand er bereits im 16. oder dem frühen 17. Jahrhundert. Die ältesten Gruben waren Füsseberg und Florz (beide vor 1708), Friedrich Wilhelm und Ohliger Zug. Gefördert wurde Spateisenstein und im geringen Umfang Kupfererz. Die Gewinnung von Eisenerz durch moltern (graben nach Raseneisenstein und oberflächlichen Erzen) ist in der Region bereits seit keltischen Zeiten bekannt.

Grube Füsseberg

1708 bis 1837 – Gewerken als Eigentümer

Erstmals erwähnt wurde die Grube Füsseberg (auch Füchsenberg, Füßenberger Kupferbergwerk oder Underster Füßeberg genannt) 1708 als Kupfergrube. In einem Bericht an Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach wurde die Grube Underster Füßebergk 1708 als abgegangen bezeichnet, aktiver Bergbau bestand also in den Jahren davor, Kupferabbau war aber nicht mehr rentabel. Als Eisenerzgrube im Daatetal wurde in diesem Bericht nur die Ohligskaude (später: Grube Ohliger Zug) vermerkt. Um 1742 hatte sich die wirtschaftliche Lage grundlegend gebessert, der Kupferbergbau Unterste Füchsenberg wird als in großer Ausbeute, der Oberste Füchsenberg als in Zubuße beschrieben. Für 1780 wird Füsseberg als eine der vier wichtigsten Eisensteingruben im Amt Friedewald aufgeführt (neben den Gruben Ohliger Zug, Florz und Glaskopf). Am Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Grubenfelder von Gewerken mit geringer Mitarbeiterzahl ausgebeutet.

So waren 1799 auf dem der Altmalscheider Gewerkschaft gehörenden Füßenberger Kupferbergwerk ein Steiger, drei Hauer und zwei Schmiede beschäftigt. Die Grube erwirtschaftete im Quartal 2052 Gulden und 48 Kreuzer und gab 2093 Gulden aus, machte also Verlust. Zwei Jahre später hatte sich die Situation nur unwesentlich gebessert: im November und Dezember 1801 wurden 21,25 Zentner Kupfer verkauft, für 1445 Taler. Es arbeiteten jetzt 4 Hauer fest, sowie 2 gelegentlich mithelfenden Hauer, im Quartal wurden diesen 656 Schichten abgerechnet, was den Wert von 1799 (245 abgerechnete Schichten im Quartal) fast um das Dreifache überstieg. Die festangestellten Hauer fuhren alle Doppelschichten. Der Grubenbesitz wurde wie folgt angegeben: „drei Pompen, zwei Kübel, zwei Kratzen, drei Keilhauen, 52 Bohrer, elf Kisten, elf Lichter, neun Füllfaesßer, drei Schneidhaemer und eine Schnizbank“.

Vor 1800 gab es bereits eine eigene Hütte (Biersdorfer Hütte) zur Verarbeitung der Erze in Biersdorf, zudem zwei weitere Hütten im benachbarten Daaden (Daad Hütte und Kupfer Hütte).

Die Grube lag bis 1815 in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen, in der ein striktes Ausfuhrverbot für Eisenstein festgeschrieben war. Danach ging die Grafschaft in Preußen auf, welches auch die Freiheit des Warenverkehrs einbrachte. Ab dem 26. Mai 1818 wurde deshalb das 440 Jahre bestehende Verbot des Exportes von Eisenstein in benachbarte Grafschaften aufgehoben, was zu einer deutlichen Belebung des Bergbaus führte. Nach 1828 erfolgte dann auch eine Auflösung des Repartitionsverbandes der Hüttengewerke, dadurch wurde die zuvorige Festlegung auf eine kleine und begrenzte Zahl von Hüttenwerken in der Grafschaft aufgehoben und der Bergbau weiter aktiviert.

1837 bis 1871 – Frühe Industrialisierung

Im frühen 19. Jahrhundert erfolgte die Konzentration auf den Abbau von Eisenerz, die industrielle Revolution verlangte nach Eisen. Ab 1837 änderte sich die Eigentümerstruktur, die Grube wurde nicht mehr durch kleine Gewerke, sondern durch finanzstärkere Montanunternehmen betrieben. Die Füsseberger Grubenfelder wurden an die englische Bergwerksgesellschaft German Mining Co. verkauft, die zudem weitere Grubenfelder des nördlich angrenzenden Gebietes erwarb.

Die German Mining Co. war kurz zuvor – am 2. Mai 1836 – als Aktiengesellschaft nach britischem Recht gegründet worden. Firmensitz war London, Anteilseigner waren ausschließlich Engländer. Ihr Ziel war die Exploration, also die Suche nach neuen Abbaumöglichkeiten für Erze und der Betrieb vorhandener Bergwerke in Deutschland. Hauptanteilseigner mit ca. 20 % war der Bergbauingenieur Henry Mancur (* ca. 1790 – † 26. Februar 1844), der seit 1811 aktiv im Bergbau Erfahrungen gesammelt hatte und in dieser Zeit zahlreiche Gruben leitete, insbesondere in den englischen Grafschaften Cornwall, Wales, Staffordshire, Lancashire und Cheshire.

In den 1830er- und 1840er-Jahren zählte die German Mining Co. zu den großen in Deutschland tätigen Bergbaugesellschaften. Es wurden über 200 Bergwerke betrieben, vor allem im Siegerland (Eisenabbau), im Lahn-Dill-Gebiet (Eisen-, Kupfer- und Bleiabbau), im östlichen Taunus (Blei-, Silber- und Kupferabbau) sowie in Rheinland-Pfalz (Quecksilberabbau).

Im Jahr 1837 wurden zudem etliche Gruben im Umkreis von Füsseberg aufgekauft, so auch die Grube Bindweide.

Die rasche Expansion der German Mining Co. führte bald zu finanziellen Schwierigkeiten, bereits 1841 und nochmals 1842 mussten deswegen neue Aktien ausgegeben werden.

Der Verkauf neuer Anteilsscheine reichte jedoch nicht aus, um die Kosten und Kredite zu bedienen, so dass in einer Versammlung von Anteilseignern am 27. Juli 1846 die Anweisung der Eigentümer an die Direktoren erging, Firmenanteile und Bergwerkseigentum zu veräußern. Kurz darauf wurden bereits in etlichen Bergwerken die Löhne zurückgehalten oder gar nicht mehr ausgezahlt. Es kam zu ersten Verkäufen von Bergwerken, so auch 1848 der Grube Füsseberg.

Ab 1848 verschlechterte sich die finanzielle Lage dramatisch, so dass am 16. März 1849 die German Mining Co. für zahlungsunfähig erklärt werden musste. Der nachfolgende Rechtsstreit durch verschiedene Instanzen vor Londoner Gerichten zog sich von Juli 1849 bis 1853 und endete mit der Bestätigung des Bankrottes.

Nach elf Jahren im englischen Besitz erwarb 1848 Theodor Stein, Generalbevollmächtigter der Firma Daniel Stein sen. Sohn aus Kirchen die Füsseberger und benachbarten Felder, sowie weitere Felder im Umkreis und vergrößerte und vereinheitlichte den Betrieb dadurch erheblich. Spätestens ab März 1848 waren auch die Industriebetriebe des Siegerlandes von der Märzrevolution betroffen, Hunger und Not der Arbeiterschaft führten zu Revolten.

Theodor Stein übernahm um 1848 auch die Grube Bindweide. Er sah zum einen die Notwendigkeit der Bildung größerer Grubenbetriebe voraus, damit der Abbau lohnend wird. Zum anderen schätzte er die Zugkraft einer künftigen Erschließung des abgelegenen Siegerlandes mit Eisenbahnstrecken richtig ein.

Ab 1860 wurde der Füsseberger Erbstollen begonnen und in nördlicher Richtung im Kahlenberg vorangetrieben. Er sollte der Wasserlösung der Gruben auf dem Florz-Füsseberger-Gangzug dienen. Im Folgejahr begann der Vortrieb des Florzer Erbstollens (später umbenannt in Kaiser Wilhelm Erbstollen). Bei allen Gruben auf diesem Gangzug wurde zu dieser Zeit nur Stollenbau betrieben, erste Schächte kamen erst deutlich später.

Mit der Teileröffnung der Strecke Deutz-Gießen wurde 1861 Herdorf an die Bahn angeschlossen. Erstmals gab es einen Eisenbahnanschluss in der Region, was schnell zu einer erheblichen Ausweitung bergbaulicher Aktivitäten führte. Im Besonderen kam es den Gruben in Bahnnähe zugute, so dass auch die Gruben Florz und Friedrich Wilhelm rasch profitierten. Die Erze der Grube Füsseberg mussten hingegen mit Pferdefuhrwerken über die 8 km lange Straße zur Bahnstation Herdorf gebracht werden.

Die zu Füsseberg gehörende Lagerstätte „Glückshafener Mittel“ wurde in dieser Zeit durch zwei Stollen vom Daadetal ausgehend erschlossen (Grube Ferdinand).

Ab Mitte der 1860er Jahre bekam der Bergbau durch die neue Bahnlinie enormen Auftrieb, bereits 1865 überrundete Füsseberg die benachbarte Grube Ohliger Zug mit einer Jahresproduktion von erstmals 5832 t, Ohliger Zug förderte da nur die Hälfte dieser Menge Erz (2635 t). Um 1867 hatte der Füsseberger Erbstollen die Glückshafener Mittel erreicht und konnte die Wasserlösung übernehmen. Durch die verkehrstechnisch ungünstigere Lage der Gruben am Südhang des Kahlenberges kam der weitere Ausbau jedoch ins Stocken. Erst 1885 erhielt auch Füsseberg einen eigenen Bahnanschluss über die neu gebaute Daadetalbahn.

Im Jahr 1871 betrug die Förderung 16.083 t, damit war sie nach Grube Friedrich Wilhelm (17.917 t im gleichen Jahr) die zweitgrößte Grube im Bergrevier Daaden-Kirchen.

1872 bis 1932 – Industrialisierung mini|Füsseberg Erzaufbereitung 1913 mini|Füsseberg Betriebsgebäude 1913 Unter dem Eindruck eines schweren Grubenunglückes auf Grube Bindweide 1872 verkaufte Theodor Stein noch im gleichen Jahr seinen gesamten Grubenbesitz an Alfred Krupp, darunter auch die Felder der Grube Füsseberg (in der Literatur wird mitunter irrtümlicherweise das Jahr 1865 für den Verkauf von Füsseberg angegeben). Die Grubenfelder wurden der Krupp’schen Bergverwaltung unterstellt, der späteren Sieg-Lahn Bergbau GmbH. Jetzt waren große Teile der Erzvorräte zwischen Herdorf und Biersdorf in einer Hand und der Übergang zur industriellen Ausbeute der Erzgänge zeichnete sich ab. Die Gänge oberhalb des Füsseberger Erbstollens wurden durch mehrere Stollen aufgeschlossen, Tiefbau mit Schächten fand noch nicht statt. Der Bau der Daadetalbahn sorgte 1885 für den Anschluss von Biersdorf und damit indirekt auch Füsseberg an das Bahnnetz. Die ohne Schachtbau zugänglichen Erzvorräte waren jedoch nach 20 Jahren erschlossen und Verbleibendes war von zu geringer Qualität, daher wurde der Betrieb 1892 vorläufig eingestellt. Da sowohl die Füsseberger Grubenfelder als auch die Felder von Friedrich Wilhelm zu Krupp gehörten, konzentrierte sich der Abbau vorübergehend auf die leichter zugänglichen Lagerstätten des Nordhanges des Kahlenberges (Grube Friedrich Wilhelm).

Die Grube Füsseberg wurde wenige Jahre später wiedereröffnet, um ab 1899 Tiefbau zu betreiben. Eine Dampfmaschine lieferte Energie für die Fördermaschine. Es wurden erste größere Tagesanlagen errichtet. Der heutige Schacht wurde zunächst auf 40 m, im Jahre 1902 auf 80 m und im Jahre 1908 auf 160 m abgeteuft. Ab 1907 wurde auch wieder die jährliche Fördermenge von 10.000 t überschritten, Füsseberg schloss mit 10.105 t Jahresförderung wieder zu den großen Gruben auf. Danach wurde die Förderung in großen Schritten gesteigert, 1917 waren es bereits 42.236 t.

Fasst man die gesamte Erzförderung aller Gruben auf diesem Gangzug zusammen (Gruben Glaskopf, Füsseberg, Einigkeit und Friedrich Wilhelm), so ergibt sich für 1900 eine Förderung von 90.904 t, verglichen mit den beiden damals größten Gruben des Siegerlandes (Storch & Schöneberg 298.707 t und Eisenzecher Zug 235.433 t, jeweils im Jahr 1900) noch eine geringere Menge. Dieses Verhältnis sollte sich erst 1942 mit der Erschöpfung der Lagerstätten auf den beiden großen Gruben umkehren.