mini|300px|Tagungshaus und Klosterkirche Bursfelde von Westen [ { "type": "ExternalData", "service": "page", "title": "Kloster_Bursfelde.map"}] mini|Westfront der Abteikirche mini|Klosterinnenhof mit der Südseite der Doppelkirche mini|Innenraum der Ostkirche mini|Innenraum der Westkirche mini|Erzengel Michael, Fresko unter der Empore in der Westkirche mini|Fresko im Altarraum der Westkirche Das Kloster Bursfelde ist eine ehemalige Benediktinerabtei in Bursfelde, einem Stadtteil von Hann. Münden im Landkreis Göttingen, Niedersachsen. Klosterkirche und Klostergut von etwa 300 Hektar Größe gehören zu dem von der Klosterkammer Hannover verwalteten Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds. Rechtlicher Träger des Geistlichen Zentrums Kloster Bursfelde ist die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers.
Name Die jüngsten Forschungen im Zusammenhang mit dem Niedersächsischen Ortsnamenbuch haben zum Ergebnis geführt, dass sich der Name auf die exponierte Lage der Siedlung bezieht und so viel bedeutet wie „ein in einem Winkel liegendes Feld“.
Geschichte
Klostergründung bis 14. Jahrhundert Das Kloster Bursfelde wurde als Benediktinerabtei 1093 von Graf Heinrich dem Fetten bzw. dem Reichen (doppelte Bedeutung von Crassus) von Northeim als Grablege und Stätte des Gebetsgedenkens (memoria) für die Northeimer Grafenfamilie unter Beteiligung des zuständigen Erzbischofs Ruthard von Mainz gestiftet und mit Mönchen des nahegelegenen Klosters Corvey besetzt. Dort hatten die Northeimer Grafen die Vogtei inne, wodurch es in der Einflusszone dieser lag und so eine enge Verbindung zwischen beiden Klöstern bestand. In einer Epoche klösterlicher und kirchlicher Erneuerungsbewegungen war es bereits an den Ideen der Klosterreform von Cluny und Hirsau orientiert („Neuclunyazenser“). Im Kloster Bursfelde sollten diese Mönche durch das Zelebrieren von heiligen Messen im Gedenken an die Stifter für das Seelenheil dieser sorgen. Bei der Klostergründung wurden also dynastische Interessen Heinrichs von Northeim mit den kirchlichen Reformtendenzen verbunden.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. Aufl., Göttingen 1996, S. 9.
Errichtet auf dem Gut Miminde, welches Heinrich von Albert von Gieselwerder erworben hatte, liegt das Kloster an der Stelle der Einmündung der Nieme in die Weser. Die von Otto von Northeim (Heinrichs Vater) errichtete, unweit gelegene Bramburg diente als Schutz des Klosters.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. Aufl., Göttingen 1996, S. 11. Entsprechend den Zielen der Klosterreform wurde Bursfelde durch die Unterstützung des Erzbischofs Ruthard von Mainz die freie Abtwahl zugestanden, nicht jedoch die freie Vogtwahl; diese behielten sich die Grafen von Northeim selbst vor („erbliche Gründervogtei“ / „Stiftervogtei“). Somit bestand keine politische Freiheit, da man auf die juristische sowie militärische Unterstützung durch den Vogt angewiesen war. Die Vergabe des Markt- und Münzrechts an das Kloster weist Hans-Walter Krumwiede zufolge auf die Bedeutung zum Ausbau der Territorialmacht Heinrichs von Northeim hin.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. Aufl., Göttingen 1996, S. 12.
Andererseits muss die wirtschaftliche Bedeutung relativiert werden, da der Arbeitsschwerpunkt im Benediktinerkloster nicht auf dem Handwerk und der Landwirtschaft lag, sondern nach Krumwiede die Wissenschaft und den Unterricht in den Vordergrund stellte.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. Aufl., Göttingen 1996, S. 14. Im Jahr 1101 wurde der Stifter in Friesland erschlagen und am 10. April im Gründungsbau, der späteren Westkirche, bestattet. Seine Frau Gertrud die Jüngere von Braunschweig gründete 1115 das Kloster St. Aegidien in Braunschweig, das dem Abt von Bursfelde unterstellt wurde und somit eine enge Beziehung nach Bursfelde besaß. Heinrichs Tochter Richenza, deren Gemahl Lothar von Supplingenburg der spätere Kaiser Lothar III. wurde, ließ nach 1135 den großen Ost-Chor errichten. Nach Krumwiede wird darin ein Bedürfnis nach höherer Repräsentativität des Northeimer Familienklosters deutlich.
1144 ging die Abtei Bursfelde in den Besitz Heinrichs des Löwen, des Herzogs von Sachsen (1139) und später auch von Bayern (1156), über, nachdem Siegfried IV., ein Enkel Ottos von Northeim, ohne männliche Nachkommen gestorben war. Heinrich der Löwe bestätigte die Rechte des Klosters nach der Vorlage einer gefälschten Gründungsurkunde. Aufgrund fehlender Erben in der Grafenfamilie zu Northeim fiel das Erbe der Grafschaft Northeim und somit auch das Kloster Bursfelde an die Welfen. Heinrich der Löwe beschränkte seine Herrschaft über das Kloster auf die Schutzherrschaft und Gerichtsbarkeit.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. Aufl., Göttingen 1996, S. 15.
Dass er keinen weiteren machtpolitischen Nutzen aus diesem Erbe zog, liegt im sinkenden Stellenwert der benediktinischen Reformbewegung im Allgemeinen und des Klosters Bursfelde im Speziellen begründet. Nach Beendigung des Investiturstreits hatte die benediktinische Reformbewegung ihren Zenit überschritten. Der erstarkende Zisterzienserorden wurde in dieser Zeit populär und „überflügelte“ den Benediktinerorden. Die Zisterziensermönche taten sich durch eine überaus asketische Lebensweise im Vergleich zu den Benediktinern hervor. Später kam außerdem weitere Konkurrenz durch Bettelorden hinzu. Nichtsdestoweniger besaß das Kloster um 1200 große Grundbesitze mit 14 Höfen, die allerdings weit verstreut lagen: von Südhannover bis ins Braunschweigische, über Westthüringen bis in die Gegend von Erfurt, über Nordhessen bis südlich von Kassel und nach Westfalen bis in die Nähe von Osnabrück. Die Schwerpunkte lagen jedoch im Gebiet um Bursfelde. Die Landbesitze wurden zum großen Teil durch Fronhofsverbände bewirtschaftet; lediglich das Gut Bursfelde wurde eigens bewirtschaftet.
Aus der Zeit von 1150 bis etwa 1430 ist nur wenig überliefert. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts gab es vermutlich eine Abts-Vakanz, welche jedoch nicht belegt werden kann. Eine Planung, das Kloster an einen anderen Ort zu verlegen, bleibt ebenfalls unbelegt. In Bursfelde wurden, dem Typus des Adelsklosters entsprechend, vor allem Mitglieder der Herrengeschlechter von Stockhausen, von Bodenhausen, von Uslar etc. aus der Umgebung aufgenommen. Für den Beginn des 14. Jahrhunderts ist auch die Aufnahme zweier Göttinger Personen aus einer wohlhabenden Bürgerfamilie nachweisbar. Der Niedergang des Klosters Bursfelde reichte so weit, dass 1398 nur noch vier Mönche in Bursfelde erwähnt werden. Von 1402 an bis zum Beginn der Bursfelder Reform fehlt sogar jegliche urkundliche Überlieferung, was auf eine weitreichende Bedeutungslosigkeit des Klosters hinweist.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. ufl., Göttingen 1996, S. 16.
Zeit der Bursfelder Reformbewegung 1433–1542 Nach diesem Verfall des Klosters bzw. des ganzen Ordens, dem Höhepunkt der Pestepidemie zur Mitte des 14. Jahrhunderts und dem Abendländischen Schisma (1378–1417) sollten die Reformkonzile von Konstanz (1414–1418) und Basel (1431–1449) den Startpunkt zu einer neuen Frömmigkeit (devotio moderna) setzen. Daran schlossen sich auch benediktinische Reformbewegungen an, deren Mittelpunkte auf „deutschem“ Gebiet in Bursfelde, Melk a. d. Donau und in Kastl in der Oberpfalz lagen.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. Aufl., Göttingen 1996, S. 17.
In Bursfelde setzt dieser Prozess mit dem Abt Johannes Dederoth und der Bursfelder Kongregation ab 1443 ein. Dieser aus Hann. Münden stammende Benediktinermönch kam während eines Rom-Aufenthalts mit der von Ludovico Barbo ausgehenden Reformbewegung (Cassinensische Kongregation) in Kontakt und gestaltete das Kloster Bursfelde zur Reformabtei um. Während er gleichzeitig Abt von Bursfelde und dem Kloster Clus war, ab 1435 zudem Abt von Reinhausen bei Göttingen, stellt er den Ausgangspunkt für die benediktinische Reform in Norddeutschland dar.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. Aufl., Göttingen 1996, S. 18. Nachdem Dederoth 1439 an der Pest gestorben war, kam es unter dessen Nachfolger Johannes von Hagen († 1469) zu einer Union zunächst zwischen Bursfelde, Clus, Reinhausen und Huysburg, für welche er nach Plan Dederoths 1445 eine gemeinsame liturgische Ordnung (liber ordinarius) beim Basler Konzil beantragte. Diesem Antrag stimmte der Präsident des Basler Konzils, Kardinallegat Ludwig d’Allemand, 1446 durch eine Bulle zu. Darin wurde die Konstituierung der Bursfelder Kongregation mit eigenen Kapiteln unter der Präsidentschaft des Abtes von Bursfelde sowie eigenen Visitatoren festgehalten.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. Aufl., Göttingen 1996, S. 18 f.
Die Äbte in Bursfelde waren also von diesem Zeitpunkt an Präsidenten der Kapitel auf Lebenszeit. Daraus resultiere Krumwiede zufolge eine Überforderung für die Äbte aus der Vielzahl an Verpflichtungen, was in der Bitte von 1582 deutlich wird, dass das Kapitel ihren Abt eine Zeit lang von der Präsidentschaft in der Kongregation entbinden möge. Zwischen 1458 und 1530 fanden insgesamt 68 Generalkapitel der Bursfelder Kongregation statt, jedoch lediglich elf in Bursfelde selbst. Dies lag am Bemühen, zentralere Orte für die Kapitel aufzusuchen.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. Aufl., Göttingen 1996, S. 20.
Das Kloster Bursfelde vergrößerte sich in diesem Zeitraum nicht sonderlich. Eine Ursache dafür waren die wiederholten Entsendungen kleiner Mönchskolonien in andere kleinere Benediktinerklöster. Die Schwerpunkte im Wirken der Abtei Bursfelde lagen letztlich bei Kloster- und ordensinternen Prozessen. Nach Außen ist als erstes die Einrichtung und die Arbeit an der Klosterbibliothek zu nennen, für welche Bücher geschrieben, kopiert und gesammelt wurden.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. Aufl., Göttingen 1996, S. 20 f.
Bursfelde seit der Reformation mini|hochkant=1.2|Kloster Bursfelde (Bürsfeld) nach Matthäus Merian, um 1654–1658 Die Kritik der reformatorischen Bewegung im 16. Jahrhundert am Klosterleben führte zunächst zu einer völligen Verschlossenheit und Gegenwehr gegen die evangelische Predigt. Schon 1518 gab es erstmals eine Forderung nach Zurechtweisung der Anhänger der reformatorischen Bewegung durch das Generalkapitel. 1525 musste das Kapitel wegen der Bauernkriege ausfallen und 1529 erfolgte die erste Stellungnahme zur Ablehnung jener Lehre.Hans-Walter Krumwiede: Die Geschichte des Klosters Bursfelde. In: Lothar Perlitt (Hrsg.): Kloster Bursfelde. 6. Aufl., Göttingen 1996, S. 22.
Ein Wendepunkt in dieser Beziehung wurde 1540 erreicht, als die evangelisch gewordene Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen die Herrschaft für ihren unmündigen Sohn Erich II. übernahm. Sie führte 1542/43 mit ihrem evangelischen Landessuperintendenten Antonius Corvinus eine große Kirchen- und Klostervisitation durch, bei welcher die Umgestaltung aller Klöster in Calenberg-Göttingen nach der evangelischen Klosterordnung überprüft werden sollte. Somit wurde auch das Kloster Bursfelde evangelisch. Johann Rappe, der seit 1539 Abt Bursfeldes und damit Präsident der Kongregation war, blieb ab 1542 nur noch unter Vorbehalt der Präsident. Ferner war die Aufnahme von Novizen untersagt.