Animal Collective ist eine US-amerikanische Rockband, die seit 1999 aktiv ist. Sie stammt aus der Musikszene New York Citys, hat ihre Wurzeln aber in Baltimore. Die Bandmitglieder, die alle unter Pseudonymen auftreten, sind David Portner (Avey Tare), Noah Lennox (Panda Bear), Brian Weitz (Geologist) und Josh Dibb (Deakin). Charakteristisch für die Band ist experimentelle Pop- und Rockmusik zwischen Folk, Psychedelia und Electronica.

Werdegang Die vier Mitglieder trafen sich in ihrer Kindheit und Jugend und begannen bereits um 1992, gemeinsam in verschiedenen Konstellationen Musik zu machen. Noah Lennox und Josh Dibb gingen zusammen auf eine Grundschule in Baltimore und lernten sich schon in der zweiten Klasse kennen, woraus schnell eine enge Freundschaft entstand. Später ging Lennox nach Pennsylvania zur High School, während Dibb die Park School of Baltimore besuchte und dort David Portner und den aus Philadelphia stammenden Brian Weitz kennenlernte. Laut Lennox hatten ihre Schulen ein „progressives“ Konzept und förderten Kreativität und künstlerischen Ausdruck als Teile einer „vollständigen Erziehung“.Simon Reynolds: Mother Nature’s Sons: Animal Collective and Ariel Pink’s Haunted Graffiti. The Wire, 2005, reynoldsretro.blogspot.com

Weitz und Portner begannen schon mit 15 zusammen Musik zu machen, was in ihrer gemeinsamen Liebe für Pavement und Horrorfilme begründet lag. Zunächst spielten sie ausschließlich Coversongs von Pavement und The Cure sowie die Songs „Poison“ von Bell Biv DeVoe und „Seasons In The Sun“ von Terry Jacks.David Portner (Username „wheeter“): rerz.net, 5. Dezember 2006. Als beide Dibb trafen, gründeten sie eine Indie-Rock-Band namens Automine mit den Schulfreunden Brendan Fowler, der später unter dem Namen BARR bekannt wurde, und David Shpritz. In dieser Zeit hatten die vier Freunde erste Kontakte mit Halluzinogenen wie LSD und begannen, Improvisationsparts in ihre Stücke einzufügen. Als Portner 16 war, schrieb er für Automine den Song „Penny Dreadfuls“, der später auf dem ersten Animal-Collective-Album Spirit They’re Gone, Spirit They’ve Vanished erschien.

Nachdem ihnen nach einem Auftritt von einem Zuschauer gesagt wurde, ihre Musik erinnere an Pink Floyd zur Zeit Syd Barretts und die frühen Grateful Dead und sie darüber hinaus über eine Rezension die Climax Golden Twins kennenlernten, begannen sie sich für psychedelische und soundlastige Musik wie Noggin und Krautrock wie Silver Apples und Can zu interessieren. Mittlerweile war Lennox den beiden neuen Freunden von Dibb vorgestellt worden und die vier begannen, in verschiedenen Konstellationen und oft auch solo zu spielen. Zu dieser Zeit entstanden große Mengen an Homerecordings, die sie untereinander tauschten. Unter anderem starteten Weitz und Portner eine Band namens Wendy Darling, in der sie zum ersten Mal einen Drumcomputer benutzten. Ihr Sound war beeinflusst von den Soundtracks ihrer Lieblingshorrorfilme wie The Texas Chain Saw Massacre und Shining, besonders von György Ligeti und Krzysztof Penderecki. Portner sagte in einem Interview 2006 mit Simon Reynolds zurückblickend:

Nach und nach kam ihre Musik dem späteren Sound Animal Collectives näher.

Während Portner (New York University) und Weitz (Columbia University) nach New York City zogen, gingen Lennox (Boston University) und Dibb (Brandeis University) nahe Boston auf Privatuniversitäten und begannen mit der Arbeit an Lennox’ Debütalbum Panda Bear, was sich aus der Menge an Aufnahmen aus seinen späten High-School-Jahren zusammensetzte. Außerdem gründeten sie ihr eigenes Label, Soccer Star Records, auf dem das Album 1998 erschien.

Spirit They’re Gone, Spirit They've Vanished

Portner indes hasste sein Leben als Student an der NYU und fuhr mit Weitz jeden Sommer zurück nach Maryland, um die anderen beiden zu treffen und zusammen zu proben. In dieser Zeit arbeitete auch Portner an einem Album, das später Spirit They're Gone, Spirit They've Vanished werden sollte. Portner bat Lennox, zu seinen Solosongs Schlagzeug zu spielen; im Sommer 1999 nahmen sie dieses zusammen mit Klavier und Akustikgitarre auf. Den Rest des Jahres fuhr Portner an Wochenenden zurück nach Maryland, um Overdubs aufzunehmen und das Album abzumischen.David Portner (Username „wheeter“): rerz.net, 10. August 2006. Spirit They’re Gone, Spirit They’ve Vanished erschien schließlich im folgenden Sommer unter dem Bandnamen Avey Tare and Panda Bear auf ihrem eigenen Label, welches inzwischen von Soccer Star Records in Animal umbenannt worden war. FatCat Records.

Weitz moderierte parallel zu seinem Studium der Umweltpolitik und Meeresbiologie eine Noise-Sendung auf WKCR, dem College-Radiosender der Columbia University. An Wochenenden lieh er sich Avantgarde-Musik aus dem Sortiment des Senders und hörte sie sich zusammen mit Portner nächtelang an, was den musikalischen Horizont der beiden rasant erweiterte.

Im Sommer 2000 verbrachten alle vier mehrere Monate zusammen in Portners Wohnung in Downtown New York mit intensiven Jamsessions unter Verwendung alter Synthesizer, Akustikgitarren und Haushaltsgegenständen. Laut Lennox wurde in diesem Sommer die Grundlage für die gesamte spätere Musik von Animal Collective geschaffen:

Zum Bedauern der Band wurden die gesamten Aufnahmen dieses Sommers gestohlen, als Portner umzog und alle vier das Auto in der Nacht vor dem Umzug bepackten.

Neben dem Studium veranstaltete Portner eine Zeitlang Konzerte an der New York University, unter anderem für die New Yorker Band Black Dice, deren Mitglied Eric Copeland er in einem Seminar kennen gelernt hatte. Im Jahr 2000 stellte Portner Spirit They’re Gone, Spirit They’ve Vanished fertig; gleichzeitig brachen Lennox und Dibb ihr Studium in Boston ab und zogen nach New York City. Im August traten Lennox und Portner erstmals zusammen auf und spielten eine Campfire-Songs-Show in der Mercury Lounge in New York City; die Setlist umfasste zwei Songs des später erschienenen Albums Campfire Songs. Post von David Portner unter dem Usernamen „wheeter“, 18. Juli 2006 Inzwischen hatte sich Eric Copeland mit der Band angefreundet, und so traten Portner und Lennox am 18. September 2000 mit Black Dice, Dogg and Pony und The Rapture in dem New Yorker Club The Cooler auf. Da Portner und Lennox als Duo dort erstmals unter dem Namen Avey Tare & Panda Bear spielten, kann dies als erster Animal-Collective-Auftritt bezeichnet werden.

Bei diesem Konzert trugen beide auch zum ersten Mal Gesichtsfarbe und Masken, was später ein wichtiges Markenzeichen ihrer Liveauftritte wurde und ihnen schnell einen Ruf in der Musikszene New Yorks verschaffte. Von da an trug Portner zwei Jahre eine Maske bei Auftritten. Lennox trug zunächst eine Pandabär-Haube, später Gesichtsfarbe und auf einer Europatour im Frühling 2004 eine weiße Perücke. Dibb trat lediglich während der Here Comes the Indian-Tour 2002 maskiert auf. Während einer Australien-Tour im November 2006 trat die Band zum bis jetzt letzten Mal maskiert auf.Josh Dibb (Username „deakin“): rerz.net, 9. Januar 2008Laut Portner dienten die Verkleidungen dem Abbau von Anspannung bei Auftritten; außerdem ermöglichten sie ihnen, „einfacher einen Platz in dieser anderen Welt zu finden, in die wir die Zuschauer mitnehmen wollten“ Schließlich hörten sie auf, da sie dem Image einer „Maskenband“ entgehen wollten und um die Zuschauer nicht zu sehr von der Musik abzulenken. Weitz trägt live als einziger nach wie vor eine Kopflampe.

Danse Manatee—Here Comes the Indian

Nachdem Portner und Lennox als Duo einige Auftritte in New Yorker Clubs gespielt hatten, stieß Ende 2000 Weitz hinzu. Das Livematerial dieser Zeit wurde zum großen Teil auf dem Album Danse Manatee verarbeitet, welches 2001 unter dem Namen Avey Tare, Panda Bear and Geologist auf dem New Yorker Label Catsup Plate erschien. Diese Arbeitsweise, Lieder bei Liveauftritten weiterzuentwickeln, sie dann aufzunehmen, um anschließend wieder neues Material live zu erproben, setzte sich innerhalb der Band durch und wurde zu einem Charakteristikum von Animal Collective. In besonderem Maße hatte die enge Freundschaft zu Black Dice einen großen Einfluss auf den Werdegang der Gruppe. Im Sommer 2001 wurden sie von den schon etwas bekannteren Black Dice auf ihre erste Tour mitgenommen, auf der sie Shows vor zehn Zuschauern oder weniger spielten und teilweise sogar von Veranstaltern der Strom abgestellt wurde, weil diese die Musik nicht mochten. Laut Weitz lernten sie jedoch zu dieser Zeit viel von den damals schon Tour-erfahrenen Black Dice.

Die Setlists der Tour wurden zum Teil auf dem 2002 erschienenen Live-Album Hollinndagain festgehalten. Es erschien auf St. Ives, einem Tochterlabel von Secretly Canadian, das ausschließlich limitierte Vinyl-Editionen veröffentlicht. Zunächst auf 300 Stück limitiert, hatte jedes Exemplar ein handgemachtes und individuell gestaltetes Cover. Als einer der seltensten Tonträger der Band wurde es am 31. Oktober 2006 von Paw Tracks auf CD und Vinyl wiederveröffentlicht.

Erst nach der Tour 2001 mit Black Dice stieß Josh Dibb zur Gruppe. Zu viert nahmen sie im November 2001 das Album Campfire Songs auf, welches erst 2003 auf Catsup Plate erschien. Das Konzept des Albums und Teile des Materials stammten schon aus der Zeit der ersten Auftritte von Avey Tare and Panda Bear in New York. Alle fünf enthaltenen Lieder wurden auf einer überdachten Veranda in Monkton, Maryland, in einem Take live auf Minidisc aufgenommen, wobei eins der Mikrofone zusätzlich im Freien platziert wurde, um Geräusche der Umwelt einzufangen. Außerdem wurden Field Recordings der Umgebung nachträglich eingefügt. Die Idee der Aufnahmen war, ein Album aufzunehmen, das so warm und einladend sei wie ein Lagerfeuer (engl. campfire). Das ursprüngliche Album ist vergriffen und wurde im Januar 2010 von Paw Tracks neu aufgelegt. paw-tracks.com; abgerufen am 16. April 2011.

Nach dieser Session fingen sie nun erstmals zu viert an, an neuem Material zu arbeiten, das später auf dem Album Here Comes the Indian erschien. Zu dieser Zeit sahen sie sich zum ersten Mal mit ernsten Problemen innerhalb der Gruppe konfrontiert. Ihre erste große Tour Anfang 2002 durch den Süden der USA bezeichneten sie im Nachhinein als „ziemlich brutal“. „Während dieser Tour verloren wir alle den Verstand“, erinnert sich Portner. Kurz vor der nächsten Tour bekam Weitz zu seiner Freude eine Zusage seiner favorisierten Graduate School (vergleichbar mit dem deutschen Graduiertenkolleg) in Arizona. Nach weiteren drei chaotischen Tagen auf Tour, einer Autopanne, kaputtem Equipment und Geldmangel drohten die restlichen Auftritte auszufallen. „An dem Punkt wussten wir alle, dass wir nach Hause fahren, die Songs aufnehmen und dann Abstand voneinander brauchen würden – und wir hatten immer noch zwei Wochen Tour vor uns“, erinnert sich Weitz im Collected Animals Forum.Brian Weitz (Username „veyesor“): rerz.net, 12. Mai 2006. Als sie San Francisco erreichten, entschied er sich schließlich für die Graduate School und verließ die Band für ein Jahr.

Neben dem intensiven Touren erlangte die Band im Jahr 2002 erstmals überregionale Aufmerksamkeit durch ihren Gastauftritt auf Arto Lindsays Album Invoke.