Schönhausen (Elbe) ist eine Gemeinde im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Sie ist Sitz der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land, der weitere fünf Gemeinden angehören.

mini|Luftbild von Schönhausen (Blick Richtung Osten)

Geografie

Lage Die Gemeinde Schönhausen (Elbe) liegt 70 Kilometer nördlich von Magdeburg, auf der östlichen Seite der Elbe, auf halbem Wege zwischen Stendal und Rathenow. Trotz seiner ostelbischen Lage zählt Schönhausen (ohne Ortsteile), wie auch das nahe Fischbeck, historisch zur Altmark, während die übrigen Gebiete zwischen Elbe und Havel überwiegend zum Jerichowschen Kreis des Erzstifts und späteren Herzogtums Magdeburg gehörten.

Gemeindegliederung Zu Schönhausen gehören die Ortsteile Hohengöhren (seit 1. Januar 2010), Hohengöhren-Damm und Schönhausen-Damm.

Geschichte mini|Schloss Schönhausen I, Bismarcks Geburtshaus (1958 teilgesprengt) mini|Schloss Schönhausen II, seit 2012 Bürgerzentrum

Schönhausen wurde am Anfang des 13. Jahrhunderts vom Bischof von Havelberg gegründet. Ältestes Gebäude des Ortes ist die 1212 geweihte romanische Backsteinkirche. Nach der Reformation kam Schönhausen an das Kurfürstentum Brandenburg. Durch den so genannten Permutationsvertrag (einen Gebietstausch) wurde der Ort 1562 Eigentum der Bismarcks. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf 1642 durch die Schweden schwer zerstört. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts bauten die Bismarcks zwei Schlösser: Um 1700 wurde das Schloss I vollendet und ab 1729 entstand unter August II. von Bismarck (15. Mai 1666–18. Juni 1732) das Schloss II. Am 1. April 1815 wurde im Schloss Schönhausen I Otto von Bismarck geboren; seine Familie zog allerdings im folgenden Jahr nach Pommern.

Der Magdeburger Kaufmann und spätere Stadtrat Magdeburgs Ernst August Gaertner ersteigerte 1830 das überschuldete, bis dahin einem anderen Zweig der Familie Bismarck gehörende Schloss Schönhausen II. Der Neubürger Gaertner erwies sich in der Folgezeit als engagierter Förderer Schönhausens, durch Sanierung des Kirchturms mit der Grablege der Bismarcks, sowie Erweiterung des Friedhofs auf eigenem Gelände. Nach dem Tode Ernst August Gaertners im Jahr 1862 übernahm sein Sohn August Emil Gaertner das Gut Schönhausen II. Schließlich wurde es 1885 „von der deutschen Nation“ abgekauft und Bismarck zu seinem 70. Geburtstag geschenkt. Das darin dann eingerichtete Bismarck-Museum existierte dort bis zum Jahr 1948. Danach wurde das Hauptgebäude in eine Grundschule umgewandelt.

Nach dem Tod seines Vaters 1845 übernahm Otto von Bismarck das Gut Schönhausen I, zog nach Schönhausen und wurde bald Deichhauptmann der Mittelelbe in Jerichow. Als er 1847 in den Vereinigten Landtag einzog, 1849 in den Preußischen Landtag, 1851 nach Frankfurt bzw. 1859 nach Petersburg als Gesandter, übernahm sein Nachbar Ernst August Gaertner von ihm zunächst das Amt des Deichhauptmanns, später auch die Verwaltung des Bismarckschen Gutes. Dies geschah vermutlich vom heute noch so bezeichneten Gaertner-Haus aus, das mit seiner ansprechenden Architektur und Ausstattung noch seine ehemalige Zweckbestimmung als Wohnung einer Dame der Bismarckfamilie widerspiegelt.

Am 16. Oktober 1917 ereignete sich ein schwerer Eisenbahnunfall: Ein Sonderzug mit Kindern und ein Güterzug stießen zusammen. Es starben 26 Menschen, 16 weitere wurden verletzt.Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Band 1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 91.

Rittergut und Schloss Schönhausen I wurden 1945 entschädigungslos enteignet. Am 2. August 1958 wurde das Schloss I auf Betreiben der DDR-Führung, die es als Symbol des preußischen Militarismus ansah, gesprengt. Dank des Mutes einer einzelnen Person, die sich weigerte, das Haus zu verlassen, blieb ein Seitenflügel, genannt Torhaus, erhalten. Einrichtungsgegenstände des Schlosses wurden Bestand des jetzigen Schönhausener Bismarck-Museums.Friede den Hütten, Krieg den Schlössern auf helmutcaspar.de, abgerufen am 8. Dezember 2021.

Verwaltungszugehörigkeit

Schönhausen gehörte bis 1807 zum Tangermündeschen Kreis in der Altmark, dann bis 1813 zur Kurmark. Danach kam die Gemeinde zum Kreis Jerichow II, dem späteren Landkreis Jerichow II in der preußischen Provinz Sachsen. Am 1. Oktober 1910 wurden die Gutsbezirke Schönhausen I und II zum Gutsbezirk Schönhausen vereinigt. Am 30. September 1928 wurde der Hauptteil des Gutsbezirks Schönhausen mit der Landgemeinde Schönhausen vereinigt. Eine Exklave in Größe von 13 Hektar kam zur Landgemeinde Fischbeck.

Am 1. Juli 1950 wurde Schönhausen in den Landkreis Genthin im Land Sachsen-Anhalt eingegliedert. Von 1952 bis 1994 lag die Gemeinde im Kreis Havelberg (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 1994 gehört Schönhausen zum Landkreis Stendal.

Am 1. Januar 2010 wurde Hohengöhren eingemeindet.StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010

Bevölkerung Gemeinde Schönhausen Jahr Einwohner 1772 230 1784 649 1790 822 1798 819 1818 1048 1840 1297 1864 1560 1885 1772 Jahr Einwohner 1895 1918 1905 2051 1925 2133 1939 2236 1946 3281 1964 2590 1971 2526 1981 2361 Jahr Einwohner 1990 2272 2005 2052 2010 2340 2015 2147 2020 2134 2021 2128 2022 2116 2023 2101 Jahr Einwohner 2024 2099 2025 2077

Quelle bis 2005:, ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Ortsteil Schönhausen Jahr Einwohner 2014 1730 2017 1690 2018 1666 2019 1660 2020 1697 2021 1705 2022 1680

Religion mini|Ehemalige St.-Michael-Kirche (2017)

Die evangelische Kirche in Schönhausen ist Sitz des Pfarrbereiches Schönhausen, zu dem außer Schönhausen mit der romanischen Kirche St. Marien und Willebrord auch die Gemeinden Ferchels, Hohengöhren, Lübars-Neuermark, Molkenberg und Schollene gehören. Der Pfarrbereich Schönhausen gehört zum Kirchenkreis Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.Homepage des Evangelischen Pfarrbereichs Schönhausen

Nachdem sich im Zuge der Saar-Offensive ab 1939 katholische Evakuierte aus dem Saargebiet und aus dem Raum Trier, nach dem Zweiten Weltkrieg Flüchtlinge und Heimatvertriebene Deutsche aus Mittel- und Osteuropa, in Schönhausen niedergelassen hatten, wurde seitens der katholischen Pfarrei Tangermünde in Schönhausen eine Gottesdienststation eingerichtet. Von 1955 bis 1958 wurde mit Hilfe des Bonifatiuswerkes eine katholische Kirche in Schönhausen erbaut. Sie entstand nach Plänen des Architekten Johannes ReuterHolger Brülls: Kirchenbau und kirchliche Kunst der Moderne in der katholischen Diaspora. In: Die St. Elisabeth-Kirche in Mieste (Altmark) und ihre Fenster von Lorenz Humburg. (=Treffpunkt Denkmal; 4), hrsg. vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt, Halle 2018, Seite 40. und wurde nach dem Erzengel Michael benannt. Die Grundsteinlegung erfolgte 1956, am 26. September 1959 ihre Weihe.Chronik 1. Katholische Pfarrei St. Elisabeth Tangermünde, abgerufen am 29. Januar 2022. Zur Gründung einer eigenen katholischen Kirchengemeinde kam es in Schönhausen nicht,Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. St. Benno Verlag, Leipzig. Schönhausen kam 1976 wieder zur Kirchengemeinde Tangermünde zurück. Aufgrund zurückgehender Besucherzahlen fand um 1994 die letzte Heilige Messe statt, am 1. Juli 2004 wurde die an der Trübenstraße gelegene Kirche profaniert, und um 2007 verkauft. Die nächstliegende katholische Kirche ist heute die Dreifaltigkeitskirche im rund 7 Kilometer entfernten Tangermünde.

Die Volkszählung in der Europäischen Union 2011 ergab, dass von den 2.317 Einwohnern der Gemeinde Schönhausen (Elbe) rund 21 % der evangelischen und knapp 3 % der katholischen Kirche angehörten.Datenbank Zensus 2011, Schönhausen (Elbe), Religion

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat von Schönhausen besteht aus 14 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 69,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Alternative Wählerliste Schönhausen 14,4 % 2 55,8 % 8 CDU 43,7 % 6 23,1 % 3 AfD – – 15,7 % 2 Einzelbewerber Ronald Jankowsky – – 3,2 % 1 Einzelbewerber Florian Tschofen – – 2,2 % – SPD 25,0 % 4 – – Die Linke 9,5 % 1 – – FDP 7,5 % 1 – – Insgesamt 100 % 14 100 % 14

Bürgermeister 2008–2015: Alfons Dobkowicz 2015–2019: Holger Borowski 2019–2023: Jürgen Mund (CDU) seit 2024: Maik Mund (parteilos)

Borowski trat 2019 aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück.

Jürgen Mund wurde bei der Bürgermeisterwahl am 29. September 2019 mit 87,3 % der gültigen Stimmen gewählt. Er trat 2023 aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück.

Maik Mund wurde bei der Bürgermeisterwahl am 14. April 2024 mit 54,1 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 14. April 2024 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61

Wappen

Die Farben der Gemeinde sind – abgeleitet von Hauptmotiv und Schildfarben – Weiß-Blau.

Flagge Die Flagge ist weiß-blau (1:1) gestreift (Längsform: Streifen senkrecht verlaufend, Querform: Streifen waagerecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Städtepartnerschaften Partnergemeinde von Schönhausen ist Kirchlinteln in Niedersachsen.

Sehenswürdigkeiten

Bismarck-Museum im Schloss I mini|Bismarck-Museum im Schloss I

Das 1998 eingerichtete Bismarck-Museum ist im erhalten gebliebenen Seitenflügel, dem sogenannten Torhaus von Schloss I, untergebracht.

Schloss II mini|Schloss II

Einen Eindruck der ehemaligen Pracht der beiden Rittergüter Schönhausens gibt das auch als Ensemble erhaltene Schloss II wieder. Im Gebäude wurde bereits zu Lebzeiten Bismarcks (1891) ein Museum eingerichtet.Das Bismarck-Museum in Bild und Wort. Ein Denkmal deutscher Dankbarkeit. Becker, Berlin 1897, S. 4 (Digitalisat) Ein Teil der Sammlung wurde 192i nach Aumühle in die Villa Alter Forsthof transferiert und bildete den Grundstock des Bismarck-Museums Friedrichsruh. Im Jahr 1948 wurde das Bismarck-Museum aufgelöst und der Großteil der Objekte im Folgejahr in das neu gegründete Feudalmuseum im Schloss Wernigerode gebracht. Anschließend wurde das Gebäude von 1950 bis 2005 als Schule genutzt. Zuletzt war die Sekundarschule Otto von Bismarck untergebracht. Seit 2012 wird das Schloss II als multifunktionales Bürgerzentrum der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land genutzt.

Dorfkirche mini|St. Marien und Willebrord

Die romanische Dorfkirche St. Marien und Willebrord wurde im Jahr 1212 erbaut. Sie war 1815 Taufkirche Otto von Bismarcks.

Parks Der barocke Park war früher Teil des Rittergutes Schönhausen I. Die darin noch erhaltene Sandsteinstatue des Herkules soll der Überlieferung nach die Verschandelung seines Hinterteils einem in Wut abgegebenen Schrotschuss von Bismarcks nach einer erfolglosen Jagd zu verdanken haben.

Auch Schönhausen II verfügte ehemals über einen eigenen Park; Zeuge dessen ist die an das Anwesen hinten angrenzende Straße Am Park; hier wird auch die ehemalige Größe dieses Rittergutes erkennbar, das ebenso wie Schönhausen I über etwa 560 ha verfügte.

Verkehr Schönhausen liegt an der B 107 zwischen Havelberg und Genthin.

Der Bahnhof Schönhausen (Elbe) liegt nördlich des Ortes an der Berlin-Lehrter Eisenbahn und wird von der Regionalbahnlinie RB 34 Rathenow über Großwudicke und Hämerten nach Stendal im Zwei-Stunden-Takt bedient. Die Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin führt ohne Halt unmittelbar nördlich der Berlin-Lehrter Eisenbahn am Ort vorbei.