mini|Maria Eleonora von Brandenburg, Königin von Schweden
Maria Eleonora von Brandenburg (* 11. November 1599 in Königsberg; † 28. März 1655 in Stockholm) war als Tochter des Kurfürsten Johann Sigismund eine Prinzessin von Brandenburg und durch ihre Heirat mit Gustav II. Adolf von 1620 bis 1632 Königin von Schweden.
Die als sehr attraktive Frau beschriebene Maria Eleonora lernte Gustav Adolf 1620 in Berlin anlässlich dessen persönlicher Werbung um sie kennen und heiratete ihn im gleichen Jahr. Sie war an Musik, Malerei und Architektur interessiert, hatte keinen politischen Einfluss und konnte sich in Schweden nicht einleben, obwohl sie dem König innig zugetan war. Nur eines ihrer Kinder, die spätere Königin Christina, überlebte das Kleinkindalter, doch war Maria Eleonoras Beziehung zu ihrer Tochter anfangs kühl. Als ihr Gatte persönlich an Kämpfen des Dreißigjährigen Kriegs in Deutschland teilnahm, reiste Maria Eleonora ihm 1631 dorthin nach. Im November 1632 fiel Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen. Seine Witwe ordnete die Überführung seines Leichnams nach Schweden an und begab sich selbst dorthin. Sie hatte ein gespanntes Verhältnis zum Reichsrat, der ihr jeden politischen Einfluss versagte. Reichskanzler Axel Oxenstierna führte an der Spitze einer Vormundschaftsregierung die Staatsgeschäfte. Zu den bedrückenden Kindheitserlebnissen Christinas gehörten ihre Besuche in den dunklen Gemächern ihrer sehr um Gustav Adolf trauernden Mutter. 1636 wurde Maria Eleonora von Christina getrennt. Sie floh 1640 nach Dänemark und lebte danach im Reich ihres Neffen, des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. 1648 kehrte sie nach Schweden zurück, wo inzwischen Christina die Regierung übernommen hatte, zu der sie nun ein besseres Verhältnis hatte.
Leben Prinzessin von Brandenburg; Heiratsverhandlungen Maria Eleonora war eine Tochter des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg (1572–1619) aus dessen Ehe mit Anna (1576–1625), Tochter des Herzogs Albrecht Friedrich von Preußen. Die Prinzessin wurde von ihrer Mutter im lutherischen Glauben erzogen, obwohl ihr Vater das reformierte Glaubensbekenntnis angenommen hatte.
Bei einem Besuch des deutsch-schwedischen Diplomaten Hieronymus von Birckholtz bei Maria Eleonores Vater im Sommer 1615 in Küstrin kam erstmals die Idee einer Verheiratung der Prinzessin mit König Gustav II. Adolf von Schweden (1594–1632) auf, der gerade seine Liaison mit Ebba Brahe beendet hatte. Johann Sigismund stand dem Eheprojekt zwar positiv gegenüber, war aber als brandenburgischer Kurfürst dem Kaiser Matthias verpflichtet und brauchte außerdem für die in Bälde erwartbare formelle Übernahme der Regierung im Herzogtum Preußen nach dem Tod seines Schwiegervaters Albrecht Friedrich († 27. August 1618) die Zustimmung des polnischen Königs Sigismund III. Wasa als seinem Lehnsherrn. Letzterer war aber mit dem schwedischen König tief verfeindet, und Kurfürst Johann Sigismund forderte vor einer Heirat Maria Eleonores mit Gustav Adolf einen Friedensschluss zwischen Schweden und Polen. Überdies hegte die einflussreiche Kurfürstin Anna eine starke Abneigung gegen das Eheprojekt.Åke Kromnow: Maria Eleonora. In: Svenskt biografiskt lexikon. Band 25 (1985–87), S. 151 ff.Günter Barudio: Gustav Adolf der Große. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-596-14197-4, S. 212 f.
In der Folge kam es zu langwierigen Heiratsverhandlungen. Kurfürstin Anna hintertrieb mit allen Mitteln den Plan zur Vermählung ihrer Tochter mit Gustav Adolf. Auch Interventionen der Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel und Friedrich V. von der Pfalz nützten wenig.Günter Barudio: Gustav Adolf der Große. 1998, S. 213. Im katholischen Lager wiederum wurde eine Annäherung Brandenburgs und Schwedens gefürchtet, weshalb der polnische König Sigismund III. für seinen Sohn Władysław um die Hand Maria Eleonoras bat. Zu anderen Freiern der Prinzessin gehörte u. a. der spätere englische König Karl I.Karin Tegenborg Falkdalen: Maria Eleonora. In: Svenskt kvinnobiografiskt lexikon. Im April 1620 machte sich Gustav Adolf in Begleitung seines Schwagers, des Pfalzgrafen Johann Kasimir, auf den Weg nach Berlin, um seine Brautwerbung persönlich voranzutreiben. Der schwedische Adlige Johan Hand schloss sich dem König an und verfasste ein Tagebuch über dessen Reise nach Deutschland, das hierfür eine wichtige Quelle darstellt. Gustav Adolf vermochte in Berlin, wohin er inkognito reiste, die von ihm ausersehene Braut und deren Schwestern kennenzulernen, aber nach wie vor nicht die Zustimmung von deren Mutter für seine Heirat mit Maria Eleonora zu erhalten. Auch der Bruder der Prinzessin, der neue Kurfürst Georg Wilhelm, war strikt gegen das Eheprojekt, während sich Maria Eleonora und ihre Schwestern dafür aussprachen. Nach Hands Bericht habe es Gustav Adolf immerhin geschafft, Zutritt zu Maria Eleonoras Kammer zu erhalten und sie zu küssen.Günter Barudio: Gustav Adolf der Große. 1998, S. 213–217.
Als der schwedische König nach der Fortsetzung seiner Reise in andere Teile Deutschlands im Juni 1620 nach Berlin zurückkehrte, hatte Kurfürstin Anna ihre Meinung bezüglich der Verheiratung ihrer Tochter aus unbekannten Gründen völlig geändert. Sie behauptete, von der mittlerweile entstandenen gegenseitigen Zuneigung Maria Eleonoras und Gustav Adolfs beeindruckt worden zu sein. Georg Wilhelm missfiel der Sinneswandel seiner Mutter sehr. Nach seiner Rückkehr nach Skandinavien sandte der schwedische Monarch den Reichskanzler Axel Oxenstierna an der Spitze einer Gesandtschaft mit acht Schiffen nach Deutschland, um den Ehekontrakt endgültig abzuschließen.Carl Friedrich Becker: Weltgeschichte: Achte neu bearbeitete, bis auf die Gegenwart fortgeführte Ausgabe. Duncker und Humblot, 1862, S. 347. Wegen der Skepsis Georg Wilhelms gegenüber diesem Eheprojekt erklärte sich Gustav Adolf bereit, auf eigene Kosten 8000 Soldaten zur Unterstützung des jungen Kurfürsten zu schicken, falls dieser wegen der schwedischen Heirat seiner Schwester in Preußen Probleme mit König Sigismund III. bekäme.Günter Barudio: Gustav Adolf der Große. 1998, S. 220. Kurfürstin Anna schickte Maria Eleonora zur Sicherheit nach Braunschweig und schloss den Ehevertrag für ihre Tochter mit Oxenstierna ab. Da der Kurfürst weder die Mitgift noch die Reisekosten seiner Schwester zahlte, nahm Anna Wertgegenstände aus dem kurfürstlichen Schatz als Pfand mit und reiste mit Maria Eleonora und deren Schwester Katharina an Bord der schwedischen Flotte nach Kalmar. Die Frauen trafen in dieser Stadt am 7. Oktober 1620 ein und wurden hier von Gustav Adolf erwartet.
Heirat mit König Gustav Adolf; Krönung Am 25. November 1620 heiratete die als körperlich äußerst attraktive Frau beschriebene Maria Eleonora im Königsschloss von Stockholm König Gustav II. Adolf im Rahmen einer prunkvollen, vom Erzbischof von Uppsala, Petrus Kenicius, geleiteten Zeremonie. Der Reichskanzler Axel Oxenstierna erinnerte das frischvermählte Königspaar in einer ausgefeilten Rede an seine Pflicht, Leibeserben zu bekommen. Drei Tage nach ihrer Hochzeit wurde Maria Eleonora am 28. November 1620 durch Erzbischof Kenicius in Gegenwart zahlreicher Adliger und kirchlicher Würdenträger zur schwedischen Königin gesalbt und gekrönt. Ihr wurden nur vier Regalien – Krone, Szepter, Apfel und Schüssel – überreicht, nicht aber das Schwert als Insigne der Exekutive, denn dem König allein blieb die Ausübung der Regierungsgewalt vorbehalten. Bei den anschließenden Hochzeitsfeierlichkeiten wurden üppige Bankette abgehalten und Komödien aufgeführt.Günter Barudio: Gustav Adolf der Große. 1998, S. 222 ff.
Der schwedische König überschrieb seiner Gemahlin als Morgengabe u. a. Schloss und Stadt Linköping. Für diese Schenkung erhielt er auch die Einwilligung seiner Mutter Christine, seines Bruders Carl Flip und des Reichsrats. Außerdem übertrug er Maria Eleonora viele Kirchspiele samt deren Einnahmen. Die Königin bekam auch das Recht der selbständigen Administration ihres Besitzes und musste im Kriegsfall geringere Steuerleistungen als sonst üblich erbringen. Aus der Rentkammer konnte sie ferner jährlich 4000 schwedische Taler als persönliches Handgeld beziehen. Allerdings hatte sie nicht die nötigen ökonomischen und rechtlichen Kenntnisse zur effizienten Verwaltung ihres Leibgedinges erlernt.Günter Barudio: Gustav Adolf der Große. 1998, S. 221 f.
Königin von Schweden mini|Königin Maria Eleonora ca. 1630 Der schwedische König war im Rahmen des Dreißigjährigen Kriegs oft auf Feldzügen unterwegs, was Maria Eleonora, die ihren Gatten aufrichtig liebte, wegen der bei seinen Kriegseinsätzen drohenden Lebensgefahr sehr bekümmerte und in Angst versetzte. Dies geht aus zeitgenössischer Korrespondenz hervor. Während seiner Abwesenheiten war sie häufig depressiv und fühlte sich erst bei seiner Heimkehr wieder besser. Im Juli 1621 erlitt sie bei ihrer ersten Schwangerschaft eine Fehlgeburt. Als sich Gustav Adolf damals zum Kriegsschauplatz nach Livland einschiffte, um zu Beginn des Polnisch-Schwedischen Kriegs die Stadt Riga zu belagern, wandte sich Maria Eleonora an die Pfalzgräfin Katharina, dass diese auf ihren königlichen Bruder einwirken möge, sich nicht in Gefahr zu begeben. Das Verhältnis zwischen den beiden Fürstinnen war herzlich, doch der König ließ sich nicht von der Teilnahme an Feldzügen abhalten. Wenn Gustav Adolf verwundet wurde oder sich seine Rückkehr verzögerte, wurde versucht, Maria Eleonora mit Halbwahrheiten zu beruhigen.Günter Barudio: Gustav Adolf der Große. 1998, S. 225.
Die Königin war zum zweiten Mal schwanger, als sich ihr Gemahl wegen bedrohlicher Kriegsvorbereitungen des polnischen Königs Sigismund III. gegen Schweden im Frühjahr 1623 für einen neuen persönlichen Kampfeinsatz bereitmachte. Den Kanzler Axel Oxenstierna wies er an, der Königin seinen Aufbruch zum Krieg nicht eilig mitzuteilen, da sie hierdurch in Schrecken versetzt werden könnte, sondern es ihr schonender beizubringen.Günter Barudio: Gustav Adolf der Große. 1998, S. 267. In Abwesenheit des Königs gebar Maria Eleonora im Oktober 1623 ihre zweite Tochter, Christina, die aber nicht einmal ein Jahr alt wurde. Laut ihrer in Berlin lebenden Schwägerin grämte sich die Königin extrem über den erneuten Tod ihres Nachwuchses. Im Mai 1625 segelte Maria Eleonora, die zu diesem Zeitpunkt mit ihrem dritten Kind hochschwanger war, gemeinsam mit ihrem Gatten zur im Zentrum Stockholms gelegenen Insel Skeppsholmen, um die Flotte zu inspizieren. Ein plötzlich ausgebrochener Sturm schüttelte das königliche Schiff heftig durch, woraufhin die Königin eilig ins Schloss zurückgebracht wurde, aber kurz darauf einen toten Sohn zur Welt brachte.Gunnar Wetterberg; Kanslern: Axel Oxenstierna i sin tid. Teil 2, 2002, ISBN 978-91-7486-603-2. Im gleichen Jahr durfte sie zu ihrem Gatten nach Livland reisen, war aber auch dort oft allein und beklagte sich in Reval über ihre unerquickliche Lage.
Im Dezember 1626 brachte die unter großem Erwartungsdruck zur Geburt eines Thronerben stehende Maria Eleonore in der königlichen Burg Tre Kronor in Stockholm ihr einziges das Erwachsenenalter erreichende Kind, die spätere Königin Christina, zur Welt. Bei ihrer Geburt sei ihr ganzer Körper behaart gewesen und sie habe eine raue kräftige Stimme gehabt, sodass sie zuerst von den Hebammen für einen Knaben gehalten worden sei, schrieb Christina später in ihrer Autobiographie. Nach der Entdeckung ihres wahren Geschlechts sei ihr Vater aber nicht enttäuscht gewesen, dass sie kein Bub war. Maria Eleonora soll hingegen schwer darunter gelitten haben, dass sie keinen Sohn geboren hatte. Ihr Verhältnis zu ihrer Tochter blieb kühl, und ihr wurde jeglicher Einfluss auf die Erziehung Christinas verwehrt.Verena von der Heyden-Rynsch: Christina von Schweden. Die rätselhafte Monarchin. Piper Verlag, München 2002, ISBN 3-492-23383-X, S. 27.Günter Barudio: Gustav Adolf der Große. 1998, S. 326.