mini|300px|Wülfershausen an der Saale von Süden mini|Wülfershausen an der Saale von Westen mini|Saalebrücke in Wülfershausen
Wülfershausen an der Saale (amtlich: Wülfershausen a.d.Saale) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Saal an der Saale.
Geografie Die Gemeinde liegt in der Region Main-Rhön im Zentrum des Grabfelds, an der Fränkischen Saale.
Gemeindegliederung Es gibt fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Eichenhausen (Kirchdorf) mit St. Anna (Eichenhausen) Findelmühle (Einöde) Schloßmühle (Einöde) Taubachsmühle (Einöde) Wülfershausen an der Saale (Kirchdorf)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Eichenhausen und Wülfershausen an der Saale. Die Gemarkung Wülfershausen hat eine Fläche von 13,464 km². Sie ist in 3285 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4098,73 m² haben.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Im Jahr 800 erfolgte die erstmalige urkundliche Erwähnung in einer Schenkungsurkunde der frommen Amalbirge, Tochter des Adelheres, die im Jahre 32 der Regierung Karls (800 n. Chr.) in „Munrichstat“ ihre ganze Habe, darunter auch die in „Villa Wulfrichshus“ im Gau Grabfeld dem Salvatordom in Würzburg vermachte.
Weitere urkundliche Nachrichten enthalten die Fuldaer Traditionen, wonach im Jahre 801 derselbige Adelheres dem Kloster Fulda seine sämtlichen Besitzungen in Wulferichshus testamentlich vermachte.
Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag der Ort im Herzogtum Franken.
1018 schenkte Bischof Heinrich I. von Würzburg den Zehnt vom Wülfershausen dem von ihm gegründeten Benediktinerkloster St. Stephan in Würzburg. 1136 erwarb dieses Kloster in Wülfershausen ein eigenes Hofgut, das sich im Laufe der Jahrhunderte durch Schenkung und Ankauf zum größten Bauerngut des Dorfes entwickelte.
Am 4. Januar 1258 vermachte Fürstbischof Iringus von Rheinstein das ganze Dorf Wülfershausen dem Kloster St. Stephan in Würzburg. Von da an war in den folgenden Jahrhunderten Wülfershausen dem Kloster „zehnt- und gültpflichtig“.
Aus dem Incorporationsbrief der Pfarrei Wülfershausen an das St.-Stephans-Kloster zu Würzburg ist zu entnehmen, dass Benediktinerpatres die Seelsorge dort und in vier benachbarten Filialdörfern bis zur Säkularisation im Jahre 1804 übernahmen. Die Benediktiner prägten in den folgenden Jahrhunderten baulich und gesellschaftlich das Ortsbild und die Menschen Wülfershausens. Neben ihrer baulichen Aktivität pflegten sie auch den Weinbau in Wülfershausen, der bis zum Jahre 1840 regen Zuspruch fand.
Um 1500 erhielt Wülfershausen das Privileg, im Jahre drei Märkte (Kehlmärkte) innerhalb seiner Mauern abzuhalten. Am Rathaus gab die aufgesteckte Marktfahne jeweils die Marktdauer bekannt.
Mit dem Marktrecht war zugleich das Befestigungsrecht verbunden. Das Dorf war in alter Zeit südlich und westlich durch die Saale und nördlich und östlich durch einen Wall und eine Mauer von außen gegen Feinde geschützt. Im Bereich von Kirche und Pfarrhaus gab es als eigene Befestigung eine Kirchenburg mit den sogenannten Gaden. Die letzten Gaden wurden beim Kirchenbau 1962/63 ein Opfer der Spitzhacke.
Bezeugt ist im Gemeindearchiv, dass Wülfershausen einst neben einer bedeutenden Bewehrung drei Tortürme bzw. Torhäuser besaß: das Obertor, das Untertor und das Angertor. Das Untertor wurde bereits 1790, das Obertor 1832 und 1837 das Angertor geschleift. Noch heute benennen sich Ortsbereiche nach diesen Tornamen.
Im Jahre 1607 hatten katastrophale Brände insgesamt 97 Wohnungen und Scheunen, im Jahre 1692 113 Gebäude in Schutt und Asche gelegt.
1804 wurde Wülfershausen, das bisher zum Landgericht Neustadt an der Saale gehörte, dem Landgericht und Rentamt Königshofen zugewiesen.
Im Jahre 1829 stiftete Anna-Maria Rösch ein Frühmessbenefizium.
1840 wurde der einstmals stark verbreitete Weinbau (Einlagerung von 82 Hektolitern im Zehntkeller unter dem Pfarrhaus im Jahre 1683) in Wülfershausen eingestellt. Heute noch erinnern das Gemeindewappen und die St.-Urban-Prozession – der Heilige Urban ist Patron der Weinberge – am 25. Mai alljährlich daran.
Das Amt des Hochstiftes Würzburg gehörte ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis. Es wurde nach der Säkularisation 1803 zugunsten Bayerns 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums überlassen und fiel mit diesem 1814 endgültig an Bayern. Im Jahr 1818 entstand die politische Gemeinde.
Der versunkene Ort Veitschwingen Benefiziat Georg Schwinger erwähnte in seiner Dorfchronik von 1898 den Ort Veitschwingen (oder Veitswinden), der nordwestlich des Weißen Turms gelegen haben sollVeitschwingen in BayernAtlas. Nach der in Wülfershausen mündlich überlieferten Sage besuchte ein Mädchen (an anderer Stelle vier Personen) den Kirchweihtanz in Wülfershausen und fand bei seiner Rückkehr den Ort nicht mehr, er war versunken. Als Beleg führte der Benefiziat an, dass Wülfershausen früher zwei Schöffen gestellt hatte (was auch durch die zwei Klöstern zugehörigen Dorfhälften erklärt werden kann). Weiter soll lange Zeit eine aus Veitschwingen stammende Glocke die Viertelstunden geschlagen haben.Geschichte der Pfarrei Wülfershausen an der Saale mit ihrer Filiale, Benefiziat Georg Schwinger, 1898.
Der Wahrheitsgehalt der Überlieferung lässt sich nicht prüfen. Allerdings sind in der Mainfränkischen Studie Nr. 1 die wüst gefallenen Orte Brunigsdorf, Haelßhausen (auch Holzhausen) und Veitswinden auf der Gemarkung Wülfershausen genannt.Reinhold E. Lob: Die Wüstungen der bayerischen Rhön und des nordwestlichen Grabfeldes. (= Mainfränkische Studien. 1). Würzburg 1971. Veitschwingen wird mehrfach erwähnt, es war offensichtlich schon in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wüst gefallen. Benefiziat Schwinger zitiert das Standbuch 358, nach dem die Wüstung Veitswinden 1515 von Abt Kilian aus Bildhausen an Wargolshäuser Bauern vererbt wurde.Reinhold E. Lob: Die Wüstungen der bayerischen Rhön und des nordwestlichen Grabfeldes. (= Mainfränkische Studien. 1). Würzburg 1971.
Jüdisches Leben mini|Erinnerungstafel Synagoge Mindestens seit dem 19. Jahrhundert waren im Gemeindeteil Eichenhausen jüdische Familien ansässig, die sich in der Ortsstraße 37 ihre Synagoge errichteten. Diese wurde beim Novemberpogrom 1938 durch SA-Männer zerstört, woran eine Erinnerungstafel am Kriegerdenkmal erinnert.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 198 f.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 die Gemeinde Eichenhausen eingemeindet.
Einwohnerentwicklung
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stagnierte die Einwohnerzahl, konkret fiel sie von 1456 auf 1453 um 3 Einwohner bzw. um 0,2 %. 1997 hatte die Gemeinde 1518 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik Gemeinderat Bei der Gemeinderatswahl 2026 entfielen 6 Sitze auf Kandidaten von der Liste der CSU und der Freien Wähler, 6 Sitze auf Kandidaten, die händisch auf den Stimmzetteln eingetragen wurden. 2020 entfielen 5 Sitze auf die CSU und 7 Sitze auf die Freien Wähler Wülfershausen-Eichenhausen.
Bürgermeister Von 2002 bis 2018 bekleidete Peter Schön das Amt des Ersten Bürgermeisters. 2017 trat Schön nach einem Zerwürfnis mit dem Gemeinderat im Zusammenhang mit der Ansiedlung eines Dekoartikel-Großhändlers zurück. Bei der Wahl 2018 konnte sich dann Wolfgang Seifert (CSU) mit über 60 % der Stimmen gegen seinen Mitbewerber Heiko Sterzinger von den Freien Wählern durchsetzen. Bei der Bürgermeisterwahl 2020 wurde Seifert knapp in seinem Amt bestätigt; er kam auf 53,5 % der Stimmen, sein Gegenkandidat Bernhard Kießner (Freie Wähler) auf 46,5 %.
Bei den Kommunalwahlen am 8. März 2026 trat Seifert ohne einen Gegenkandidaten an, erhielt aber dennoch nur 51,2 % der abgegebenen Stimmen. Während der Auszählung der Briefwahlstimmen wurden Unregelmäßigkeiten auf mehreren Gemeinderatsstimmzetteln festgestellt. Im Zuge der sich anschließenden Ermittlungen wegen des Verdachts der Wahlfälschung räumte Seifert ein, Briefwahlunterlagen geöffnet und jeweils mehrere Stimmzettel zur Gemeinderatswahl, der Wahl zum Ersten Bürgermeister und der Kreistagswahl verfälscht zu haben. Danach habe er die Wahlumschläge wieder verschlossen oder durch Ersatzumschläge ausgetauscht. Als Motiv für die Manipulation gab Seifert laut Staatsanwaltschaft an, er habe seine Frau unterstützen wollen, die für den Gemeinderat kandidierte, sich außerdem aber auch selbst zusätzliche Stimmen verschaffen wollen. Seifert trat daraufhin von seinem Amt zurück. Für die Gemeinde- und Kreistagswahl wurde eine Nachwahl angeordnet, für die Bürgermeisterwahl eine Neuwahl (mit neuer Aufstellung von Wahlvorschlägen). Zur neuen Bürgermeisterin wählte die Gemeinde am 5. Juli 2026 mit 87,0 % der gültigen Stimmen Ruth Markert (Freie Wählergemeinschaft).
Wappen
Bau- und Bodendenkmäler
mini|Anzeige aus der Rhön- und Saalepost St.-Stephanus-Kapelle Nahe der Bundesstraße 279 liegt auf einer leichten Anhöhe vom Friedhof umgeben die romanisch/spätgotische Friedhofskapelle St. Stephan, im Volksmund „Stöffskirch“ genannt. Der alte Friedhof lag vor 1607 um die allererste Pfarrkirche St. Vitus und innerhalb der schützenden Kirchenburg im Dorf. Da dieser Begräbnisplatz durch die wachsende Bevölkerung zu eng geworden war, wurde im Jahre 1507 vom alten Klosterhofbesitz Ackerland für den neuen Friedhof abgetreten.
Auf diesem Grundstück stand schon damals ein kleines Stephanuskapellchen, wohl aus dem 13. Jahrhundert.
1507 wurde das Kapellchen durch ein Langhaus (Erbauer unbekannt) vergrößert. Es ist anzunehmen, dass das Kloster die Kapellenerweiterung durchführte, zumal das Bauwerk auf dem Stephanshofgut steht, dessen Eigentümer das Kloster war. Das Hofgut wurde später verkauft mit der Auflage, dass der neue Eigner täglich das Gebetsläuten („Angelusläuten“) besorgen musste.
Die von einem „Guttäter“ gestifteten Kreuzwegstationen innerhalb der zwei Meter hohen Mauer des Friedhofs wurden 1863 aufgestellt und eingeweiht. Sie dokumentieren das handwerkliche Kunstverständnis eines genialen, aber unbekannten Steinmetzmeisters.
Die Lourdesgrotte an der östlichen Kapellenwand, ebenfalls eine Stiftung, stammt aus dem Jahre 1896 und ist auch noch heute sehr oft Zufluchtsort.
In dem Gemeindeteil Anger nahe der St.-Stephanus-Kapelle sind zwar keine Gebäude aus dem 13. Jahrhundert erhalten, aber manches Haus hat zwei- bis dreihundert Jahre überstanden. Einzelne Fachwerkhäuser zeigen mit reich geschnitzten Balken, Eckpfosten, Holzzahnschnittverzierungen und mit der Margerite als Mittelpunkt der geschwungenen Andreaskreuze handwerkliches Können und Wohlhabenheit seiner damaligen Eigentümer.
Rathaus und Schlundhaus mini|links|hochkant|Ehemaliges Rathaus mini|Inschrift mit Wappen des Fürstbischofs (Julius Echter von Mespelbrunn) von 1584
Auf dem Weg zur Kirche liegt nördlich das alte hohe Rathaus mit dem rundbogigen Konsoleneingang. Es zeugt von dem damals wahrgenommenen Recht auf eigene Verwaltung und niedere Gerichtsbarkeit und zeigt auf seiner Südseite das fürstbischöfliche Wappen mit der Jahreszahl 1584.
Daneben erhebt sich seit 1613 das ehemalige Gemeindeschlundhaus, die spätere Gaststätte Ziegler. Es war eines von drei Gemeindewirtschaften der damaligen Zeit.
Pfarrhaus und Zehntscheune Nordöstlich davon liegt der Pfarrhof mit der mächtigen Zehntscheuer und dem langgestreckten Pfarrhaus mit seinem figuren- und wappengeschmückten Renaissanceeingang. Erbaut wurde es im Jahre 1608 von Pater Kilian Gullmann, dem damaligen Ortspfarrer als Wohnung für mehrere Patres und Fratres zur Betreuung der angrenzenden Kirchengemeinden, nachdem er im Jahr zuvor, 1607, eine neue Kirche hatte bauen lassen. Die nahegelegene Zehntscheuer, Herrenbau genannt, wurde im gleichen Jahr errichtet. Sie war Sammelort für die Zehnten, Gülden und Reichnisse in Wülfershausen und weiteren sechs Ortschaften der näheren Umgebung.