Eckendorf ist ein Ortsbezirk der verbandsfreien Gemeinde Grafschaft im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler. Der Ortsbezirk Eckendorf hat zurzeit 395 Einwohner.Einwohner-Bestandsstatistik Gemeinde Grafschaft, Stand: 30. Oktober 2013. Bis zur Eingliederung in die am 16. März 1974 neu gebildete Gemeinde Grafschaft war Eckendorf eine eigenständige Gemeinde.

Geographie Die Ortschaft liegt im Norden der Gemeinde. Auf der Gemarkungsgrenze zu den Nachbarorten Adendorf und Fritzdorf verläuft die Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Geographisch gehört das Gebiet um Eckendorf zur Voreifel, naturräumlich zur Swistbucht. Bis hierhin reichen die Ausläufer der Niederrheinischen Bucht. Zehn Kilometer östlich fließt der Rhein vorbei, westlich beginnen nach vier Kilometern die ersten Anhöhen der Eifel. Der westliche Teil der Gemarkung ist flach bzw. leicht zur Swist hin geneigt. Östlich der Swist steigt das Gelände von 195 Meter NN am Ortsrand bis zu 260 Meter auf der Anhöhe. Die Größe der Gemarkung beträgt 374 Hektar. Die Ertragsmesszahlen der Ackerböden liegen zwischen 55 und 65. Entwässert wird die Gemarkung durch die bei Kalenborn entspringende Swist und durch den von Gelsdorf kommenden Essigbach, der westlich von Adendorf in die Swist mündet.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Als älteste Siedlungsspuren befinden sich im südöstlichen Teil der Gemarkung zwei kreisrunde Siedlungsplätze (Durchmesser 90 und 120 Meter) aus der Jungsteinzeit bis frühe Bronzezeit (6000–2000 vor Christus). Angrenzend sind auf Luftbildern zeittypische Kammerfluren zu erkennen.

Zur Römerzeit waren die fruchtbaren Lößböden der Grafschaft mit einem Netz von Einzelhöfen überzogen. Der älteste Nachweis ist bisher ein bei Beller gefundener Grabstein aus der Zeit um 50 nach Christus. Auch auf dem langgestreckten Südhang östlich von Eckendorf gab es mehrere Siedlungsplätze.

Mittelalter Um 450 nach Christus brach die römische Herrschaft am Rhein zusammen. Die nun vermehrt ins Land einströmenden Franken errichteten zahlreiche neue Siedlungen. In aller Regel nutzen sie nicht die römischen Gebäude, sondern bauten ihre Holzhäuser bevorzugt in der Nähe von Gewässern. So geschah es auch am westlichen Rand der Swist. Die neue Ansiedlung wird am 2. Dezember 770 erstmals als Eccandorph genannt. Der Name leitet sich von dem männlichen Vornamen Ecco ab (das Dorf, in dem Ecco wohnt).

In den folgenden Jahrhunderten wird der Ort nur in Urkunden von auswärtigen Besitzern genannt. Der im Jahre 770 dem Kloster Lorsch geschenkte Besitz wurde im Jahre 830/831 dem Bonner Cassiusstift überlassen. Im Jahre 893 besaß hier außerdem die Abtei Prüm vier Joch Land, 1099 gehörte der Abtei Brauweiler ein Morgen Land. Ein Heidolf von Godesberg schenkte dem 1126 gegründeten Kloster Rolandswerth 15 Morgen Ackerland, deren Besitz 1143 bestätigt wurde.

Im Jahre 1281 gründete der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg angeblich in Eckendorf eine Johanneskapelle. Zu welcher Pfarrei der Ort damals gehörte, ist unbekannt. Erste Merkmale einer eigenständigen Pfarrei finden sich durch die Nennung eines eigenen Geistlichen (1314) und eines Friedhofs (1365).

1446 ist die Kirche abhängig vom Bonner Cassiusstift. Das Stift zog in Eckendorf den Zehnten ein, trug einen Teil der Kirchenbaulast und besetzte die Pfarrstelle. Kirchenpatrone waren, nach Ausweis einer 1531 gegossenen Glocke, die Heiligen Cosmas und Damian. Sie waren es wohl schon 1469, denn damals wurde eine nach ihnen benannte Bruderschaft gegründet. Die Pfarrei zählte zusammen mit den anderen umliegenden Eigenkirchen des Cassiusstifts und den Pfarreien der Stadt Bonn zum Burdekanat.

Vor Entstehung der Territorialstaaten gehörte Eckendorf zum Einflussbereich der Grafen von Are-Nürburg und später zum abgetrennten Teil, der Grafschaft Neuenahr, die ihren Mittelpunkt in der um 1225 errichteten Burg hatte. Erstmals wird die Zugehörigkeit von Eckendorf zu dieser Grafschaft 1343 ausdrücklich erwähnt. Die Grafschaft selbst war ein kurpfälzisches Lehen, das 1344 dem Markgrafen von Jülich als Unterlehen übertragen wurde. Nach Erbstreitigkeiten in deren Verlauf die Burg Neuenahr 1371 oder 1372 zerstört wurde, beanspruchte der Erzbischof von Köln die Mitherrschaft über die Grafschaft für sich. Seither unterstand dieses Gebiet rund 200 Jahre zwei Herren, bis das Herzogtum Jülich 1546 das Lehen wieder ganz an sich zog.

Eckendorf wurde schon früh von zwei überörtlichen Straßen berührt. Eine führte von Muffendorf am Rhein in Richtung Westen. Sie wird im Jahre 973 genannt und war vielleicht schon in römischer Zeit vorhanden. Die zweite war die von Aachen nach Sinzig verlaufende als Krönungsstraße bekannte Aachen-Frankfurter Heerstraße, die im weiteren Verlauf nach Frankfurt am Main führte. Sie bestand bereits gegen Ende des 8. Jahrhunderts und lief um 1800 mitten durch das Dorf. An dieser Straße wird 1194 eine Zollstation erwähnt. Auf der Höhe, genannt Scheid, stand ein Wachturm und in der Nähe eine Pferdewechselstelle der Post. Im Jahre 1337 wurde zu Erfrischung der zahlreichen Pilger am Dorfrand eine Wasserleitung mit Schöpfbecken gebaut. Ein Siechenhaus für die Kranken bestand noch 1718. Den Bauern von Eckendorf bot die Straße einen regelmäßigen Nebenverdienst durch Vorspannleistungen auf der zweieinhalb Kilometer langen Steigung zwischen dem Dorf und der Anhöhe mit 70 Höhenmetern.

Auf dieser Anhöhe, die noch heute Auf dem Scheid genannt wird, stoßen die Gemarkungen von Eckendorf, Fritzdorf, Leimersdorf und Ringen zusammen. Hier befand sich das Hochgericht und der alte Versammlungsplatz dieses Herrschaftsgebietes (1404 zuerst genannt). Ein Galgen wird 1524 erwähnt. Vielleicht war hier schon in der Vorzeit eine Kultstätte, denn ganz in der Nähe wurde der bekannte Fritzdorfer Goldbecher aus der Zeit von 1600 vor Christus gefunden. Möglicherweise war er eine dem Boden übergebene Weihegabe.

In diesem Bezirk stand außerdem ein Einzelhof, genannt Grevelo oder Scheidshof. 1276 war er im Besitz des Grafen von Neuenahr als Lehen des Grafen von Jülich. Zwischen 1417 und 1449 ging er unter. Während heute diese Flur waldfrei ist, wuchs hier im Jahre 1484 ein 208 Morgen großer Wald. Nach einer 1756 aufgezeichneten mündlichen Überlieferung sollten die Scheidländereien in alter Zeit einem Kloster gehört haben. Der Platz, auf dem das Kloster gestanden habe, hieß damals Scheidshof. Schriftlich ist das Kloster jedoch nicht belegt. Südlich an dieses Gelände angrenzend lag bis in das 19. Jahrhundert ein Heidegebiet, die so genannte Greveler Heide, die vom Volk als Hexentanzplatz angesehen wurde.

Frühe Neuzeit mini|hochkant|Ein 400 Jahre altes Kreuz auf dem Kirchhof erinnert an eine Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela

Bis weit in die Neuzeit fehlen die Quellen über das Leben und das Schicksal der Dorfbevölkerung. Im 15. Jahrhundert wohnten hier 80 Einwohner über 14 Jahre, im Jahre 1600 hatte der Ort rund 24 Häuser. Grundlagen des Lebens waren Ackerbau und Viehzucht. Genauere Angaben über die landwirtschaftlichen Verhältnisse gibt es erst 1811 aus einem Bericht über die Bürgermeisterei Gelsdorf, zu der sechs Dörfer gehörten, darunter auch Eckendorf. Angebaut wurden damals vor allem Getreide, und zwar Roggen, Gerste, Hafer, aber auch der hochwertige Weizen, der in den angrenzenden Eifelregionen nicht gedieh, außerdem Klee, Raps, Erbsen, Wicken, wenig rote Rüben und Mohrrüben, viel Weißkohl und Wirsing, wenig Blumenkohl, Winterkohl und Kohlrabi, ferner Flachs zur Herstellung von Leinen. Die Kartoffel war erst in den Jahren vor 1770 als neue Frucht hinzugekommen, hatte sich aber schnell zum Hauptnahrungsmittel entwickelt. An Obstsorten pflanzte man Äpfel, Birnen und weniger Zwetschgen.

Handwerk und Gewerbe waren entsprechend den Bedürfnissen der bäuerlichen Bevölkerung nur gering ausgebildet. Zu den ältesten Dorfhandwerkern zählt der Schmied, 1484 bereits erwähnt. Eine Getreidemühle, die sogenannte roede Mühle lag 1498 an der Swist. Die heute auf dem Scheid, und zwar auf Fritzdorfer Gebiet stehende Windmühle ist eine Neugründung von 1842. Sie arbeitete nur rund 70 Jahre.

1659 erfolgte ein Wechsel der territorialen Zugehörigkeit des Dorfes. In einem Gebietsaustausch zwischen dem Herzog von Jülich und dem Freiherrn von der Leyen gelangte das Dorf an die Herrschaft Adendorf, bei der es bis zur Auflösung während der französischen Herrschaft 1798 verblieb.

Im 17. Jahrhundert erhielt das Dorf seine erste Schule. Das Schulgebäude stand bis zum 19. Jahrhundert auf dem Kirchhof. Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde der Ort zweimal, am 9. Januar 1690 und am 7. Juli 1691, durch französische Soldaten eingeäschert. Von dieser Katastrophe erholte sich das Dorf nur langsam. Erst 1713 bis 1714 wurde die Kirche, die beide Dorfbrände überstanden hatte, repariert. Dabei wurde auch eine Sakristei angebaut. 1710 erhielt der Friedhof um die Kirche eine Umfassungsmauer aus Bruchsteinen, die 1967 durch eine Betonmauer ersetzt wurde. Das 1722 abgebrannte Pfarrhaus wurde anschließend durch einen Neubau ersetzt, wobei man das Dach bereits mit Ziegeln deckte, wahrscheinlich zum ersten Mal bei einem Gebäude in diesem Ort, denn erst ab dieser Zeit begannen Dachziegel die Strohdächer abzulösen.

Im Oktober 1794 besetzten französische Revolutionstruppen die Dörfer dieser Gegend. Eine Epoche ging zu Ende. In den folgenden Jahren wurden die alten Herrschaftsstrukturen aufgelöst und 1798 das Gebiet ohne Rücksicht auf frühere territoriale Zugehörigkeiten neu gegliedert. Eckendorf kam zur Mairie Gelsdorf (Kanton Ahrweiler, Arrondissement Bonn, Departement Rhin-et-Moselle). 1802 wurde das Erzbistum Köln aufgelöst und Eckendorf dem neu eingerichteten Bistum Aachen zugeschlagen. 1803 wurden die Klöster und Stifte aufgelöst, darunter auch das für Eckendorf bedeutsame Bonner Cassiusstift. 1808 verlor die Pfarrei ihre Selbständigkeit und wurde Gelsdorf zugeteilt.

Unter preußischer Herrschaft Nach den Siegen der Verbündeten über Napoléon Bonaparte fiel 1815 das linke Rheingebiet an Preußen. Die in französischer Zeit geschaffene Verwaltungsstruktur wurde bei der Neuordnung 1816 zum Teil beibehalten. Die Gemeinde Eckendorf gehörte nun zur Bürgermeisterei Gelsdorf im Kreis Ahrweiler, Regierungsbezirk Koblenz. Bis 1846 blieb die französische Munizipalverfassung in Kraft. Erst dann erhielten die in einer Bürgermeisterei zusammengefassten Gemeinden einen eigenen Gemeinderat und eine größere Selbstständigkeit. Auf kirchlichem Sektor wurde 1821 das Bistum Aachen aufgehoben und Eckendorf dem Erzbistum Trier zugeteilt. 1840 erhielt der Ort wieder seine Selbstständigkeit als Pfarrei.

Der Geburtenüberschuss des 18. Jahrhunderts setzte sich im 19. Jahrhundert fort, doch die Einwohnerzahl nahm nicht zu. 1819 lebten in Eckendorf 350 Menschen. Bis 1851 hätte die Bevölkerung um 142 Köpfe ansteigen müssen, tatsächlich waren aber nur 335 Einwohner vorhanden. Da das Land nicht mehr alle Menschen ernähren konnte, waren junge Leute weggezogen. Nach Amerika wanderten in den 1860er Jahren nur wenige aus. Ihre Häuser wurden abgebrochen.

Um weiteres Land zu gewinnen, wurden ab 1837 79 Morgen Ödland, von denen 72 Morgen auf der Heide lagen, urbar gemacht. Nach 1847 wurde auch der Rest des oben genannte Scheidbusches, der jetzt nur noch 47 preußische Morgen umfasste, zur Gewinnung von Ackerland gerodet. Damit war in der Gemarkung kein Wald mehr vorhanden.