mini|hochkant=1.8|Traditionelles Territorium der Ahousaht auf Vancouver Island Die Ahousaht (Aussprache: A-house-sat)Pronunciation Guide to First Nations in British Columbia oder ʔaaḥuusʔatḥ / 7aaẖuus7atẖ („Volk von ʔaaḥuus/7aaẖuus (Ahous)“) sind eine indianische First Nation und lebten ursprünglich im Westen der Vancouver-Insel sowie deren vorgelagerten Inseln vor der Westküste Kanadas. Sie gehören ethnisch-kulturell zu der Stammesgruppe der Nuu-chah-nulth (Nuučaan̓ułʔatḥ) („Volk überall entlang der Berge und des Meeres“) und sind politisch Teil des Nuu-chah-nulth Tribal Council (NTC). Enge verwandte First Nations (bzw. Bands, eine in Kanada ebenfalls übliche Bezeichnung) sind zudem die Ditidaht und Pacheedaht sowie die Makah auf der Südseite der Juan-de-Fuca-Straße im Nordwesten von Washington, einem in den USA auf Bundesebene anerkannten Stamm.
Die heutige Ahousaht First Nation besteht aus Nachfahren mehrerer vormals selbstständiger unabhängiger Nuučaan‘uƚ-sprachiger Stämme oder Siedlungs- bzw. Hausgruppen: Ahousaht (ʔaaḥuusʔatḥ/7aaẖuus7atẖ – „Volk von ʔaaḥuus“), Manhousaht (Maanu̓ʔisʔatḥ/Maan'u7is7ath – „Volk vom Ort, gegenüber vom Meer gelegen“, im Nordwesten von Vargas Island sowie im Sydney Inlet und Shelter Inlet), Kelthsmaht/Kelsomaht (Kiltsm aʔatḥ/Qilhtsma?ath – „Volk von Kiltsm aʔa“, Ostküste von Vargas Island), Piniit-thlaht, Qwatswiaht/Quatsweaht/Qwaacwi-aht (Qʷaatsuwiiʔatḥ/Qwaatswii7ath – „Volk von Qʷats̓wii“), O-inmitisaht/Owinmitisaht (Huuʔinm itisʔatḥ/Uu7inmitis7ath – „Volk von Huuʔinm itis“) und Otsosaht (ʔuutsuʔisʔatḥ; Millar Channel, Herbert Inlet sowie ursprüngliche Bewohner von Flores Island).
Sprache Ihre Sprache, das Nuu-chah-nulth oder Nuučaan’uƚ bzw. Nuučaan̓uɫ gehört zur Wakash-Sprachfamilie und dort zur südlichen Gruppe, den „Südlichen Wakashan-Sprachen“ bzw. „Nootka-Sprachen“. Die Ahousaht sprechen einen der 12 unterschiedlichen Dialekte, die auf Grund ihrer Unterschiedlichkeit von den Sprechern oft als separate Sprachen und nicht als separate Dialekte betrachtet werden; lt. First Peoples' Cultural Council (FPCC) Bericht 2018First Peoples' Cultural Council - First Peoples' Map of B.C. - Nuučaan̓uɫ Language. gab es 108 Sprecher, 497 Halbsprecher und 794 Lernende Sprecher, bei einer Gesamtpopulation aller Nuu-chah-nulth von 7.895. 2023 wurden nur noch 73 Sprecher, 114 Halbsprecher, 634 lernende Sprecher, bei einer Gesamtzahl von 8033 angegeben. Die Sprache ist auch als Nootka, Aht, Nuuchahnulth, Nuučaan̓uɫ, Nutka, West Coast, Quuquu'aca bzw. T̓aat̓aaqsapa bekannt.
In ihrer eigenen Schreibweise heißen sie ʔaaḥuusʔatḥ / 7aaẖuus7atẖ („Volk von ʔaaḥuus/7aaẖuus (Ahous)“); ihre Eigenbezeichnung nimmt Bezug auf die ursprüngliche Sommersiedlung namens ʔaaḥuus / 7aaẖuus im Südwesten von Vargas Island („ʔaaḥuus/7aaẖuus“ bezieht sich auf das offene Wasser, d. h. die Siedlung war ein geschützter Ort) ergänzt durch das Suffix atḥ/atẖ („Volk“).AHOUSAHT HAHOULTHEE Die Ahousaht geben heute die Bedeutung der Stammesbezeichnung als „Volk der offenen Bucht“ bzw. „Volk, das mit dem Rücken zu den Bergen und dem Land lebt“ wider, beides nimmt wiederum Bezug auf das offene Wasser bzw. auf den geschützten Charakter der Siedlung. Manchmal wird die Stammesbezeichnung kombiniert auch als „Volk, das mit dem Rücken zum Land und zu den Bergen an einem Strand am offenen Meer lebt“ wiedergegeben.
Heutige Reservate Im Clayoquot Sound (früher: Wickaninnish Sound, nach dem berühmtesten Häuptling der Tla-o-qui-aht) leben drei First Nations: Im Norden die Hesquiaht (Hiškʷiiʔatḥ / Hishkwii7ath) auf der Hesquiat Peninsula, in der Mitte auf Flores Island die Ahousaht (ʔaaḥuusʔatḥ / 7aaẖuus7atẖ) und im Süden die Tla-o-qui-aht (Tla7uukwi7ath) auf Meares Island (Wah-nah-juss/Won a chus genannt).
Heute (Stand: November 2023) sind laut Crown-Indigenous Relations and Northern Affairs Canada die Ahousaht mit 2.239 Stammesmitgliedern die größte nuučaan‘uƚ-sprachige und zugleich die bevölkerungsgrößte einzelne First Nation an der Westküste von Vancouver Island; 756 Ahousaht (sprich ca. ein Drittel) lebt innerhalb der insgesamt 25 Reservate mit zusammen 592 Hektar, 99 in anderen Reservaten, während die übrigen 1.383 Ahousaht außerhalb der Reservate in ländlichen und städtischen Gebieten leben, 100 leben nicht im eigenen, sondern in einem anderen Reservat.Indigenous and Northern Affairs Canada - First Nation Profiles - Registered Population - Ahousaht Alle Reservate gehören zum Alberni-Clayoquot Regional District und befinden sich auf Flores Island, Vargas Island sowie Vancouver Island, umfassen somit einen Großteil des Clayoquot Sound und besitzen keinen Straßenzugang, es gibt zwei Hauptsiedlungen auf Flores Island – Ahousaht (auch: Ahousat) sowie die größte Siedlung Marktosis (auch: Maaqtusiis – „Ein Ort auf der anderen Seite der Insel“), diese sind per Wasserflugzeug und Wassertaxi mit Tofino (N̓ačiqs genannt) verbunden.
Kutcous Point IR #33 (bei Kutcous Point am südöstlichen Ufer von Flores Island, 39,7 Hektar) Marktosis IR #15 (auf McNeil Peninsula mit der Hauptsiedlung „Marktosis/Maaqtusiis“ auf Flores Island, 116,7 Hektar) Tootoowiltena IR #28 (in einer kleinen Bucht am Westufer von Flores Island, 8,5 Hektar) Ahous IR #16 (auf Vargas Island, südlich von Ahous Bay, 13,8 Hektar) Bartlett Island IR #32 (Bartlett Island, 3 Meilen nordwestlich von Vargas Island, 69,6 Hektar) Vargas Island IR #31 (an der Südostspitze von Vargas Island, 11,0 Hektar) Yarksis IR #11 (am Ostufer von Vargas Island, 41,8 Hektar) Chetarpe IR #17 (auf Vancouver Island, am Ostufer des Russel Channel, 14,2 Hektar) Cloolthpich IR #12 (auf Vancouver Island, am Ostufer des Manus Channel, 23,9 Hektar) Hisnit Fishery IR #34 (auf Vancouver Island, am Ostufer des Hesquiat Harbour nahe Kanim Lake, 2,9 Hektar) Kishnacous IR #29 (auf Vancouver Island am Kopfende des Sydney Inlets, 13,7 Hektar) Moyehai IR #23 (auf Vancouver Island am Westufer der Moyeha Bay nahe der Mündung des Moyeha River, 5,3 Hektar) Oinimitis IR #14 (auf Vancouver Island am Ostufer des Bedwell Sounds, 10,1 Hektar) Openit IR #27 (auf Vancouver Island bei Sharp Point an der Westseite des Sydney Inlets, 31,1 Hektar) Peneetle IR #22 (auf Vancouver Island bei Whitepine Crove Herbert Island, 38,4 Hektar) Quortsowe IR #13 (auf Vancouver Island an der Mündung des Bulson Creek in die Warn Bay, 14,6 Hektar) Seektukis IR #24 (auf Vancouver Island am Ostufer des Millar Channel, 14,0 Hektar) Sutaquis IR #18 (auf Vancouver Island nördlich von Marfee Island, Epper Passage Provincial Park, 11,0 Hektar) Swan IR #35 (auf Vancouver Island am Westufer der Openit Peninsula, ca. 1,5 Meilen westlich von Hot Springs Cove (früher: Refuge Cove), 2,0 Hektar) Tequa IR #21 (auf Vancouver Island auf der Südseite der Bawden Bay, 2,4 Hektar) Wahous IR #19 (auf Vancouver Island an der Mündung des Cypre River in die Cypress Bay, 58,0 Hektar) Wahous IR #20 (auf Vancouver Island am Nordufer der Cypress Bay, 13,7 Hektar) Wappook IR #26 (auf Vancouver Island an der Mündung des Megin River am Nordufer des Shelter Inlet, 4,4 Hektar) Watta IR #25 (auf Vancouver Island, am Kopfende von Shelter Inlet, 4,8 Hektar)
Geschichte Als Teil der Nuu-chah-nulth teilen die Ahousaht die Geschichte dieser Ethnie und zählten zum Kulturareal der Nordwestküstenkultur. Nach ethnographischen Nachweisen waren sie Teil der maritimen Jagdkultur, die die Westküste Vancouver Islands schon früh prägte und praktizierten den Walfang – zusammen mit benachbarten Nationen der Mowachat, Tla-o-qui-aht, Ucluelet, Tseshaht sowie auch der Quileute und Quinault. Die Hauptnahrung dieser indigenen Nationen waren Wale, Fische (insbesondere Lachse), Robben und Wildpflanzen. Sie gehörten damit zu den spezialisierten, sesshaften und komplex organisierten Jägern und Sammlern. Als Teil der Nordwestküstenkultur bewohnten die Ahousaht große Plankenhäuser aus Zedernholz, die von Großfamilien (engl. extended families) einer Lineage (einlinige Abstammungslinie) unter der Führung eines Häuptlings bewohnt wurden – diese „Hausgruppen“ (engl. local groups genannt) wurden meist nach der Lokalität, einem Ahnen oder dem aktuellen Häuptling benannt. Mehrere Lineages bzw. „Hausgruppen“ einer gemeinsamen Abstammung bildeten einen Clan – mehrere dieser „Hausgruppen“ bildeten mittels Allianzen einen Stamm. Bemerkenswert war die materielle Kultur (Holzschnitzarbeiten, Bootsbau, Totempfahl, Plankenhäuser etc.). Die soziale Ordnung beruhte auf drei gesellschaftlichen Rängen: Aristokratie, Gewöhnliche und Sklaven. Letztere, die meist Kriegsgefangene waren, wurden oft bei Geschenkverteilungsfesten, dem so genannten Potlatch (Nuučaan̓uɫ-Wort: Paɬaˑč = „ein Geschenk [während eines Potlatchs] zu geben“ oder Nootka Jargon: Pa'chatle, Pa'chēētle, Pah-chilt – „hergeben“, „mir geben“), durch ihre Besitzer – Häuptlinge und Angehörige der Aristokratie – mit speziellen Keulen (sogenannten „Sklaventötern“) erschlagen. So demonstrierte die herrschende und zugleich besitzende Klasse die Bedeutung ihres Ranges. Der Potlatch diente nur einem einzigen Zweck, das Prestige zu erhöhen.
Ähnlich wie ihre Nachbarn werden sie zunächst vom Boom des Pelzhandels an der Pazifikküste (Biber- und Seeotterfelle) bis um 1825 (Ende des Seeotterfell-Handels wegen Überjagung) profitiert haben. Sie gehörten einem der beiden mächtigsten Stammes- und Handelsbündnisse der Region an; die Ahousaht und weitere Stämme rund um den Clayoquot Sound (früher: Wickaninnish Sound genannt) standen unter der Führung des berühmten Häuptlings Wickaninnish (Wikinaniš – „Er hat niemanden vor sich im Kanu“vermutlich ein Verweis darauf, dass er als Nachkomme einer langen Linie von Häuptlingen, der direkte Erbe seines Vaters als Häuptling war) der Tla-o-qui-aht (Tla7uukwi7ath) dessen Einflussbereich erst jenseits der Juan-de-Fuca-Straße bei den Makah unter der Führung des Häuptlings Tatoosh (Tutusi) endete. Die Stämme im Nootka Sound unter der Führung seines Rivalen Maquinna (Mukwina bzw. M'okwina – „Besitzer von Kieselsteinen“vermutlich ein Hinweis auf seinen Machtbereich über die Flussufer), des mächtigen Mowachaht-Häuptlings, hatten zusammen mit Kwakwaka'wakw an der Mündung des Nimpkish River ein Handelsimperium errichtet; in Yuquot konnten die Nootka-Sound-Stämme sogar ein eigenes Handelssystem entwickeln, das auf den Fellen von Seeottern und später Bibern basierte. Obwohl beide Häuptlinge sowohl verwandt als auch verschwägert waren, waren sie erbitterte Feinde und die Clayoquot-Sound-Stammeskonföderation war die einzige in dieser Region die – neben den Nootka-Sound-Stämmen – selbstständig am Pelzhandel teilnehmen konnte. Zu dieser Zeit lebten die Ahousaht noch an der Westküste von Vargas Island, und in der Calmus Passage sowie um die Cyprus Bay im Clayoquot Sound.sogar Maquinna hielt es für notwendig, seine Tochter Apānas mit dem ältesten Sohn von Wikinanish zu verloben und suchte 1789 nach der Tötung seines Bruders "Callicum / Kelekem" durch einen spanischen Seemann im Nootka Sound, kurzzeitig den Schutz von Wikinanish, der auch der Schwiegervater von Callicum war.
Krankheiten, Umsiedlung und Neuorganisation Ähnlich wie bei den Nachbarstämmen grassierten bis dato unbekannte Krankheiten, wie Pocken (ab 1824) und später Tuberkulose, die viele einst große mächtige Siedlungs- bzw. Hausgruppen dezimierten. Die meisten Opfer forderte die Pockenepidemie von 1862, die an der gesamten Pazifikküste Nordamerikas grassierte.
1824 siedelte der Großteil der „Ahousaht (ʔaaḥuusʔatḥ / 7aaẖuus7atẖ)“ vom Südwesten Vargas Islands nach Flores Island um, nachdem sie in einem 14-jährigen Krieg mit den „Otsosaht (ʔuutsuʔisʔatḥ)“ – den ursprünglichen Bewohnern dieser Insel – die Kontrolle hierüber gewonnen hatten. Dieser Krieg war laut Ahousaht-Überlieferung durch einen Überfall der „Otsosaht (ʔuutsuʔisʔatḥ)“ auf Vargas Island ausgelöst worden.
Als Ahousaht 1864 eine Händlerschaluppe angriffen und die Besatzung niedermachten, folgte eine Strafexpedition, in deren Verlauf 15 Männer starben.