Burns ist eine britische Gitarrenmarke, die seit 1959 unter verschiedenen Handelsmarken auf dem Markt vertreten ist.
Der Hersteller hatte seine Glanzzeit in den 1960er Jahren, als insbesondere die Instrumentalband The Shadows mit ihrem Frontmann Hank Marvin zahlreiche Hits in den Charts platzierte. In den Jahren ab 2000 erfuhr die Marke einen deutlichen Aufschwung, insbesondere durch die wiederbelebte Zusammenarbeit mit Hank Marvin und der Kooperation mit Brian May (Gitarrist der Band Queen).
Das Unternehmen wurde von Neugründung 1991 bis Juni 2020 von Barry Gibson geleitet. Das Unternehmen "Burns London Limited" wurde am 16. Juni 2020 an die britischen Musikinstrumentenhändler Lee und Peter Anderton aus Woking verkauft. mini|Barry Gibson, Inhaber der Firma Burns London Ltd. von 1991 bis 2020
Firmengeschichte Burns ist eine britische Gitarrenmarke mit Firmensitz in London. Das Unternehmen an sich wurde im Jahre 1959 von James „Jim“ Ormston Burns (* 1925 im County Durham; † 1998) gegründet.
Jim Burns war selbst begeisterter Musiker, schon in jungen Jahren erlernte er das Gitarrenspiel, jedoch erfüllten die damals erhältlichen Instrumente nicht seine Vorstellungen und Ansprüche einer Gitarre. Sein erlernter Beruf als Feinmechaniker und Metallbauer im Rahmen seines Militärdienstes bei der Royal Air Force (1943–1946) kam ihm daher sehr zugute. Burns entschied sich – entgegen seiner ursprünglichen Neigung für das Flugwesen – für den Dienst beim Bodenpersonal, da ihm seine Luftkrankheit und auch Flugangst eine Karriere als Pilot bei der RAF verwehrte.
1959 gründete Burns das Unternehmen Burns-Weill in London und begann mit der Produktion von Gitarren, die sich durch zum Teil sehr extravagantes bzw. gelegentlich sogar gewagtes Design von allen anderen auf dem Markt unterscheiden sollten. Diese Firmenphilosophie wird noch heute aufrechterhalten, das besondere Zertifikat jeder Burns-Gitarre ist das HANDCRAFTED (deutsch: hergestellt in Handarbeit), worauf bei jedem Instrument der Marke "Burns" Wert gelegt wird. Dies macht sich im Preis der Instrumente der Serie "Custom Elite" deutlich bemerkbar. Burns starb 1998.
mini|Markenzeichen jeder Burns ist das "HANDCRAFTED"
Die einzelnen Marken Burns-Weill 1959 bis 1960 Die erste Firma, in Zusammenarbeit mit Henry Weill entstanden, beschränkte sich auf die Herstellung eines einzigen Modells, der sogenannten Fenton Guitar, die der Guyatone Antoria sehr ähnlich sah. Henry Weill entwickelte hierbei das bis heute noch gebräuchliche Elektroniksystem der Burns-Gitarre. Jim Burns beschränkte sich auf die Herstellung der Holzteile. Die Fenton erlangte nur sehr geringe Stückzahlen, nachdem sie preislich mit der Antoria nicht einmal ansatzweise mithalten konnte.
Burns London Ltd 1960 bis 1965
Das Aufkommen der Skiffle-Musik in Großbritannien und die Erfolge des Rock ’n’ Roll erforderten eine massive Erweiterung von Sortiment und Produktarten. Nachdem Fender in Europa Fuß fassen konnte (Import der ersten Fender Stratocaster nach Europa durch Harry Webb, besser bekannt als Cliff Richard, im Jahre 1959 zum damaligen Preis von 140 Guineen oder 147 Pfund Sterling) war seitens der Firma Burns Handlungsbedarf gegeben. Man orientierte sich primär am Design der Stratocaster und entwickelte einige hervorragende Gitarrentypen, die in Sammlerkreisen Höchstpreise erzielen.
Die Modelle Artist, Vibra Artist, Vibra Artist De Luxe erinnern an die Stratocaster, jedoch weisen sie „verstümmelte“ Hörner und nur zwei Pickups auf. Hier gelangte das in einem separaten Kasten eingebaute Walzentremolo (MK84) erstmals zum Einsatz. Ferner kamen insgesamt sechs verschiedene Modelle der Bison-Reihe zum Verkauf (Black Bison, Bison Guitar und Bison Models 2 bis 5). Charakteristisch für die Bison-Reihe ist der nahezu symmetrische Korpus mit zwei langen Hörnern, die (bei seitlicher Betrachtung erkennbar) auch nach vorne reichen. Diesen 3D-Effekt bei der Bison erreichte Burns durch Aufleimen von zusätzlichen Hölzern auf die Hörner. Vorlage für die Bison war, wie der Name ahnen lässt, der Schattenriss eines Bisonschädels.
Um einen Gegenpart zur Gibson Les Paul zu schaffen, entwickelte Jim Burns die Sonic-Reihe, bestehend aus Sonic, Split Sonic, Vista-Sonic und NuSonic. Der Korpus dieser Gitarren erinnert an die Les Paul, um jedoch Verwechslungen mit der Les Paul auszuschließen, versah er die linke Korpusschulter mit einem kleinen Cutaway. Diese Gitarren wurden sämtlich mit Tremolo (MK84 Walzentremolo) ausgestattet.
Besonders für den amerikanischen Markt wurden die Jazz-Modelle produziert. Die Short Scale Jazz Guitar und die Jazz Split Sound Guitar erinnern von der Form her an eine Stratocaster. Die ShortScale wurde mit zwei Pickups (TriSonic), die Jazz SplitSound mit drei Pickups (Tri-Sonic Splits) ausgestattet. Bezeichnend für die beiden Jazzmodelle ist die stark verkürzte Mensur und das Kuriosum von 25 Bünden. Lediglich der hohe Preis der Jazzmodelle (Shortscale 78 Guineen – 82 Pfund Sterling, SplitSound 105 Guineen – 110 Pfund Sterling) verhinderte höhere Auflagen dieser beiden Gitarren. Die überschüssigen Gitarrenbodies wurden später für die Produktion der Shadows-Bassgitarre (zB. für John Rostill) aber auch für die DoubleSix verwendet.
Um mit Framus oder Gretsch mithalten zu können, kamen gegen 1963 auch Halbresonanzgitarren auf den Markt, hierunter zählen insbesondere die TR2, Vibraslim, GB65, GB66 und die GB66 De Luxe Virginian.
mini|Scrollhead des "Shadows Bass"
Nachdem in England seit 1959 Cliff Richard und die Shadows stetig in der Popularität stiegen, bewarb sich Jim Burns beim Management der Shadows, fortan für diese Formation die entsprechenden Instrumente herzustellen. Maßgeblicher Anteil an der Entstehungsgeschichte der Marvin fällt dem Jazz-Gitarristen Ike Isaacs zu, der die Gitarre vom ersten Prototypen an bis zum fertigen Serienmodell begleitete und entsprechende Korrekturen, Verbesserungen und Weiterentwicklungen mit Jack Golder, Norman Houlder und Les Andrews erarbeitete. Hank B. Marvin, der Leadgitarrist der Shadows, sollte ebenfalls bei der Entwicklung des mitwirken. Er forderte die perfekte elektrische Gitarre, an der alles für seine Bedürfnisse stimmen musste, von Ausführung bis hin zum Design, das er mit seiner Idee des Violinkopfes ergänzte. Die Kopfplatte der Marvin-Serie – für die Hank Marvin seinen Namen zur Verfügung stellte, was später für Ärger mit Fender sorgte – zierte fortan eine Schnecke wie bei Streichinstrumenten. In Fachkreisen wird die Kopfplatte daher Scrollhead genannt. Für die bei Fernsehauftritten bzw. Konzerten der Shadows verwendeten Modelle der Marvin und des Rostill-Basses ließ Jim Burns bei Eddie Cross eigene Schlagbretter (Pickguards) gravieren, bei denen das auf dem rechten Korpushorn angebrachte Firmenlogo im Vergleich zu den erhältlichen Modellen mehr als doppelt so groß war - und dementsprechend gut erkannt werden konnte.
Die Modellreihe der auf der Marvin basierenden Instrumente umfasste die Marvin an sich, die Marvin "S" (Luxusausführung der Marvin), die zwölfsaitige Double-Six (Marvin mit zwölf Saiten, ohne Tremolo mit TriSonic-Pickups) sowie der Shadows Bass für John Rostill, der auch die Bezeichnung Marvin trug.
Ampeg 1963 bis 1964 Für den amerikanischen Markt suchte man die Zusammenarbeit mit dem gleichnamigen Verstärkerhersteller Ampeg, um Burns-Gitarren auch in den USA vertreiben zu können. Hauptsächlich die Modelle ShortScale und SplitSound wurden hierfür ausgewählt, da ihnen in Europa kein sonderlicher Erfolg beschieden war. Die Verkaufszahlen blieben wider Erwarten sehr gering. Ampeg-Gitarren sind heute eine sehr gesuchte Rarität, insbesondere die Modelle mit Doppellogo aus der Anfangszeit der Zusammenarbeit (AMPEG mit darunter eingraviertem Schriftzug by BURNS LONDON). Es gelangten vier Gitarrenmodelle und eine Bassgitarrenausführung ins Sortiment. Die ursprünglichen englischen Bezeichnungen sind in Klammern dahintergesetzt: Wild Dog (Split Sonic), Wild Dog De Luxe (Jazz Split Sound), Thinline (TR2), Sonic Six (NuSonic) und als Bassgitarre Wild Dog Bass (Vista Sonic Bass).
Baldwin Burns Ltd 1965 bis 1970 mini|Baldwin VIBRASLIM Das Erstarken der „jungen Rebellen“ in der Rockmusik (The Beatles, The Rolling Stones, The Who und viele mehr) bedeutete für Burns massive Umsatzeinbrüche. Die Zeit der sogenannten Twang-Musik war vorbei, offene Zulieferrechnungen und hohe Herstellungskosten führten zum Zusammenbruch von Burns London Ltd. Für einen verhältnismäßig geringen Preis von unter 400.000 Pfund erwarb der amerikanische Tasteninstrumentenhersteller „Baldwin Piano Company“ das englische Unternehmen. Der Kaufpreis reichte gerade einmal zur Deckung der offenen Lieferantenrechnungen aus. Das ursprünglich recht ausgefallene Design der Gitarren – insbesondere der Hälse und der Kopfplatten – wurde in vereinfachte, oft auch „abgespeckte“ Versionen übergeführt. Diese Designänderungen führten nicht zur Erhöhung der Verkaufszahlen. Jim Burns durfte zwar in der neuen Firma als Entwickler und Berater weiterhin mitwirken, jedoch musste er sein Namensrecht an Baldwin abtreten. Anstelle von BURNS LONDON prangte nunmehr BALDWIN auf den Gitarren. Baldwingitarren, die noch aus "originalen" Bauteilen aus alten Lagerbeständen gebaut wurde, sind sehr gefragte Sammlerstücke.
Ormston Burns Ltd 1966 bis 1968 Wegen der vertraglichen Namensbindung (siehe oben) entwickelte Jim Burns unter seinem zweiten Namen Ormston diverse zum Teil sehr ausgefallene Modelle, die jedoch oftmals nicht über den Status eines Prototyps hinausgelangen sollten. Zumindest für kurze Zeit konnte er sich durch Vermarktung von Steelgitarren der Firma Denley unter dem Handelsnamen „Ormston Steel Guitars“ einigermaßen über Wasser halten und seine Projekte weiterhin finanzieren. mini|90px|Hayman 1010 mit Superflux Single CoilsModifiziert: Brass Nut, Five-Way-Switch (Out-of-Phase)
Hayman 1969 bis 1975 Hayman war eine Marke von Dallas-Arbiter unter der ab 1968 Schlagzeuge vertrieben wurden (benannt nach George Hayman – eigentlich Haymon, der einen „Vibra Sonic“ genannten Innenüberzug entwickelt hatte, der das Schlagzeug besonders laut machen sollte). Als 1969 Jim Burns in Zusammenarbeit mit Lieferanten (Jack Golder – Holzarbeiten und Nick Houlder – HalsstabDie Einstellung des Halsstabes ist unter der Seriennr. möglich, beide später Shergold) aus früheren Tagen und ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens Vox Amplification (Bob Pearson) weiterentwickelte Gitarrenmodelle aus der Burns-London-Ltd-Zeit bei Dallas-Arbiter vermarktete, wurden Marke und Logo übernommenIvor Arbiter war auch Importeur für Ludwig and Ludwig, vgl. Logos von Ludwig und Hayman. Nachdem auch die Gitarrennamen vertraglich geschützt waren, wählte Jim Burns Zahlenbezeichnungen für seine Instrumente: 1010, 2020, 3030 und 4040, 5050Sehr selten für die Bässe, 1010HMit ReAn Humbuckern, 2020H, 3030H, White Cloud, Modular, Comet, Perspex Hayman (an Semiakustikgitarren von Höfner beziehungsweise Framus erinnernde Form).
Auf vielfachen Kundenwunsch kehrte Burns zum klassischen Hals-Design aus erfolgreicheren Zeiten zurück. Heute sind die Haymans trotz Problemen mit der Abschirmung gerade wegen ihres Halses geschätzt. Beim Niedergang der Firma wurden die restlichen Teile als Do-it-yourself-Bausätze verkauft. Diese daraus gefertigten Gitarren sind heute als Hayman Bitzer bekannt. Nachfolger Shergold verwendete zu Beginn auch restliche Halbfabrikate von Hayman. Die Gitarren und das Schlagzeug wurden bis 1975 gefertigt (Free - George Hayman Logo, The Chris Barber Band - Hayman Logo, Endorser Mitch Mitchell).
Burns UK 1974 bis 1977/78