Das Massaker von Granada war ein Pogrom an Juden, das 1066 in Granada zur Zeit der Herrschaft der Ziriden im islamischen Herrschaftsgebiet von al-Andalus stattfand. Es gilt als erstes Pogrom auf europäischem Boden.Dass es sich um das erste Pogrom auf europäischem Boden handelt, hält Manfred Sing, assoziierter Forscher am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, für fragwürdig, „weil das Geschehen so in eine Kontinuitätslinie eingeordnet wird, in die es nicht gehört“: Am 30. Dezember stürmte eine muslimische Menschenmenge den Königspalast, kreuzigte den jüdischen Wesir Joseph ibn Naghrela, Sohn von Schmuel ha-Nagid, und massakrierte den Großteil der jüdischen Bevölkerung der Stadt. Spätere muslimische Chronisten setzten die Opferzahlen in die Tausende,Wilhelm Hoenerbach (Hrsg.): Islamische Geschichte Spaniens: Übersetzung der Aʻmāl al-a'lām und ergänzender Texte. Artemis, Zürich/Stuttgart 1970, S. 422. nach manchen Quellen sollen mehr als 1.500 jüdische Familien, rund 4.000 Personen, ermordet worden sein. Nach heutigem Forschungsstand könnten die in den Quellen genannten Zahlen überhöht sein.Brian A. Catlos: Accursed, Superior Men: Ethno-Religious Minorities and Politics in the Medieval Mediterranean. In: Comparative Studies in Society and History. 56, 2014, S. 844–869, hier: S. 850 f. (Fußnote 16); .
Bewertungen Der Rabbi Abraham ibn Daud (1110–1180) schrieb in seinem Geschichtswerk Sefer ha-Kabbalah über Joseph, dass er hochmütig wurde bis zu seiner Vernichtung; die Adligen der Berber wurden zunehmend eifersüchtig, bis er schließlich ermordet wurde.
Dem britischen Orientalisten Bernard Lewis zufolge wird das Massaker „im Allgemeinen als Reaktion der muslimischen Bevölkerung gegen einen mächtigen und prahlerischen jüdischen Wesir gesehen“.Bernard Lewis: The Jews of Islam. Princeton University Press, 1984, S. 54. Lewis schreibt:
Lewis stellt die These auf, dass solche Reden und Gewaltausbrüche wie in Granada von 1066 in der islamischen Geschichte selten seien.
Der amerikanische Historiker Walter Laqueur charakterisiert das Ereignis als Pogrom: „Die Juden konnten in der Regel keine öffentlichen Ämter einnehmen (wie gewöhnlich gab es Ausnahmen), und es gab gelegentlich Pogrome, wie das von Granada 1066.“Walter Laqueur: The Changing Face of Antisemitism: From Ancient Times to the Present Day. Oxford University Press, 2006, ISBN 0-19-530429-2, S. 68.
Der spanische Harvard-Professor Darío Fernández-Morera weist darauf hin, dass dem Pogrom noch mehr Juden zum Opfer fielen als in den bekannten christlichen Pogromen im Rheinland zum Auftakt des Ersten Kreuzzuges dreißig Jahre später.
Der amerikanische Religionswissenschaftler Brian A. Catlos widerspricht dagegen den modernen Historikern, die schnell von einem Pogrom und einem Wendepunkt in den muslimisch-jüdischen Beziehungen sprächen, dies treffe sicher nicht zu. „Yusuf und alle, die als seine Verbündeten galten, unter ihnen in der Tat viele unschuldige Juden, wurden nicht wegen ihrer Religion, sondern wegen ihres Verrats getötet.“Brian A. Catlos: al-Andalus. Geschichte des islamischen Spanien. Beck, München 2019, ISBN 978-3-406-74233-0, S. 233 f.
Auswirkungen Die jüdische Gemeinde von Granada erholte sich, bezüglich ihrer Anzahl an Mitgliedern, in den folgenden Jahren wieder, von den traumatischen Ereignissen. Sie wurde aber 1090 unter den Almoraviden unter Yusuf ibn Taschfin erneut angegriffen. Dieses Ereignis wird von manchen als das Ende des sogenannten „goldenen Zeitalters des Judentums“ auf der Iberischen Halbinsel angesehen.
Literatur André Clot: Das maurische Spanien: 800 Jahre islamische Hochkultur in Al Andalus. Albatros, Düsseldorf 2004, ISBN 3-491-96116-5, S. 198 f.
Thomas Freller: Granada. Königreich zwischen Orient und Okzident. Thorbecke, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0825-4, S. 33 f. Wilhelm Hoenerbach (Hrsg.): Islamische Geschichte Spaniens: Übersetzung der Aʻmāl al-a'lām und ergänzender Texte. Artemis, Zürich/Stuttgart 1970, S. 419–422. Arnold Hottinger: Die Mauren: arabische Kultur in Spanien. Reprint der 3. Auflage, Wilhelm Fink Verlag, München 2005, ISBN 3-7705-3075-6, S. 146–148.
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