Guy Gardner ist die fiktive Hauptfigur einer Reihe von Comicgeschichten, die der US-amerikanische Verlag DC-Comics seit den 1960er Jahren veröffentlicht, insbesondere einer eponymen Comicserie, die der Verlag von 1992 bis 1996 herausgab (Guy Gardner bzw. Guy Gardner Warrior).

Die Hauptfigur der Guy Gardner Geschichten ist eine parodistische Variation des Figurentyps des Superhelden: Ein ungebärdiger und rüpelhafter Mann, der unüblicher Weise nicht unter einem Decknamen, sondern unter seinem regulären Namen genretypische Abenteuer erlebt (Bekämpfung von Kriminellen aller Art, Reisen durchs Universum, Auseinandersetzungen mit anderen Superhelden oder Superschurken etc.). Die Hefte der Guy-Gardner-Reihe stellen eine Mischung aus Science-Fiction und Action, zumeist durchmischt mit satirisch-humoristischen Elementen dar.

Veröffentlichungen unter dem Titel „Guy Gardner“

Bei den unter dem Titel „Guy Gardner“ veröffentlichten Comics handelt es sich um eine sogenannte Spin-off-Reihe, das heißt um eine mediale Veröffentlichung, die als Ableger aus einer anderen älteren medialen Veröffentlichung hervorgegangen ist, wobei die neue Veröffentlichung jeweils ein bestimmtes Element, das in der älteren Veröffentlichung nur einer von vielen Aspekten war, die in dieser betrachtet wurden, zum Hauptgegenstand ihrer Betrachtungen erhebt (so stellen z. B. die Fernsehserien Frasier und Joey Spin-Offs der älteren Serien Cheers und Friends dar, indem sie jeweils die Erlebnisse einer bestimmten Einzelfigur, die in einer älteren Serie eine Nebenfigur bzw. eine von mehreren gleichrangigen Hauptfiguren war, in einer neuen Serie forterzählen, in der die bisherigen Nebenfigur die im Mittelpunkt der neuen Serie stehende Hauptfigur ist bzw. in der eine von mehreren Hauptfiguren zur alleinigen Hauptfigur aufrückt).

Im Falle der „Guy Gardner“-Comics handelt es sich bei der „Mutter-Reihe“, aus der diese hervorgegangen sind, um die seit den frühen 1960er Jahren von DC Comics verlegten Science-Fiction-Comics um den Superhelden Green Lantern, einem Weltraumpolizisten, der mit einem magischen Ring der grüne Konstrukte aus hartem Licht erzeugen kann, mit denen er Bedrohungen aller Art auf der Erde und an allen möglichen anderen Orten bekämpft.

Die Figur Guy Gardner trat seit den späten 1960er Jahren gelegentlich, und seit Mitte der 1980er Jahre regelmäßig, als Nebenfigur in den Comicserien Green Lantern und Tales of the Green Lantern Corps auf. Zeitweise war Guy Gardner sogar der Co-Star und die zweite Hauptfigur der Green Lantern Comics. Die erhebliche Popularität, die Guy Gardner schließlich in den ausgehenden 1980er Jahren und frühen 1990er Jahren bei den Lesern der „Green Lantern“-Comics genoss, bewog den DC-Verlag schließlich dazu, 1991 die Entscheidung zu fällen, der Figur eine eigene Serie zu widmen. Das heißt: Anstatt weiterhin als Nebenfigur in den Green Lantern Comics aufzutreten sollte Guy Gardner nach dem Willen der Verlagsleitung fortan im Mittelpunkt einer eigenen Serie stehen, die sich speziell um seine Abenteuer drehen sollte.

Im Frühjahr 1992 veröffentlichte DC als Testlauf, ob eine Guy-Gardner-Serie befriedigende Verkaufszahlen finden würde, die Miniserie Guy Gardner: Reborn. Diese war auf drei Ausgaben mit je 48 Seiten im Prestigeformat angelegt. Nachdem Guy Gardner: Reborn guten Absatz gefunden hatte, startete der Verlag im Oktober 1992 eine kurz Guy Gardner betitelte eigenständige Serie. Diese Serie erschien anschließend knapp vier Jahre lang, bis zum Juli 1996, im monatlichen Rhythmus und erreichte insgesamt 44 Ausgaben. Hinzu kommen drei Sonderausgaben: Die sogenannte „Nullnummer“ (Guy Gardner #0, 1994) sowie zwei sogenannte Annual-Hefte mit doppeltem Umfang (Guy Gardner Annual 1993 und Guy Gardner Annual 1995). Die Ausgaben #17 bis #44 führten den abgeänderten Cover-Titel Guy Gardner: Warrior. Die Einstellung der Serie erfolgte aufgrund von zuletzt schwächelnden Verkaufszahlen.

Autor der Miniserie Guy Gardner Reborn sowie der ersten acht Hefte der fortlaufenden Guy Gardner Serie war Gerard Jones. Anschließend wurde die Serie ein Jahr lang vom langjährigen Batman-Autor Chuck Dixon (#9-21) betreut und zuletzt zwei Jahre lang von Beau Smith (Ausgaben #22-44 und #0). Eine Fill-In-Ausgabe wurde zudem von Phil Jimenez verfasst (Ausgabe #35).

Die visuelle Gestaltung der Comics der fortlaufenden „Guy Gardner“-Serie wurde von wechselnden Zeichnern besorgt: Die meisten Hefte wurden von Joe Staton (Ausgaben #1-14 sowie Teil der Ausgabe #44 der fortlaufenden Serie), Mitch Byrd (Ausgaben #17-25 und #27-31) und Mark Campos (#33-34 sowie #36-39, #41-42 und #44). Als Gastzeichner wurden zudem einzelne Hefte von den Zeichnern Chris Hunter (#15), Mark Teney (#16), J.H. Williams III (#26) Joyce Chin (#32 und 35), Aaron Lopresti (#40) und Brad Gorby (#43) besorgt.

Die Figur Die ursprüngliche Version der Figur Guy Gardner wurde Ende der 1960er Jahre von dem US-amerikanischen Science-Fiction-Schriftsteller John Broome ersonnen: Broome hatte sich entschieden, eine neue Nebenfigur in die Comicserie Green Lantern, die er seit einigen Jahren als Hauptautor betreute, einzuführen, bei der es sich zur Abwechslung nicht um einen Schurken handelnd sollte, der den Helden der Serie, den Testpiloten Hal Jordan, der als Weltraumcop Green Lantern typische Superhelden-Abenteuer besteht, direkt bekämpfen sollte, sondern die als Rivale mit Jordan um den Anspruch, die Rolle der Green Lantern des Planeten Erde zu bekleiden, konkurrieren sollte.

Hal Jordan war ein für die 1960er Jahre typischer Sci-Fi-Superheld, der mit einer Gesichtsmaske getarnt und in einem grünen Kostüm parallel zu seinem Leben als Testpilot unter dem Decknamen Green Lantern Abenteuer auf der Erde und im Weltraum erlebte, wobei er als Waffe auf einen „magischen“ außerirdischen Ring zurückgriff, den ein sterbender Außerirdischer namens Abin Sur ihm geschenkt hatte, der es ihm ermöglicht, durch reine Willenskraft Konstrukte aus hartem grünen Licht zu schaffen, wie zum Beispiel Waffen (riesige Boxhandschuhe, Laserkanonen, Mausefallen etc.) oder Fahrzeuge (Autos, Raumschiffe etc.). In der Ausgabe #59 der Green Lantern Comics (März 1968) enthüllte Broome nun, das Abin Sur neben Hal Jordan auch einen Mann namens Guy Gardner als Kandidaten ins Auge gefasst hatte, dem er seinen Wunderring übergeben würde, der fortan als neue Figur in den Green Lantern Comics auftrat, wobei er sich beharrlich bemühte, zu beweisen, dass er eine tüchtigere Green Lantern als Jordan wäre, und es daher verdiene, dessen Ring zu erhalten und als Vertreter des intergalaktischen Green Lantern Corps – einer Art Weltraumpolizei, die sich aus weiteren Trägern der mächtigen grünen Ringe zusammensetzte, wobei jeder Ringträger für den Schutz eines „Weltraumsektors“ verantwortlich war – auf dem Planeten Erde zu fungieren.

Das Erscheinungsbild der neuen Figur Guy Gardner entwickelte der Zeichner Gil Kane, der damalige Stammzeichner der Green Lantern Comics. Das Erscheinungsbild von Guy Gardner war an das Aussehen des Fernsehschauspielers Martin Milner angelehnt. Der Name Guy Gardner beruhte auf dem Namen des mit Broome befreundeten Comicautors Gardner Fox sowie dem des prominenten „Fans“ Guy H. Lillian III.

Bis in die 1970er Jahre war Guy Gardner eine recht häufig in den Green Lantern Comics auftauchende Figur. Nachdem die Figur weitgehend in Vergessenheit geraten war, wurde sie in den 1980er Jahren von dem Autor Steve Engelhart generalüberholt, der ihr zusammen mit dem Zeichner Joe Staton ein stark gewandeltes Erscheinungsbild und eine distinktive neue Persönlichkeit verpasste: Während die Ur-Version der Figur noch ein recht typischer, konformistischer und kantenloser, Superheld gewesen war, war der „neue“ von Engelhart und Giordano geschaffene Gardner ein ausgesprochener „jerk“, der gezielt aneckte und allerlei unsympathische Charakterzüge in sich vereinigte: So wurde er als ein ausgesprochener Rüpel, Chauvinist und Über-Macho sowie Jingoist porträtiert, so dass er gemessen an den Normen der amerikanischen Superheldencomics eher als Antiheld denn als Superheld erscheint: So stellt Gardner in den meisten Comics der 1980er und 1990er Jahren, in denen er auftritt, ein ausgesprochen proletenhaftes Benehmen, schlechte Manieren, Protzgehabe, Neigung zu exzessiven Alkoholgenuss, eine nach außen gekehrte aufdringliche Libido, Rohheit im Umgang mit anderen Menschen (oder Aliens), Vergnügen an der Ausübung von physischer Gewalt und zum Sich-daneben-Benehmen, wobei aber letztlich durchschimmert, dass er trotz dieser anziehenden äußeren Defizite und Züge im Grunde ein „guter Kerl“ ist, der Gutes tun will. Äußerlich verpasste Staton Gardner als charakteristisches Markenzeichen eine „Pisspot“-Frisur, die seither das Markenzeichen der Figur ist.

Obschon sie Gardner als Figur vollständig umkrempelten, so beklagten Engelhardt und Staton später, erhielten sie keine Tantieme für die Verwendung der von ihnen geschaffenen Version der Figur, da der DC-Verlag sich auf den Standpunkt stellte, dass sie Gardner nicht originär geschaffen hatten, sondern dieser eine bereits seit 1968 existierende Figur sei. Engelhardt wandte hiergegen ein, dass wenn er und Staton, anstatt ihrer de facto-Neuschöpfung den bestehenden Namen Guy Gardner zu geben, einfach einen neuen Namen gegeben hätten, sie für ihre kreative Leistung bis in die Gegenwart beständig Tantieme aufgrund der Verwendung ihrer Gedankenschöpfung erhalten würden.

Die von Engelhardt und Staton entwickelte Version der „Guy Gardner“-Figur wurde von den späten 1980er Jahren bis Mitte der 1990er Jahre, außer in den diverse Green Lantern-Comics, hauptsächlich in der Team-Serie Justice League International – in der Guy Gardner zu einem ganzen Ensemble von Superhelden, die gemeinsam als „Gerechtigkeitsliga“ besonders gefährliche Bedrohungen bekämpfen, gehört – sowie ab 1992 zugleich in seiner eigenen Serie Guy Gardner weiterentwickelt. Federführend waren dabei der langjährig Autor der Justice League-Comics Keith Giffen sowie der Green Lantern- und Guy Gardner-Autor Gerald Jones.

In den 2000er Jahren hat der Autor Geoff Johns Gardner, nachdem dieser allerlei (meist kurzweilige) Wandlungen durchlaufen hatte, wieder zu seinen Wurzeln zurückgeführt.

Fiktive Biografie In den ersten Geschichten der Green Lantern-Serie, in der Gardner auftritt, erscheint er als ein freundlicher und sympathischer jüngerer Mann mit dem die Hauptfigur der Green Lantern Comics, Hal Jordan sich anfreundet, nachdem er erfahren hat, dass Gardner von dem eine Art Unterbewusstsein besitzenden Green Lantern-Ring, den der Außerirdische Abin Sur ihm geschenkt hat, als sein Ersatzmann als Green Lantern der Erde (und des Weltraumsektors, in dem diese sich befindet) ausgesucht worden ist, für den Fall, dass er (Jordan) einmal ausfallen sollte. In dieser Weise tauchte er in den 1970er Jahren immer wieder mal als Nebencharakter in den Green Lantern Comics auf, der Hal Jordan bei seinen Abenteuern helfend zur Seite steht.

In den Green Lantern-Comics der 1980er Jahre wurde Gardner dann einer umfassenden Neucharakterisierung unterzogen: Anstatt als netter Sonnyboy erscheint er hier als unbequemer Zeitgenosse, der in ständiger Rivalität mit Hal Jordan steht und ihm bei jeder Gelegenheit das Leben schwer macht. Knapp zehn Jahre lang versucht Gardner in den Green-Lantern-Geschichten der frühen 1980er bis frühen 1990er Jahren dann Hal Jordan unablässig zu übertrumpfen und zu beweisen, dass er eine viel bessere und effektivere Green Lantern als dieser ist.