mini|Maximilian zu Wied-Neuwied rahmenlos|zentriert|klasse=skin-invert-image Maximilian Alexander Philipp Prinz zu Wied-Neuwied (* 23. September 1782 in Neuwied; † 3. Februar 1867 ebenda; auch Maximilian zu Wied, Max zu Wied oder Maximilian von Wied zu Neuwied; selbstgewähltes Pseudonym auf Reisen: Baron von Braunsberg) war ein deutscher Forschungsreisender, Ethnologe, Zoologe und Naturforscher. Nach dem Vorbild Alexander von Humboldts unternahm er zwei mehrjährige Expeditionen nach Amerika. Durch deren Auswertung in zahlreichen Publikationen trug er Wesentliches zur Botanik, Zoologie und Ethnologie Brasiliens und Nordamerikas bei. Die Universität Jena verlieh ihm 1858 die Ehrendoktorwürde. Mehr als 50 wissenschaftliche Gattungs- und Artenbezeichnungen tragen seinen Namen und erinnern an seine Forschungen. Sein botanisches Autorenkürzel lautet „“
Leben und Werk Lebenslauf mini|Denkmal für Maximilian zu Wied-Neuwied, den Maler Karl Bodmer und den Indianerhäuptling Mató-Tópe vor dem Schlosstheater in Neuwied, gestiftet 1985 von Friedrich Wilhelm Fürst zu Wied. Das Schlosstheater war ursprünglich das Neue Schloss, in dem sich das Arbeitszimmer von Maximilian befand. mini|Göttingen, Erinnerungstafel für das frühere Prinzenhaus und seine bekannten Gäste mini|Denkmal für Maximilian zu Wied-Neuwied in Mount Vernon Gardens, Omaha, Nebraska, Vereinigte Staaten Maximilian zu Wied-Neuwied war das achte von zehn Kindern des Erbgrafen Friedrich Carl zu Wied-Neuwied (1741–1809) und dessen Ehefrau Louise, geborene Gräfin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1747–1823).
Christian Friedrich Hoffmann, ein Ingenieurleutnant, unterrichtete ihn vor allem in Naturkunde und Archäologie, verbrachte mit ihm viel Zeit in den umliegenden Wäldern, begleitete ihn bei der Jagd und leitete ihn an, Pflanzen zu sammeln.
Maximilian zu Wied-Neuwied wurde am 8. Oktober 1801 als Premierleutnant dem Regiment der Garde der Preußischen Armee aggregiert. Wegen seines großen Interesses am Soldatenberuf kam er am 5. Februar 1803 als jüngster Stabskapitän in das Regiment des Königs. Während des Vierten Koalitionskrieges nahm er an der Schlacht bei Jena und Auerstedt teil und geriet am 28. Oktober 1806 bei Prenzlau in der Uckermark in französische Gefangenschaft, aus der er aber nach wenigen Tagen entlassen wurde. Am 31. März 1808 bekam er seinen Abschied als Major und die Erlaubnis, seine alte Armeeuniform zu tragen.
Anschließend widmete er sich zu Hause dem Selbststudium der Geographie, Naturgeschichte und Völkerkunde. Außerdem führte er Briefwechsel mit Alexander von Humboldt und anderen Naturwissenschaftlern sowie mit gelehrten Gesellschaften und Institutionen. Er war im Wintersemester 1811/12 an der Georg-August-Universität Göttingen immatrikuliert, wohnte bei Dietrich in der Prinzenstraße und hörte Vorlesungen von Johann Friedrich Blumenbach. Weitere Universitätsstudien lassen sich nicht nachweisen.
Mit dem Beginn der Befreiungskriege kehrte er am 16. Dezember 1813 als Major in die Armee zurück und wurde dem Brandenburgischen Husaren-Regiment aggregiert. Er nahm 1813/14 an den Kämpfen bei Chalons, Chateau Thierry, La Fère und St.-Martin teil und war im März 1814 beim siegreichen Einzug der Alliierten in Paris dabei. Nach dem Frieden von Paris bat er um seinen Urlaub für eine Expedition nach Brasilien, dieser wurde ihm am 20. Januar 1815 bewilligt.
In den Jahren 1815 bis 1817 führte er seine Expedition nach Brasilien durch.Anita Hermannstädter (Red.): Deutsche am Amazonas – Forscher oder Abenteurer? Expeditionen in Brasilien 1800 bis 1914 (= Veröffentlichungen des Ethnologischen Museums Berlin. Neue Folge, Bd. 71) Begleitbuch zur Ausstellung im Ethnologischen Museum, Berlin-Dahlem in Zusammenarbeit mit dem Brasilianischen Kulturinstitut in Deutschland (ICBRA). Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Berlin 2002. Er dokumentierte die Flora, Fauna und die indigene Bevölkerung, insbesondere den Stamm der Botokuden. Die Ergebnisse dieser Expedition veröffentlichte er 1820/21 unter dem Titel Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817. Am 5. Februar 1817 bekam er seinen erneuten Abschied und die Genehmigung, seine Armeeuniform zu tragen, am 17. Juni 1824 wurde ihm das Tragen der Uniform des 3. Husaren-Regiments genehmigt.
Von nun an widmete er sich ganz seinen naturkundlichen Studien. In den 1820er Jahren beschäftigte er sich in besonderer Weise mit Labrador, Nordamerika, Russisch-Asien und der Steppe Kirgisiens und entschied sich dann für eine weitere Expedition nach Nordamerika.
Diese Expedition nach Nordamerika in Begleitung des Schweizer Malers Karl Bodmer und des fürstlichen Jägers und Präparators David Dreidoppel unternahm er von 1832 bis 1834.Wolfgang Büscher: Hartland. Zu Fuß durch Amerika. Rowohlt Berlin, Berlin 2011, ISBN 978-3-87134-685-9, S. 47–58. Die Ergebnisse dieser Expedition veröffentlichte er zwischen 1837 und 1842 in seinem Werk Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834.
Seine bei den Expeditionen angelegte und durch Tausch oder Ankauf erweiterte Sammlung stellte er in der ehemaligen Fasanerie im Park der fürstlichen Residenz in Neuwied aus.
Als der Prinz im Herbst 1840 zur Huldigung des Königs Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin kam, verlieh ihm der König auch den Charakter eines Generalmajors mit folgendem Schreiben: „Ew. Liebden letzte Anwesenheit in Berlin hat Mir die Auszeichnung in Erinnerung gebracht, mit welcher Sie in einer hochwichtigen Zeit die Unabhängigkeit der Throne und Völker in der Armee Meines hochseligen Vaters verteidigen halfen. Wenngleich Sie die militärische Laufbahn verlassen haben, so gereicht es Mir doch zum besonderen Vergnügen, Ihnen zum Andenken an die Leistungen einer früheren Zeit den Charakter als Generalmajor beizulegen. Ich wünsche Sie in dieser Eigenschaft recht oft zu sehen, um Ihnen den Ausdruck Meiner achtungsvollen und wohlwollenden Gesinnung zu erneuern.“
Im Jahr 1842 nahm er Zeichenunterricht bei dem Düsseldorfer Maler Lorenz Clasen, nachdem sein bisheriger Zeichenlehrer August Adolf Chauvin nach Belgien ausgewandert war.
Am 3. Februar 1867 starb Maximilian zu Wied-Neuwied an einer Lungenentzündung. Er wurde im Familiengrab der Fürsten zu Wied beigesetzt.
Erste Expedition in die Schweiz Inspiriert durch einen Reisebericht des Arztes und Naturforschers Johann Gottfried Ebel entschloss sich der Prinz zu einer Forschungsreise in die Schweiz. Am 3. Juni 1808 reiste er nach Heidelberg. Dort traf er seine Begleiter Carl Keßler, Graf Heinrich LX. Reuß und den Rittmeister Lorenz von Reichenbach. Am 22. Juni trafen sie in Zürich ein und besuchten dort verschiedene Naturaliensammlungen. Maximilian begegnete dem Arzt und Ornithologen Heinrich Rudolf Schinz, mit dem er sich intensiv austauschte. Die Expedition durch die Schweiz ging von Luzern in die Kantone Uri, Unterwalden, Graubünden, Glarus, Schwyz und über die Rigi wieder zurück. Ende Juli erreichte die Reisegesellschaft das Tessin und nach Schiffstouren auf verschiedenen Seen ging es weiter über Chiasso nach Mailand. In Pavia erfolgte ein Besuch des Naturalienkabinetts des Lazzaro Spalanzani „das jetzt nach dem von Paris in der Classe der Säugethiere das vollständigste seyn soll...“
Anschließend wurde am 4. August die Reise mit Postkutsche und zu Fuß nach Voghera und Genua fortgesetzt. Über den Simplonpass erreichte die Gruppe den Kanton Wallis. Danach wurde unter der Führung des Bergsteigers Jacques Balmat, Erstbesteiger des Mont Blanc 1786, der Col de Balme überwunden und Chamonix erreicht. Auf der Rückreise besuchte die Reisegruppe noch das Erziehungsinstitut des Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi. Letzte Station der Expedition war Basel, dort wurden die Universitätsbibliothek, das Grab des Erasmus von Rotterdam und die Sammlung des Kupferstechers Christian von Mechel besichtigt. Am 11. September erreichten Maximilian und sein Bruder Carl mit einem Schiff Neuwied. 1841 und 1858 reisten beide nochmals in die Schweiz, wobei die letzte Reise wegen einer Erkrankung Maximilians abgebrochen wurde.Lieselotte Sauer-Kaulbach: Das Debüt eines Forschungsreisenden. In: Rhein-Zeitung, Ausgabe Neuwied 25. Juli 2017, S. 16, und ebd., 28. Juli 2017, S. 12
Die Expedition nach Brasilien 1815–1817 Die erste Expedition führte ihn 1815–1817 nach Brasilien, wohin Alexander von Humboldt nicht reisen durfte. In Brasilien hatte Wied Gelegenheit, sechs Stämme von Indianern zu besuchen: Botokuden, Canacán, Coroados, Coropos, Pataxó und Puri.
Insbesondere interessierte sich Wied für die dortige Vogelwelt und legte eine entsprechende Sammlung an. Zurück in Deutschland beschrieb er zahlreiche Arten erstmals für die Wissenschaft. Nicht nur von Goethe wurden seine eindrucksvollen Schilderungen der Natur Brasiliens wahrgenommen. Diese Sammlung gelangte dann zum größten Teil an das American Museum of Natural History und das Museum Wiesbaden.Hoffmann D., Geller-Grimm F. (2013): A catalog of bird specimens associated with Prince Maximilian of Wied-Neuwied and potential type material in the natural history collection in Wiesbaden. In: ZooKeys. 353. S. 81–93 pensoft.net (PDF; 7,3 MB).
Auf einem Teilstück der Brasilien-Expedition wurde er 1815–1817 von dem Pflanzenjäger Friedrich Sello und dem Vogelkundler Georg Wilhelm Freyreiss begleitet.
mini|Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied mit Joachim Quäck auf der Jagd im brasilianischen Urwald, gemalt von Johann Heinrich Richter
Maximilian und der Botokude Quäck
Der Botokude-IndianerDie heutigen Bezeichnungen der Botokuden lauten Krenak (in Portugiesisch: Crenaques) oder Borun. Joachim Quäck (Quäck = portugiesisch: Kuêk, ursprünglich: Nuguäck oder Nukuêk) (geb. 1804Nach den Erzählungen der Indianer wurde Borum Kuêk 1804 geboren (g1.globo.com, portugiesisch) im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais in Brasilien; gest. 1. Juni 1834 in Neuwied) traf 1817 als Minderjähriger Maximilian zu Wied-Neuwied in Brasilien, der 1817 während seiner Expedition nach Brasilien drei Monate lang im Gebiet zwischen Rio Doce und Rio do Prado das Leben der Botokuden beobachtete und erforschte. Quäck wurde für Maximilian zum einheimischen Reisebegleiter, der ihm das für seine Forschungen notwendige Hintergrundwissen vermittelte. Maximilian ließ ihn nach Europa nachkommen. Am 12. Februar 1818 kam Quäck in Neuwied an. Dort arbeitete er für Maximilian als dessen persönlicher Kammerdiener. Quäck starb im Alter von 30 Jahren am 1. Juni 1834 an einer Leberentzündung und wurde am 3. Juni 1834 (vermutlich auf dem Alten Friedhof von Neuwied) katholisch beerdigt.
Quäcks Schädel wurde nach seinem Tod obduziert und gelangte anschließend in die Abteilung Schädel fremder Raçen der Anthropologischen Sammlung des Anatomischen Museums der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Ende September 2010 fragte eine Vertreterin der brasilianischen Stadt Jequitinhonha nach, ob das Anatomische Institut der Universität Bonn den Schädel der Stadt Jequitinhonha überlassen könnte. Man wolle ihn den Nachfahren vom Stamme der Krenak übergeben – als Zeichen der Versöhnung der dortigen europäisch-stämmigen Bevölkerung an die Adresse der ursprünglichen amerindischen Einwohner. Die Rückführung gelang mit Hilfe des Auswärtigen Amtes. Am 15. Mai 2011 wurde Quäcks Schädel in einer feierlichen Zeremonie den Angehörigen seines Stammes im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais von Karl Schilling, dem Geschäftsführenden Direktor des Anatomischen Instituts der Universität Bonn, im Rahmen der Feier zum 200-jährigen Bestehen der Stadt Jequitinhonha übergeben. Die beiden Städte Neuwied in Deutschland und Jequitinhonha in Brasilien haben durch Quäck eine gemeinsame Geschichte und streben deshalb eine Städtepartnerschaft mit Jugendaustausch an.Brasilienexkursion auf den Spuren von Maximilian und dem Botokuden Quäck (aufgerufen am 17. Februar 2016)
Das Werk „Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834“